Show Boat

Freilichtbühne Stiftsruine Bad Hersfeld

Freitag 21. Juni 2013

Conny und ich mit Michael Schanze an der SD :-)
Conny und ich mit Michael Schanze an der SD :-)

Ganz lieben Dank an Jutta für das tolle Foto!! :-)

 

Cast:  
   
Magnolia (Nola) Hawks           Milica Jovanovic          
Gaylord Ravenal Jan Ammann
Käpt'n Andy Hawks Michael Schanze
Julie LaVerne Sophie Berner
Parthy Hawks Inez Timmer
Joe Walter Reynolds
Queenie Siggy Davis
Ellie Mae Shipley Nini Stadlmann
Frank Schultz Petter Bjällö
Steve Baker Andreas Christ
Windy/Jim Oliver Mülich
Pete Arne David
Vallon Joel Kirby
 Kleine Kim Sophia Bürger
   
u.v.a.  
   
Regie: Melissa King
Musikalische Leitung: Christioph Wohlleben
   
   
Show Boat Bad Hersfeld 2013
Schlussapplaus/ Ensemble Show Boat / Bad Hersfeld

 

Musical in 2. Akten von

Jerome David Kern & Oscar Hammerstein II.

nach dem gleichnamigen Roman von Edna Ferber

Uraufführung am 27.12.1927 in New York

 

Mein Bericht zur Show:

 

SHOW BOAT (Erstaufführung 1927) wird als erstes wirkliches Musical, in dem Musik, Text und Handlung ein perfektes Zusammenspiel bilden, bezeichnet.  Ein 'Urmusical' sozusagen. Man kennt es vielleicht noch aus Zeiten, als der Musicalfilm von 1951 mit Ava Gardner Sonntagnachmittags im TV lief - und auf CD gibt es ihn mittlerweile auch, was aber schwierig anzuhören ist, wenn man das Musical nicht wirklich kennt - außer den Song: Ol' Man River, der weltberühmt wurde und den nun wirklich fast jeder kennt. Nur einordnen konnte man ihn nie wirklich...

Es war auch schwer vorstellbar, wie man nun dieses eigentlich recht altertümliche Musical zur heutigen Zeit auf einer Freilichtbühne inszeniert.

Wir ließen uns überraschen und das Ergebnis war einfach unglaublich. Auf grandiose Weise hat Regisseurin Melissa King, mit einer Spitzentruppe an Darstellern dieses alte Musical neu auf die Bühne gebracht und es wirkte in keinster Weise mehr 'trashig' oder kitschig.

 

Kurze Inhaltsangabe zur Story:

 

1. Akt:

Mit seinem Theaterschiff 'Cotton Blossom' schippert Kapitän Andy Hawks (Michael Schanze) über den Mississippi. Mit ihm seine resolute Frau Parthy (Inez Timmer), Tochter Magnolia (Nola) (Milica Jovanovic) und ein bunter Trupp an Schauspielern, Sängern und (farbigen) Bediensteten. Zu jener Zeit (hier 1890), war es noch ein Problem, Farbige und Weiße unter einen Hut zu bekommen, da es damals natürlich noch starke Rassentrennung-bzw. Diskriminierung gab, auch hier deutlich zu erkennen z.B. an den getrennten Wasserfässern mit Aufschriften wie 'Whites only' und 'Coloured only'. Doch Käpt'n Hawks sieht ansonsten kein Problem darin 'Schwarz & Weiß' auf seinem Schiff kunterbunt durcheinandergewürfelt unterzubringen. Schließlich entdeckt die Rassenpolizei, dass seine Hauptdarstellerin, die farbige Diva Julie LaVerne (Sophie Berner) mit einem Weißen verheiratet ist und muß das Schiff daraufhin mit ihrem Mann Steve (Andreas Christ) verlassen. Nun steht der Käpt'n ohne Hauptdarsteller da und auf die Schnelle springt seine Tochter Nola, sowie der gerade durchreisende Glücksspieler und Dandy Gaylord Ravenal (Jan Ammann) ein. Natürlich wird die Vorstellung zu einem Fiasko, doch Nola und der smarte, gutaussehende, aber auch windige Gaylord verlieben sich ineinander und heiraten schließlich, gegen den Willen von Nolas Mutter.

 

2. Akt:

Jahre später in Chicago: Gaylord und Nola haben inzwischen eine kleine Tochter Kim (Sophia Bürger) und leben im Luxus. Doch eines Tages verläßt das Glück Gaylord und da er seiner kleinen Familie nicht noch mehr schaden will, verläßt er sie kurzerhand. Nola muß sich nun mit ihrer Tochter allein durchschlagen. Sie gibt sie in ein Kloster, das Galylord gerade noch bezahlen kann und kommt Dank ehemaliger Kollegen, nämlich dem Schauspielerpaar Ellie und Frank in einem Theater dem 'Trocadero' unter. An ihrem Debütabend, befinden sich auch zufällig ihre Eltern unter den Zuschauern. (Hier gibt es auch 'Can-Can-Einlagen).

Wieder einmal ersetzt Nola ihre alte Freundin Julie LaVerne, die hier gleichfalls engagiert ist, aber ein Alkoholproblem hat.

Weitere Jahre später ist Nola bereits ein Star. Ihr Vater lädt das gesamte Ensemble, und heimlich auch Gaylord, den er zufällig getroffen hat, auf das Show Boat ein. Gaylord ist stark gealtert und bereut bereits, dass er seine Familie einst verließ. Als er Nola und seine Tochter sieht, die nun erwachsen und gleichfalls ein Star ist, kommt es zum dramatischen Showdown. Nola liebt Gaylord noch immer und er beschließt sie nun nicht mehr zu verlassen.

 

Zur Inszenierung:

 

Das hat überhaupt nichts mehr von 'angestaubtem' Musicalcharme. Modern, aber doch zeitgemäß, im Sinne der damaligen Zeit, wirkt diese Inszenierung mit phantastischen Kostümen und erstklassigen Darstellern. Alle sind auf ihre Weise grandios und agieren gekonnt bunt durcheinander. Besonders witzig ist die 'Aufführung in der Aufführung' als dem Käpt'n die Hauptdarsteller genommen werden und er kurzfristig 'Neulinge' engagiert (hier seine Tochter und Gaylord). Doch nicht nur die, sondern auch das bunte 'Bühnenpublikum' mit zwei Revolverhelden darunter, sorgt für Chaos. Schließlich muß Käpt'n Andy (Michael Schanze) sein Stück noch als Einmannshow zuende spielen, was er äußert gekonnt meistert, und sich auch nicht zu schade ist, sogar am Boden umherzurollen. Diese 'Aufführung in der Aufführung' ist, wenn nicht sogar überhaupt, ein absoluter Höhepunkt des Stückes. So gekonnt holprig und poltrig, wie man sich damalige Laiendarsteller in einem 'Wald und Wiesenstück' nur vorstellen kann. Gaylord, 'Jan Ammann' muß hier kurzzeitig in das Gewand eines liebestollen Priesters schlüpfen - das Publikum kugelte sich vor lachen.

Aber auch stimmlich ist diese Rolle für Jan wie geschaffen, endlich kann er 'mal wieder so richtig seine wahre Stimme zum Ausdruck bringen, nämlich durchgehend, diesen klassisch warmen, tiefen Bariton. Schade aber auch, dass er zwischendurch für längere Zeit von der Bühne verschwinden muß (Gaylord verläßt ja Frau und Kind), so zeigt er sich aber wenigstens zwischenzeitlich zu einem Besuch bei seiner Tochter im Kloster.

 

Dieses Musical enthält im Grunde von allem etwas: Tragik, Komik und natürlich die Rassenproblematik (im Hintergrund ist ein Baumwollfeld aufgebaut, mit zwei erhängten Farbigen (natürlich hier Puppen) und kurzzeitig sieht man dort auch den KuKluxKlan agieren, der dann noch eine dritte Puppe dazuhängt...)

 

Eine Klasse für sich ist aber auch Milica Jovanovic als Magnolia (Nola). Mit toller Stimme und großer Ausstrahlung, versteht sie es nicht nur Gaylord, sondern auch das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

 

Aber wie schon erwähnt, alle waren klasse!!

 

Plötzlich kommt einem auch fast jeder Song wieder bekannt vor, irgendwann hat man alle mal gehört, auch wenn sie jetzt hier auf Deutsch waren - das fiel kaum ins Gewicht, am tiefgehensten ist aber immer noch 'Ol' Man River'... hier gesungen von Walter Reynolds.

 

 

Ganz liebe Grüße an Conny und Jutta, war wieder ein Erlebnis mit euch :-)!!

 

 

 

Bildergalerie:

Schlussapplausfotos

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