Tanz der Vampire

Musical von Roman Polanski

Musik Jim Steinman

Texte Michael Kunze

 

Musical Dome Köln

23. Mai 2018

Mein Bericht:

 

Eigentlich sollte das mein letzter Besuch bei den Vampiren in Köln sein - nocheinmal David Arnsperger sehen als Graf. Ende Juni geht er ja und dann kommt ein neuer  Graf - aber genau das wirft meine Pläne jetzt total über den Haufen, denn der neue SOMMERGRAF für Juli und August ist - ich kann es immer noch nicht glauben IVAN OZHOGIN, der russische Graf, und meiner Meinung nach der Einzige, der an JAN AMMANN heranreicht.

Aber jetzt ersteinmal zu diesem Vampirball:

 

Mir hat es fast noch besser gefallen, als am 02.04.'18, vielleicht lag es auch daran, dass ich nun 5 Reihen weiter vorne saß, in Reihe 8.  Je näher man am Geschehen auf der Bühne dran ist, umso intensiver erlebt man das Ganze auch, da sieht man schon eher Details ;-)

 

Nochmal zum 'Schloss': Der Musical Dome ist, was den Zuschauersaal betrifft, megagenial. Ich kann nicht verstehen, dass er so vielen nicht gefällt. Man hat einen ungetrübten Blick auf die Bühne, Dank der ziemlich steil ansteigenden Reihen ab Reihe 6 (!). Und wenn man in Nähe der Gänge sitzt, dann ziehen auch die Vampire beinahe hautnah an einem vorbei, durch den gesamten Saal. 

Das Theater ist weder schmuddelig, noch heruntergekommen, eigentlich recht gemütlich. Mir gefällt es dort super.

Der Sound ist bombastisch und wenn die Vampire durch den Saal (man sollte meinen schweben) laufen, vibriert der Sitz unter einem, (also trampeln sie eher ;-)) Aber das ist nicht negativ gemeint. 

Die Bühne ist jetzt auch nicht wirklich groß, aber es passt alles drauf, was passen soll.

Die Bauchladenverkäufer in der Pause stören mich nicht! Sie versorgen doch nur die Gäste, die sich nicht ins Gewühle stürzen möchten, oder können. Man darf zwar Getränke im Pappbecher mit in den Saal nehmen, aber das tut kaum jemand und Essgeräusche oder Tütenrascheln, hört man hier genauso wenig, wie woanders auch (gibt überall Ausnahmen). Es herrscht hier einfach eine lockere und entspannte Atmosphäre, aber dadurch ist es nicht weniger fein, als in anderen Theatern.

Also ein durchaus würdiges Schloss, für die Vampire.

 

Von abgespeckter Tourproduktion kann ich jetzt auch nicht allzuviel entdecken, o.k. eine Reihe weniger in der Ahnengalerie etc. und dass am Orchester gespart wird, ist ja momentan überall so. Trotzdem war der Sound klasse, auch wenn es ein großer Unterschied zu einem richtigen Orchester ist (das merkt man bei den Vampiren in Russland). Aber die meisten merken es wohl kaum. Dafür wurde, wie ich schon im letzten Bericht erwähnte, das Hintergrundbild stark verbessert. Das Schloss wird fast in 3 D Qualität dargestellt, Professor und Alfred laufen durch Wälder und nicht einfach mehr durch Schnee und auch an einigen anderen Stellen, ist dieses Bild besser geworden. Das wirkte vorher, selbst in Berlin 2016 noch recht einfach.

 

Die gesamte Cast war wieder EXTRAKLASSE! 

Sehr gut gefallen hat mir Herbert (Sander van Wissen). Ein sehr zierlicher Herbert, der sich elegant bewegt. Stimmlich auch Klasse und er brachte neue Ideen ein, wie z.B. einen anderen Abgang nachdem er vom Professor mit dem Schirm vertrimmt wurde (nicht dieses übliche beleidigt klingende 'Tssseee', sondern eher eine schmollende Geste, wie ein Kind dem man gerade das Spielzeug weggenommen hat, ist aber noch ausbaufähig, er sollte sich was trauen ;-)). Fand ich klasse, mal was anderes. Dieses beleidigte 'Tssseee', gefiel mir noch nie so wirklich, weil es irgendwie auch nicht so wirklich passt. Anders machen es ja auch die russischen Vampire, die kreischen manchmal regelrecht vor Wut, das passt besser zu dieser Szene als 'Tssseee' oder 'pah' oder was auch immer.  Außerdem gab dieser Herbert seinem Papa (dem Grafen) während des Balles, kurz bevor der Ball endet, ein Küsschen auf die Wange und klopfte diese leicht. Das habe ich vorher noch nie gesehen, fand ich sensationell!! 

Stimmlich war dieser Herbert auch super, aber auf ihre Weise sind sie alle klasse, jeder hat andere Qualitäten und das ist auch gut so.

 

Anja Wendzel als Sarah war auch sehr gut, ein wenig erinnerte sie mich an die Christine-Darstellerin Anne Görner, aus Phantom der Oper in Essen 2006/7, nicht stimmlich, aber visuell, was aber natürlich positiv gemeint ist.

 

Graf David  war auch wieder klasse, obwohl ich meine, dass sein Mikro teilweise zu leise war. Die Musik übertönte ihn hier und da, aber das schließt auch Sarah ein. Ein bisschen mehr als beim ersten Besuch, sprang der Funke diesmal vielleicht doch über, aber mir fehlte erneut die absolute Präsenz, die Graf Jan Ammann besitzt. An einigen Stellen wirkte David mir leider etwas zu übermotiviert, an anderen eher zu lau. Das beginnt schon mit der Ansage vor der Show, die ja meist vom Grafen kommt. Bei Jan hatte sie mehr Düsternis, bei David wirkt sie einfach nur abgelesen, als sei dies die Stimme eines normalen Moderators. Sein 'Saugt sie aus' ist mir auch etwas zu emotionslos. Die Gier war stimmlich zumindest grandios, aber auch da fehlte mir die Tiefe, die Graf Jan A. diesem Stück gibt.  Ich möchte jetzt auch nicht alle Kleinigkeiten aufzählen, denn im Grunde ist er ja ein sehr guter Graf und ich war froh, dass er an diesem Tag da war. 

 

Nach dem Biss beim Ball, vermisste ich das Blut. Weder an Sarahs Hals, noch am Mund des Grafen sah man etwas. Dann nimmt er sie ja auf den Arm und schwenkt sie herum und siehe da, auf einmal hatte sie Blut am Hals... ;-) Hatte das einer der Ballgäste (als Sarahs Kopf für die Zuschauer unsichtbar an ihm vorbeischwenkte) schnell hingeschmiert? Denn an des Grafen Mund oder Kinn, sah man immer noch nichts. Was war da geschehen? Blutbeutelchen vergessen zu zerbeissen? Kann ich mir nicht vorstellen. Oder gar komplett vergessen? Vergisst man dieses so wichtige Utensiel etwa schon Mal? Oder wird hier etwa gespart? Soll der Graf nicht jedesmal seinen kostbaren Spitzenkragen bekleckern? Beim letzten Besuch ist es mir nicht aufgefallen, saß ja auch weiter weg. Aber ich fände es jetzt echt schade, wenn man anfängt auch noch hier zu sparen!! 

 

Koukols Rolle kam mir schon beim letzten Besuch sehr ausgebaut vor, so als dürfe er jetzt mehr agieren und auch 'Sprechen'. Finde ich aber genial.

 

Kurz und gut, wieder eine absolut grandiose Show, man war gefangen, trotz kleiner Unzulänglichkeiten, die den meisten wahrscheinlich sowieso nicht auffallen. 

 

Käme Graf Ivan nicht ab Juli aus seinem russischen Schloss direkt nach Köln geflattert, wäre es das für mich jetzt ersteinmal wieder gewesen. Denn dass die Tickets nicht gerade günstig sind, weiß man ja. Aber Ivan muss ich unbedingt live sehen, und das wahrscheinlich auch noch öfter ;-)