Italienische Operngala

 

Open-Air im Klostergarten der Quintinusstiftung Essen

25. August 2007

 

 

 

Mitwirkende:

 

Quintinus Sinfonie Orchester

Quintinus Opern Chor

 

Solisten:

 

Susanna Risch (Sopran)

 

Kairschan Scholdybajew (Tenor)

 

Künstlerische Leitung: Martin Asmacher

 

Moderation: Franz Josef Gründges

 

 

Mein Bericht:

 

Unter einem wirklich strahlenden Stern stand dieser italienische Opernabend im Garten der Quintinusstiftung, nicht nur was das Wetter anging...

 

Auch hier, wie schon im Juni bei der Musical-Gala wurde nicht nur gehalten was man versprach, sondern noch weit übertroffen! Es war ein Event der absoluten Extraklasse, atemberaubend in jeder Hinsicht und eine, nein zwei Sternstunden der Oper!!

 

Bis auf den letzten Platz war der Klostergarten besetzt, von einem Publikum in allen Altersklassen (vielleicht doch ein bisschen tendierend zur 'älteren' Generation) und man hatte sich in Schale geworfen heute - vorherrschend waren die vornehmen Farben oder Nichtfarben Schwarz und Weiß, Jeans und Turnschuhe waren hier heute nicht, oder kaum anzutreffen...

 

Eine gewisse Atmosphäre war so schon geschaffen. Auch die Bühne war anders als zur Musical-Gala, irgendwie ausladender, mit größerer Abdeckung -warum, das erfuhren wir wenig später, als zunächst der Quintinusopernchor, zusammengestellt aus mehreren Einzelchören, mit 160 'Mann' einmaschierte und kurz darauf das stark verstärkte Quintinusorchester, das auf 50 'Mann' angewachsen war ;-))

 

Orchester & Chor
Orchester & Chor

 

Wie gewohnt gab es kurze Ansprachen von Generaloberin Benigna Behrens und dem Organisator Ulrich Scholten.

 

 

Moderator Franz Joseph Gründges
Moderator Franz Joseph Gründges

Die Moderation übernahm diesmal Franz Josef Gründges, der mit Charme und Witz durch das Programm führte, die jeweiligen, folgenden Opern aus der ein, zwei Lieder (meistens zwei) vorge- tragen wurden, kurz erklärte und passende Pointen hinzufügte. Voraussetzung war da eine gewisse Kenntnis der jeweiligen Oper schon von Vorteil, da man sonst so manche Pointe vieleicht nicht verstanden hätte, aber davon war auszugehen, dass die meisten im Publikum sich auskannten, falls nicht war es auch nicht schlimm, man lachte trotzdem und wenn man es nicht verstanden hatte umso lauter...;-)

Die künstlerische Leitung hatte natürlich wieder Martin Asmacher, der aber diesmal nicht durchgehend dirigierte, sondern sich mit einigen Kollegen abwechselte, vor allem wenn der Chor dran war.

 

Dann wurde die Opern-Gala mit der Ouvertüre aus Mozart's 'Don Giovanni' eröffnet und man bemerkte natürlich sofort den stark veränderten Sound des Quintinusorchesters, dass nun um viele Instrumente, wie Violinen, Cellos, Trompeten und sogar einer Harfe verstärkt worden war!

 

Kairschan Scholdybajew & Susanna Risch
Kairschan Scholdybajew & Susanna Risch

 

Erfreulich für mich, dass fast alle im Programm aufgeführten Opern, zu meinen Lieblingsopern zählen, allerdings waren nicht alle von italienischen Komponisten, enthielten aber dann italienische Einfärbung, Texte oder Titel und 'Die Lustigen Weiber von Windsor' gehören auch nicht zu meinen Favoriten, doch als Susanna Risch im elfenbeinfarbenem Seidenkleid auf der Bühne erschien und 'Eilt herbei' sang, war ich sofort begeistert. Sie wurde als Sopran vorgestellt, doch ihre Stimme klang eher tief, aber dadurch auch sehr warm, so dass ich sie als Mezzosopran eingeschätzt hätte, aber vielleicht kommt es da ja auch auf die Höhen an, und die waren ebenso perfekt und keine Spur schrill. Einfach Klasse!!

 

 

Susanna Risch als 'Carmen'
Susanna Risch als 'Carmen'

 

Auch für das Auge bot sie nicht wenig - für jeden einzelnen Vortrag erschien sie einem anderen atemberaubenden Kleid und auch recht farbenprächtig, als Carmen natürlich in Rot und auch ihre 'Habanera' war atemberaubend, vor allem als sie den Fächer gekonnt öffnete und keck damit 'wedelte' war das ein toller Anblick und passte sehr gut!

 

Mit den beiden Arien 'Tacea la notte' (Troubador) und 'Vissi d'Arte' (Tosca) sorgte sie vor allem bei den hohen Tönen, für Begeisterung, einfach fantastisch!

 

 

Kairschan Scholdybajew dann war wirklich eine Extraklasse für sich. Schon nach den ersten Tönen wurde einem klar dass hier nichts schief gehen konnte, so sicher und professionell klang dieser grandiose Tenor in allen Tönen! Gänsehaut bekam man, während er 'E lucivan le stelle' (Tosca) oder 'Nessun Dorma' (Turandot) vortrug, ebenso 'La donna e mobile' (Rigoletto). Das war der absolute Wahnsinn!!

 

 

 

Ich weiß nicht mehr genau wann es war, ich glaube bei Nessun Dorma, als er sich, allerdings ohne im geringsten aus dem Takt zu kommen, scheinbar ungeduldig, zum Ende hin immer wieder dem Dirigenten zuwandte und eine Armbewegung machte die anzuzeigen schien, dass das Orchester Tempo machen solle, waren sie ihm da zu langsam...? Oder bilde ich mir das jetzt ein, aber es fiel mir auf..;-) Wenn es so war, dann machte er es so gekonnt, dass es bestimmt weiter hinten kaum auffiel...

 

 

Kairschan Scholdybajew
Kairschan Scholdybajew

 

Wieder bekam man 'Gänsehaut' als er am Ende die Arme ausbreitete und sein ganzes Stimmvolumen in den höchsten Tönen aus sich herausließ. Eine Weile stand er noch so da, während das Publikum tobenden Beifall spendete und genoß es mit geschlossenen Augen, aber schien sich gleichfalls auch von der gehörigen Kraft die er dafür aufbringen mußte zu erholen. Auch wenn alles immer so leicht klingt und wirkt, es ist mehr als bewundernswert, was Sänger/innen (nicht nur Opernsänger/innen) teilweise leisten müssen. Man bemerkt es meist erst, wenn man sie ganz aus der Nähe erleben darf...!

 

 

Sehr schön auch einige Duette der beiden Solisten wie 'Fra gli amplessi' (Cosi fan tutte), oder 'O soave fanciulla' (La Bohème), wenn sie sich an den Händen hielten und wie ein scheinbar verliebtes Paar wirkten, ohne sich gegenseitig in Grund und Boden zu singen...

 

 

Susanna Risch
Susanna Risch

 

Grandios und Extraklasse natürlich, wie oben schon erwähnt, war der Chor, und auch hier hatte man die schönsten Stücke ausgesucht, wie 'Mondchor' (Lustige Weiber von Windsor), 'Va, pensiero' (Nabucco), 'Zigeunerchor', (Der Troubardour) und 'Gloria all 'Egito' (Aida). Das ging durch Mark und Bein und schien die Klostermauern in ihren Grundfesten zu erschüttern...! Hier wechselten sich die Dirigenten ab und auffällig war dort ein sehr junger Mann mit 'typischer Dirigentensturmfrisur' der sich hier wirklich in allen Bewegungsformen zu verausgaben schien, was eine wahre Augenweide war. ( Ich fand's Klasse!) Aber irgendjemand im Publikum, irgendwo hinter mir, schien sich darüber köstlich zu amüsieren, und da sich alle ständig umsahen um den 'Übeltäter' auszumachen, verursachte das bei mir widerum fast einen Lachkrampf, den ich noch so gerade unter Kontrolle bekam...also wirklich...;-)) Und das während des wunderbaren 'Nabucco-Gefangenenchores'...!!

 

 

Chor und Dirigent
Chor und Dirigent

 

Um noch einmal auf 'Gloria all Egito' zu kommen, (Triumphmarsch aus AIDA) wurde nicht nur vom Chor, sondern auch vom Orchester durchweg grandios und am Ende der Gala zum Besten gegeben mit fantastischen Trompetensolos, wofür man eigens jeweils drei Trompeter rechts und links vom Publikum platziert hatte, so dass man abwechselnd, die eine oder andere Seite hörte und schließlich alles zusammen. Eine grandiose Idee und ein wirklich perfekter Abschluß.

 

Susanna Risch
Susanna Risch
Applaus!!
Applaus!!

Nach dem Schlußapplaus gab es noch Zugaben vom Orchester, dem Chor und den beiden Solisten mit dem Trinklied aus 'La Traviata', diesmal auf Deutsch, und es war ein toller Abschluß einer Opern-Gala, wie ich sie in dieser Form noch nicht erlebt hatte.

 

 

 

Mein Resümee:

 

Das war ganz große Oper, hätte ich Open Air in einem Klostergarten nie mit gerechnet, ein absolut unvergesslicher Abend!

 

Eine grandiose Leistung aller Mitwirkenden, ebenso wie die der Quintinusstiftung, die das alles organisiert und durchgeführt hat.

ganz herzlichen Dank dafür!!

 

 

 

Schlussapplaus
Schlussapplaus