Heinrich Heine & Düsseldorf

Versteht sich von selbst, dass ich meiner Lieblingsstadt und  ehemaligen Wahlheimat, sowie meinem Lieblingsdichter, der dort geboren wurde, auch eine Seite bzw. Rubrik hier schulde...         

 

 

Heinrich Heine Büste im Heinrich Heine - Institut Düsseldorf
Heinrich Heine Büste im Heinrich Heine - Institut Düsseldorf

 

15 Jahre meines Lebens habe ich dort verbracht und der Abschied fiel mehr als schwer, doch sie liegt ja irgendwie noch 'um die Ecke', so dass man Gelegenheit hat öfter mal vorbei zu schauen (was aber doch nur bewirkt, dass man wieder wehmütig wird).

 

 

Wie praktisch, dass dort auch mein Lieblingsdichter zu Hause war, so kann ich gleich beide auf einer Seite verbinden. Aber durch Düsseldorf bin ich wohl erst auf Heinrich Heine gekommen, wer weiß wie es gewesen wäre, hätte ich nie dort gelebt...

 

Heinrich Heine wurde am 13. Dezember 1797  in diesem Haus, in der Bolkerstraße 53 geboren. Links ein Foto aus dem 19. Jahrhundert und rechts ein aktuelles Bild. Lange befand sich in der unteren Etage eine Kneipe, mit dem Namen 'Heines Bierakademie' mit zwar etwas heruntergekommenem Ambiente, aber durchaus gemütlicher, typisch Düsseldorfer Altstadt-Atmosphäre - und sie war sogar eine zeitlang mein/unsere Stammkneipe.

 

 

 

Dabei wußte ich noch nicht einmal in wessen Haus ich hier mein Alt schlürfte, sondern starrte immer nur fasziniert auf das Foto einer Marmorbüste an der Wand und fragte mich wer diese Person mit dem wunderschönen, melancholischen Gesichtsausdruck wohl sein mochte, bzw. gewesen war. (Für Dichter interessierte ich mich damals noch nicht..) und warum 'Heines Bierakademie' so hieß, war mir auch nicht ganz klar, hieß halt so...

 

 

 

Doch dann nahte Heines 200jähriges Geburtstagsfest und die Stadt Düsseldorf, die ihren Dichter bis dahin so ziemlich vernachlässigt hatte, mußte sich richtig ins Zeug legen um diese Schuld wieder gutzumachen und nicht noch die Schmach zu erleben, dass ihr andere Städte, z.B. Hamburg oder Paris, wo er sich ja bekanntlich auch lange aufhielt, das Zepter aus der Hand nahmen und die Ehrenfeier selbst inszenierten - Interesse daran wurde nämlich bereits kund getan...!! Düsseldorf durfte schließlich feiern und Paris erhielt als Ausgleich für einige Monate den gesamten Inhalt der Glasvitrinen aus dem Heine Institut, für eine Ausstellung in der Bibliothèque Nationale de Paris.


Da war wohl so mancher Besucher enttäuscht, als er statt Heines Hinterlassenschaften, Vitrinen voller Kunstwerke von Schulklassen zum Thema sah...aber man drückte da ja gern ein Auge zu, schließlich hat er in Paris sein Glück gefunden und vor allem eine Heimat, die ihm Deutschland ja nicht mehr gewähren wollte...!

 

 

 

Ersatz dafür bot dann die Kunsthalle mit einer besonders lebendigen Extraausstellung.

 

 

 

Zitat aus der RP vom 15. Februar 1997: ' "Heine entdecken, Düsseldorf erleben" - dieser Aufforderung nachzukommen, ist gar nicht so einfach. Deine Spuren im heutigen Düsseldorf sind spärlich. Mal verborgen, mal verwischt. Man braucht Geduld, Gespür, Phantasie - und Deine zahlreichen literarischen Wegweiser.'

 

 


 

Z.B. auch dieses begehbare 'Heine-Monument' von Bert Gerresheim - seine Totenmaske, zumindest soll es sie wohl darstellen...aber das ist wohl wirklich schon eine Frage der Geschmackssache - dem Dichter, der Zeit seines Lebens doch recht eitel war, würde das gewiß nicht gefallen und noch weniger, dass man nun auf ihm herumklettern darf...

 

 

 

Dabei ließ Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sissi), ebenfalls große Bewunderin des Dichters, bereits zur 100jährigen Feier seines Geburtstages zwei wunderschöne Denkmäler anfertigen! Der sitzende, leidende Dichter stand im Garten ihres Besitzes auf Korfu - heute befindet es sich im Mistral-Park in Toulon, und der Loreley-Brunnen, als Geschenk an die Stadt Düsseldorf gedacht - befindet sich in einem kleinen Park in New York.

 

 

 

Heute kaum wiederzuerkennen, die 'Arche Noä' das Haus in der Mertensgasse Nr.1, wo Heines Onkel Simon van Geldern wohnte und auf dessen Dachboden der kleine 'Harry' gerne herumstöberte...

 

 

 

Restaurants, Apotheken, Büchereien, ganze Straßen und schließlich sogar die Universität bekamen seinen Namen - außerdem gibt es in der Kö-Galerie einen in den Boden eingelassenen Stern mit seinem Namen...

 

 

Ich selbst entdeckte meine Liebe zu dem Dichter und seinen Gedichten erst durch einen Zeitungsartikel zum Thema des 200jährigen Geburtstages. Ich erkannte die Marmorbüste wieder, die mich vor inzwischen längerer Zeit einst so ansprach und der Groschen fiel; 'DAS IST JA HEINRICH HEINE' schoß es mir durch den Kopf und ich machte mich schnell auf, die inzwischen schon länger nicht mehr besuchte Altstadt zu besuchen und stellte fest, dass es die gute alte 'Heines Bierakademie' nicht mehr gab.

 


   

Das ganze Haus erstrahlte in neuem Glanz, außen wie innen und man hatte es in den seltsamen Namen 'Schnabelewopski' umgetauft! Den meisten Düsseldorfern gefiel das nicht wirklich, aber man fand sich damit ab. Vorbei die lauten Zeiten der polterigen Altbier -Trinker und Gäste in Dauerfeierlaune; hier war es jetzt vornehm geworden; feines Ambiente, feine Speisekarte und statt Alt trank man jetzt Wein. Außerdem sollte es zu bestimmten Zeiten Vorlesungen aus Heine-Schriften geben... 

 


Aber Düsseldorf wollte ja feiern und zwar ein ganzes Jahr lang...

 

 

 

Das große 'Heinrich-Heine-Paket' wurde geschnürt...

 

 

 

 

Damit man sich eine Vorstellung von der Größe machen kann...;-)

 

 

Flaggen wehten überall das ganze Jahr, es gab ständig irgendwelche Lesungen und der Höhepunkt der Feierlichkeiten sollte dann im Sommer und zwar am 05. und 06. Juli '97 erreicht werden, dann nämlich gab es ein großes Fest mit vielen Aufführungen und Stationen aus Heines Leben. Sogar das Fernsehen war dabei...und wenn man Heine gerade entdeckt hatte, so wie ich, war das ein Kinderspiel; überall begegnete er einem und die Buchläden übertrafen sich gegenseitig mit Büchern von und über Heine, was man sonst mit der Lupe suchen mußte...

Ein dicker Wälzer dabei, von einem Arzt verfasst, der sich hier nur und ausschließlich mit Heines geheimnisvoller Krankheit befasste, die ihn die letzten acht Jahre seines Lebens an seine 'Matratzengruft' fesselte und die bis heute nicht ganz geklärt ist...!

Außerdem gibt es ein Buch nur über Heine und seine letzte Liebe, 'Die Mouche', oder eines nur allein über seine Matratzengruft und das langsame Sterben u.s.w.

Sehr schön auch 'Heine für Kleine' eine Heine-Biografie speziell für Kinder geschrieben mit vielen Bildern und Sprüchen und einer dazupassenden CD mit vertonten Heine-Gedichten.

 

 

 

Körperlich ein Wrack, aber geistig noch ganz klar und trotz schlimmer Lähmungen, schrieb er fast bis zur letzten Minute, darunter sogar noch viele seiner schönsten Gedichte, wie 'Die Lotosblume' für seine letzte Liebe Elise Krinitz, genannt 'Die Mouche'.

 

 

Ebenso wurden viele seiner Gedichte in Lieder umgesetzt, dabei auch 'Die Lotosblume' von Schumann und natürlich haute es mich regelrecht aus den Schuhen, als ich einst auf Christian Alexander Müllers Seite eine Hörprobe fand, wo er genau dieses Lied singt! Und niemand könnte es wohl perfekter singen als er; zwei andere Heine Lieder 'Was will die einsame Träne' und 'Du bist wie eine Blume' gleichfalls von C.A. Müller wunderschön gesungen, gibt es, zusammen mit einigen anderen Liedern auf einer CD, die nur bei Veranstaltungen des Motettenchores Chemnitz erhältlich ist...

 

 


Heine mit seiner Frau Augustine Crescence Mirat (er nannte sie 'Mathilde' da er ihren Namen nicht aussprechen konnte) mit der er bis zu seinem Tod 15 Jahre mehr oder weniger glücklich verheiratet war...die Ehe blieb kinderlos.

 

 

Gemälde von Ernst Benedikt Kietz 1851 (H.Heine-Institut, Düsseldorf)

 

 

 

Das Haus in dem Heinrich Heine am 17. Februar 1856 starb, in der Rue Matignon Nr. 3 in Paris, nahe des Champs-Elysées. Ein kleines Schild über der Eingangstür weist sogar darauf hin. 


Heines Grab auf dem Pariser Friedhof am Montmartre - vorn an der linken Ecke der Grabplatte liegt ein Röslein von mir :-)

 

 

Doch nun ersteinmal Bilder der 'Geburtstagsparty' in der Düsseldorfer Altstadt am 05. Juli 1997, unterlegt mit Heine-Zitaten ;-)

 

 

 

           'Er will vieles, weiß aber nicht, was er will.'

 

 

 

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass das Spektakel bis in die Nacht hinein dauerte, mit Rheinüberquerung und das es die kälteste Nacht seit Menschengedenken im Juli war (7°C!!) und man statt Alt lieber Glühwein getrunken hätte...


 

'Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, 

verbrennt man am Ende auch Menschen.'

 

 

 

 

 

'Was ist Geld? Geld ist rund und rollt weg, aber Bildung bleibt.'

 

 

 

'Es gilt, treu und ehrlich gegen sich selber sein, und man kommt dann schon zum Ziele - wenn auch etwas später.'

 


 

'Ich weiß nicht was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin? Ein Märchen aus alten Zeiten, daß kommt mir nicht aus dem Sinn...'

 

 

 

                 'In uns selbst liegen die Sterne unseres Glücks.'

 

 

 

                'Ihr habt den Rhein, wascht euch...!'