Elizabeth -

The Golden Age

Collage aus Filmfotos mit Cate Blanchett und Clive Owen / Copyright by Universal Pictures
Collage aus Filmfotos mit Cate Blanchett und Clive Owen / Copyright by Universal Pictures

History-Drama/Abenteuer   

 

  Großbritannien/Frankreich 2007

 

     Länge 115 Min. / FSK: ab 12 

 

 

Regie: Shekhar Kapur

 

Drehbuch: Michael Hirst, William Nicholson

 

Kamera: Remi Adefarasin

 

Musik: A.R. Rahmann, Craig Armstrong

 

Kostüme: Alexandra Byrne

 

Maske: Jenny Shircore

 

 

Darsteller:

 

Elizabeth I.    

Sir Walter Raleigh

Sir Francis Walsingham

Robert Reston

Philip II.

Bess

Mary Stuart            

 

 

Cate Blanchett

Clive Owen

Geoffrey Rush

Rhys Ifans

Jordi Mollá

Abbie Cornish

Samantha Morton        

 

 


 (Vorwort)

 

Im ersten Teil 'Elizabeth' vor acht Jahren, wird ja hauptsächlich die junge Königin gezeigt. Im jetzigen zweiten Teil ist sie bereits zur mächtigsten Herrscherin in Europa gereift und der Jahreszahl die hier angegeben wird (1585) nach, ist sie eigentlich schon 52 Jahre alt, sieht aber nicht so aus, was wohl an der noch recht jungen Cate Blanchett liegt, die man hier wohl nicht künstlich auf 'alt' bzw. älter stylen wollte. Aber es ist ja auch bekannt, dass die Königin ohnehin ständig eine dicke weiße Paste im Gesicht auftrug, angeblich um Pockennarben zu verbergen, vielleicht verbarg das ja auch Falten und sie sah tatsächlich jünger aus, als sie war...;-)

 

Mittlerweile habe ich auch das Buch dazu gelesen und so die ganze Handlung noch besser verstanden. Bis auf einige Kleinigkeiten ist sie mit dem Film fast zu 100 % identisch.

 

z. B. wird im Buch die Ankunft des 'Walter Raleigh' mit seinem Schiff in England ausführlich beschrieben, was im Film fehlt, und auch die Seeschlacht am Ende ist ausführlicher beschrieben, bzw. Raleigh hat da deutlich mehr Einsatz als im Film, obwohl die Realität, bzw. History ja ganz anders aussah, da war er an der Seeschlacht gegen die Spanier gar nicht direkt beteiligt, er befehligte allerdings Einsätze gegen die Spanier.

 

 

Clive Owen in 'Elizabeth' (c) Universal
Clive Owen in 'Elizabeth' (c) Universal

Der Film: 

 

Elizabeth I. ist zur mächtigen Herrscherin Englands herangereift und strebt danach ihr Land völlig unabhängig vom Rest der Welt zu halten, was vielen anderen Mächtigen in Europa nicht gefällt. Allen voran Philip II. von Spanien, ein fanatischer Katholik, der das protestantische England unbedingt unter sein Joch zwingen und zum Katholizismus bekehren will. Da Elizabeth sich mutig allem entgegenstellt was ihrem Land, bzw. Volk schaden könnte, droht Krieg gegen Spanien, dass sich auch bereits mit Frankreich verbündet hat.

 

 

Philip II. schwebt vor, Elizabeth's Cousine 'Mary Stuart' (ehemalige Königin von Schottland) auf den Thron von England zu bringen, doch diese sitzt unter Elizabeth bereits seit 20 Jahren in Gewahrsam in einem Schloss im Norden Englands fest und plant, mehr oder weniger von Phillips Spitzeln angespornt, ein Attentat auf ihre Widersacherin.

 

 

Elizabeth ahnt nichts von diesen finsteren Plänen und neben den beunruhigenden Nachrichten aus Spanien, dass sie bedroht, muß sie sich ständig mit heiratslustigen Anwärtern herumschlagen, die in regelmäßigen Abständen an ihre Palasttüren klopfen. Elizabeth ist noch immer unverheiratet und angeblich Jungfrau, obwohl sie sich schon öfter in gewisse Herren verliebte, die aber stets nicht zu den standesgemäßen Anwärtern zählten, sondern meist Abenteurer waren, die sie wenigstens zum Ritter schlagen konnte...z.B. ein gewisser Robert Dudley Graf von Leicester, der sich allerdings irgendwann anderweitig umsah, weil er die Königin nicht haben konnte, oder Francois - Herzog von Alencon - da blieb sie eisern. Sie konnte sich noch zu gut an ihren Vater Heinrich VIII. und dessen Umgang mit seinen Ehefrauen erinnern und Elizabeth schien zu befürchten, dass ein Mann an ihrer Seite mehr schaden, als nützen und Englands Unabhängigkeit damit hätte gefährden können.

 

Sie bleibt also stets hart zu sich selbst und belustigt sich mehr an all den Anwärtern die um ihre Hand anhalten als sie ernst zu nehmen und glaubt bereits ihr Herz sei der Liebe gegenüber für immer unempfindlich - bis es eines schönen Tages während einer ihrer regelmäßigen, sonntäglichen Kirchgänge, die stets von vielen Schaulustigen umlagert sind, einen kleinen Zwischenfall gibt; wie aus dem Nichts segelt plötzlich ein großes Stück Stoff vor ihre Füße und ehe sie und andere sich versehen, kniet ein Mann vor ihr und sagt: 'Eine Pfütze auf dem Weg, Majestät' und sie begreift, dass er seinen Umhang vor ihr ausgebreitet hat, an eine Pfütze allerdings kann  sie sich nicht erinnern. 

 

Später im Audienzsaal von Whitehall, während sie erneut unzählige Eheanwärter aus aller Herren Länder um ihre Hand anhalten läßt, flüstert ihr ihre Hofdame Bess ins Ohr, dass draußen am Tor jemand vergeblich bei den Torwächtern um Einlass bittet und es sich um den 'Pfützenmann' handelt.

 

Elizabeth weiß sofort wen sie meint, sie hat den rauhbeinigen, etwas schmuddelig wirkenden Verehrer mit dem wilden dunklen Haarschopf und den smaragdgrünen Augen, die sie frech anblitzten nicht vergessen. Sie seufzt, denn sie hat scheinbar ein Faible für Abenteurer dass sie nie losließ, wie z.B. Sir Francis Drake u. Sir Walter Frobisher, eigentlich Piraten, die sie adelte und die quasi mit ihrem Einverständnis für England spanische Schiffe kaperten. 

 

Auch diesmal ist es nicht anders... als der 'Pfützenmann hereinmaschiert und sich als 'Walter Raleigh' vorstellt, versuchen Höflinge ihn daran zu hindern und rufen 'Er ist ein Pirat, Majestät!!' Aber zu spät, Elizabeth kann nicht verhindern, dass sie drauf und dran ist sich schon wieder unglücklich zu verlieben.

 

Raleigh kommt aus 'der neuen Welt' hat dort neue Ländereien erschlossen, die er zu Ehren der Königin's eiserner Jungfernschaft 'Virginia' nennen will (Francis Drake entdeckte die Insel Roanoke, deren Besiedelung Raleigh später leitete, doch das Unternehmen scheiterte schon fünf Jahre später. Krankheit, Hunger und Kämpfe gegen Indianer des Stammes der Cherokee dezimierten die restlichen 118 Siedler auf 0) und bringt Geschenke mit, Dinge die man in Europa zu der Zeit noch nicht kennt wie Tabak und Kartoffeln, aber er bringt noch etwas mit: Eine Kiste voll Gold, natürlich von den Spaniern geraubt...und er redet sich geschickt raus, als Elizabeth abwehrt und das Gold nicht annehmen will, so dass sie es schließlich doch tut.

 

Raleigh ersucht Anerkennung von der Königin für seine 'Neue Welt' und will zurücksegeln, sobald er ihren Segen hat, doch es kommt ersteinmal alles anders.

 

Die Königin will ihn nämlich gar nicht mehr weglassen, adelt ihn und ernennt ihn zum Oberst ihrer Leibgarde, so dass er praktisch gezwungen ist dazubleiben, wenn er nicht flüchten will...und obwohl sie die Unterhaltungen und Flirts mit ihm liebt, hält sie ihn auf Abstand. Gleichzeitig aber verliebt sich auch ihre Hofdame Bess in den attraktiven Seeräuber. 

 

Während Elizabeth weiter träumt geschieht also allerhand hinter ihrem Rücken...ein Attentat wird geplant, aber in letzter Sekunde vereitelt (dafür muß Mary Stuart ihren Kopf lassen), der König von Spanien läßt hunderte von Schiffen bauen um England anzugreifen und ihre beiden Günstlinge Bess und Walter Raleigh heiraten heimlich.

 

Elizabeth bricht zusammen, als sie vom 'Verrat' der beiden erfährt, verzeiht ihnen aber nach gewonnener Seeschlacht gegen Spanien und sie dürfen in die 'Neue Welt' segeln. (In der realen Historie brannte  Raleigh mit Bess erst nach der gewonnenen Seeschlacht durch.)

 

Das Copyright der in der Collage verwendeten Fotos liegt bei Universal Pictures
Das Copyright der in der Collage verwendeten Fotos liegt bei Universal Pictures

Meine Meinung: 

 

Die Historie spielt in diesem Film aber ohnehin eher eine Nebenrolle, und diesmal verzeiht man es gerne. Elizabeth I. kennt man ja soweit aus dem Geschichtsbuch, und dort wirkt sie eher wie eine gefühllose Statue. In diesem Film wurde ihr allerdings Leben eingehaucht und man glaubt es nur allzu gerne, dass sie so oder ähnlich wirklich war - eine allzu menschliche im Grunde 'zerissene' Person, die nicht über ihren Schatten springen kann und statt dessen lieber weiter leidet. Wirklich verstehen, kann man es heute nicht mehr, doch damals lebte man für 'größere' Dinge als die Liebe...!

 

Sie war die Königin, sie hätte sich nehmen können, was sie begehrte, doch sie verzichtete und begnügte sich mit einem Kuss ihres Verehrers. Ironischerweise nannten ihre Feinde sie trotzdem 'Hure', was wieder deutlich zeigt, dass selbst eine Königin nicht die gleichen Rechte besass wie ihre männlichen Kollegen. Sie mußte tugendhaft sein, keusch und jungfräulich, einen Gatten fand sie ja nicht und irgendeinen wollte sie nicht und zu ihrem Unglück verliebte sie sich ständig in Abenteurer und obwohl sie diese adelte, waren sie dennoch weit unter ihrem Stand, bzw. Würde. Wovor hatte sie Angst? Dass man sie nicht mehr ernst nahm, würde sie einem ihrer Verehrer nachgeben? 

 

Natürlich zeigt das auch die starke Frau, die es ja schon damals vereinzelt gab, doch was mußte sie dafür opfern und wie lebte sie ihren Verzicht aus? Vielleicht neigte sie wirklich zu Wutausbrüchen und zeigte sich eiskalt, lies gnadenlos foltern und hinrichten was man einer Cate Blanchett eher nicht abnimmt. Sie stellt Elizabeth so dar, wie man sie vielleicht gerne hätte.

 

Dieser Film, 'The golden age', ist daher auch eher was für 's Auge und die Sinne. Sehr farbenprächtig, tolle Kostüme und Kulissen, tolle Darsteller und eine verkappte Liebesgeschichte, die vor dem beinah unscheinbaren Hintergrund des drohenden Krieges gegen Spanien immer wieder an die Oberfläche bricht, ständig, fast bedrohlich knistert und man beinahe schon erwartet, dass die Königin alles über den Haufen wirft und nachgibt, doch das geht leider nicht, denn da bleibt man doch streng der Geschichte treu, alles andere wäre Kitsch. Das Bild der ach so starken Königin darf nicht zerstört werden und so bleibt alles der Phantasie des Zuschauers überlassen, was wirklich hinter den Kulissen geschah, denn wenn etwas geschah, hat es niemand erfahren und wenn, dann niemals preis gegeben. Man darf sich weiter berauschen an sinnlichen Bildern und ebenso heiteren wie auch tiefsinnigen oder zweideutigen Gesprächen. In einer Szene reitet die Königin in Ritterrüstung zu ihren Truppen um ihnen Mut zu machen und wirkt fast wie die Jungfrau von Orleans. Sicherlich eine Phantasie der Filmemacher, denn es ist auch wirklich schön anzusehen, doch zu diesem Zeitpunkt 1585 hatte sie die 50 schon überschritten und es ist kaum vorstellbar, dass sie sich noch in eine Ritterrüstung zwängte...aber wie gesagt, hier verzeiht man alles, hier will man sich berauschen lassen und deshalb ist es im Grunde doch mehr als schade, dass sie ihren neuesten Verehrer Sir Walter Raleigh immer wieder abblitzen läßt, obwohl sie ihn ganz offensichtlich liebt. 

 

Historisch bewiesen ist auch das nicht und auch eher fraglich, ob der kühne Abenteurer, in der Realität mindestens 20 Jahre jünger als sie, sie wirklich ihrer selbst Willen geliebt hätte, oder doch nicht eher die Aussicht an ihrer Seite thronen zu dürfen...

 

Er fackelt ja nicht lange und nachdem sie ihn durch Ritterschlag an sich bindet, ihn aber weiterhin nicht an sich heranläßt, verführt er eine ihrer Hofdamen, die junge Bess, schwängert diese und heiratet sie schließlich sogar, was bei der Königin einen Wutausbruch verursacht, sie entzieht ihrem Mündel den Schutz und sperrt den Übeltäter erstmal ein, aber um ihn gleich darauf wieder frei zu lassen, denn er muß helfen, im Krieg gegen Spanien. 

 

Sehr schön auch der Ausritt der Königin mit ihrem Verehrer, als sie in wildem Galopp um die Wette reiten, ganz allein, weit und breit keine Wachen und kein Hofstaat zu sehen, der empfing die beiden dann mit finsteren Mienen bei der Rückkehr... ob solch ein Ausritt der Königin realistisch ist oder war, bleibt natürlich zweifelhaft, aber schön anzusehen ist es allemal.

 

Süß auch die Szene als sie ihren Abenteurer und ihr Mündel wie zwei Marionetten tanzen ließ, ob sie wollten oder nicht (eigentlich wollten sie nicht) und sie selbst berauscht sich an dem Anblick und träumt davon selbst an seiner Seite tanzen zu dürfen...

 

Sehenswert auch, wenn die Königin sich verschiedene männliche Anwärter für eine eventuelle Ehe mit ihr vorführen ließ. Dabei ein blutjunger blonder Prinz, der ganze auswendig gelernte Romane vortrug, während Elizabeth nur Augen für Sir Walter Raleigh hatte und den liebenswerten, aber nervigen Prinzen schließlich nach Hause schickte... 

 

Zwischen all den schönen Bildern, gibt es auch einige wenige Gruselmomente, zum Beispiel eine Szene in einem Folterverlies, als man eine sogenannte 'spanische Jungfrau' öffnet, ein eisernes Gestell mit spitzen Stacheln an den Innenwänden. Der darin Gefangene war furchtbar entstellt und blutüberströmt...

 

Die Szene als Maria Stuart geköpft wird, wird zum Glück nicht genau gezeigt, mittlerweile weiß man ja wie sowas aussieht...

 

Clive Owen als Sir Walter Raleigh war natürlich wie erwartet einfach umwerfend! Man hätte nicht gedacht, dass sich dieser Mann noch steigern kann, aber die Rolle passte perfekt zu ihm. Allerdings kennt man ihn eher mehr kämpferisch über die Leinwand tobend und fragte sich nach zwei Dritteln des Filmes, viel Romantik, Zurückhaltung und klug-frechen Plaudereien, wann denn endlich sein 'körperlicher' Einsatz käme. Jeden Moment erwartete man, dass ihn eifersüchtige Höflinge überfielen und er endlich seinen Säbel zieht, selbst beim mißlungenen Anschlag auf die Königin glänzte er durch Abwesenheit, obwohl man fast erwartete, dass er jeden Moment in den Raum stürmt um dem Attentäter die Waffe aus der Hand zu schlagen, denn schließlich war er ja jetzt der oberste Offizier ihrer Leibgarde. Sein Einsatz kam dann schließlich aber doch noch: In der Seeschlacht gegen die Spanier und für England, bzw. seine Königin, opferte er sogar sein geliebtes Schiff, die 'Tyger', welches er in Brand steckte, so in eine Bombe verwandelte und in die Flotte der Spanier jagte, so dass diese endgültig auseinanderbrach.

 

Ich bin eigentlich kein 'Actionfilm-Fan' doch manchmal paßt es einfach. Leider gibt es in Filmen entweder zu viel, oder zu wenig davon. Hier eher einen Hauch zu wenig, aber Dank der starken Darsteller und der ganzen Ausstattung, ist der Film doch sehr sehenswert, vorausgesetzt man ist ein Fan von Kostümfilmen, Cate Blanchett oder Clive Owen ;-))

 

Bei mir trifft wohl alles zu,  deshalb kann ich guten Gewissens sagen; 

 

                           'Ein wirklich sehr schöner Film!' 

 

Filmszene mit Clive Owen, Cate Blanchett und Abbie Cornish (c) Universal Pictures
Filmszene mit Clive Owen, Cate Blanchett und Abbie Cornish (c) Universal Pictures