Jonas Kaufmann

Konzert

Philharmonie Essen, am 10. Oktober 2011

20.00 Uhr

Bericht von mir und tolle Fotos von Conny - gaaanz herzlichen Dank dafür!!

Jonas Kaufmann
Jonas Kaufmann

Mitwirkende:

 

Jonas Kaufmann (Tenor)

 

Bochumer Symphoniker (Orchester)

 

Jochen Rieder (Dirigent)

 

 

 

 

Programm:

 

Teil 1

 

Giuseppe Verdi (1813 - 1901)

Ouvertüre zu "Les vepres siciliennes" (Orchester)

 

Amilcare Ponchielli (1834 - 1886)

"Cielo e mar"

Arie des Enzo aus 'La Gioconda' (Jonas Kaufmann)

 

Amilcare Ponchielli

"Danza delle ore" aus 'La Gioconda' (Orchester)

 

Riccardo Zandonai (1883 - 1944)

"Giulietta! Son io!"

Szene des Romeo aus 'Giulietta e Romeo' (Jonas Kaufmann)

 

Alfredo Catalani (1854 - 1893)

Vorspiel zum 4. Akt von 'La Wally' (Orchester)

 

Francesco Cilea (1866 - 1950)

"La dolcissima effigie"

Szene des Maurizio aus 'Adriana Lecouvreur' (Jonas Kaufmann)

 

Pietro Mascagni (1863 - 1945)

Intermezzo aus "Cavalleria rusticana" (Orchester)

 

Pietro Mascagni

"Mamma,quel vino é generoso..."

Szene des Turiddu aus 'Cavalleria rusticana' (Jonas Kaufmann)

Teil 2

 

Camille Saint-Saéns (1835 - 1921)

"Danse Bacchanale" aus 'Samson et Dalila' (Orchester)

 

Umberto Giordano (1867 - 1948)

"Un di all' azzurro spazio guardai profondo"

Szene (Improvviso) des Chénier aus 'Andrea Chénier' (Jonas Kaufmann)

 

Richard Wagner (1813 - 1883)

Vorspiel zum 3. Aufzug von 'Lohengrin' (Orchester)

 

Richard Wagner

"Winterstürme wichen dem Wonnemond"

Szene des Siegmund aus 'Die Walküre' (Jonas Kaufmann)

 

Richard Wagner

Vorspiel zum 1. Aufzug von 'Lohengrin' (Orchester)

 

Richard Wagner

"In fernem Land, unnahbar Euren Schritten"

Gralserzählung des Lohengrin aus 'Lohengrin' (Jonas Kaufmann)

 

Mein Bericht:

 

Jonas Kaufmann war wieder im Ruhrgebiet, genauer in der Essener Philharmonie - ich hatte ihn zuletzt ja in der Tonhalle Düsseldorf gesehen und gehört. Seitdem sind genau zwei Jahre vergangen (wie die Zeit vergeht...)

Und wenn ein Jonas Kaufmann mal wieder in der Nähe ist, dann muß man natürlich hin... auch wenn die Karten eigentlich sündhaft teuer sind - selbst in der Galerie bzw. im Rang.

 

Wir waren zu viert und hier kamen sehr unterschiedliche Einstellungen zu dem Opernstar zusammen: Zwei 'Semi - Fans' zu denen ich mich auch zähle, während die anderen beiden ihn noch nie live gesehen und gehört haben. Davon ist eine eher kein Klassik-Fan, die andere aber eine Klassikfachfrau. Das war jetzt echt interessant, vor allem weil wir im Saal verteilt auf verschiedenen Plätzen saßen, bzw. zwei in Reihe 2, davon eine in der Mitte, genau vor der Bühne, die nicht besonders erhöht war, eine außen, eine in Reihe 7 und ich auf meiner preisgünstigen Galerie (immerhin noch 104 Euro...) die ihn die ganze Zeit nur von der Seite sah, aber im großen und ganzen auch o.k.

 

Und wenn Jonas Kaufmann auftritt strömen auch viel jüngere Leute ins Konzert, was bei Klassik-Konzerten ja eher seltener ist. Und es gab wenigstens ein schönes kleines, kompaktes Programmheft, mit allen Liedern, auch den Liedtexten, in Deutsch und Italienisch mit Erklärungen zu den jeweiligen Opern, für sage und schreibe 1 Euro (ein großer Pluspunkt :-)!). Da konnte man später mitlesen was gesungen wurde, und einige taten das sogar... da frage ich mich, warum besucht man solch ein Konzert, mein Augenmerk bleibt doch da lieber auf den Sänger gerichtet...auch wenn man ihn nur von der Seite sieht...

 

Es gab sogar Plätze, z.B. hinter der Bühne... ja da konnte man den Rücken des Weltstars bewundern und seinen wilden Lockenkopf (für seine 42 Jahre sieht er wirklich noch sehr gut aus, man schätzt ihn eher auf 35 oder so, wenn man es nicht besser wüßte).

 

Doch ich fand, dass er damals in der Düsseldorfer Tonhalle ein wenig mehr Ausstrahlung und Esprit besaß: Schlank war er zwar schon immer, doch diesmal wirkte er eher ein bisschen 'zu schlank' fast zierlich - dafür waren die Locken noch ausladender. Auch schien er mir ein wenig blass um die Nase und nicht wirklich gut drauf - sein Lächeln wirkte ein bisschen gequält - aber man weiß ja inzwischen, dass er in letzter Zeit krank gewesen war.

 

Eine Begrüßung oder Moderation gab es nicht. Letzeres wäre auch überflüssig, bei dem ausführlichen Programm, aber in der Tonhalle damals, sprach Jonas auch zu seinem Publikum und kündigte seine Lieder an, das war irgendwie 'persönlicher'. Diesmal sagte er kein Wort, nicht ein Einziges, er sang nur, abwechselnd, wie gewohnt, mit Orchestereinlagen. Wenn es nach mir ginge, würde ich sagen: ich habe nichts zu meckern - seine Stimme ist nun mal sehr tief, das wissen alle und strittig bleibt, ob er nun wirklich ein Tenor ist oder eher ein Bariton (da kenne ich Baritöne die höher singen...) aber das überlasse ich mal den Kennern. Zumindest füllte er den Saal mit seiner kraftvollen Stimme ohne Mikrofon komplett aus und erntete auch Begeisterungsstürme.

 

Zudem kam er nach jedem Applaus wieder auf die Bühne, rannte rein und wieder raus, ließ sich nocheinmal blicken und feiern und verschwand wieder...

 

Jener andere 'Semi - Fan' und ich waren ebenso ersteinmal angefüllt mit einer gewissen Begeisterung, wobei wir aber selbst merkten dass der berühmte Funke nicht so wirklich übersprang und wurden dann auch prompt von den beiden anderen gebremst. Der Klassiklaie fragte:'Was ist denn jetzt so besonderes an ihm?' Während die Kennerin uns genau und wirklich interessant erklärte, was hier nicht so wirklich stimmte.

Und es kam, was kommen mußte: 'Das ist aber kein wirklicher Tenor - die hohen und die tiefen Töne sind gut, aber eine gewisse Mittellage fehlt dann doch und wirke sehr angestrengt, was er mit Lautstärke und Kraft wieder ausgleiche, außerdem seien da gewisse Nebengeräusche zu hören...'

In einer Zeitungskritik las ich zwei Tage später etwas Ähnliches, aber wie dem auch sei, solange Jonas Kaufmann das Publikum begeistern kann (und das tut er laut Zeitungskritiker immer im Komplettpaket ;-) - womit der wohl meinte, dass eben auch sein gutes Aussehen viele ein Auge zudrücken ließe) wird er wohl auch erfolgreich sein.

 

Wenn man sich mit seiner Tenor - Bariton- oder Heldentenorstimme (wie auch immer) arrangiert hat, die ja trotz aller Kritik doch beachtlich ist (und man sich standhaft einredet, dass er ja von der Welt als Tenor akzeptiert wird (wenn auch nicht von aller Welt), dann kann man ihn begeistert weiter genießen - außerdem spielt er ja in berühmten Opernhäusern ganze Opern und da kommt dann noch das schauspielerische Können dazu.

 

Zum Programm: So wirklich bekannt waren mir die Lieder und Stücke jetzt nicht wirklich alle, aber verständlich, dass ein anspruchsvoller Opernstar, nicht immer nur bekannte Stücke herunterleiern möchte - obwohl wenigstens ein paar hätten dabei sein können. Auch in der Zugabe kam dann nichts, was einem jetzt wirklich im Gedächtnis hing - wie: Cileas 'L anima ho stanca' oder der Tauber-Hit: 'Du bist die Welt für mich'...

Sehr schön waren die letzten beiden Wagnerstücke, wo Orchester und Jonas' Gesang dann nahtlos aneinandereihten.

 

Orchester und Dirgent sollen auch nicht so perfekt miteinander harmoniert haben, meiner Meinung nach aber tadellos, - aber ich bin auch keine Klassikkennerin, ich höre es nur gerne und schräge Töne auch erst, wenn sie wirklich schräg sind, aber die gab es hier wirklich nicht ;-).

 

Obwohl das Publikum in angemessenem Rahmen (wie Klassikpublikum nun mal kann) tobte, wirkte der Star doch weiterhin etwas gequält. Er sah sich kaum um im Saal, blickte stets nach oben, irgendwie ins Leere und umarmte den Dirgenten ständig, als sei dieser eine Art rettender Strohhalm - doch retten wovor? Er hatte doch seinen Applaus. Ein jüngeres Paar neben mir verließ den Saal vor der dritten Zugabe (ich hoffe es lag nicht daran, dass ich vorher beim Italiener gespeist hatte - auch wenn ich mich bemühte wenig und nur durch die Nase zu atmen ...).

 

Beim Schlussapplaus wurde dann im Saal auch eifrig fotografiert, doch als ich von meinem eher ungünstigen Platz aus gerade drei Fotos von Jonas von der Seite gemacht hatte, wurde ich von unserer Galeriewärterin doch tatsächlich unterbrochen... auch schräg hinter mir, jene, die Jonas eh fast mehr von hinten sahen, durften mit ihren kleinen Digicams kein Foto mehr schießen, während der ganze Saal vor Kamerablitzen blitzte...(ein bisschen übereifrig die Dame, später erfuhr ich dann, dass an anderer Stelle fotografieren doch erlaubt wurde, aber ohne Blitz...)

 

Ich war zunächst empört - doch meine Fotos wären aus dieser Perspektive sowieso kaum brauchbar geworden und mit einem Triumphgefühl, so wie einem leicht gehässigen Blick Richtung unserer Aufpasserin, registierte ich, dass 'meine Fotografin' Conny unten in der zweiten Reihe, gerade dabei war eine Serie zu schießen. Fast besänftigt packte ich meine Kamera weg und konnte dafür nun ungehindert applaudieren ;-)