Jesus Christ Superstar


Rockoper

von

ANDREW LLOYD WEBBER

und

Tim Rice


Opernhaus Dortmund

Samstag 15. November 2014


Oper Dortmund (Foto (c) Angel
Oper Dortmund (Foto (c) Angel

CAST



Jesus Christus
Alexander Klaws
Judas
Sven Fliege
Maria Magdalena
Dionne Wudu
Pontius Pilatus / Hannas
Markus Schneider
Kaiphas
Hans Werner Bramer
Petrus
Fritz Steinbacher
Simon Zelotes
Jens Petter Olsen
Herodes
Ks. Hannes Brock
1. Priester
HiroyukiInoue
2. Priester
Ian Sidden
3. Priester
Carl Kaiser
u.v.a.
u.v.a.
Opernchor u. Statisterie Theater Dortmund

Musikalische Leitung:
Fabian Richter
Inszenierung:
Gil Mehmert
Choreografie:
Kati Farkas
u.v.a.
u.v.a.




Alexander Klaws als 'Jesus' vor der Vorstellung von 'Jesus Christ Superstar' in Dortmund
Alexander Klaws als 'Jesus' vor der Vorstellung von 'Jesus Christ Superstar' in Dortmund

Mein Bericht:

 

Zur Inszenierung:

 

Eine Vorstellung der Extraklasse wurde uns hier mit Andrew Lloyd Webbers Rockoper 'JESUS CHRIST SUPERSTAR' geboten. Vor der Vorstellung konnte man einen schlafenden Jesus (Alexander Klaws) (siehe Foto), der auf einem Plexiglaskreuz lag, bestaunen und fotografieren: Das dann etwa 15 Min. lang, und dort blieb er auch, als die Ouvertüre begann, die dann wie ein Traum von Jesus inszeniert wird: Im Schnelldurchlauf läßt er sein Leben Revue passieren, während alle Personen die in den letzten 7 Tagen seines Lebens eine Rolle spielten um ihn herumwirbeln. Dass die Inszenierung in modernem Stil sein würde, konnte man schon aus dem Programm ersehen, und dieser Jesus trägt natürlich Jeans und Sweatshirt (und Socken ;-) ) und 'das Volk' ist ein buntes Gemisch aller möglichen Gestalten, hat aber eher den Hippiehaften Charakter der 1970er Jahre. Die Römer sind hier voll ausgerüstete Polizisten  mit Helm und Uniform. Die Hohepriester erkennt man an langen Mänteln.

Es ist also eher in unsere heutige Zeit hineinprojiziert (obwohl heute eine Kreuzigung wohl unwahrscheinlich wäre...aber man sollte es wohl eher symbolisch sehen - alle die jemanden zuvor als Helden verehren, können schnell zu Feinden werden, das erlebt man ja auch heute oft genug...). Aber trotzdem bleiben die Farben eher dezent, was ich aus der Essener Inszenierung vor einigen Jahren als schriller und futuristischer kannte.

Die Band oder das Orchester ist über der Bühne auf einer Art Galerie plaziert, der Sound ist umwerfend.

 

Kleine oder größere Änderungen gibt es auch im Ablauf, wie z.B. in der Tempelszene, die hier als bunte Modenschau dargestellt wird, wobei man das Kreuz auf dem Jesus zuvor noch lag, als Laufsteg nutzt.

Im allgemeinen ist es auch keine sanfte Inszenierung, sondern eher schonungslos und aggressiv, mit einem Jesus der seine Anhänger auch schon Mal anbrüllt, wenn er die Geduld verliert und der auch mal egoistisch sein darf. Das  Verhältnis mit Maria Magdalena findet dann aber sehr dezent statt, z.B. mit einem Bett im Hintergrund, vor dem sich eine Tür schließt, nachdem sich Jesus und Maria Magdalena entkleidet und dorthin begeben haben.

 

Und natürlich werden auch Waffen geschwungen, hier moderne Maschinengewehre, denn Simon wollte ja bekanntlich eher den Kampf gegen die Römer, während ein zerrissener Judas ständig an Jesus und seinen Machenschaften  herumnörgelt, aber nicht erhört wird, was ihn dann schließlich zum Verrat zwingt.

 

Pontius Pilatus (Markus Schneider) wirkt hier auf den ersten Blick eher unscheinbar, besticht aber schließlich mit grandiosem Schauspiel und Stimmgewalt. In seiner ersten Szene, als er von seiner Schuld am Tod von Jesus träumt, wird er (seltsamerweise), als Drogensüchtiger gezeigt, der sich gerade den Arm abbindet und sich eine Spritze setzt. Sein großer Auftritt kommt ja dann noch später...

 

Beim letzten Abendmahl gibt es Wein, Bier und Wasserpfeife. Jesus zerteilt ein Fladenbrot und reicht es seinen Jüngern. Und dann folgt, während die betrunkenen Jünger einschlafen, 'Gethsemane', grandios, stimmgewaltig und unter die Haut gehend, gesungen von Alexander Klaws, dem diese Jesusrolle ohnhin wie auf den Leib geschneidert zu sein scheint, nicht nur vom äußeren Erscheinungsbild, sondern auch seine schauspielerische Leistung ist hier als Jesus sehr authentisch und ausdruckstark. Man kennt ihn ja eher 'brav und lieb' aus dem TV, ich habe ihn erst einmal live in einem Konzert gesehen und leider auch noch nie in einem anderen Musical, obwohl er ja schon in einigen erfolgreiche Hauptrollen hatte - doch hier präsentierte er nun eine völlig andere Seite von sich und in meiner Bewunderungskala ist er gewaltig gestiegen, denn wie die meisten Musicals von A. L. Webber zählt auch dieses zu jenen, die höchste Ansprüche an Ausdruckskraft und vor allem an das Stimmvolumen der Darsteller stellt.

 

Judas (Sven Fliege) ist aber ein ebenbürtiger Gegenpart, zunächst Jesus warnend und verspottend und schließlich sein Verrat, der von den  Hohepriestern mit einem Geldkoffer belohnt wird. Stimmgewaltig ist auch er, und am Ende schlingt er sich in seiner Verzweiflung über den Verrat sein Halstuch um den Hals und wird schließlich von 'Soldaten, bzw. Polizisten' von der Bühne entfernt. Im Hintergrund sieht man kurze Zeit später seinen Schatten in der berühmten Schlinge baumeln...

 

Aber auch Maria Magdalena (Dionne Wudu) (die Erstbesetzung Patricia Meeden war kurz vor der Show erkrankt), ist eine Klasse für sich, vor allem dass sie so kurzfristig einspringen konnte und diese Rolle so perfekt meisterte. Ihre etwas rauchige Stimme passte perfekt zu der hier etwas verrucht dargestellten Maria Magdalena.

 

Schrill dagegen ist der Auftritt des Herodes (Hannes Brock), der hier wie eine Art Clown zurechtgemacht ist, bzw. eigentlich erinnerte er mich eher an den 'Joker' aus 'Batman', mit aufgemaltem Lachmund und schwarz umrandeten Augen - na ja, für Jesus war er ja auch so eine Art 'Joker', die letzte Hoffnung auf Begnadigung, denn ebenso wie der verzweifelte Pilatus, konnte auch Herodes keine Schuld an Jesus finden. Sein Auftritt wird noch begleitet von in Gold gewandeten Tänzern und Tänzerinnen.

Richtig unter die Haut geht dann die Auspeitschung von Jesus, die Pilatus hier  persönlich vornimmt, um Jesus die Sturheit aus dem Leib zu prügeln (doch der blieb ja bekanntlich stur). In einer Art Arena nimmt das Volk (das Jesus zuvor bewunderte) Platz und fordert lautstark Jesus' Tod.

 

Als Jesus schließlich nach 39 Peitschenhieben losgebunden wird und sich auf dem noch liegenden Plexiglaskreuz windet, sieht man den blutverschmierten Rücken. Dann verfällt der Ausgepeitschte bzw. 'Gegeißelte'  in eine Art Trance und sieht in einer Vision Judas wieder, der mit Cheerleadern auf einer Art Bühne erscheint und Jesus damit verspottet, ob dieser sein Ende vorausgesehen habe und erreicht habe was er wolle. 'Jesus Christ Superstar', der berühmteste Song des Musicals erklingt stimmgewaltig vom gesamten Ensemble gesungen und jagt einem die Xte Gänsehaut an diesem Abend über den Rücken.

Die Kreuzigung findet dann auch auf jenem durchsichtigen Kreuz statt. Jesus wird daran befestigt, während Hammerschläge zu hören sind, dann wird das riesige Kreuz  in die Mitte der Bühne gerollt und langsam aufgerichtet.

Nach Jesus' Tod wird es dann in die entgegengesetzte Richtung gedreht, so dass man den 'Gekreuzigten' nur noch schemenhaft sieht, aber man sieht auch die blutigen Streifen am Rücken durchscheinen.

Seine Anhänger erscheinen mit Blumen und Kerzen und legen alles unter dem Kreuz nieder. Da hat man dann selbst einen Kloß im Hals, vor allem weil natürlich auch die schaurig traurige Musikbegleitung viel dazu beiträgt, dass man hier nicht unberührt bleiben kann.

 

Meine Meinung:

Eine grandiose Vorstellung ist zu Ende und im Gegensatz zu manch' anderen Opernhäusern, springt das Publikum hier auch sofort zu Beginn des Schlussapplauses wie ein Mann auf und spendet euphorisch Applaus.

Dieses Musical bzw. Rockoper, hat die Meinungen ja stets gespalten, vor allem, weil die Inszenierungen im Gegensatz zu vielen anderen A. L. Webber  - Musicals, die ja einem festgelegten Schema folgen müssen, hier jedem Ensemble oder Regisseur freigestellt sind. Man kann es in gewisser Weise immer anders darstellen, ob nun authentisch, zur wirklichen Lebenszeit von Jesus oder in die heutige Zeit verlegt, was dann oft noch rockiger oder aggressiver wirkt. Ich bin da ganz offen, und diese Inszenierung war absolut mitreißend und fesselnd und wenn es von einigen als übertrieben empfunden wird, dann kann ich nur sagen: Jesus' Leiden und Sterben ging ja auch nicht sanft vonstatten.

Schon der Sound geht durch Mark und Bein, ganz zu schweigen von all den bekannten, wunderschönen Songs, von denen man auch nie genug bekommt...

Gesungen wird in englischer Sprache, aber über der Bühne werden als Text kurze Erklärungen verschiedener Szenen eingeblendet, die Songs selbst werden aber nicht übersetzt, was auch ok. so war, da es nicht vom Geschehen auf der Bühne ablenkt.

Alexander Klaws ist hier natürlich irgendwie 'das Zugpferd', aber alle Darsteller waren und sind auf ihre Weise fantastisch. Die ganze Show war es.

 

 


Bildergalerie

(Schlussapplausfotos von mir)

 

Weitere Fotos von Conny oder siehe links oben die Unterrubrik