Voilá - Die Show

Karte des Ensembles vom Theater
Karte des Ensembles vom Theater
Eingang zum Theater in einer ehemaligen Werkshalle der Zeche Ewald
Eingang zum Theater in einer ehemaligen Werkshalle der Zeche Ewald

Freitag 04. Juni 2010, Revuepalast Ruhr in Herten

Jeanny (Deutschland):

Moderation, Marianne Rosenberg, Biene Maya, James Bond-Song 

 

Dannyboy (Deutschland):

alias Ralf Kuta - ShowregisseurRollen: Marlene Dietrich, Pflaumenpolka, Hildegard Knef 


Susi (Deutschland):

Kylie Minogue, Madonna, Christina Aguilera

 

Lalo (Spanien):

Amy Winehouse, Havanna, Josephine Baker, Puppe 'Chantal'

 

Lady Tatti (Deutschland):

Tina Turner, Milva, Ilse Werner, Elisabeth

 

Carlos (Brasilien):

Tänzer, Michael Jackson, Mozart, Tango

 

Donato (Italien):

Tänzer, Janet Jackson, Roger Cicero, Phantom, Graf von Krolock, Tango

Mein Bericht:

 

Eine Travestie Show der Extraklasse bot das Ensemble 'Femme-Fatale' im Revuepalast Ruhr unter Prinzipal Christian Stratmann.

 

Schon das Theater selbst ist einen Besuch wert, denn wie alle alten Zechenhallen (in diesem Fall die ehemalige Heizzentrale der Zeche 'Ewald' in Herten), besitzt einen ganz eigenen, verzaubernden Charme. Mauern wurden hier nicht verhängt oder überpinselt, sondern behielten ihren alten 'Schmuddellook', der aber mit plüschigem Ambiente, wie glitzernden Kronleuchtern, kuscheligen Sitzecken, roten Teppichen und verschnörkelten Riesenspiegeln etc. ausgestattet, erst besonders einladend und keinesfalls mehr schmuddelig wirkt. Gerade der krasse Gegensatz fasziniert hier.

Im Zuschauerraum
Im Zuschauerraum

Die Zuschauer dürfen hier an Tischen Platz nehmen und werden auch während der Show mit Getränken und Snacks versorgt, was aber so dezent abläuft, dass es nicht stört. Zumindest wenn man ganz vorn sitzt, bekommt man es kaum mit. Ganz vorn aber ist insofern ein 'Risiko,' weil man dann doch schon mal in den Fokus der Künstler gerät (aber dazu später...;-))

 

Es war zwar warm draußen, doch alte große Hallen sind ja bekanntlich kühl - nein, hier merkte man dann doch wohl noch die 'Heizzentrale'... Aber nach einer Weile stillen sitzens, fuhr die eigene Temperatur dann doch ein wenig herunter und die Sauerstoffzufuhr war ok., da habe ich schon weitaus schlimmeres erlebt.

 

 

Im Zuschauersaal
Im Zuschauersaal
Auf dem Weg zur Toilette begegnet man interessanten Requisiten
Auf dem Weg zur Toilette begegnet man interessanten Requisiten
Wer hier wohl speist...?
Wer hier wohl speist...?

Außerdem vergaß man das sowieso, sobald sich der Vorhang hob. Das Ensemble marschierte (natürlich) als Bergleute verkleidet, durchs Publikum ein, mit 'Glück auf'. Durch die Show moderierte 'die bezaubernde Jeanny' ;-) im Glitzerkleid. WOW, was für Beine ;-) Und natürlich war sie/er auch sehr charmant und vor allem witzig. Als erstes wurde das Publikum auf den Song 'Er gehört zu mir' von Marianne Rosenberg, eingestimmt. Die eine Hälfte des Saales hatte an bestimmten Stellen den Einsatz 'Nananananana' und die andere 'uuuhuhhhhh' zu singen - Jeanny sang den Rest.

 

Aber dachte man zuvor noch: 'Oh je, ich hab's geahnt, das fängt ja gut an', so schmetterte man doch seinen Part (wir waren die 'Nananananas') schließlich mit Spaß an der Freude hinaus, wenn die Stimme versagte, hörte es sowieso keiner bei der Lautstärke im Saal ;-)

Überdimensionale Barbie in einer Ecke des Zuschauersaales
Überdimensionale Barbie in einer Ecke des Zuschauersaales

Danach (oder war es schon vorher?) suchte sie (Jeanny) sich ein Opfer im Publikum, natürlich männlich, das äußerst günstig in jener Schneise in der zweiten Tischreihe saß, durch die am Abend noch öfter hindurchflaniert wurde.

 

Der Ärmste hieß Ingo und Jeanny stellte sich mit Jörg vor *g*, und obwohl Ingo, der auch noch aus Gelsenkirchen (!) kam, ersteinmal einiges einstecken mußte, kam 'Jeanny' für den Rest des Abends nicht mehr von ihm los. Und wenn Freiwillige für die Bühne gesucht wurden, rief das Publikum schon nach 'Ingo' (wohl um selbst verschont zu bleiben (hihi)) z.B. beim späteren Song 'Biene Maya' von Karell Gott, durfte Ingo mit Flügelchen auf dem Rücken und ständig verutschenden Fühlern auf dem Kopf, über die Bühne hüpfen. (Und mitsingen durften wir auch wieder alle, zumindest das Wort 'Maya' schmettern). Na ja, für seinen Einsatz durfte Ingo für sich und seine Frau dann auch ein Getränk bestellen, auf Kosten des Hauses natürlich - sogar Champagner bot ihm Jeanny an und was macht der - er bestellt ein Bier!! =X

 

Galerie der Showstars
Galerie der Showstars

Aber zuvor ging natürlich auch ersteinmal die Show richtig los und richtig schön laut, in tollem Sound - also so, dass es gerade noch angenehm war. Diese Show ist ja auch dafür bekannt, dass berühmte Stars imitiert werden (aber mit Playback) und es begann mit Kylie Minogue, die hier ausnahmsweise von der einzigen (echten?) Frau (Susi) im Ensemble dargestellt wurde. Am Ende stellte man sie so vor:'Ob Mann ob Frau, wer weiß das schon genau?' Zumindest wirkte sie wirklich echt.

 

Aber sensationell waren auch alle anderen mit z.B. der Darstellung von Amy Winehouse (auf der Bühne kiffend), Michael und Janet Jackson, Tina Turner; Hildegard Knef (die einer überdimensionalen Glitzerpflaume entstieg), sowie Marlene Dietrich und eine pfeifende Ilse Werner... Die Kostüme waren eine glitzernde Augenweide und die Gesten, sowie Bewegungen der Darsteller, einfach grandios. Natürlich wurde hier und da absichtlich übertrieben, was hier aber auch wieder witzig war. Ansonsten waren die meisten Darstellungen doch sehr authentisch. Einfach Klasse!

 

Zwischendurch erschien dann immer mal wieder Jeanny auf der Bühne (jedesmal in einem neuen Traum von Glitzerkleid), erzählte Schwänke aus ihrem Leben, machte sich über das Publikum und sich selbst lustig und sang auch mal wieder.

 

Ein kleines Musical-Potpourri gab es auch und siehe da, die Femme-Fatales kennen unseren Geschmack doch genau ;-) Da erklang doch glatt das'Phantom der Oper' mit einer recht imposanten Christine und einem zierlichen Phantömchen *g* an ihrer Seite, aber das wurde auch nur kurz angespielt, denn schon stand 'Sarah' auf der Bühne und hinter ihr erschien ein Graf im roten Glitzermantel, der aber statt spitze Beißerchen, eher ein Zahnlückchen zwischen den Schneidezähnen aufwies *g*, (aber zubeißen konnte er trotzdem, zumindest tat er so) und vom Band schmetterte dazu 'Die Totale Finsternis' der Gesamtaufnahme 'Tanz der Vampire'  in Wien (hihi).

 

War aber trotzdem klasse, schon allein, weil ausgerechnet meine beiden Musicals hier ausgewählt wurden. Dabei kündigte Jeanny vorher noch an: ' Bei uns gibt es kein 'Starlight Express...' und noch einige andere (die ich vergessen habe) '...sondern viiiiieeel Schöneres'...da war ich fast schon enttäuscht gewesen, aber richtig, diese Musicals hatte sie ja gar nicht aufgezählt.

 

Es folgte noch 'Rock me Amadeus' aus Falko und zwei, drei Songs aus 'We will rock you' aus dem Queen-Musical.

 

Klasse und sehr beeindruckend war der zweimalige Auftritt des ukrainischen Artisten Igor Stepanow, 'Der Mann mit den Gummiknochen' (so nenne ich ihn jetzt), denn sich so dermaßen verbiegen zu können, sowie diese einzigartige Körperbeherrschung, habe ich zuletzt glaube ich, nur bei chinesischen Artisten gesehen. Ein bisschen sah er dem Opernsänger Peter Hofmann ähnlich, allerdings als dieser noch sehr jung war ;-)

 

Toll war auch das 'Männertango' der beiden wie Brüder aussehenden Künstler Carlos und Donato. Das sie keine Brüder sind, zeigen ihre Herkunftsländer auf: Brasilien und Italien. 

 

Der absolute Hammer aber war 'Chantal' hier dargestellt vom 'Mann der 1000 Masken' - Lalo. Plötzlich um fast eine halbe Körperlänge geschrumpft im Rokokokleidchen war er nun eine Aufziehpuppe die ein allzu bekanntes Liedchen trällerte: nämlich das der Puppe 'Olympia'aus der Jaques Offenbach - Oper 'Hoffmanns Erzählungen. Natürlich ließ die Energie der Puppe auch hier zwischendurch immer wieder nach, und man vernahm deutlich das Aufziehgeräusch. Und das Lied wurde natürlich hier viel schneller und schriller gespielt und gesungen, wobei die Mimik des stark geschminkten Darstellers einfach umwerfend war - zumindest habe ich schon lange nicht mehr soooo gelacht :-)!!

 

'Eine Reise um die Welt' gab es dann noch, eröffnet von 'Nana Mouskouri'(die singende Brille) und während sie sich auf der Bühne verfünffachte und bei jedem Armschwinger tiefe Einblicke unter ihr Gewand gewährte *g*, trällerte sie einen Song nach der Melodie des 'Gefangenenchors' aus Verdis 'Nabucco'. Im Stil von Moulin Rouge folgte schließlich 'Lady Marmelade'mit toll glitzernder Showeinlage und 'Diamonds are girls best friends' - kurz es ging wirklich quer durch alle Musik - und Showrichtungen - langweilig war es nicht eine Sekunde lang und man könnte sich das auf der Stelle noch einmal ansehen- und hören. Da vergaß man die Uhr und konnte sich perfekt vom Alltag ablenken lassen.

 

Unsere 10jährige Tochter, an diesem Abend das einzige Kind hier, bekam noch den Rat von Jeanny, in der Schule gut aufzupassen und was 'Gescheites' zu lernen, sonst könne sie später auch als 'Tante' auftreten *gg*.

 

Zitat aus dem Programmheft der Stratmann-Shows: - ...der Revue Palast ist ein magischer Ort für das Spiel mit dem Feuer. Im Nu versinkt der Alltag für 120 verzauberte Minuten im von Kronleuchtern erleuchteten Königreich der Nacht, wo das Herz der Zeche Ewald wieder zu schlagen begonnen hat. Eine rasante und unvergeßliche Show, schrill, schräg und irrwitzig schnell. Eine augenzwinkernde Hommage an die glitzernde Traumwelt internationaler Nachtschwärmer - in Paris, London, NY, oder Rio...Ich kann es nicht besser beschreiben.

Am Ende erschienen alle Darsteller, abgeschminkt und in schlichtes Schwarz gekleidet auf der Bühne zum Schlussapplaus, und man mußte bei einigen schon öfter hinsehen, um sie wiederzuerkennen..:-)