Close my Eyes

Schließe meine Augen - Begehre oder töte mich

 

Drama/Romanze GB/USA/Kan/Sp/ 1991

Länge 108 Min. /FSK ab 16

 

Film Four International

 

Regie: Stephen Poliakoff

 




 

Darsteller:

 

 

Alan Rickman     Sinclair         
Clive Owen Richard
Saskia Reeves              Natalie
Karl Johnson Colin
Leslie Sharp Jessica
Kate Gartside Paula
Karen Knight Philippa
u.v.a.  
   
   

 

 

Zum Film:

 

Natalie (Saskia Reeves) und Richard (Clive Owen) sind Geschwister, die getrennt voneinander aufwuchsen und sich als Erwachsene wiederbegegnen. Da beide mittlerweile keine Familienangehörigen mehr haben, halten sie aneinander fest um sich gegenseitig zu stärken. Vor allem Natalie hängt eifersüchtig an ihrem Bruder, dem Natalies Anhänglichkeit fast zu viel wird und eine Art Flucht ergreift, indem er sich die nächsten fünf Jahre auf seine berufliche Karriere als Architekt konzentriert. Immer wieder spürt Natalie ihn auf, ruft ihn an, bedrängt ihn, fragt ihn nach eventuellen Affären mit anderen Frauen aus, die er auch hat, um sich von Natalie abzulenken.

 

Erst als Natalie den reichen und dominanten Sinclair (Alan Rickman) heiratet, kehrt ein wenig Ruhe ein. Richard kommt nicht zur Hochzeit, doch er besucht sie schließlich doch an ihrem Geburtstag.

Natalie führt mittlerweile ein Leben als wohlhabende Hausherrin eines großen Herrenhauses und bildet sich ein, ihren Mann zu lieben. Als Richard erscheint, wirft das all ihre Pläne und Gefühle durcheinander. Aber auch Richard ergeht es nicht anders, unwiderstehlich fühlt er sich von seiner Schwester angezogen und obwohl sich beide zunächst dagegen wehren, können sie bei einem heimlichen Treffen nicht mehr gegen ihre Gefühle ankämpfen und fallen geradezu übereinander her. Danach schwören sie sich das Ganze sofort zu beenden, doch es gelingt nicht.

Immer wieder treffen sie sich heimlich, schließlich täuscht Natalie ihrem Ehemann eine Geschäftsreise vor, trifft sich in Wahrheit aber mit Richard und verbringt einige traumhafte Tage mit ihm.

 

Sinclair spioniert ihr zwar nach, doch er erwischt die beiden nicht. Dass Natalie fremd geht, ahnt er längst, dass es der eigene Bruder, bzw. sein Schwager ist, darauf wäre selbst er nie gekommen.

 

Schließlich sucht er eine Aussprache mit Richard, da er natürlich bemerkt hat, dass die Geschwister sich gut verstehen, und er hofft, dass Richard etwas über die geheime Affäre seiner Frau weiß und ihm verrät. Er lädt ihn auf eine Bootsfahrt und ein anschließendes Picknick, nur zu zweit ein.

 

Richard glaubt, dass Sinclair über alles Bescheid weiß und zögert zunächst - er befürchtet, dass Sinclair ihn umbringen will. Doch Natalies Gatte hat nichts dergleichen im Sinn, will ihn nur nach dem Liebhaber ausfragen.

 

Richard fühlt sich mehr als unwohl und bestreitet natürlich, dass er etwas von einer Affäre wisse. Er sitzt die ganze Zeit auf heißen Kohlen und erwartet jeden Augenblick, dass Sinclair ihn ins Wasser stößt, ein Messer zückt oder ähnliches. Aber nichts geschieht. Dafür kommt es noch schlimmer: Zurück im Herrenhaus erwartet sie Natalie und zusammen mit Sinclair erklären sie dem völlig überraschten Richard, dass sie nach Kanada auswandern. Richard ist am Boden zerstört. Natalie erklärt ihm, dass sie mit ihm Schluß machen will, dass es so nicht weitergeht und das die Trennung, bzw. der Umzug nach Kanada für beide das Beste sei.

 

Immer wieder versucht Richard Natalie umzustimmen, begeht sogar einen Selbstmordversuch, doch Natalie, die ihn danach zwar liebevoll pflegt, bleibt dabei: Für sie ist die Affäre beendet.

 

Das Ehepaar gibt schließlich eine große Abschiedsparty, auf der es zum finalen Drama kommt. Richard ist mit einer Arbeitskollegin erschienen, die aber die Party bald schon beleidigt verläßt, weil ihr Begleiter sich nicht um sie kümmert, sondern nur Augen für die Hausherrin hat. Schließlich kann Richard Natalie in einer stillen Ecke des Gartens abfangen und es kommt zu einer wilden, verzweifelten Rangelei zwischen den beiden. Richard ist zutiefst verletzt und wütend, dass Natalie ihn so einfach aufgeben und allein zurücklassen will. Natalie wehrt sich, will nicht mit ihm sprechen und so landen die beiden schließlich auf der Straße, während sie sich anschreien und Natalie immer wieder versucht sich von Richard zu befreien, der sie aber festhält und dabei immer brutaler wird.

 

Ziemlich lädiert kehren sie schließlich auf die Party zurück, bereit alles zu offenbaren. Sinclair reagiert gelassen, ist aber innerlich gleichfalls sehr geschockt. Er erklärt die Party für beendet und am Ende bleiben drei 'verwundete' Seelen, die in eine ungewisse Zukunft steuern...

 

 

 

 

Meine Meinung:

 

Sehr tiefgehendes und eindringliches Drama, mit grandiosen Hauptdarstellern. Man liebt und leidet mit und hofft, dass es irgendwo einen Ausweg aus diesem Dilemma gibt.

 

Ein sehr junger Clive Owen (zu dem Zeitpunkt war er 26) fasziniert hier schon mit hoher Begabung für Dramatik - was sich ja in späteren Rollen noch oft zeigen wird - aber auch mit gewisser Erotik und Freizügigkeit (er läßt hier so manches Mal komplett die Hüllen fallen), doch erlauben kann er sich das mit diesem absolut perfekten Körper allemal.

Sein Talent, Leidenschaft und Tragik überaus realistisch darzustellen, ist hier schon sehr intensiv und mitreißend.

Irgendwie ist es seltsam, einen so jungen Clive Owen zu sehen, man sieht zwar, dass er es ist, aber irgendwie sieht er doch ganz anders aus, mit diesem ungemein glatten Gesichtszügen und noch sehr schmal. Irgendwie fehlt ihm auch noch die spätere Ausstrahlung, die für mich spätestens' seit 'Second Sight' erwacht, auch wenn er in seinen früheren Filmen schon oft grandios ist. Der junge Clive Owen ist eher 'hübsch', attraktiv wird er eigentlich erst später. Erwähnenswert ist auch, dass die Kamera hier gerne und oft seine schönen, hier besonders strahlend grünen Augen nah heranzoomt.

 

Alan Rickman ist hier im allerbesten Alter und hätte ich den Film damals gesehen, hätte meine ganze Aufmerksamkeit vielleicht ihm gegolten, denn zu dem Zeitpunkt zählte auch er zu meinen Lieblingsschauspielern -  allerdings  kannte ich damals nur andere Filme mit ihm...

Ein bisschen hintergründige Furcht, verbreitet er ja meistens, weil er oft den 'Bösewicht' spielt. Hier bleibt er eigentlich sehr cool, obwohl man jeden Moment meint, gleich ist es vorbei, gleich fährt er aus der Haut oder offenbart, dass er alles weiß und rächt sich grausam. Aber nichts dergleichen: Er bleibt auf seine Art sogar sympathisch und seine Ausstrahlung war damals eigentlich auf dem Höhepunkt. So fiel es ihm auch nicht schwer, den sehr jungen, und hübschen Clive Owen fast in den Schatten zu stellen - aber nur fast.

Saskia Reeves ist hier als Natalie eine resolute, aber auch zerrissene Person. Obwohl gerade auf sie der Fokus als Streitobjekt gerichtet ist, bleibt sie ein bisschen blass.

 

Zu der heimlichen Affäre, kommt ja eben noch das Drama, dass es sich hier um ein Geschwisterpaar handelt, obwohl man das irgendwie immer wieder vergißt, da die beiden so unterschiedlich aussehen: sie sehr hellhäutig und blond und daneben der auffällig dunkle 'Bruder'. (Na ja, vielleicht hatten sie ja verschiedene Väter oder so...;-))

 

Aber man ertappt sich während des Films immer wieder dabei, dass man diese Tatsache vergißt. Es ist ja nicht nur ein 'Fremdgehdrama' sondern eine handfeste Inzestbeziehung bzw. Tragödie. Das ist dann noch ein Bestandteil, der den Film zusätzlich interessant macht.

 

Den Film gibt es nicht mit deutscher Synchronisation, auch nicht mit Untertiteln, was ein bisschen schade ist, denn so einiges geht dann doch verloren, auch wenn man im großen und ganzen versteht, worum es jeweils geht.

Das Ende bleibt dann offen, drei geläuterte Menschen gehen voneinander Abstand haltend durch einen Park - wie es danach weitergeht, ist wahrscheinlich ein neues Drama, doch darüber soll sich der Zuschauer hier wohl selbst den Kopf zerbrechen...