Nabucco

(Nabucodonosor)

 

Oper (Dramma lirico) in vier Teilen von Giuseppe Verdi

Uraufführung am 9. März 1842 im Teatro alla Scala, Mailand

Erstes Meisterwerk von Verdi, dass sofort große Erfolge feierte.

 

 

 

Open-Air Aufführung in italienischer Sprache

am 11. Juli 2008, 20.00 Uhr im Gruga-Park Essen

 

Es spielt die Staatsoper Prag in Kooperation mit dem Classical Symphonic Orchestra und internationalen Gastsolisten

 

Mitwirkende:

 

Dirigent: Michael Kriegel

 

Sänger/innen (Darsteller):

Nabucco (Nebukadnezar), König von Babylon (Bariton):

Vladislav Zaprazny

Andrej Skurhan

Zacharias (Zaccaria), Hohepriester der Hebräer (Baß):

David Szendiuch

Jurij Gorbunov

Abigail (Abigaille) Sklavin und vermeintliche erstgeborene Tochter Nabuccos (Sopran):

Tereza Claudia Slupska

Halina Fulara-Duda

Fenena Tochter Nabuccos (Mezzosopran):

Marina Jakovleva

Ismael (Ismaele), Sohn oder Neffe des Königs Zedekia von Jerusalem (Tenor):

Vojtech Filip

Anna, Zacharia's Schwester (Sopran):

Andrea Jurcikova

Abdallo, alter Offizier des Königs von Babylon (Tenor):

Tomas Brazda

Veleknez, Oberpriester des Baal (Baß):

Peter Soos

Außerdem: Babylonische u. hebräische Soldaten, Hebräer, Babylonier, Priester (Chor)

 

 

Ort und Zeit:

Jerusalem und Babylon um 586 v. Chr.

 

 

Zacharias und seine Anhänger (Nabucco)
Zacharias und seine Anhänger (Nabucco)

 

 

 

Zum Inhalt:

 

1. Teil

Im Tempel Salomos in Jerusalem versammeln sich die Hebräer mit Zacharias ihrem Hohepriester, um für den Frieden zu beten, denn vor den Toren der Stadt steht Nebukadnezar (Nabucco) mit seinen babylonischen Truppen.

Fenena, Tochter Nabuccos, wird von den Hebräern als Geisel gehalten, um den Angriff zu verhindern.

Die Babylonier greifen trotzdem an und Zacharias übergibt Fenena an Ismael, den Sohn des hebräischen Königs, bevor er sich mit seinen Leuten aufmacht die Stadt zu verteidigen.

Allerdings sind Fenena und Ismael ein Liebespaar, sehr zum Ärger von Abigail, Fenenas älterer Schwester, die den Königssohn gleichfalls liebt.

Abigail stürmt nun mit einem Schwert in der Hand herein, im Gefolge als Hebräer verkleidete babylonische Soldaten und versucht Ismael für sich zu gewinnen. Der aber kann ihre Liebe nicht erwidern.

Mittlerweile haben die Babylonier die Stadt gestürmt, die Hebräer flüchten zurück in den Tempel. Zacharias ergreift Fenena und bedroht sie mit einem Dolch, als Nabucco erscheint. Doch Ismael greift ein und rettet Fenena. Die Hebräer sind aufgebracht und Nabucco befiehlt seinen Soldaten den Tempel zu zerstören.

 

 

Nebukadnezar verhöhnt die Götter (Nabucco)
Nebukadnezar verhöhnt die Götter (Nabucco)

 

 

 

Zacharias und Fenena
Zacharias und Fenena

 

2. Teil

Abigail findet ein Dokument, dass beweist, dass sie nicht die Tochter von Nabucco ist, sondern eine einfache Sklavin.

Ihr Rachedurst und Machtstreben sind grenzenlos, da Fenena zur Thronerbin bestimmt wurde. Fenena derweil befreit die gefangenen Hebräer, was den Oberpriester Veleknez gegen sie aufbringt. Er überträgt Abigail die Macht, da sich Nabucco gerade bei seinen Truppen aufhält.

Fenena konvertiert zum Judentum, als die Nachricht eintrifft, Nabucco sei im Kampf gefallen. Doch gerade als Abigail ihrer vermeintlichen Schwester die Krone entreißen will, taucht Nabucco auf, verhöhnt alle Götter und ruft sich selbst zum Gott aus. Da trifft ihn ein Blitz und schleudert ihn zu Boden. Er überlebt den Blitzschlag, ist aber geistig verwirrt. Abigail reißt die Krone erneut an sich.

 

 

Herrschsüchtige Abigail
Herrschsüchtige Abigail

 

 

3. Teil

Abigail bringt den verwirrten König dazu, das Todesurteil für die Hebräer und somit auch für Fenena zu unterschreiben. Triumphierend zerreißt sie das verräterische Dokument, in dem steht, dass sie nicht Nabuccos Tochter ist...

Am Ufer des Euphrat beklagen die gefangenen Hebräer ihr Schicksal

(Gefangenenchor 'Va pensiero, sull' ali dorate' / Flieg, Gedanke auf goldenen Schwingen)

Aber Zacharias macht ihnen Mut und prophezeit das Ende Babylons.

 

 

 

 

 

4. Teil

Nabucco, der im Palast gefangen gehalten wird, erwacht und sein Verstand kehrt zurück. Als er vom Todesurteil seiner Tochter Fenena erfährt, bittet er den Gott der Hebräer um Beistand.

Sein Offizier Abdallo erscheint und befreit ihn, als er sieht, dass der König wieder bei klarem Verstand ist.

In letzter Minute kann Nabucco Fenena befreien, das Bildnis Baals stürzt zu Boden. Als Abigail begreift, dass sie verloren hat, nimmt sie Gift und bittet Fenena sterbend um Verzeihung.

Nabucco verspricht den Hebräern die Freiheit und gibt ihnen ihr Land zurück. Er offenbart seinen neuen Glauben an den Gott der Hebräer, von dessen Macht er jetzt überzeugt ist.

Gefangener Nebukadnezar (Nabucco)
Gefangener Nebukadnezar (Nabucco)

 

 

 

Zur Inszenierung im Gruga-Park Essen:

 

Laut Programm wurde ja eine monumentale Aufführung versprochen, mit 'einzigartigem Zusammenspiel von Pferden und Streitwagen, echten Kamelen, farbenprächtigen Pyroeffekten 120 Mitwirkenden (wer wurde denn da alles gezählt?) und pompösen Kostümen...'

 

Als wir eineinhalb Stunden vorher eintrafen, war man noch fleißig dabei die Bühne zusammenzubauen und schaffte es auch gerade noch bis zum Beginn der Aufführung um 20.00 Uhr, was den Bühnentechnikern einen Extraapplaus einbrachte. Aber wie wir später erfuhren, hatte schon am Vortag bei der Aufführung in Celle heftiger Regen die ganzen Arbeiten verzögert. Wir hofften auf besseres Wetter, und vorerst sah es auch danach aus...vorerst...!

 

Die Bühnenderokation wirkte, ausgenommen das neue, moderne Außengerüst und den ganzen Scheinwerfern, sowie der hinter schwarzem Tuch verborgenen Verstärkern, recht simpel und fast zerbrechlich, mit einer Holztreppe in der Mitte und zwei wackeligen Stegen, die am obersten Absatz der Treppe zu beiden Seiten abzweigten. Unten herum waren die Stege mit einer Art goldfarben bemalter und mit Tafeln voll hebräischer Schrift geschmückter Käfige bestückt. In großen Schalen wurden Feuer angezündet, die aber nicht lange brannten, der Geruch nach verbranntem Paraffin oder Petrolium hielt sich da schon länger...

 

Als dann die Durchsage kam, dass nun die Vorstellung beginnt und wir die Schau vor einer spektakulären Bühnendekoration o.ä. genießen sollten, brachen alle Zuschauer ersteinmal in Gelächter aus, wahrscheinlich auch noch in Erinnerung an die armen Bühnentechniker, die allerdings gar nicht gestreßt wirkten sondern eher die Ruhe wegzuhaben schienen ;-))

 

 

 

 

Bühne und Orchesterzelt
Bühne und Orchesterzelt

 

Das Orchester befand sich in einem Zelt neben der Bühne und der Dirgent wurde nun in einem Streitwagen, mit zwei Pferden davor, herangefahren. Das sollte sich nach der Pause wiederholen, aber das war auch schon der ganze 'spektakuläre' Einsatz des Pferdegespanns *g*.

 

Zwei Kamele gab es auch tatsächlich, die wurden gleichfalls an den Zuschauern vorbeigeführt und nach der Pause sogar von einem Fackelzug begleitet. Das wirkte in der späteren Dunkelheit dann schon etwas spektakulär...;-)

 

Ein bisschen Unruhe kam auf, als wir die Kamelführer sahen, mit sichtbar angeklebten Bärten, und unter den bettlakenartigen Gewändern schauten Jeans und Sandalen hervor...was kam da nur auf uns zu...?

 

 

Feuerwerk am Ende der Vorstellung
Feuerwerk am Ende der Vorstellung

 

Schließlich füllte sich die Bühne mit Menschen, alle in Gewänder gehüllt, manche in bessere, andere in schlechtere, je nach Rang, was sie in der Oper darstellten. Aus der ersten Reihe sah man dann auch schon hier und da ein ausgefranstes Loch oder einen Riß im Kleid (pompöse Kostüme...?), aber gerade das machte später wohl auch den historischen Charme der Vorstellung aus; wäre die Technik drum herum nicht gewesen, hätte man meinen können, man befände sich in der Zeit der Uraufführung, eine richtige Wald und Wiesenbühne, so simpel, dass es schon wieder genial war!

 

Genial war aber dann die Inszenierung samt Darsteller wirklich!! Man genoß von Anfang an das berührende, leidenschaftliche Schauspiel und tolle Stimmen.

 

Das Programm führte die gesamte Besetzung auf, also auch Zweitbesetzung etc. so dass man nicht wußte, wer nun an diesem Abend auftrat, so habe ich oben auch alle Namen aufgeführt. Aber wer immer auch jetzt sang, sie waren alle grandios. Jede Stimme hörte sich absolut anders an. Vor allem Hohepriester Zacharias hatte einen wunderschönen und nicht allzu tiefen Baß sowie große Ausstrahlung. Aber auch alle anderen, besonders Tenor 'Ismael' (Vojtech Filip?) gefielen mir sehr gut! An die Stimme der Abigail wurden ganz besonders hohe Anforderungen gestellt, die sie toll meisterte und im Mittelpunkt stand natürlich 'Nabucco', der irgendwie große Ähnlichkeit mit Hunnenkönig 'Attila' hatte *g*. Sein Gesang (Bariton) und auch sein Schauspiel waren sehr ergreifend und dramatisch.

 

 

 

Nach der Pause wurde es langsam dunkel, so dass die Szenerie auf der Bühne sehr effektvoll in verschieden buntes Licht getaucht werden konnte. Leider fing es nach der Pause auch an zu regnen. Zuvor war es schon ziemlich kalt geworden und nun begann bei den ersten Regentropfen ein unüberhörbares Gerausche und Geraschel im Publikum; die zuvor verteilten Regencapes (hatten wir schon mal, bei der Musical-Gala letztes Jahr im Klostergarten;-) wurden ausgepackt - gerade noch rechtzeitig, denn der Regen wurde stärker. Einige konnten es nicht lassen und spannten doch tatsächlich ihre Schirme auf, wurden aber fast augenblicklich von anderen Zuschauern lautstark aufgefordert diese wieder zu schließen. Andere flüchteten gleich (sind wohl aus Zucker...!?)

 

 

 

 

Wir hielten tapfer durch, ebenso die Darsteller auf der Bühne, die sich keinen Augenblick lang von der Unruhe aus der Ruhe bringen ließen...

Man sah nur ihren Augen an, die leicht amüsiert auf's Publikum starrten, dass sie innerlich zu beten schienen, dass es nicht schlimmer wurde und ALLE die Flucht ergriffen...

 

Wir jedenfalls hielten durch und es wurde belohnt - der Regen wurde wieder schwächer, es gab noch ein tolles Feuerwerk, auf der Bühne sowie am Himmel und zum Dank an das Publikum, wurde der wunderschöne Gefangenenchor nocheinmal gesungen. Wow! Wer da keine Gänsehaut bekommt... (obwohl man die wegen der Kälte wohl schon hatte). Jeder der durchgehalten hatte und das waren die meisten, war nun guter Dinge und die Darsteller ernteten tobenden Applaus und Bravorufe!!

 

 

 

Nasses Vergnügen, aber das war es wert ;-)
Nasses Vergnügen, aber das war es wert ;-)

 

Mein Fazit:

 

Einfach Klasse, obwohl nicht alles wirklich so war wie im Programm versprochen. War gar nicht schlimm!

Liebe Grüße und vielen Dank nocheinmal für die Einladung an Annette und Sabine!! War ein wirklich toller Abend!! ;-))