Tanz der Vampire

Die Ewigkeit beginnt heut' Nacht

Berlin, Theater des Westens

Sonntag 24. Juli 2016

Musical von

Roman Polanski

Musik

Jim Steinman

Texte

Michael Kunze

Vor dem Schloss des Grafen: Theater des Westens, Berlin
Vor dem Schloss des Grafen: Theater des Westens, Berlin

Besetzungsliste des Theaters
Besetzungsliste des Theaters

Mein Bericht:

 

Kaum zu glauben, aber die Vampire haben ihre Heimat Transsylvanien wieder einmal verlassen und sich auf die Reise nach Berlin begeben. Hier bewohnt der Graf mit seinen Untertanen ein wahrlich altes und vornehmes Schloss (19. Jahrhundert) mit Kronleuchtern an den Decken und verschnörkelten Logen, was ihm sicher sehr gefällt. ;-) Nur leider sind die Sitzreihen im Ballsaal nicht oder nur wenig ansteigend, so dass die Sicht auf die Bühne ziemlich beeinträchtigt wird, wenn große Ballgäste vor einem sitzen. Das ist ärgerlich...

 

Ich  habe mich dann auch auf die Reise nach Berlin begeben (mit Familie) und alle Ängste, dass es nicht so sein könnte wie damals in Oberhausen, verloren sich schnell in der Finsternis.

 

Obwohl immer noch in seiner Zeitschleife gefangen, wirkte unser Graf (Jan Ammann) doch etwas (ein kleines bisschen nur) älter, was aber durchaus positiv war, denn irgendwie schien er nun noch mehr Ausstrahlung zu besitzen, denn er wirkte ruhiger, noch aristokratischer, wie er so einherschritt und uns mit seiner Präsenz und Stimmgewalt fast vom Sitz riss.

Einfach nur grandios. In zahlreichen Konzerten (er ist öfter mal als Mensch getarnt in der Welt unterwegs) konnte er vor allem seine 'Unstillbare Gier' bis zur Perfektion ausfeilen, obwohl man nach Oberhausen schon dachte, perfekter geht's nicht. Hier durfte er seine endlosen Endtöne erneut aussingen bis zum Abwinken und das verursachte mehr als einmal pure Gänsehaut. Pannen wie abgerissene Nägel, ausgefallene Reisszähne oder einen am Kerzenleuchter hängengebliebenen Mantel, gab es nicht, und auch die Beinkleider hielten standhaft, dabei waren sie wie gewohnt hauteng ;-) Der Run zum Orchestergraben, fiel nicht mehr ganz so stürmisch aus, aber eigentlich ist das kaum erwähnenswert, denn der Meistervampir war in allem wieder einzigartig und unübertrefflich. Einfach Wahnsinn.

 

Aber auch seine Untertanen waren wieder vom Feinsten. Sein Sohn Herbert ebenso grandios wie sein Vater, stimmlich wie darstellerisch Extraklasse!!

Sarah wirkte noch sehr jung, aber stimmlich und schauspielerisch ebenso stark wie ihre Kollegen. Und da sie eher eine kleine puppenhafte Person ist, warf der Graf sie nach dem Biss, als er sie auf den Arm nahm, auch fast bis zur Decke hoch...;-) 

 

Alfred und Professor Abronsius gefielen mir genauso gut wie damals in Oberhausen, mit umwerfend witzigem Charme. Und des Grafen Diener Koukol, kratzt sich immer noch so hingebungsvoll wie einst am Hinterteil und ist auch sonst wie immer. 

 

Bei Magda vermisste ich ein bisschen die Rockröhre, was aber nicht heissen soll, dass es schlechter war als gewohnt, nur anders, aber auch klasse.

 

Nicht zu vergessen natürlich das sensationelle Tanzensemble der Vampire. Auch wenn in diesem 'Schloss' nicht ganz so viel Platz ist, so flanierten sie trotzdem, zumindest bis zur Mitte des Saales durchs Publikum und dann wieder zurück, um durch die Seiteneingänge zu verschwinden.

 

Leider können wir Ballgäste ja nicht lange in der Ewigkeit weilen, und so fiel dann auch wieder viel zu schnell der Vorhang, allerdings vor einem tobenden Publikum. Alle sprangen sofort von ihren Plätzen auf und es gab endlose stehende Ovationen. Auch das erleben die Vampire wohl jeden Abend. :-)

 

 

Bildergalerie vom Schloss des Grafen