Trust

Blindes Vertrauen

Die Spur führt ins Netz

 

Drama/Thriller - USA 2011, 106 Min./ FSK. 16 Jahre

Erschienen am 17. November 2011 auf DVD

Millenium Films

 

Regie: David Schwimmer

Buch: Andy Bellin, Robert Festinger

Musik: Nathan Larson

 

 


 

Darsteller:

 

 

Clive Owen                  Will

  

Catherine Keener        Lynn

  

Liana Liberato              Annie

  

Jason Clarke                 Doug Tate

 

Viola Davis                    Gail Friedman

 

Chris Henry Coffey       Charlie/Graham Weston

 

Aislinn DeButch            Katie

 

Noah Emmerich             Al Hart

 

Zoe Levin                      Brittany

 

Spencer Curnutt             Peter


 

 

Zum Film:

 

Die 14jährige Annie (Liana Liberato) chattet im Internet und lernt dort einen angeblich 16jährigen Schüler namens Charlie (Chris Henry Coffey) kennen und verliebt sich auch prompt in ihn. Obwohl ihr Vater Will (Clive Owen) Interesse zeigt und ihr hin und wieder über die Schulter schaut, schöpft er keinen Verdacht. Zu sehr sind Annies Eltern aber auch mit dem Auszug des großen Bruders beschäftigt um sich wirklich um Annies Internetaktionen zu sorgen.

Zwar beichtet Charlie Annie in gewissen Abständen immer wieder, dass er älter ist als angegeben (erst 20, dann 25), doch sie findet sich damit ab und trifft sich schließlich mit ihm.

Wie sie entsetzt feststellen muß, ist Charlie schon ein für sie älterer Mann von Mitte/Ende 30, doch sie läßt sich von seinem Charme einwickeln und in ein Hotel locken. Unerfahren wie sie ist, ist sie dem Täter hier vollends ausgeliefert. Zwar wendet er keine Gewalt an, doch seine Zudringlichkeit und Überredungskunst, führt am Ende doch dazu, dass sie mit ihm schläft und obwohl sie sich dabei nicht wohl fühlt, kann sie sich von der Traumfigur des Charlie doch nicht wirklich verabschieden. Im Schrank des Hotels läuft eine vom Täter installierte Kamera mit.

Dank Annies Freundin Brittany, kommt die ganze Sache schließlich ans Licht, doch die Mühe der Polizei, dem Täter auf die Spur zu kommen, bleibt ziemlich mager, zumal 'Charlie' sich plötzlich rar macht und sich sehr zum Kummer von Annie nicht mehr bei ihr meldet, noch auf ihre Mails antwortet.

Annies Vater Will (Clive Owen) ist die Arbeit der Polizei zu unbefriedigend und er versucht auf eigene Faust, den Täter ausfindig zu machen, wobei er allerdings ständig an Grenzen stößt: Die Polizei wiegelt alle seine Ideen ab mit der Begründung dass sie nicht umsetzbar seien und je mehr sich Will in die Sache hineinsteigert, umso schlimmer macht er sie - obendrein fangen Tochter und Ehefrau (Catherine Keener) an zu zicken und fallen ihm  noch genervt ständig in den Rücken...

Erst als sich andere Opfer melden, begreift Annie, dass sie von einem Serientäter mißbraucht wurde und wird kooperativer. Noch schlimmer kommt es für sie, als plötzlich zweideutige Fotomontagen von ihr im Netz auftauchen und ihre Mitschüler diese sehen. Annie ist verzweifelt und begeht sogar einen Selbstmordversuch, während sich ihr Vater in Rachephantasien verrennt und alles nur noch schlimmer macht. Am Ende hat es den Anschein, als sei ihr Vater eher das Opfer, denn er sitzt heulend im Garten und muß sich von seiner Tochter trösten lassen. Am Ende wird die wahre Identität des immer noch nicht gefaßten Täters 'Charlie' eingeblendet: Er ist, wie so viele Täter, im normalen Leben ein normaler Familienvater, Lehrer sogar. Und er hat schon sein nächstes Opfer im Visier...

 

 

Meine Meinung:

 

Seltsames Ende hat der Film, es bleibt offen und ungeklärt und für den Zuschauer unbefriedigend.

Den Film selbst durchzieht zwar eine gewisse Spannung, doch wird der Ehrgeiz des Vaters (Clive Owen) den Täter auf eigene Faust zu finden, leider immer wieder durchkreuzt. Sei es von der Polizei, oder Tochter und Ehefrau selbst. Irgendwie gerät er dabei selbst in die Opferrolle, denn sein Töchterchen scheint nicht wirklich unter dem 'Mißbrauch' zu leiden, eher unter dem Tatendrang des Vaters, sowie dem 'sich nicht melden' ihres angeblichen 'Freundes'. Und je mehr sich ihr Vater Will in die Sache hineinsteigert umso schlimmer macht er sie. Das hat fast schon wieder etwas von Tragikomik, obwohl das Thema natürlich brisant ist und zu gut aufzeigt, dass Eltern sich mehr um die Internetaktivitäten ihrer Kinder kümmern sollten, auch wenn man Gefahr läuft sich den Unwillen der Kids aufzuladen.  Hier hat man eher das Gefühl, der Vater möchte sich  unbedingt bei seiner Tochter 'anbiedern', zeigt Interesse an dem was sie tut, verduftet aber sobald Töchterchen ihn genervt aus dem Zimmer weist. Zudem weiß der Vater doch nicht wirklich was sie so treibt und vertraut ihr fast blind.

Später weiß man nicht, ob er mit dem Mißbrauch nicht klar kommt, oder eher mit der Tatsache, dass ein böser Fremder die eigene Tochter verführte, SEINE Tochter.

Während Will sich nun mit aller Macht auf die Suche nach dem Täter stürzt, nerven Ehegattin und Tochter mit Nichtverständnis. Vor allem Ehefrau Lynn (Catherine Keener) tut so, als jage ihr Mann Phantomen nach und macht ihm auch noch Vorwürfe (anstatt zu helfen), wenn er bis mitten in der Nacht am PC sitzt und versucht den Täter zu finden. Sie nervt gewaltig und passt weder optisch noch anderweitig  zu Clive, der einem hier zwar zwanghaft stark gebremst erscheint, aber klasse wie er ist, auch diese Rolle meistert.

Im Gegensatz zu ihren Filmeltern, wirkt Liana Liberato in der Rolle der Annie hier wirklich authentisch. Sie spielt ihre Rolle mit Bravour und absolut überzeugend.

Alles in allem, ist der Film natürlich lehrreich für alle Eltern und Jugendlichen, denn er zeigt wieder einmal mehr, dass Internet Segen und Fluch gleichzeitig ist, und sehr gefährlich natürlich.

Unpassend finde ich das Ende, mit dem heulenden Elend von resigniertem Vater im Liegestuhl, den die Tochter, also das Opfer dann noch trösten muß. Was will uns das sagen? Väter sind doch schwach?, oder sie tun doch alles nur aus Liebe?, oder dürfen auch sie resignieren und Tränen vergießen?, oder das kommt am Ende dabei heraus?

Eines ist klar, Väter dürfen hier keine Tränen vergießen, sondern sollten stark sein, ein Vorbild bleiben. Dieses Ende und dieses Verhalten passt zu keinem Vater und in dieser Situation schon gar nicht zu einem Clive Owen.

 

Fazit:

Sollte man sich anschauen, und hoffentlich alles besser machen (was einfacher gesagt als getan ist), falls man Kinder hat. Ärgerlich ist die Werbung und das Cover für den Film, was ihn als Actionthriller (der er nicht ist) anpreist, nach Manier von z.B. '96 Stunden' mit Liam Neeson. Actionfans werden hier wohl enttäuscht, und jene die sich den Film wirklich anschauen sollten, aber keine Actionfilme mögen, sehen ihn sich fälschlicherweise wahrscheinlich gar nicht erst an.