Tanz der Vampire

Musical von Roman Polanski, Jim Steinman und Michael Kunze

Choreographie: Dennis Callahan

 

Sonntag 9. November 2008, 19:30 Uhr

Fotos inkl. Hintergrundbild Conny

Bericht Angel

Darsteller (Hauptrollen):

 


Graf von Krolock

Jan Ammann


Sarah

Anne Hoth


Professor Abronsius

Gernot Kranner


Alfred

Krisha Dalke


Chagal

Jerzy Jeszke


Magda

Linda Konrad


Herbert

Florian Fetterle


Rebecca

Heike Schmitz


Kokoul

Stefan Büdenbender


Zur Inszenierung:

1. Akt

Bevor es losging, sah man nur auf einem schlicht gehaltenen schwarzen 'Bühnenvorhang' ein in der Mitte darauf projiziertes Vampirgebiß (solche hatte man als Plastikgebisse schon an Halloween verteilt ;-)).

Ein Durchsage kam und kündigte die Vorstellung an, aber auch, dass man berücksichtigen solle, dass Vampire empfindlich auf Handy's, Bild- und Tonaufnahmen reagieren...;-)) 

 

Als dann die Ouvertüre erklang, schien ein heller Mond auf dieser schwarzen Fläche, vor dem ein Schwarm Fledermäuse davonstob. Ein gruseliges Schloß nahm Gestalt an und verblasste wieder, dann wurde 'der Vorhang' durchsichtig, Schneeflocken rieselten und 'Alfred' (Krisha Dalke) erschien dahinter, allein in der Wildnis von Transsylvanien und suchte den Professor... 'He, Ho, Professor'...

 

Im Verlauf der Show mußte ich doch feststellen, dass das gesamte Musical tatsächlich fast wie die gesungene und getanzte Filmversion ist, bzw. im Grunde ist es der Film auf der Bühne, aber noch um ein Vielfaches überwältigender! Der Film von 1966 ist mittlerweile ja auch schon ein bisschen 'trashig' (sollte man mal neu verfilmen, vielleicht als Musicalfilm...? ;-)), aber nichts gegen den alten, ist trotzdem immer noch genial... nun ja, dafür also jetzt diese fantastische Bühnenversion.

 

Das Gasthaus von Chagal (Jerzy Jeszke), in dem Alfred mit seinem steifgefrorenen 'Professor Abronsius' (Gernot Kranner) schließlich landet, war genauso urig wie man es aus dem Film kennt, und wirkte wie ein überdimensionales Puppenhaus, hinten offen, damit man in die einzelnen Zimmer blicken konnte und von vorn die geschlossene Fassade. So wurde das Haus auf der Bühne je nach Bedarf immer hin und her gedreht.

Das ganze Vorspiel in diesem Haus ist vielleicht ein kleines bisschen langatmig geraten, ausgeschlossen natürlich Highlights wie in der 'Knoblauchszene' wo das Ensemble fröhlich über Tische und Stühle tanzt und man tatsächlich jeden Moment erwartet dass gleich irgend eine Baßstimme 'Wenn ich einmal reich wär...' röhrt *g*, aber die Kostüme wirken auch so dermaßen echt, dass man sich wirklich nach Transsylvanien versetzt fühlt, oder in den Film oder an ein anderes Musical denkt. ;-))

 

Dann folgen natürlich wie im Film die Szenen vom Kennenlernen zwischen Alfred und der schönen Wirtstochter 'Sarah' (Anne Hoth), die Geheimnistuerei des Wirtes Chagal der ständig Angst hat, seine Tochter könnte von Vampiren entführt werden, die gutmütige, aber resolute Ehefrau 'Rebecca' (Heike Schmitz), die Mühe hat ihren Gatten von 'Magd Magda' (Linda    Konrad) wegzukriegen.

 

Das alles war jetzt ein fröhliches, seichtes, leichtes Durcheinander, ein Bestandteil der Geschichte, und man war natürlich gespannt, wann der erste Vampir auftaucht.

 

Der ließ auch nicht allzu lange auf sich warten - die Hausfassade drehte sich zwischendurch dem Publikum zu, und wie aus dem Nichts erschien der Vampirfürst 'Graf von Krolock' (Jan Ammann) höchstpersönlich auf dem Vorhof des Hauses und sang sehr bewegend 'Gott ist tot'. WOW! Wer es bis jetzt nicht wußte, der ahnte was dieses Musical noch zu bieten hatte!

 

Schon allein die wunderschön tiefklingende und klare Baritonstimme, scheinbar ohne geringste Anstrengung hervorgebracht, hob sich vom bisher Gehörten stark ab, und die Erscheinung erst!

 

Wir saßen etwas seitlich, von der Bühne nur durch fünf Treppenstufen getrennt, die auf dieser Seite zur Bühne hinauf führten und als diese überwältigende Erscheinung von einem Vampir (er trug eng anliegende schwarze Satinhosen unter seinem weiten Umhang -WOW-und 'Augen reib', das sah echt umwerfend aus!) plötzlich auf dieses Treppchen zusteuerte und schnurstracks auf uns zuschwebte und einem dabei noch ebenso zielsicher in die Augen zu starren schien (nein es schien nicht nur so, er starrte einen wirklich an!), da bekam man doch plötzlich starkes Herzklopfen und hielt den Atem an und wußte nicht, ob man enttäuscht oder erleichtert sein sollte, als er im letzten Moment abdrehte und in der Dunkelheit verschwand. Na von solch einem Vampir läßt man sich doch gerne beißen...(warum haben die alle Angst vor Vampiren?) Das hinterließ natürlich schonmal einen starken, bleibenden Eindruck...

Aber unsere Plätze, auf den ersten Blick vielleicht nicht sofort attraktiv, da etwas seitlich, bewiesen noch mehr als einmal, dass auch sie grandios gewählt wurden.

Schwebten doch später Vampire von allen Seiten fast hautnah an uns vorbei und hinterließen jedesmal einen angenehmen, leicht süßlichen Duft...(war das der Geruch von Blut ...?) (Oder doch nur Schminke...?) Aber auch durch andere Zuschauerreihen wuselten hin und wieder flatterige Gestalten und man mußte sich öfter schon mal umschauen, um ja nichts zu verpassen ;-))

 

Ich war gespannt, wie die Sarah's Entführung durch den Grafen meistern würden (im Film holt er sie ja aus der Wanne und verschwindet mit ihr durch ein Fenster) - ach ja die Wanne - das war schon ein gewagtes, raffiniertes Kostüm, das 'Sarah' da trug, ein hautfarbenes, fast durchsichtiges Etwas und in den hinteren Reihen muß es ausgesehen haben als trüge sie wirklich nichts.

 

Aber die Entführung war hier etwas anders...der Graf soeben noch hoch oben auf dem Dach, war in Null Komma Nichts in Sarah's Gemach (wie hat er das denn gemacht?), aber er ist ja ein Vampir...(vielleicht war es auch ein Doppelgänger...?) und lud sie zum Ball ein.     

Sarah schien Alfred's sehnsüchtige Liebesbeschwörungen von nun an zu ignorieren, stürmte ins Freie, zog ihre roten Stiefelchen an und sang ziemlich stimmgewaltig 'Da draußen ist Freiheit'. Das verursachte natürlich Gänsehaut und ohne dass Jüngling Alfred sie halten konnte, war sie schon im Nebel entfleucht.(Wohin? Ja wohin wohl...)

Sehr stark war auch Magd Magda's (Linda Konrad) Trauergesang um den, während seiner Suche nach Sarah erfrorenen und von Vampiren gebissenen Chagal, 'Tot zu sein ist komisch'. Das ging ebenso unter die Haut wie zuvor Sarah's sehnsuchtsvolles 'Da draußen ist Freiheit'!!

Auch wenn die Handlung oft witzig war, so büßte sie doch nichts von der Tragik ein, die den Vampirfürsten 'Graf von Krolock' umgab. Der nämlich scheint unter seiner 'Unstillbaren Gier' nicht wenig zu leiden.  

Wenn man da an den Krolock im Film denkt, der wirkt ja doch mehr böse...außerdem biß der Sarah schon in der Wanne, während der Bühnen-Krolock sich das noch unter Qualen verkneift, was das ganze aber auch umso spannender macht. Der 'Bühnengraf von Krolock' hat auf jeden Fall eine ganz andere Art von Ausstrahlung als der Filmvampir und das ist auch gut so!

 

Die Ankunft des Professors und Alfred's im Schloss wurde auch interessant inszeniert; auf der Leinwand erschien wieder das Schloss der Ouvertüre und auch später wirkte das passende Bühnenbild zum Inneren des Schlosses auch so richtig schön alt und gruselig. Alles überdimensional groß und schaurig, schummrig in vielen Farben beleuchtet. Hier war der Graf in seinem Element.

 

 

2. Akt:

Nach der Pause ging es dann richtig rund. Zuerst einmal das bewegende 'Totale Finsternis'das ja an das bekannte 'Total eclipse of the heart' einst von Bonnie Tyler gesungen, anlehnt, aber das passt hier wirklich rein und wer bis jetzt noch nicht mitgerissen wurde, der wird es spätestens jetzt! In gewisser Weise hat dieses Drama um das ungleiche Paar stark etwas mit dem um das Phantom und Christine gemeinsam. 'Schönes Mädchen und 'entarteter' Mann' und genauso wie das Phantom mit seiner 'Musik der Nacht' versucht nun der Vampir mit 'Totale Finsternis' die Liebe seines Lebens zu überreden den restlichen Weg mit ihm zu gehen, alles aufzugeben was sie bisher kannte und ihm zu folgen, ohne Rücksicht auf Verluste...Alfred ist hier vielleicht mit 'Raoul' zu vergleichen, er spielt zwar eine Hauptrolle, aber eine eher undankbare, denn der 'Geheimnisvolle aus der Finsternis' überstrahlt ihn und obwohl dieser am Ende eher nachgeben muß, bleibt er in gewisser Weise doch der Sieger. Auch hier hat es am Ende ja den Anschein, als würde es Alfred gelingen seine Sarah zu befreien, doch sie ist längst gebissen worden und gehört auf immer dem Grafen.

 

Zuvor aber müssen Alfred und der Professor im Schloss überleben und das ist nicht einfach, denn hier wimmelt es nur so von Vampiren, die in beeindruckenden Tanzeinlagen vor allem nach Sonnenuntergang ihre Präsenz zeigen...;-)

Klasse gesungen von Abronsius (Gernot Kranner) war auch 'Bücher' ein wahrer Zungenbrecher, echt eine starke Leistung!!

 

Der Diener des Fürsten 'Koukol' (Stefan Büdenbender) war ebenso eine Augenweide, er sah so umwerfend echt aus und nach der wilden Nacht 'Carpe Noctem' (bombastisch!)der beiden Besucher Abronsius und Alfred, wurde das Bett weggeschoben und zum Vorschein kam Koukol, der sich immer und überall zu verstecken wußte und ständig irgendwo auftauchte und natürlich hinkte er auch einmal durchs Publikum.

 

Jetzt kam die 'Gruftszene' - Koukol hatte gerade den Frühstückswagen rausgeschoben, da kam er schon wieder mit einem Sarg herein, und plötzlich erschien da eine schwarze Gestalt, die da gar nicht hinpassen wollte, sie trug T-Shirt, schwarze Kappe und Head-Set und führte Koukol wieder hinaus....Hähhh?

Die schwarze Gestalt kam zurück und wurde als Bühnentechniker erkannt und da kam auch schon die Durchsage: 'Sehr geehrte Damen und Herren, wir haben ein nicht leicht zu behebendes technisches Problem und laden sie ins Foyer zu einem Drink ein...' Oh, wir waren gerade erst in der Pause gewesen.

 

Aber war gar nicht schlimm, war lustig...;-)) Etwa 25 Min. und zwei Glas Sekt später, kam der erlösende Aufruf, dass das Problem jetzt behoben sei.

Irgendetwas mußte in der Gruft geklemmt haben, wahrscheinlich die beiden riesigen Sarkophage, denn die standen jetzt schon da.

 

Oh, fast hätte ich noch Herbert vergessen...! Herbert (Florian Fetterle) das 'nette Vampirsöhnchen' der es ja auf Alfred abgesehen hat...Er sah auch Klasse aus, und er wirkte alles andere als tragisch, er war wohl hier eher der Bösewicht ^^. Er darf eigentlich alles sein, auch witzig und auch wenn er jetzt nicht so viel von sich geben mußte, so hatte er doch auch eine richtig schöne Stimme.  

 

Unglaublich toll war ja auch die Friedhofsszene, die aus den Gräbern krauchenden und strauchelnden Vampire 'Ewigkeit'  und nachdem sie schließlich durchs Publikum torkelnd verschwunden waren, tauchte ER wieder auf, der Graf, einsam und allein und beklagte seine 'Unstillbare Gier'!! Wenn bisher noch nicht, so war auch ich spätestens ab jetzt dem 'Vampirfieber' verfallen und dachte 'Oh nein' das Phantom war schon 'anstrengend' genug, kommen jetzt noch die Vampire dazu...?! ;-) Heißt es statt 'Phieber' bald 'Vieber?' 

   

Super gemacht war auch die Sache mit dem Spiegel, Vampire die sich nicht spiegeln, während man die 'Menschen' sieht...nun ja, ich ahne wie man das gemacht hat...aber das muß ich mir nochmal genauer ansehen...war einfach alles zuviel.

 

Was beim Phantom der erlösende Kuss, war hier dann wohl 'DER BISS'. Da wurde der bis dahin doch recht sanfte, melancholische und tragische Vampirfürst für einen Augenblick zur 'Bestie' und als er wieder von Sarah's Hals aufsah, war sein Mund tatsächlich blutverschmiert.    

Doch auch hier wacht die Schöne auf und zieht die Flucht vor.

Aber zu spät, sie ist bereits ein Vampir, wehe Dir Alfred...

 

 

Nachwort:

War absolute Spitzenklasse, könnte gleich nach dem Phantom eines meiner Favoriten werden...;-))

Ich bin ja völlig unbelastet hineingegangen, hatte keine Darstellerwünsche oder sonst irgendwas, da ich ja weder das Musical, noch einen der Darsteller kannte (außer Heike Schmitz), aber spätestens als Jan Ammann als Krolock auf der Bühne erschien und die ersten Töne sang, wußte ich dass man hier wohl den Richtigen ausgesucht hatte. Vergleiche habe ich ja leider noch keine.

 

Aber auch alle anderen waren wirklich Klasse! Man sollte auch den Dirigenten Klaus Wilhelm nicht vergessen, der hat ganz schön geackert, obwohl man kein Orchester sah - es saß wahrscheinlich wieder irgendwo versteckt, denn da hingen kleine Monitore, worauf der Dirigent zu sehen war. Der Sound war einfach Wahnsinn, sehr rockig und da wir in der Nähe eines Lautsprechers saßen, ging das durch Mark und Bein, vor allem bei z.B. 'Carpe Noctem' oder 'Ewigkeit' aber mir hat's gefallen!!     


Fotos  inkl. Hintergrundbild von Conny

Bericht Angel