Aida

Oper in 4 Akten von Giuseppe Verdi

 

Uraufführung am 24. Dezember 1871 in Kairo -

in Italien am 8. Februar 1872 im Teatro alla Scala, Mailand

 

 

Sonntag, 23. November 2008, 18.00 Uhr, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen

 

Mein Bericht:

 

Es heißt ja immer, AIDA sei speziell zur Eröffnung des Suezkanals komponiert worden, doch das stimmt nicht ganz; das fand schon im November 1869 statt, ebenso wie die Einweihung des Opernhauses in Kairo, nämlich mit Verdis Oper 'Rigoletto'. Der Khedive von Ägypten, Ismael Pascha, war ein großer Bewunderer von Verdi und wünschte sich ein spezielles Werk für sein Opernhaus. Verdi zögerte zunächst, sagte aber schließlich doch zu. Anfang 1871 war die Oper vollendet, doch die Aufführung sollte sich aufgrund des deutsch-französichen Krieges noch verzögern, da es Schwierigkeiten gab, die in Paris gefertigten Dekorationen nach Ägypten zu versenden.

 

Texte: Antonio Ghislanzoni und Camille de Locle

 

Nach der Erzählung 'La fiancée du Nil' von Auguste Mariette (die wiederum tatsächlich zur Einweihung des Suezkanals geschrieben und später zur Grundlage für AIDA wurde)

 

Ort und Zeit: Memphis und Theben zur Zeit der Pharaonen

 

Tolle Stimme und Ausstrahlung: Majken Bjerno als AIDA
Tolle Stimme und Ausstrahlung: Majken Bjerno als AIDA

 

Darsteller:

 

König von Ägypten (Baß): Dong-Won Seo

Amneris, seine Tochter (Mezzosopran): Anna Agathonos

Aida, äthiopische Sklavin (Sopran): Majken Bjerno

Radamès, ägyptischer Feldherr (Tenor): Ricardo Tamura

Ramphis, Oberpriester (Baß): Michael Tews

Amonasro, König von Äthopien und Aidas Vater (Bariton): Björn Waag

Ein Bote (Tenor): E. Mark Murphy

Priesterin (Sopran): Alfia Kamalova

Außerdem:

Priester, Priesterinnen, Minister, Krieger, Hauptleute, Sklaven, äthiopische Gefangene, Volk u.a.

 

Der Opernchor und Extrachor des Musiktheaters im Revier, Bewegungschor, Statisterie des Musiktheaters im Revier,

 

Die Neue Philharmonie Westfalen

Musikalische Leitung: Samuel Bächli

Inszenierung: Roland Schwab

u.v.a.

Die Oper wurde in italienischer Sprache mit elektronischer Übertitelung aufgeführt

 

Zur Oper:

Ensemble beim Schlussapplaus
Ensemble beim Schlussapplaus

1. Akt:

 

Aida, die Tochter des Königs von Äthopien (Amonasro), lebt am Hof von Memphis als Gefangene, bzw. Sklavin und liebt den jungen Feldherrn Radamès. Dieser liebt Aida ebenfalls und hofft darauf, in der anstehenden Schlacht gegen die Äthiopier, Heerführer der Ägypter sein zu dürfen, um Aida, seine Geliebte, als Sieger in ihre Heimat zu führen. (Celeste Aida / Holde Aida).

Oberpriester Ramphis teilt Radamès dann tatsächlich mit, dass er der von der Göttin Isis Auserwählte sei.

Für Aida ein Konflikt; sie freut sich für Radamès, gleichzeitig aber fürchtet sie um ihren Vater, den äthiopischen König und somit der Gegner ihres heimlichen Geliebten. Amneris, die Tochter des ägyptischen Königs liebt Radamès ebenfalls und ahnt bald, dass sie eine Rivalin hat. Im Tempel des Gottes Phtà wird Radamès unter wunderschönen Chorgesängen gesegnet und ausgestattet. ( In manchen Inszenierungen auch mit den beeindruckenden Tänzen von Derwischen)

 

 

Schlussapplaus v.l. Amonasro, Amneris, Aida, Radamès, Ramphis ;-) im Hintergrund Chor (Hofdamen, Sklavinnen, Priester)
Schlussapplaus v.l. Amonasro, Amneris, Aida, Radamès, Ramphis ;-) im Hintergrund Chor (Hofdamen, Sklavinnen, Priester)

 

2. Akt:

Szene in den Gemächern der Amneris: umgeben von ihren Hofdamen (in manchen Inszenierungen auch zusätzlichen Sklaven), läßt Amneris sich für Radamès Rückkehr einkleiden. Durch eine Lüge, der Behauptung Radamès sei gefallen, entlockt sie Aida das Geständnis, dass diese ihn gleichfalls liebt und gibt sich dann als ihre Rivalin zu erkennen (Fu la sorte dell' armi / Wohl war das Los der Waffen).

 

Radamès marschiert in Memphis mit seinen Gefangenen ein (Triumphmarsch), darunter auch der äthiopische König Amonasro, der Aida zuflüstert, dass sie ihn nicht verraten solle. Durch Radamès Einsatz schließlich, werden alle Gefangenen freigelassen, nur Aida und ihr Vater bleiben als Geiseln am Hof in Memphis. Der ägyptische König bestimmt Radamès zum Thronfolger und gibt ihm die Hand seiner Tochter, nichtsahnend, dass dieser eine andere, nämlich Aida liebt. Es gibt eine Siegesfeier.

 

Pause

 

 

 

3. Akt:

Am Ufer des Nils empfängt der Oberpriester Ramphis Amneris, die die Nacht vor der Hochzeit hier betend verbringen muß. Aber auch Aida und Radamès sind anwesend, ohne von den anderen beiden zu wissen. Zuvor war Aida allerdings von ihrem Vater eindringlich gebeten worden Radamès den Schlachtplan der Ägypter zu entlocken, denn nur wenn man diese im nächsten Kampf besiege, gäbe es eine Zukunft der Liebenden. Auch wenn dieser Verrat Aida erneut in einen Konflikt stürzt, so gelingt es ihr doch, Radamès den Plan zu entlocken, nichtsahnend, dass sie von Ramphis und Amneris belauscht werden...

 

 

4. Akt:

Radamès wird des Verrats beschuldigt und festgenommen, Amneris fleht ihn an Aida, der mit ihrem Vater die Flucht gelang, zu entsagen und sie, Amneris zu heiraten, dann könne sie ihn retten. Doch Radamès weigert sich und wird vom Gericht der Priester zum Tode verurteilt. Unter dem Tempel des Phtà wird er lebendig eingemauert. Während Amneris die Grausamkeit der Priester verflucht und Radamès' Schicksal beklagt, zeigt sich Aida, die sich heimlich mit in Radamès' Grab eingeschlichen hat, ihrem Geliebten. Sie kann ohne ihn nicht weiterleben und will nun mit ihm zusammen sterben. (Morir si pura e bella / Zu sterben so rein und schön)

 

 

Zur Inszenierung:

 

Wie befürchtet, war auch diese Oper wieder eine 'moderne' Inszenierung, bzw. eher eine Art Stilmix, denn so wirklich kann man sie wohl doch nicht in die heutige Zeit projizieren. Aida war hier zwar blond, aber zeigte sie sich doch auch wie gewohnt im langen weißen Gewand und wenigstens war sie jung und nicht, wie auch schon befürchtet und auch schon erlebt (woanders), eher matronenhaft. Auch Amneris paßte noch durchaus in ihre Rolle, mit schwarzem wallenden Haar, hin und wieder hochgesteckt, zwar mit eher modernen, aber doch schön goldglänzenden Kleidern. Eigentlich wirkte sie zeitlos. Die Hohepriester trugen auch lange Gewänder und erschienen nicht etwa im Nadelstreifenanzug etc. Das war ja schon beruhigend. Aber die Soldaten, Radamès inbegriffen, steckten dann doch in neutralen, aber doch irgendwie bekannten grünen Uniformen und wehten mit roten Flaggen. Sicher, in einer modernen und gesellschaftskritischen Inszenierung kann man schlecht gepanzerte Helden aufmarschieren lassen, doch andererseits sieht man Uniformen ja sowieso fast täglich in den Medien, und wenn ich in die Oper gehe, würde ich gerne was anderes sehen...

 

Verdi wird während der Erschaffung seiner Oper gewiß nicht schon in die Zukunft gesehen und gedacht haben: 'Jetzt mache ein Stück, dass in jede Zeit passt', eine megagesellschaftskritische, visionär, prophetische Oper, sondern wahrscheinlich wollte er einfach nur eine tragisch schöne Geschichte machen, die auf dieses Land, dass sie in Auftrag gab, nämlich Ägypten und seine Vergangenheit, abgestimmt ist. Etwas Märchenhaftes mußte dabeisein und das kann man sich nur aus der Vergangenheit holen, eben aus der Zeit der Pharaonen. Triumphmärsche gab es damals ja zuhauf, bei den Ägyptern ebenso wie später bei den Römern, es paßt in diese Zeit und ich finde daran nichts Verwerfliches, ebenso wie die darauffolgende Siegesfeier, mit Feuerschluckern, Schwertkämpfern u.s.w., was in dieser Inszenierung allerdings vollkommen fehlte. Da gab es einen kleinen Aufmarsch eben jener grün uniformierten, rote Fahnen schwenkenden Soldaten, wozu die schönen Trompetenklänge so gar nicht passen wollten und aus der Siegesfeier, wurde ein abgekürztes Hinrichten der Gefangenen, indem man ihnen futuristische Hauben aufsetzte und sie dann wohl per Stromschlag richtete. Hier war dann ein Punkt erreicht, an dem die sonst so schöne, durch Mark und Bein gehende Musik überhaupt nicht mehr wirkte, verkürzt war sie auch noch, wie mir schien! Aber na gut, wenn man schon eine Armee aus heutiger Zeit aufstellt, dann ist eine wirkliche Siegesfeier natürlich unpassend, aber wie gesagt, muß ich das nicht in einer Oper haben.

 

Alles andere, das gebe ich zu, rettete diese eigensinnige Inszenierung dann doch noch ein wenig - z.B. die Szene in Amneris' Gemächern war dann doch 'märchenhaft' mit goldgewandeten Hofdamen oder Sklavinnen, die Tempelszene kannte ich aus Düsseldorf mit sich drehenden Derwischen, die hier auch fehlten, aber das war noch zu verzeihen.

 

Auch die Nilszene, als Aida Radamès zum Verrat verführte, war beeindruckend. Obwohl ich die in Wannen liegenden Gestalten, die Arme und Hände nach ihr ausstreckten, nicht wirklich verstand. Die Bühne war wärend der ganzen Aufführung von einem großen ovalen Loch in der Mitte einer Wand bestimmt, das nun verschiedene Funktionen hatte. Entweder spielten sich dort Hintergrundgeschichten ab, wie Gefangene die abgeführt wurden, Soldaten die aus der Schlacht kamen - oder die Priester versammelten sich dort, und während der Nilszene wurde das ganze so angestrahlt dass es wie unter Wasser wirkte u.s.w. Daran gibt es wirklich nichts auszusetzen, dass war schon klasse gemacht und durch das Spiel von Licht und Schatten und Farben, war es immer eine Augenweide.

Auch die Darsteller waren stimmlich alle Extraklasse. Radamès (Ricardo Tamura) schwächelte anfangs etwas, doch nach der Pause erfuhren wir, dass er wohl krank war oder ist und versuche noch die zweite Hälfte durchzuhalten. Das hat er mit Bravour gemeistert!! Aber auch alle anderen der Hauptdarsteller hatten starke Stimmen mit großer Ausdruckskraft. Hinter uns meckerten zwar einige Leute, aber da verlasse ich mich auf mein eigenes Urteil! Ebenso klasse und ergreifend waren auch hier die Chorgesänge.

 

Sehr schön war auch im 4. Akt ein auf eine Wand übergroß projizierter Mond, vor dem Amneris (Anna Agathonos - die schon am MiR die Carmen sensationell gut sang) ihr Leid klagte, während im Hintergrund seltsam verrenkte Sklaven (?) durch die Szenerie schlichen. Im letzten ergreifenden Stück (Morir si pura e bella) war es dann doch nur ein Traum des Radamès, dass seine Geliebte Aida im Grab auf ihn wartete. Nein, hier sanken sie nicht zusammen dahin, sondern nach dem ergreifenden Duett verschwand Aida langsam durch das große Oval in der Wand, eben wie ein Traum der verblasst...klar, in heutigen Zeiten würde wohl keine Geliebte mehr freiwillig ihrem Angebeteten ins Grab hinterhersteigen...

 

 

Mein Fazit:

 

Man ist ja offen für Neues, und alles in allem war es schon eine sehr schöne, wenn auch extravagante Inszenierung mit starken Darstellern und Stimmen. Trotzdem hätte ich es lieber klassischer gesehen, aber das scheint wohl aus der Mode gekommen zu sein...

 

Extrem fehl am Platz fand ich die grün uniformierten Soldaten. Sie wollten einfach nicht so richtig in diese Oper passen!! Nein, sie passten überhaupt nicht!

 

Liebe Grüße an Annette und es freut mich, dass es Dir trotzdem gefallen hat ;-))