Liebe Stirbt Nie

Musical von

Andrew Lloyd Webber

 

Operettenhaus Hamburg

Donnerstag, 28. Juli 2016


Plakat zum Musical, in einer U-Bahn Station in Hamburg  gesehen
Plakat zum Musical, in einer U-Bahn Station in Hamburg gesehen

Besetzungsliste des Theaters
Besetzungsliste des Theaters

Nochmal zur Story:

 

Im ersten Teil endete es ja so, dass Christine das Phantom verlässt und mit Raoul geht. Was danach kam, wissen wir nicht - hier, so wie in Gaston Leroux' Roman, bleibt es offen: Alle sind spurlos verschwunden, das Phantom, Christine und Raoul. Demnach hätte Christine durchaus zu Erik zurückkehren können, verbrachte eine Liebesnacht mit ihm und wurde dann, man glaubt es kaum, von Erik wiederum verlassen, da dieser sich schämte und befürchtete, Christines Leben zu zerstören. So in etwa kann man sich das zusammenreimen, wenn man Teil 2 verstehen möchte. Etwas weit hergeholt, ist da schon die Tatsache, dass Christine nach einer Liebesnacht, die auch noch auf dem Dach der Oper stattfand, schwanger wurde. Aber auch das (ersteres) ist wohl nicht unmöglich und soll es schon millionenmal gegeben haben...


Ok, die verlassene Christine kehrt zu Raoul zurück und wird von diesem erneut mit offenen Armen aufgefangen (vielleicht wusste er ja auch gar nichts von Christines Ausflug zurück zum Phantom). Hätte Erik sich nach der Liebesnacht nicht heimlich davongeschlichen, hätte Raoul wohl einen Abschiedsbrief bekommen, so kehrt sie wohl zu ihm zurück, bevor sie gar nichts mehr hat...Ganz schön gerissen das Luder... 😊

 

Sie sieht Erik in dem Musical 'Liebe stirbt nie' dann ja 10 Jahre später in Amerika auf Coney Island wieder, wo dieser sich ein neues Leben zusammen mit den beiden Giry - Damen in Form eines Freizeitparkes aufgebaut hat. Natürlich hat Erik dieses Zusammentreffen heimlich arrangiert, er liebt Christine noch immer und hat sie unter dem Vorwand, dass sie für eine Operneröffnung singen soll, nach Coney Island gelockt.

Christine, in Paris mittlerweile eine gefeierte Diva, reist mit Pomp und Familie (Sohn und Ihrem Ehemann, Raoul de Chagny) an und fällt natürlich in Ohnmacht, als sie Erik wiedersieht, der sich, wie gewohnt, auf geheimnisvolle Weise Zutritt zu ihrer Garderobe und Hotelzimmer verschafft. Noch einmal lassen beide ihre Erlebnisse und ihre Liebe in bewegenden Liedern aufleben, doch Christine macht Erik bittere Vorwürfe, weil er sie damals verließ. Daraufhin entschuldigt dieser sich damit, dass er sich wegen seines Gesichtes und dass er sie verführt hatte, zutiefst schäme.


Bei einem Ausflug mit Christines Sohn Gustave durch seine magische Jahrmarktswelt, erkennt Erik die musikalischen Talente des Jungen und auch, dass dieser nur sein Sohn sein kann.
Er versucht Christine zu überreden, bei ihm zu bleiben, denn offensichtlich ist sie mit dem inzwischen alkoholabhängigen und hoch verschuldeten Raoul, unglücklich. Als Christine sich weigert, verlangt er von ihr, ein letztes Mal für sie zu singen, wohlwissend, dass sie sich nach dem ergreifenden Lied 'Liebe stirbt nie', für ihn entscheiden wird. Das wissen auch Raoul und die eifersüchtigen Girys, die bis dahin alles getan haben um Eriks Wohlwollen zu gewinnen. Hatte sich Meg Giry noch zuvor über das Wiedersehen mit der einstigen Freundin gefreut, so muss sie jetzt feststellen, dass sich Erik, der sich hier übringens 'Mr. Y' nennt, in keinster Weise für ihre etwas kitschige 'Bathing Beauty - Show', interessiert, sondern nur noch Christine sieht.


Es kommt wie es kommen muss: Christine singt für Erik, entscheidet sich für ihn und lässt Raoul allein abreisen. Man denkt jetzt: Alles gut, doch noch ein Happy End!, aber leider nein. Denn Meg entführt Gustave und droht ihn am Pier ins Meer zu stossen. Als Erik und Christine die beiden finden, macht sie Erik schwere Vorwürfe, dass er sich nie um sie geschert habe, wo sie doch so viel für ihn getan habe die letzten Jahre. Sie lässt Gustave frei und hält sich eine Waffe an den Kopf. Als Erik ihr diese entreißen will, lösst sich ein Schuss und trifft - oh weh, Christine!! Sie stirbt dann in Eriks Armen, aber nicht ohne Gustave vorher dessen wahren Vater zu offenbaren. Dieser will davon zunächst nichts wissen, denn während des Ausflugs, sah er Eriks Gesicht und war darüber so entsetzt, wie einst seine Mutter. Erik übergibt die tote Christine dem mittlerweile zuückgekehrten Raoul (er war noch nicht abgereist), und bricht am Pier weinend zusammen. Man glaubt fast, er stürzt sich jetzt ins Wasser, aber dann erhebt sich Gustave, tritt vor Erik, nimmt ihm die Maske ab und umarmt ihn, womit er zeigt, dass er seinen richtigen Vater anerkennt.

 

 

Das Ende ist dann auch hier dramatisch, obwohl man es sich anders gewünscht hätte. Dass jetzt ausgerechnet Christine durch so eine dumme Sache getötet wird und dann auch noch durch Megs Schuld, bzw. auch Eriks Beteiligung, schrammt schon fast an Kitsch vorbei. Besser wäre vielleicht gewesen es hätte Erik getroffen, so aber ist er schon wieder dazu verdammt ohne Christine zu leben, oder ein Happy End wäre auch mal nicht schlecht gewesen...
Ich habe ja schon ausführlich dazu unter der Rubrik 'Das Phantom der Oper' geschrieben, aber wenn man sich die auf den ersten Blick an den Haaren herbeigezogene Story nochmal betrachtet, dann klingt sie gar nicht mehr so abwegig...

Sehr schlecht ist nur das Buch von Frederick Forsyth dazu, A. L. Webber hat daraus aber erneut ein musikalisches Meisterwerk gemacht, auch wenn es von der Dramaturgie her nicht an den ersten Teil heranreicht. Durch seine offensichtliche Präsenz und den veränderten Namen (Mr.Y), büßt das ehemalige Phantom der Pariser Oper zudem auch viel von seiner Mystik ein.

 

Mein Bericht zum Musical:

 

Man hatte sich das Musical schon so dermaßen in der englischen Version eingeprägt, dass es seltsam war, es jetzt vollständig auf Deutsch zu hören. Aber es gefiel mir nicht weniger. Auch wenn die Story oft verhöhnt wird, so sollte man nicht alles so eng sehen. Man kann sich ja auch einfach vorstellen es ist ein Traum des Phantoms, oder ähnlich... Für Phantomfans endet die Story ohnehin rigoros nach dem ersten Teil und offen für eine Fortsetzung ist da kaum jemand. Ich selbst finde es auch befremdlich, aber deshalb verurteile ich nicht ein Stück, dass ansonsten wunderschön ist, auch wenn es an den ersten Teil nicht heranreicht, da im 2. Teil die Mystik um das Phantom etwas verloren geht. 

 

Eigentlich wollte ich ja Gardar Thor Cortes, den isländischen Startenor, der extra dafür engagiert wurde, als Phantom sehen, doch stattdessen stand Mathias Edenborn, als alternierendes Phantom auf dem Plan. In Phantom 1 waren die Meinungen über ihn ja geteilt, weil seine Stimme nicht sehr klassisch klingt. Doch in dieses Phantom 2, passt er super hinein. 

Stimmlich ist er nicht wirklich mein Fall, obwohl Höhen und Tiefen klasse waren und auch sehr klassisch klangen, aber die mittlere Stimmlage ein bisschen seltsam kehlig klingt. Gut das ist Geschmackssache, in Phantom 1, hätte er mir wohl auch nicht wirklich gefallen, aber Phantom 2 hat er ausgezeichnet gemeistert. Schauspielerisch war er grandios, hatte keine Berührungsängste gegenüber Christine, und man nahm diesem Phantom sofort ab, wie sehr es noch immer in diese verliebt war. Das was man in Phantom 1 vermißte, eben diese gewisse körperliche Nähe zwischen beiden (da hielten sie eher Abstand voneinander), die schienen die beiden hier nun mit Umarmungen und Küssen nachzuholen. Was ungewohnt und selbst auf der DVD in der australischen Version nicht so intensiv ist. Ich fand's aber klasse. 

 

Rachel Anne Moore als Christine war eine wahre Offenbahrung. einfach nur perfekt, und eine Wahnsinnsstimme!! Ihr 'Liebe stirbt nie' ging durch Mark und Bein. Da versteht man das Phantom, dass es diese Frau nicht vergessen kann... ;-) Wie sie da im Scheinwerferlicht stand mit diesem wahnsinnigen Pfauenkleid, das war schon ein Anblick der Gänsehaut verursachte. 

 

Ganz klasse war auch der Junge in der Rolle des 'Gustave', (Rasmus), schauspielerisch und stimmlich absolut überzeugend. Es ist bestimmt nicht einfach geeignete Kinder für solch' anspruchsvolle Rollen zu finden, und diese ist auch nicht gerade klein. Er ist ziemlich oft auf der Bühne, hat längere Parts zu singen und zu spielen. Einfach nur bewundernswert, das so ohne Lampenfieber hinzubekommen in dem Alter.

 

Yngwe Gasoy-Romdal als Raoul war gleichfalls perfekt besetzt. Aber ihn kennt man ja auch aus vielen anderen Shows, unter anderem auch aus 'Die Schöne und das Biest' oder 'Jesus Christ Superstar' u.s.w. Er war für mich keine Überraschung, irgendwie ahnte man, dass er auch in dieser Rolle perfekt sein würde.

 

Meg Giry und Madame Giry waren ebenfalls grandios. In Phantom 1 ist die Rolle der Meg ja eher eine undankbare kleinere Rolle und die Darstellerinnen können oft besser tanzen als singen, aber hier mußte Meg Dörte Niedermeier auch singen und das tat sie gleichfalls grandios. Auch ihre Mutter, die strenge Ballettlehrerin, im Musical auf der DVD eher heiser krächzend, bewies hier von Maaike Schuurmans gespielt, dass auch hier Stimme wichtig ist. 

 

Die Inszenierung selbst ist einfach grandios. Viele bunte und aufwendige Bühnenelemente, wobei die gesamte Bühne mit einer riesigen halbierten Maske, die man teilen und bei Bedarf immer auseinanderschieben kann, umrahmt ist. Die Kostüme und das bunte Treiben der 'Freaks' (Eriks Schausteller) auf der Bühne, lassen eine bezaubernde Art von Zirkusathmosphäre aufkommen. Wirklich Wahsinn.

 

Und dann die Musik: Mittlerweile gefällt mir jedes Stück in dieser Show. Ist alles nicht so klassisch wie in Phantom 1, und teilweise sogar sehr rockig, aber fantastisch. A. L. Webber hat hier wieder ein wahres Meisterwerk abgeliefert. Ich zumindest bin begeistert. Das Publikum war es auch, es gab stürmische, stehende Ovationen. Schade, das das Musical bald schon geht, ich hoffe es kommt irgendwann (bald) zurück. 

 

Zum Theater:

 

Ich kenne das Operettenhaus noch aus 'Cats - Zeiten', oh je, das ist ewig her. Seitdem wurde es komplett renoviert und modernisiert, ist toll geworden. Nicht so toll ist, dass wie in vielen Theatern, die ersten Reihen kaum ansteigend sind!! Da bekommt man die Krise, wenn man die ganze Zeit Köpfe vor sich hat... Das ist z.B. im 'Neue Flora' in Hamburg oder im 'Colosseum' Essen anders.

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