Children of Men

 

 

 

Collage aus Filmfotos (c) Universal
Collage aus Filmfotos (c) Universal

Science Fiction Drama

       USA 2006 / Ca. 106 Min. / FSK. ab 16

Universal

 


 

Regie: Alfonso Cuarón

Buch: P. D. James

Kamera: Emmanuel Lubezki

 

Musik: John Tavener

 

 

Darsteller:

Theo: Clive Owen

Julian: Julianne Moore

Kee: Claire-Hope Ashitey

Jasper: Sir Michael Caine

Luke: Chiwetel Ejiofor

Miriam: Pam Ferris

Syd: Peter Mullan

 

Düsterer Endzeitthriller über eine 'fast' verlorene Welt.

 

 

 

Der Film:


Großbritannien im Jahr 2027

Die Menschheit ist plötzlich unfruchtbar und kann keine Kinder mehr zeugen, bzw. zur Welt bringen. Das jüngste Kind 'Baby Diego' ist 18 Jahre alt und sein plötzlicher Tod stürzt die Menschheit weltweit in tiefe Trauer.

Ansonsten herrscht überall düsteres Szenario, Anarchie und Chaos. Die Welt hat sich aufgegeben, nur Großbritannien nicht, dort hat man den Kampf um's Überleben aufgenommen, doch das gelingt nur, wenn man 'unter sich' bleibt und kurzerhand alle illegalen und auch sonstigen Einwanderer nicht gerade zimperlich, zusammentreibt und außer Landes bringt. Terroranschläge und Demonstrationen sind alltäglich geworden, Schulen und Kindergärten verwaist und verwildert, alles wirkt düster und heruntergekommen. 

Theo (Clive Owen) lebt in dieser Welt, er wirkt depressiv, gelangweilt und apathisch, einziger Lichtblick ist sein Freund Jasper (Sir Michael Caine), der mit seiner kranken Frau versteckt in einem Haus im Wald lebt und den er ab und zu besucht. Sein Leben gerät aber vollkommen aus der Bahn, als seine Ex-Frau Julian (Julianne Moore) ihn um Hilfe bittet, ein junges Mädchen, Kee, außer Landes zu bringen.

Kee (Claire-Hope Ashitey) ist eine Farbige und sie ist schwanger. Niemand darf es erfahren, denn das Mädchen lebt illegal in England...

Theo nimmt den Auftrag nur widerwillig an, was ihn lockt ist das Geld, das er dafür bekommen soll. Von jenem Augenblick an gerät sein Leben allerdings völlig aus den Fugen. Er gerät von einem Abenteuer in's nächste, und jedesmal wird es schlimmer. Schließlich erwacht er aus seiner Apathie und wächst geradezu über sich hinaus...

 

Meine Meinung:

Man sollte den Film wirklich in erster Linie nur als Science-Fiction sehen, denn 'Endzeit' auf der Welt sähe sicherlich anders aus. Es ist wohl unrealistisch, dass von heute auf morgen die gesamte Menschheit unfruchtbar wird, es sei denn eine Art Giftwolke gegen Fruchtbarkeit umwabert die gesamte Erdkugel, bzw. ist es ebenso unglaubwürdig dass allein England weiterkämpft, während der Rest der Welt sich aufgibt und versucht auf die Insel zu gelangen. Wie die Engländer nun versuchen die Eindringlinge wieder loszuwerden, erinnert ganz stark an ein anderes düsteres Kapitel in der Geschichte, dass sich so nie wiederholen sollte...

Aber vielleicht will man mit den krassen Szenen (Käfige, in denen Menschen gefangen sind um in eine Art Getto abtransportiert zu werden, Häuser die brutal geräumt werden, allübermächtiges Militär, das gnadenlos selektiert und drauf los schlägt) absichtlich schockieren. 

Es ist ein Film und dafür brauchte man einen gewissen, düsteren Hintergrund. Düsterer konnte er kaum sein und wenn das Ende der Welt, bzw. der Menschheit so aussieht, dann kann man nur beten, dass man das nicht mehr erlebt...

Also mal wieder kein Film für Zartbeseitete, auf jeden Fall aber für Clive Owen - Fans, denn hier ist er wirklich ausschließlich in jeder Filmsekunde zu sehen und die Rolle des tragischen Antihelden meistert er mehr als genial. Mit reichlich zerknautscht-tragisch-ängstlich-entsetzter Mimik, stolpert er von einem Schockerlebnis ins nächste, und muß den halben Film noch in Flip-Flops überstehen, da er irgendwann vergißt seine Schuhe anzuziehen. Trotz aller Düsternis und Ernst der Lage, kann man sich über seine Tragikomik tatsächlich hin und wieder das Lachen nicht verkneifen...Clive ist hier einfach supersüß, supergenial, einzigartig.

In einer kurzen Szene allerdings, als er im eleganten Anzug in einer Luxuslimousine sitzt, denkt man; 'Das ist James Bond' und hat wieder ein lachendes und ein weinendes Auge. Er wäre wirklich ein genialer James Bond geworden, doch andererseits ist man froh, dass er es nicht wurde, wie viele andere geniale Filme mit ihm würde man sonst verpassen...außerdem wirkt James Bond immer künstlich, unverletzlich, überirdisch, da sehe ich Clive doch lieber als den tragischen Antihelden, wo er so herrlich menschlich ist - meiner Meinung nach, hätte er für die Darstellung des tragischen 'Helden' Theo hier eine Auszeichnung verdient!! Vielleicht sogar den Oscar.

Julianne Moore ist leider nicht allzu lange an seiner Seite in diesem Film, kaum hat sie ihr Ziel erreicht, muß sie auch schon sterben. Auch Altstar Michael Caine wird nicht verschont, er ist hier der Hippie aus längst vergangenen Zeiten und sein Haus im Wald ist eine gemütliche Zuflucht, die aber leider auch entdeckt und zerstört wird. Erst dann erwacht Theo (Clive Owen) wirklich aus seiner Apathie und wächst geradezu über sich hinaus. Sogar die Geburt des ersten Kindes seit 18 Jahren, erlebt er gleich selbst als Geburtshelfer, was aber so gut gemacht wurde, dass es nicht kitschig oder übertrieben wirkt.

Einige Action-Szenen im Film sind minutenlang ohne Schnitt gedreht worden, z.B. eine wilde Flucht in einem Auto, oder eine sehr lange Szene in der Clive Owen - 'Theo' im Kugelhagel von einer Straßenseite zur anderen rennt, dann ein sich unter Bombardement befindliches Haus betritt und von Etage zu Etage hetzt, die Kamera immer hautnah dabei. Eine großartige Leistung des Kamerateams, aber auch der Schauspieler und wirkliche Highlights, denn man fühlt sich mitten ins Szenario versetzt, so als wäre man dabei...

Eine Art 'moderne' Weihnachtsgeschichte findet statt, als 'Theo' die junge Mutter mit dem schreienden Kind im Arm durch die Reihen der Soldaten führt und diese fassungslos staunend und ehrfürchtig ihre Waffen sinken lassen, während andere versuchen das Kind zu berühren. Ebenso die ganze Geschichte drum herum, die Suche nach einer sicheren Unterkunft zuvor, während 'Kee' bereits Wehen hat, erinnert stark an Maria und Joseph, die schließlich in einem Stall landen...na ja, viel besser ist die Unterkunft im Film auch nicht, ich würde eher sagen, sie ist schlechter als ein Stall...

Der Soundtrack des Films ist ebenso außergewöhnlich wie der ganze Film, da gibt es alte und neue Songs wie z.B. 'Ruby Tuesday' (Franco Battiato),'Bring on the Lucie' (John Lennon), 'Hush' (Deep Purple), 'The Court of the Crimson King' (King Crimson) letzteres lief während 'Theo' in besagter Luxuslimousine saß und wird mich immer an einen James Bond erinnern den es nicht gibt...vielleicht hätte noch ein Doors-Song reingepasst, (This is the End..)

Außerdem gibt es klassische Einlagen von John Tavener komponiert, wie eine Oper und traurig, schaurig schön...

 

Der Film ist meiner Meinung nach, wenn man die oben genannten winzigen Kritikpünktchen  abzieht, ein Meisterwerk und kultverdächtig -  mit einem  Clive Owen der EXTRAKLASSE