The Phantom of the Opera

 

 

25th Anniversary Vorstellung in der Great Royal Albert Hall in London

mit Live - Übertragung in viele Kinos in aller Welt

 


Offizielles Kinoplakat
Offizielles Kinoplakat

 

Mein Bericht zu der Show die ich im CinemaxX Essen sah

02. Oktober 2011

 

 

In den Hauptrollen: 

    

 

Phantom
Christine
Raoul
Monsieur Firmin
Monsieur André
Madame Giry
Piangi
u.v.a. 

Ramin Karimloo
Sierra Boggess
Hadley Fraser
Barry James
Gareth Snook
Liz Robertson
Wynne Evans
  

 

Mein Bericht:

 

 

Am 02. Oktober 2011 feierte das Musical 'Phantom der Oper' in der Great Royal Albert Hall in London sein 25jähriges Bühnenjubiläum. Damit möglichst viele Fans weltweit dabei sein konnten, ließ man sich etwas ganz Besonderes einfallen: Das bis dahin stark gehütete Bühnenstück, wurde weltweit Live in unzählige Kinos übertragen und wird demnächst sogar auf DVD erscheinen.

Natürlich ist man erst skeptisch, ob so etwas wirklich gut im Kino rüberkommt, aber es hat sich gelohnt. Ich war im CinemaxX Essen dabei und meine Begeisterung hält noch an, zudem ich wieder einmal ein 'neues' Phantom entdeckt habe, dass mir wirklich gefällt, denn hier gab es eine Vorstellung der absoluten Spitzenklasse. :-)

Ton, Bild und auch die Lautstärke waren nahezu perfekt, und im steil ansteigenden CinemaxX - Kinosaal saß man in dick gepolsterten Stühlen fast besser als in so manchem Theater. Der Saal war voll, und wahrscheinlich waren ohnehin mehr Fans als 'normale' Kinobesucher da, wobei Letztere sich wohl eher weniger für immerhin einen Kinokartenpreis von 19,- € in Neuland wagten. Auch hörte man kaum das gefürchtete Popkorngeknister. Einen klitzekleinen Tonausfall gab es am Anfang, er dauerte nur einen Sekundenbruchteil, doch er ließ einem sofort das Blut in den Adern gefrieren - Gott sei Dank ging es dann sofort weiter und weitere Ausfälle sind mir nicht aufgefallen.

Zunächst war eher unklar, ob nun das gesamte Bühnenstück in die Royal Albert Hall verlegt wurde, oder ob es eher eine konzertante Aufführung würde - doch nach einer halben Stunde Interviews mit den Machern, angeführt von Andrew Lloyd Webber, und reichlich Werbung für die schon vorhandene Special DVD und Audio-CD Collection zum 25th Anniversary, zappte das Bild in eine ausverkaufte Royal Albert Hall und man stellte fest,  dass die noch abgedeckte Bühnendekoration schon verriet, dass es tatsächlich eine richtige Phantomvorstellung geben würde. Sogar der berühmte Leuchter hing unter Decke, doch heruntergekommen ist er später leider nicht, sondern explodierte nur Funken sprühend vor sich hin.

Für die Darsteller an diesem Abend war es sicherlich eine große Ehre, ausgerechnet für diese spezielle Show ausgewählt worden zu sein. Doch ich frage mich: Was für einen Druck muß man aushalten können, wenn man weiß, die halbe Welt schaut zu, überall Kameras, das Ganze wird auch noch aufgezeichnet und es darf kein Fehler passieren...?

Aber hier hat man sicherlich eine gewisse Elite ausgesucht, denn es passierte auch kein Fehler, nicht die kleinste Panne, und stimmlich waren alle grandios. 

Man merkte sofort, dass die Bühnendekoration natürlich hier und da anders war als im Original, z.B. saß das Orchester auf einer Plattform hoch über der Bühne, die große Treppe für den Maskenball war hier in zwei kleinere Treppen aufgeteilt. Für die Szene auf dem Operndach hat man auf einer riesigen Leinwand im Hintergrund das echte Dach der Pariser Oper eingeblendet und der Engel, in dem das Phantom Christines Verrat beklagt, fehlte auch - was die Wirkung stark schmälerte. Das Phantom stand einfach nur auf dem 'Dach der Oper' und hatte das Orchester hinter sich. Und natürlich konnte man das Auftauchen der Kerzenleuchter aus dem Nebel, nach Christines Entführung in die Unterwelt der Oper, hier auch nicht so inszenieren wie im Original. Die Brautpuppe im Spiegel fehlte und ebenso der Hannibal-Elefant. Aber das störte nicht wirklich, man wußte ja, dass einiges anders sein würde. Man darf ja schon froh sein, dass das Phantom hier überhaupt fast originalgetreu auf die Bühne gebracht wurde. Die überirdischen Leistungen der Darsteller haben das Fehlen der genannten Requisiten ohnehin zur Bagatelle werden lassen.

Gesungen wurde in englischer Sprache, mit deutschen Untertiteln, allerdings nicht der deutsche Originaltext, sondern die englischen Texte wurde 1:1 übersetzt, was ein bisschen ungewohnt war und leicht verwirrend. Von mir aus, hätte man die Untertitel ganz weglassen können, aber man muß ja schließlich an die Kinobesucher denken, die das Stück nicht in-und auswendig kennen bzw. kein oder kaum englisch verstehen. Gesungen ist es ja noch schwieriger.

Die Kameraeinstellungen waren gleichfalls genial, da wechselte das Bild, da gab es tolle Nahaufnahmen, aber auch zwischendurch Bilder die das Publikum mit einbezogen, so dass man nicht vergaß, dass es eine Live-Übertragung war. Um eventuell störenden Zwischenapplaus zu vermeiden, spielte das Orchester an einige Stellen einfach schnell weiter. Denn ein tolles Publikum war hier allemal, von wegen die Briten sind steif und förmlich ... 

Von den Darstellern kannte ich vorher nicht einen, das hatte man in letzter Zeit selten. Doch sie waren alle klasse, vor allem das nun nach diesem einschlagendem Erfolg neu gekrönte 'Phantomtraumpaar' Ramin Karimloo und Sierra Boggess, die auch mich überzeugten. Englischen Fassungen stand ich früher eher skeptisch gegenüber, da sie irgendwie nicht so gefühlvoll bzw. ausdrucksstark klangen, wie die Deutschen. Irgendwie haben wir mehr Wörter, für die Leidenschaft, die in dieser Geschichte stattfindet und irgendwie fand ich, dass unsere deutschen Fassungen überhaupt ausdrucksstärker waren - doch das ist jetzt anders. Die Engländer müssen stark dran gearbeitet haben, zumindest was ich hier gesehen habe, hat mich mehr als gefesselt, aber schon seit dem Film mit Gerard Butler, weiß man ja, dass es auch anders geht. 

Die Stimmlage von Ramin Karimloo ist zwar höher, als man es von unseren deutschen Phantomen allgemein gewohnt ist, aber ohne jemals schrill zu werden. Sein Phantom war einfach grandios und nagelte einen regelrecht auf dem Kinositz fest. Vor allem die Klage auf dem Dach (All I ask of you (Reprise), verursachte Gänsehaut, da seine anklagende Stimme durch Mark und Bein ging - allerdings fehlte hier das gehässige Gelächter des Phantoms vor dem angedeuteten Absturz des Leuchters, was schade war. Aber ansonsten habe ich nichts zu meckern, dieses Phantom war (und ist ja wohl noch) einfach Extraklasse.


 

Christine (Sierra Boggess) war hier eine wirkliche Offenbarung, wohl die beste Christine, die ich je sah, da stimmte einfach alles, Mimik, Schauspiel, Gesang und Stimme waren perfekt aufeinander abgestimmt, das wirkte alles so locker leicht, als täte sie nie etwas anderes und außerdem harmonierte sie perfekt mit 'ihrem' Phantom. Da blieb Raoul (Hadley Fraser) doch blass daneben, auch wenn der gleichfalls eine tolle Stimme hat, so ist und bleibt es einfach eine eher undankbare Rolle. Man weiß ja wie es endet und trotzdem verzeiht man es Raoul jedesmal auf's Neue nicht, wenn er dem Phantom Christine wegnimmt...

Am Ende und immer wieder zwischendurch, gab es natürlich tosenden Applaus, nur wir im Kino, sahen neidisch zu und niemand traute sich, eine Leinwand zu beklatschen. Am liebsten wäre man auch aufgesprungen, aber man mußte sich hier fast selbst fesseln... 

Nach der Show wurde natürlich der Meister selbst, Sir Andrew Lloyd Webber auf die Bühne gebeten, der noch eine kurze Dankesrede hielt und schließlich seine 'Urchristine' Sarah Brightman präsentierte. Ist ja auch o.k. aber dass sie dann noch die Christine singen mußte, fand ich weniger prickelnd (irgendwann muß man halt loslassen können und selbst eine Sarah Brightman behält nicht ewig Stimme und Jugend, (auch wenn sie meint das wäre so...). Als sie Michael Crawford, das 'Urphantom' entdeckte, bestürmte sie ihn, als habe sie ihn seit Jahrzehnten nicht gesehen und vergaß fast ihren Exmann Andrew Lloyd Webber auf der Bühne (ein wenig peinlich). Mr. Crawford sang allerdings nicht mehr, was ihm mehr Würde verlieh als seiner 'Ex-Christine'. Unterstützt wurde sie von vier Ex-oder noch - Phantomen, wo doch einige brillante Stimmen dabei waren (z.B. John Owen-Jones). Am Ende erschienen dann nocheinmal Ramin Karimloo und Sierra Boggess (die eigentlichen Stars des Abends), die sich aber eher schüchtern im Hintergrund hielten, bis schließlich eine riesige Menge Flitterkram von oben auf die ganze Gesellschaft rieselte, so dass die Bühne in einer Art dichtem 'Schneetreiben' verschwand. 

Gut, 25jähriges muß halt gefeiert werden, aber die Gesangseinlagen der Exphantome am Ende, waren dann doch ein bisschen des Guten zuviel und wollten irgendwie kein Ende nehmen, während man doch noch immer die vorangegangene Vorstellung im Kopf hatte und bemüht war, sich diese Erinnerung jetzt nicht von allem was danach kam, zerstören zu lassen. Aber ansonsten war die ganze Show grandios und wie gesagt, ich habe ein neues Phantom entdeckt, das nun auch einen Platz unter meinen Lieblingsphantomen einnimmt und das sind nicht viele... ;-)