Die Zauberflöte

Singspiel von Wolfgang Amadeus Mozart

Uraufführung am 30. September 1791 in Wien

 

 

Bühnendeko Aalto Theater Essen (Zauberflöte)
Bühnendeko Aalto Theater Essen (Zauberflöte)

 

 

 

Musikalische Leitung:

Inszenierung:

Florian Ziemen

Ezio Toffolutti

 

Besetzung:

 

 

Pamina:

Tamino:

Papageno:

Papagena:

Königin der Nacht:

Erste Dame:

Zweite Dame:

Dritte Dame:

Sarastro:

Monostatos:

Sprecher:

Erster Priester:

Zweiter Priester:

Erster Geharnischter:

Zweiter Geharnischter:

Drei Knaben:

 

 

Anna Virovlansky

Andreas Hermann

Peter Bording

Christina Clark

Urantsetseg Urtnasan

Melanie Kreuter

Marie-Helen Joel

Marion Thienel

Marcel Rosca

Mark Rosenthal

Günter Kiefer

Joo Youp Lee

Swen Westfeld

Rainer Maria Röhr

Michael Haag

Alexander Niessen

Marc Schneider

Carlo Wilfart

Sklaven u. Naturerscheinungen: Absolventen der Pantomimenklasse der Folkwang Hochschule Essen

Opernchor des Aalto Theaters

 

Essener Philharmoniker

 

 

Ensemble der Zauberflöte beim Schlussapplaus
Ensemble der Zauberflöte beim Schlussapplaus

 

Zur Inszenierung:

 

Wieder eine moderne Inszenierung, bzw. was versteht man unter modern? Ein bisschen märchenhaft war sie dann schließlich doch noch. Immerhin war es von Mozart ja auch als eine Art Märchen gedacht, diesmal aber war es der 'Traum' Tamino's und deshalb spielte sich auch die gesamte Oper in einer Art Schlafgemach ab, zwar sehr wandlungsfähig aber doch immer sichtbar. Das Bühnenbild vor Vorstellungsbeginn war dann auch ein überdimensionales Auge, dass schließlich erwacht und den Blick auf ein helles, geräumiges Schlafgemach und einen schlafenden Tamino freigibt. Die ganze Szenerie erwacht zum Leben, als Tamino's Traum beginnt...Auch wandelt Tamino im Nachthemd, Schlafrock und am Ende sogar in Unterwäsche durch seinen märchenhaften Traum, was ich dann doch ein wenig schade fand; ein Prinz erobert seine Prinzessin (Pamina) in Unterwäsche, bzw. im Nachthemd...

 

Allerdings tat es der Ausstrahlung des Darstellers doch keinen Abbruch, denn seine schauspielerische und gesangliche Leistung stellte solche 'Kleinigkeiten' dann doch in den Schatten.

 

Da 'Die Zauberflöte' ja eigentlich ein Singspiel ist, darf hier auch gesprochen werden und davon soll Mozart ja reichlich eingebaut haben, was in den meisten Inszenierungen entweder gekürzt oder ganz weggelassen wird, diesmal aber sehr ausgiebig eingebaut wurde, wodurch die gesamte Aufführung, die Pause nicht mitgerechnet, glatte drei Stunden dauerte, was man aber gern in Kauf nahm...

 

Auch die drei Damen der 'Königin der Nacht', oft als eine Art Feen in zauberhaften Kostümen und verschleiert dargestellt, erschienen hier wie schon zuvor in bereits beschriebener Oper 'Carmen', als eine Art Halbweltsdamen, in Miniunterröcken, was ich auch nicht so ganz passend fand, schließlich sind es die 'Hofdamen' oder Abgesandte der 'Königin der Nacht'...

 

Aber auch hier machten Gesang und Schauspiel der Darsteller/innen alles wieder wett...und schön bunt wurde es ja dann später auch noch...frühestens mit 'Papageno' dem 'Vogelfänger', denn der trug ein wirklich vogelhaftes und auch märchenhaftes Kostüm, dass es in der Eintönigkeit von Tamino's Schlafgemach eine wahre Augenweide war...;-))

 

Tamino und Pamina
Tamino und Pamina

 

Die Gespräche zwischen den gesungenen Stücken waren zwar teilweise recht lang, doch auch witzig und aussagekräftig und wer bis dahin noch nicht wußte worum es eigentlich ging, hätte hier bei gutem Zuhören einiges begreifen können, denn gesungen, auch in Deutsch, sind Opern ja bekanntlich schwer zu verstehen, obwohl ich meine, dass man die Oper schwer entstaubt hat und man doch schon viel mehr versteht als noch vor zehn Jahren, auch haben sich die Darsteller stark verjüngt, die Stimmen sind nicht mehr allzu 'opernhaft' sondern verständlicher geworden und viele Darsteller passen alters-und stimmmäßig doch mittlerweile besser zu ihren Rollen.

 

Im zweiten Akt bzw. Aufzug wurde es dann auch märchenhaft. Monostatos z.B. war 'rabenschwarz' und bunt gewandet, ebenso wie seine Sklaven, die wirklich 'niedlich' aussahen mit grob gestreiften, weiten Hosen und weißen Kopfbedeckungen die in einem 'Zipfel' zusammengebunden waren. Sie wirkten wie 'Kellergeister' als sie in Tamina's 'Gefängnis' herumwuselten und dieses für die gefangene Prinzessin gemütlich machten, indem sie sogfältig Teppiche ausrollten. Auch sonst übernahmen sie teilweise geschickt in die Handlung eingebaut, das Aufbauen oder Entfernen von Requisiten und führten dabei noch Gespräche...

 

Aber auch das Gefolge von Sarastro (Priester, Hofdamen), Sarastro selbst, die Soldaten (Geharnischte) und Löwen, traten dann in sehr fantasievollen, schönen, farbenprächtigen Kostümen auf; die Farbe Rot herrschte hier vor und zum Zauberklang der Flöte, erschienen auch die unterschiedlichsten 'künstlichen' Tiere...

 

Also kann man doch sagen, 'eine moderne, aber märchenhafte' Inszenierung, der es an Farbe dann wahrlich doch nicht fehlte.

 

Übermäßig laut, war es nicht, manchmal sogar ein wenig leise, aber wie schon bei Carmen erwähnt, hatte man hier vielleicht auf Mikrofone verzichtet...und man hatte manchmal den Eindruck, dass das Orchester bei bestimmten Parts der Sänger, z.B. bei dunklen Basstönen, die ja oft leiser sind, Rücksicht nahm und auch leiser zu spielen schien...wäre auch mehr als schade, wenn ein Orchester die Sänger ständig übertönen würde, was man ja auch schon erlebt hat...

 

 

 

 

Die Bühne

 

Wie schon zuvor bei 'Jesus Christ Superstar', hatte man hier die sagenhafte Technik der 'Aalto-Theater-Bühne' mit viel Einfallsreichtum genutzt.

Diesmal wurde die Bühne nicht hoch und runtergefahren, sondern sie bestand aus vielen großen Würfeln, auf und in und zwischen denen agiert werden konnte. Sie wurden auseinander und wieder zusammengeschoben und jeder Würfel hatte ein eigenes Innenleben. Zwei Würfel dienten als 'Gefängnis' für Pamina und waren fast gemütlich ausgestattet, mit kleinen Möbeln und orientalischen Teppichen. Dann wieder wuchsen Pflanzen aus den Würfeln und bildeten den Garten, in dem Pamina sich fast umbringen wollte und von den 'Drei Knaben' daran gehindert wurde. Anfänglich war darauf ja das Schlafzimmer Tamino's zu sehen, dessen Möbel nun raffiniert in den Seitenwänden verschwanden, aber wie Gemälde noch daran zu sehen waren....

 

Tiere erschienen in den Spalten zwischen den Würfeln und Darsteller konnten in unzähligen Falltüren verschwinden und wieder auftauchen. Am Ende bildeten lange durch Wind aufgebauschte Stoffbahnen zwischen den auseinandergeschobenen Würfeln das Wasser durch das Tamino und Pamina ja als Prüfung wandeln mußten. Sie bildeten ebenso eine Art Häuserfront an einer Straße und an deren Ende bewachten in rote Stoffe gehüllte Gestalten das Feuer, das Tamino ebenso überwinden mußte. Es war wirklich sehr schön anzusehen, wie sich dieses Stoffknäuel, über einem leuchtend roten 'Feuer' schließlich in viele Gestalten auflöste und in einem Loch in der Wand verschwand.

 

 

 

Die Darsteller:

 

Und nun zum Allerwichtigsten, den Darstellern, denn was nützt eine schöne Inszenierung, wenn Gesang oder Schauspiel nicht stimmen.

 

Aber hier kann man aufatmen, hier stimmte einfach alles!!

Mein Favorit des Abends war eindeutig Peter Bording in der Rolle des Papageno!

 

Mit buntem Kostüm und feuerrotem, wilden Haarschopf, konnte er anmutig, aber auch mit Witz, Charme, großer Ausstrahlung und sehr tiefer Baritonstimme nicht nur Papagena bezaubern, sondern auch das Publikum. Aber ebenso war auch jeder andere Darsteller eine Klasse für sich; Tamino (Andreas Hermann) konnte, obwohl die ganze Zeit im Nachthemd und bestrumpft auch durch sein Schauspiel, seine Stimme und Ausstrahlung überzeugen. Sein Tenor klang auch sehr tief, fast wie ein Bariton, gefiel mir aber trotzdem sehr gut.

 

Pamina (Anna Virovlansky) war eine bezaubernde Pamina, passte perfekt in die Rolle und ihr schöner, klarer heller Sopran, kein bisschen schrill, konnte mit ihrer Arie 'Ach, ich fühl's' fast zu Tränen rühren.

 

Eine wahre Augen-und Ohrenweide war auch hier einmal mehr 'Die Königin der Nacht' (Urantsetseg Urtnasan). In strahlendem Weiß, erschien sie stets begleitet mit lautem Donnerklang und 'Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen' wie schon zuvor bei 'O zittre nicht, mein lieber Sohn' vergaß man alles um sich herum und lauschte diesen glasklaren, unglaublich hohen Tönen, die nur wenige beherrschen. Dieses 'Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen' ist für mich stets der absolute Höhepunkt dieser Oper, danach kann man sich wieder entspannt zurücklehnen, denn derlei Höhepunkte gibt es dann nicht mehr. Es gibt andere, aber nicht in der Form.

 

 

 

Die beiden Geharnischten
Die beiden Geharnischten

 

Eine Überraschung waren die 'Geharnischten' zwei Soldaten, die Tamino ja zu seinen Prüfungen führen (Scherben, Feuer, Wasser) die er bestehen muß um sich Pamina würdig zu erweisen. Schon durch ihre Kostüme (rote Gewänder, goldfarbene Brustpanzer und stolze Helme, deren Wedel beleuchtet waren) wirkten sie fast wie römische Soldaten, doch als sie sangen, (der eine mit sehr hoher Tenorstimme, der andere ein Bass) horchte man doch auf. Solch beeindruckende Stimmen in einer Nebenrolle? Aber man sollte ja auch Nebenrollen nie unterschätzen. Rainer Maria Röhr war hier der Tenor und erster Geharnischter und Michael Haag der zweite Geharnischte und Bass. Grandios die beiden!!

 

Wirklich niedlich, vor allem in der Rolle der 'alten Frau' (verkleidete Papagena) war Christina Clark. Einfach herrlich, wie sie da vor sich hin brabbelnd über die Bühne trippelte und auch als 'junge' Papagena war sie einfach klasse!

 

Auch wenn mir die Inszenierung nicht gleich von Anfang an zusagte, so steigerte sich meine Begeisterung doch stetig und alles in allem war es ein unvergeßlicher Opernabend mit tollen Darstellern und großen Stimmen.