Varusschlacht Spezial

oder 'Auf den Spuren der Römer und Germanen'

Großes SPECIAL zum 2000jährigen Gedenken an die Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr.  als der germanische Fürstensohn Arminius die Römer aus Germanien vertrieb.

Viele Römermuseen haben sich zu diesem Ereignis sehr interessante Ausstellungen einfallen lassen.

 Für mich als Antikefan, zählt auch das zu meinen Favoriten:

 Viel Spaß beim Stöbern bzw. auf

'DER REISE IN DIE VERGANGENHEIT'

(siehe links die Unterrubriken)

Überdimensionale Römermaske zum Fund in Kalkriese, Römisches Museum in Kalkriese
Überdimensionale Römermaske zum Fund in Kalkriese, Römisches Museum in Kalkriese

 

Kurze Info zur Varusschlacht im Jahr 9 n. Chr.:

 

Im Jahr 9 n.Chr. gelang es den Germanen unter der Führung von 'Arminius' dem Sohn des Cheruskerfürsten Segimer, die Römer aus Germanien zu vertreiben. Das römische Reich beherrschte damals noch Kaiser Augustus (63 v. - 14 n. Chr.) - unter dem Begriff Germanen, wurden alle Völker zusammengefaßt, die jenseits der rechten Rheinseite lebten und das waren Hunderte. Den Namen gab ihnen schon Julius Caesar (100 - 44 v. Chr.).

 

Arminius' wirklicher Name ist heute nur noch schwer nachweisbar, nur dass er (wird angenommen wurde aber nie nachgewiesen) als Geisel in Rom aufwuchs, (um Stammesfürsten von Aufständen abzuhalten, nahmen die Römer oft deren Kinder als Geiseln) wahrscheinlich einen römischen Namen annahm bzw. sein Name abgeändert wurde, um nicht als Barbar angesehen zu werden (sämtliche germanische Stämme waren für die Römer damals 'Barbaren') und dass das Hermanns-Denkmal am Rande des Teutoburger Waldes bei Detmold ihm gewidmet ist, obwohl er mit Sicherheit nicht 'Hermann' hieß.

Martin Luther war es, der ihm später den 'guten deutschen' Namen 'Hermann' gab, was von der Bezeichnung 'Heermann - Mann des Heeres' herkommen könnte.


Ob nun in Rom als Geisel aufgewachsen oder nicht - Arminius diente in der römischen Armee und wurde dort  zum Krieger bzw. Offizier ausgebildet. Man geht davon aus, dass er in Rom aufwuchs, weil er zeitgenössischen Chronisten zufolge sehr gut Lateinisch sprach und die Römer ihm vertrauten wie Ihresgleichen und ihn sehr schnell zum Ritter erhoben. Zunächst war er wohl auch recht 'romfreundlich', diente in der römischen Armee und zog mit dieser auch schließlich ins germanische Reich ein. Er wußte zwar, dass die Römer vorhatten sein eigenes Volk zu erobern, doch viele der damaligen germanischen Stämme waren ebenso romfreundlich gestimmt. Schon seit etwa 15/16 v. Chr. rückten die Römer beständig ins germanische Reich vor, lieferten sich auch mehr oder weniger erfolgreiche Schlachten mit den verschiedenen Stämmen, aus denen meist die Römer siegreich hervorgingen, aber erobert hatten sie das riesige, unübersichtliche Germanien mit seinen endlosen Wäldern, Mooren und seltsamen Bewohnern noch lange nicht. Sie waren gerade mal bis zur Elbe gekommen und begannen erste Städte im Inland zu gründen, wie z.B. Waldgirmes. Noch wurden die Römer von den Germanen mehr geduldet, als akzeptiert. Aber schließlich brachten diese Fremdlinge viele interessante und moderne Erfindungen mit sich und die Germanen betrieben einen florierenden Tauschhandel mit ihnen. Allerdings gab es auch reichlich Schattenseiten, wie z.B. das Eintreiben von Tributen und Steuern (die meisten Germanen waren arme Bauern, die sowieso kaum etwas hatten), sowie grausame Strafen oder Hinrichtungen (Kreuzigungen), was die Germanen in dieser Form nicht kannten und auch nicht akzeptierten.

 

Der damalige Oberbefehlshaber, bzw. römische Statthalter 'Publius Quinctilius Varus' war bekannt dafür, seine Gesetze und Befehle auf brutale Art schnell durchzusetzen. Arminius muß irgendwann mit Entsetzen erkannt haben, wem er eigentlich diente - sehr wahrscheinlich wurde er dafür auch von seinen Mitbürgern verachtet. Relativ zügig wandte er sich heimlich gegen Varus, er fing sozusagen an eine Art Doppelleben zu führen und heimlich hinter Varus' Rücken die Germanen zu einem schlagkräftigen Heer zu vereinen, während er den Römern weiterhin den treuen Offizier vorspielte. Sie bemerkten nichts, fühlten sich weiterhin mächtig und den Germanen weit überlegen und das Glück war soweit auf Arminius' Seite, dass ihn aus seinen eigenen Reihen auch niemand verriet - gefährlich wurde ihm nur sein eigener Schwiegervater Segestes, der Varus irgendwann warnte, Arminius  plane einen Aufstand. Segestes hasste Arminius, war nicht damit einverstanden, dass dieser seine Tochter Thusnelda liebte und schließlich ohne um ihre Hand anzuhalten, einfach heiratete - aber Varus wußte von diesem Familienzwist und da er dachte Segestes wolle seinem Schwiegersohn eins auswischen glaubte er ihm nicht, und vertraute Arminius gänzlich weiterhin. 

 

Von den tumben, aber starken Germanenkriegern mit Flügelhelmen, wie sie in Legenden so gerne dargestellt werden, kann hier keine Rede mehr sein. Im Gegenteil, zeitgenössische römische Chronisten selbst bezeichneten sie als 'schlau und verschlagen' bzw. auch 'verlogen'. Da die Germanen wußten, dass sie in offenen Feldschlachten keine Chance gegen die Römer hatten, griffen sie schließlich nur noch guerillaartig aus dem Hinterhalt an und zogen sich bis zum nächsten Schlag wieder in die Wälder zurück...so ähnlich plante es nun auch Arminius. Aber wenn man die damaligen Entfernungen und Gefahren eines Verrates bedenkt, vor allem bei so einer Großaktion an der mehrere tausend Krieger teilnehmen, sowie verschiedene Stämme unter einen Hut gebracht werden mußten, war das eine Meisterleistung des erst 26jährigen Arminius.

Da er die römischen Legionen und ihre Techniken genauestens kannte, sowie mit Rang und Namen ausgestattet und unter ihnen hochangesehen war, dürfte letztendlich auch für die anderen Stammesfürsten der Germanen ein überzeugendes Argument gewesen sein, ihn zum Anführer zu wählen. 

 

Wahrscheinlich (man weiß es noch immer nicht genau) auf dem Weg der Legionen aus ihrem Sommerlager an der Weser in's Winterlager Vetera bei Xanten am Niederrhein im Jahr 9 n. Chr.,  führte Arminius die drei Legionen mit insgesamt 25.000 Mann des Varus in einen ausgeklügelten und schrecklichen Hinterhalt; durch unwegsames und sumpfiges Gelände bei Kalkriese in der Nähe des Teutoburger Waldes (oder Wiehengebirges), mußten sich die Reihen der Soldaten auflösen, um die schmalen Passagen zu bewältigen. In schlammigem Gelände kamen sie nur noch schwer vorwärts. Die Legionen erstreckten sich schließlich in einer langen Reihe wie eine Schlange auf eine Länge von 30 Kilometern, es gab kein Zurück mehr und in den Wäldern, hinter Wällen und auf Bäumen, warteten die kriegsbereiten Germanen auf sie. Die germanischen Krieger greifen an und sind den Römern in dem unwegsamen Gelände durch den Heimvorteil weit überlegen.
Vier Tage und drei Nächte dauerte die grausame Schlacht und schließlich blieb von den 25.000 Römern, und den zusätzlichen etwa 8000 Zivilisten, die das Heer begleiteten, kaum einer übrig der entkommen konnte. Drei ganze Legionen, die 17., 18., und 19. Legion wurden vollends vernichtet und auch nie wieder ersetzt. Anführer Varus selbst beging Selbstmord, Arminius wurde von den Germanen als Held gefeiert und wurde zunächst zu ihrem Anführer.

Der römische Chronist Tacitus schrieb: 'Arminius war wahrhaftig der Befreier der Germanen'. Doch für Arminius selbst verlief das weitere Leben wahrscheinlich auch nicht so wie er es sich vorstellte;

Wie es  vier Jahrhunderte später noch die Britannier erleben sollten, so erfuhren hier schon die Germanen, dass der Rückzug der Römer nicht unbedingt nur Vorteile mit sich brachte:  Ein gerade neu aufgebautes aber doch in gewisser Weise auch angenehmes System brach zusammen: Handel, Infrastruktur, Wohlstand und Luxus - und die Germanen fanden sich plötzlich in ihren primitven Weilern und Bauernhöfen wieder, unfähig das System der Römer aufrecht zu erhalten, so dass sich die Stämme untereinander zunehmend zerstritten. Römerfeindliche gegen römerfreundliche Germanen traten gegeneinander an, als es von außen keinen Feind mehr gab. Auch wollte kein Stammesführer seine neu erworbene Macht mehr an einen 'Oberführer, bzw. Großkönig' abgeben.

Aber genau das strebte Arminius wohl an, vielleicht wollte er Großkönig werden und das nahmen ihm seine Landsleute übel. Etwa zwölf Jahre nach dem spektakulären Sieg über die Römer, wurde Arminius wahrscheinlich von seinen eigenen Leuten vergiftet.

Den Römern gelang es allerdings nie wieder, in Germanien Fuß zu fassen, sie zogen sich wieder auf die linke Rheinseite zurück, ja sie bauten sogar noch ein Bollwerk namens 'Limes' um ihre Grenzen zu schützen, da die Germanen nun wußten, welche Reichtümer sie bei den Römern erbeuten konnten und nun ihrerseits  immer wieder ins damalige römisch besetzte  'Gallien' (Frankreich) einfielen, raubten, plünderten und brandschatzten.

 

Die Schlachten mit den Römern waren also noch lange nicht vorbei. Allein Arminius bestritt noch drei große Schlachten gegen die Römer mit dem neuen Feldherrn 'Germanicus' an der Spitze, der fest entschlossen war, die drei verlorenen Legionen zu rächen. Doch auch er versagte letztendlich, machte mehr Verlust als Gewinn und wurde vom neuen Kaiser Tiberius schließlich aus Germanien abgezogen.

 

Arminius und die Varusschlacht, gerieten die nächsten Jahrhunderte ersteinmal in Vergessenheit, bzw. er lebte wahrscheinlich in mündlich überlieferten Legenden weiter (siehe 'Siegfried und die Nibelungen - wie war es wirklich?'), bis man im 15. Jahrhundert in einem Kloster die Chroniken des römischen Schreibers 'Tacitus' fand, in denen er die gesamte Varusschlacht und auch Arminius und Varus beschrieb.

Von da an wurde Arminius (alias Hermann) als 'neuer alter Held' der Germanen (und heutigen Deutschen) gefeiert. Später vermuteten Historiker in der uralten Sage um den Drachentöter Siegfried, die historische Figur des Arminius, denn im Altertum gab es meist immer lebende Vorbilder für die Geschichten der damaligen Autoren. Tatsächlich entdeckte man schon im 9. Jahrhundert Spuren in Island, über einen 'Sigurd, der den Drachen tötete', und im 12. Jahrhundert nahm sich ein Unbekannter, wahrscheinlich ein Mönch der bis dahin mündlich überlieferten Heldensage an und machte daraus die uns heute bekannte Geschichte um 'Siegfried und der Schatz des Nibelungen'.

 

 

 

Hermannsdenkmal bei Detmold
Hermannsdenkmal bei Detmold

 

Quellen:

 

Arminius - Der Cherusker  (Auszug aus 'Der römisch-germanische Krieg 9 - 16 n. Chr.' von Ralph G. Jahn (Bonn 2001) - Sehr ausführliche Biografie des Arminius

 

Außerdem:

 

Terra-X - 'Große Mythen' - Der Nibelungencode (DVD vom ZDF)

Die Nibelungen - Mythos - Epos - Wirklichkeit (Arte) (DVD)

Mystica - 'Die großen Rätsel der Menschheit' (DVD)

Germanica - 'Unsere Vorfahren' (DVD)

Kampf um Germanien - (DVD)

Die Varusschlacht - Christian Pantle

'Deutsche Heldensagen' - Dörfler-Verlag