Rebecca


Musical von Michael Kunze und Sylvester Levay

Nach einem Roman von DAPHNE DU MAURIER

Regie: Francesca Zambello

Musikalischer Leiter: Klaus Wilhelm


Samstag, 18. August 2012

Palladium Theater Stuttgart

Nachmittagsvorstellung

 

Plakat am Palladium Theater in Stuttgart
Plakat am Palladium Theater in Stuttgart

Besetzungsliste des Theaters
Besetzungsliste des Theaters

Bühne vor der Vorstellung (die Halle von Manderley mit großer Treppe) im Palladium Theater
Bühne vor der Vorstellung (die Halle von Manderley mit großer Treppe) im Palladium Theater

 

Mein Bericht:

 

Endlich war es jetzt soweit: Keine Reise mehr nach Transsylvanien, nein, diesmal Manderley in 'Cornwall' und mein erster Besuch überhaupt. Was für ein Glück, auch gleich Ex-Meistervampir 'von Krolock' Jan Ammann in der Rolle des Maxim de Winter zu erleben!! :-) :-)

Man kennt ja die Geschichte nach dem Roman von Daphne Du Maurier und auch den Hitchcock-Film. Da war ich natürlich gespannt, wie das auf der Bühne umgesetzt wird. Aber nach allem was man vorher schon hörte oder las, würde dieses Musical sicher nicht enttäuschen.

So war es dann auch. Meinen Besuch habe ich nicht bereut, ach was rede ich, es hat sich mehr als gelohnt, großes Kino auf der Bühne, einfach grandios!!

Da Daphne Du Maurier ihren Roman in der 'Ich' Form erzählt, wird auch im Musical die Hauptperson nie mit Namen genannt, später ist sie dann natürlich die zweite 'Mrs. de Winter'. Für alle meine Besucher, die die Geschichte nicht kennen hier eine Kurzbeschreibung:

Zur Geschichte:

Im Jahr 1926 reist 'Ich' als Gesellschafterin an der Seite der reichen Amerikanerin Mrs. Hopper nach Monte Carlo und lernt dort den wohlhabenden Witwer Maxim de Winter kennen. Außergewöhnlich schnell verliebt der sich in die junge Frau und macht ihr auch gleich einen Heiratsantrag. 'Ich' kann ihr Glück kaum fassen, sagt natürlich zu und findet sich schon bald in Cornwall auf dem düsteren Anwesen namens Manderley, hoch über sturmumtosten Klippen wieder. Hier führt die unheimliche Hausdame Mrs. Danvers ein strenges Regiment über Haus und Personal. Schon bald bekommt die neue, junge Mrs. de Winter die Ablehnung und schließlich auch den Hass der Dame zu spüren. Diese nämlich war die engste Vertraute von Maxim de Winters erster Frau REBECCA, die aber unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Zunächst traut sich die junge Frau nicht, sich zur Wehr zu setzen, wohl auch, weil ihr Gatte sich gleichfalls etwas merkwürdig verhält und sie nicht unbedingt immer vor Mrs. Danvers in Schutz nimmt. Immer und überall scheint schließlich Rebeccas Schatten in dem düsteren Gemäuer zu lauern.

Beim alljährlichen Maskenball erhofft sich die junge Mrs. de Winter endlich Anerkennung aller Freunde, Bekannten und nicht zuletzt vom Personal des Hauses. Sie läßt sich sogar von Mrs. Danvers beraten, was für ein Kleid sie tragen soll. Der Ball aber wird schließlich zur größten Enttäuschung und auch Blamage für die junge Frau - die hinterhältige Mrs. Danvers hat ihr dasselbe Kleid empfohlen, dass auch schon Rebecca trug - und noch während sie stolz in dem imposanten Barockkleid die große Treppe hinabschreitet, empören sich alle Gäste, samt ihres Gatten, dass sie es wagte, Rebecca nachzuahmen... 'Ich' wird klar, dass dies ein Racheakt der eifersüchtigen 'Beraterin' war.

'Ich' beginnt nachzuforschen und erfährt von dem behinderten Ben, dass Rebecca mit ihrem Boot auf das Meer hinausfuhr und nicht wiederkam. Als sie ihren Gatten schließlich zur Rede stellt, bricht er zusammen und gesteht ihr, dass er seine Exfrau ermordete, da sie seine Stellung schamlos ausnutzte, ihn nicht liebte und ständig heimlich Liebhaber empfing. Gleichzeitig wird tatsächlich eine Leiche gefunden und da Maxim de Winter einst eine andere Tote als seine Frau identifizierte, gerät er nun schwer in Verdacht und muß sich vor Gericht verantworten. Gleichzeitig aber wächst sein Vertrauen und Zusammenhalt zu seiner jetzigen jungen Frau, so dass er am Ende mit Mühe und Not den Kopf aus der Schlinge ziehen kann.

'Ich' gelingt es währenddessen zunehmend sich gegen die eifersüchtige und dämonische Haushälterin durchzusetzen, die schließlich keinen anderen Ausweg sieht, als das ganze Anwesen anzuzünden und alle Erinnerungen an Rebecca zu zerstören. Gleichzeitig aber trachtet sie natürlich auch danach das Leben des Hausherrn und seiner jungen Frau zu vernichten, am Ende aber vernichtet sie nur sich selbst damit.

Zum Musical:

Vieles kam mir bekannt vor, doch es ist schon eine ziemliche Weile her, dass ich mich mit dieser Geschichte befaßt habe, doch ich hoffe, dass es hier einigermaßen korrekt wiedergegeben wurde. Im Musical geschieht ja auch so viel, und man ist gleichzeitig noch vom Gesang und den Darstellern selbst 'abgelenkt' dass einem das ein oder andere schonmal entgehen kann.

Die Songs sind einfach wieder einmal brillant, man hört schon nach kurzer Zeit, bestimmte Melodien heraus, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Vorstellung ziehen. Kostüme und Bühnenbild sind natürlich wieder einmal mehr perfekt und der Zeit (1920er Jahre) angepaßt. Zu Hilfe nimmt man hier auch öfter Filme oder Fotos, die auf Leinwand projiziert und dann als Vorder-oder Hintergrund eingefügt werden, wie z.B. das tosende Meer an den Klippen von Cornwall oder das imposante Herrenhaus selbst...

Aber auch die Bühne war beeindruckend - die riesige Treppe mit Lüster in der Halle des Hauses, die hier oft im Mittelpunkt stand, vor allem auch beim Maskenball, konnte in Windeseile mit dem Bootshaus am Strand eingetauscht werden. Stand 'Ich' oder Mrs. Danvers an einem der riesigen Flügelfenster, drehte sich der ganze Raum plötzlich - und das Fenster, sowie ein Teil der Hausfassade war nun von außen sichtbar. Auch die unheimliche Atmosphäre, die man aus dem Film kennt, wehte hier über die Bühne.

Einzigartig aber war das große Finale, in dem Mrs. Danvers das Haus anzündet und echte Flammen Stufe für Stufe emporzüngeln. Blitz und Knall läßt einen zusammenzucken und man glaubt kaum, was man hier sieht - echtes Feuer und davon nicht wenig auf einer Theaterbühne!! WOW, das ist sensationell und natürlich auch nicht ungefährlich. Aber die Feuerwehr soll ja bei jeder Vorstellung in Position sein ;-). Auch das war ein absolutes Highlight, vor allem, wenn man nicht damit rechnet.

Denise Jastrauning als 'Ich' war ganz phantastisch, in der Darstellung der unschuldigen jungen Frau, die später zur selbstbewußten Mrs. de Winter heranreift, ihrem Mann eine wahrhaft starke Partnerin ist und in allem zu ihm hält. Auch stimmlich war sie wirklich stark.

Pia Douwes als dämonische Mrs. Danvers verursachte nicht zuletzt durch ihre Stimme Gänsehaut. Ein bisschen erinnerte die Rolle der Mrs. Danver, zumindest äußerlich,  an eine gewisse 'Madame Giry' aus dem 'Phantom der Oper'. Allerdings ist Letztere dagegen nur halb so unheimlich wie die Hausdame von Manderley. Zudem besitzt Pia Douwes ohnehin schon eine starke Ausstrahlung, ganz gleich, ob im Glitzergewand oder wie hier, ganz in Schwarz gekleidet. Ihre perfekte, glasklare Stimme geht einfach unter die Haut,  eine EXTRAKLASSE für sich!!

Jan Ammann sah ich nun seit seiner Grafenrolle in 'Tanz der Vampire' und natürlich etlichen Konzerten, zum ersten Mal in einem anderen Musical und er überzeugte mich auch als 'Maxim de Winter' auf Anhieb. Er klang ein bisschen verschnupft beim Sprechen, aber trotzdem war er auch hier stimmlich wieder SENSATIONELL!! Aber auch sein Schauspiel, von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt oder auch als kühler Hausherr auf Manderley, wirkte er stets authentisch und keine Spur künstlich. Dieser Mann ist immer eine Offenbarung und wieder einmal bestätigte er, dass es wohl kaum etwas gibt, was er nicht bewältigt, auch wenn er hier vielleicht nicht ganz gesund zu sein schien, so ließ er sich nicht das Geringste anmerken. Also auch wieder einmal 'Hut ab und ganz tief verbeugt vor diesem Ausnahmekünstler'.

Aber auch alle anderen waren große Klasse. Pannen sind mir jetzt keine aufgefallen, aber wie auch, wenn ich das Musical zum ersten Mal sah. Hätte durchaus auch 'Suchtpotenzial' doch leider ist mir Stuttgart dann doch zu weit weg um 'Rebecca' mal eben öfter zu erleben. Schade, wäre wirklich schön, wenn es auch mal nach Essen oder Oberhausen käme!! (Aber dann auch bitte mit Pia und Jan im Gepäck ;-)!!

Im Anschluss an die Show konnte man noch ein einstündiges 'Making of' besuchen, dass der musikalische Leiter Klaus Wilhelm durchführte und zu animierten Bildern auf einer Leinwand, spannend durch die Entstehung des Musicals 'REBECCA' führte. Er machte unter anderem auch darauf aufmerksam, dass Rebecca selbst ja nie irgendwo auftaucht, nur im großen 'R' auf dem Musicalplakat sieht man den Schatten ihres Gesichtsprofils. Das war mir vorher nie aufgefallen...
Am Ende trat Pia Douwes noch einmal (in Zivil) auf die Bühne und sang einen Song aus dem Musical - den ich noch lange mit mir herumtrug. Ich glaube es war 'Rebecca...' :-)

 

Beschreibung zum Buch von Daphne Du Maurier

 

Ganz liebe Grüße an Conny und Petra, das war ein genialer Tag!! Einmal Stuttgart und zurück... :-)

 

 

Palladium Theater in Stuttgart
Palladium Theater in Stuttgart
Im Foyer des Theaters
Im Foyer des Theaters
Restaurant im Foyer des Theaters
Restaurant im Foyer des Theaters