Love Never Dies

Das Nachfolgemusical zum 'Phantom der Oper'


Musical von Andrew Loyd Webber

Liedtexte von

Glenn Slater und Charles Hart

Libretto von

Andrew Lloyd Webber

Glenn Slater

Ben Elton

Uraufführung am 09. März 2010 im Adelphi Theatre London

Nach dem Roman

'Das Phantom von Manhattan'

von

Frederick Forsyth

 

CD-Cover von LOVE NEVER DIES
CD-Cover von LOVE NEVER DIES

Zum Musical:

(Die Songs sind in roter Farbe eingefügt, bisher gibt es das Musical hauptsächlich nur in englischer Sprache, in Deutschland wurde es noch nicht aufgeführt, wird aber ab Oktober 2015 im Stage Operettenhaus Hamburg unter dem deutschen Titel 'Liebe Stirbt Nie' anlaufen)

 

 

 

 1. Akt

 

 

Ort und Zeit:

Coney Island 1905

 

10 Jahre liegen die Ereignisse an der Pariser (hier) 'Opera Populaire' zurück (im 1. Teil spielte das Phantom allerdings 1881, dieser Rechnung nach nun plötzlich  1895).

Das Phantom ist seitdem spurlos verschwunden.

 

Eine geschockte Madame Giry steht am Pier von Coney Island und ruft sich vergangene Ereignisse des Vergnügungsparks 'Phantasma' in Erinnerung, 'Coney Island Waltz', als eine ehemalige Mitarbeiterin 'Fleck' erscheint und ihr vorwirft, dass sie mit ihrer Gier nach Geld und Anerkennung alles zerstört habe: 'That’s the Place That You Ruined, You Fool!'

An dieser Stelle gibt es, wie in 'Phantom der Oper' eine Art 'Illumination', eine Reise in die Vergangenheit.

 

Auf der DVD zur Aufführung in Melbourne ist der Anfang verändert:

Dort sitzt das Phantom an seiner Orgel, komponiert ein Lied und träumt verzweifelt von Christine und davon, dass es sie wieder singen hören möchte: 'Til I hear you sing...'

 

Auf Coney Island gibt es einen Kuriositätenpark 'Phantasma' genannt, geleitet von einem mysteriösen 'Mr. Y', dessen Gesicht noch niemand sah, da er stets eine Maske trägt - und natürlich ist es  niemand anderes als Erik, das einstige Phantom der Oper. Hier in New York, auf Coney Island, hat er es mittlerweile zu Ruhm und Wohlstand gebracht, und besitzt neben dem Kuriositätenpark, in dem auch und vor allem verwachsene oder mißgestaltete Menschen die Chance haben Karriere zu machen, ein kleines Theater. Für die beliebten Tanzshows hat er zwei gute alte Bekannte aus der Zeit in der Pariser Oper, in sein Theater mit aufgenommen: Meg Giry und ihre gestrenge Mutter, Madame Giry. Wie schon in Paris, agiert sie auch hier als Leiterin der Tanztruppe und hält das Team zusammen. Doch vergeblich warten Mutter und Tochter auf die ersehnte Anerkennung von Erik 'Mr. Y': 'Only for Him / Only for You'.

 

Eine Gruppe Urlauber versammelt sich am Pier und rätselt, wer der geheimnisvolle 'Mr. Y' ist, der stets eine Maske trägt und nie sein Gesicht zeigt: 'Heaven by the Sea'.

 

Zur Einweihung einer neuen Oper engagiert der Musikproduzent Oscar Hammerstein die französische Diva Christine Daaé. Als die beiden Giry-Damen davon erfahren, ist zunächst vor allem die Mutter nicht begeistert, während sich Meg auf das Wiedersehen mit der Freundin aus ihrer Zeit an der Pariser Oper freut. Ihre Mutter ist der Meinung, dass Erik noch immer an Christine hängt, und während diese ein schönes Leben an der Seite vom Vicomte de Chagny führt, müssen Meg und sie um jede kleine Anerkennung kämpfen, obwohl sie Erik einst dabei halfen, nach Amerika auszuwandern.

 

Aber sie liegt nicht falsch, noch immer träumt Erik von Christine, seine ehemalige große Liebe, die sich dann aber für den jungen, reichen Raoul, Vicomte de Chagny entschied ’Til I Hear You Sing', und als Meg ihn zur Rede stellen will, läßt er sie brüsk abblitzen:  'Giry Confronts the Phantom / ’Til I Hear You Sing (Reprise)'. Als er von der Ankunft Christines und ihrer Familie (sie hat außer ihren Mann Raoul de Chagny, auch ihren 10jährigen Sohn Gustave mitgebracht) schickt er ihr unter dem Namen 'Hammerstein' eine Kutsche die ohne Pferde fährt, ein düsteres Gefährt, 'Arrival of the Trio / Are You Ready to Begin?', in das Raoul zunächst nicht einsteigen will, um sie in ihre Hotelsuite zu fahren. Am Hafen nämlich, wurde die kleine Familie salopp und auch nicht gerade freundlich von Neugierigen und der Presse empfangen. Längst hat sich herumgesprochen, dass der Vicomte spielsüchtig ist, dem Alkohol verfallen und pleite. Über den Empfang ist er ziemlich verärgert und weist seinen Sohn Gustave zurück, der mit ihm spielen will: 'What a Dreadful Town!'

 

Dann wird er in die Hotellounge gerufen, Mr. Hammerstein wolle ihn sprechen. Bevor Christine Gustave ins Bett schickt, kümmert sie sich als Trost für den abweisenden Vater um ihn und lehrt ihn, immer 'mit seinem Herzen zu schauen', bevor er etwas beurteilt:  'Look with Your Heart'.

 

Kaum allein, verdunkelt sich der Raum plötzlich, ein Windhauch weht hindurch und als Christine sich umdreht, steht aufeinmal die längst verblasste, aber nicht vergessene Gestalt des Phantoms vor ihr. Zunächst erschreckt sie sich und fällt in Ohnmacht, da sie Erik für tot hielt. Als sie erwacht wirft sie Erik vor, dass sie sich einst für ihn entschied, er sie aber verließ, woraufhin Erik ihr erklärt, warum er sie damals nach einer Liebesnacht heimlich verlies, nämlich weil er sich für seine Begierde schämte, und befürchtete bei Tageslicht erneut abgelehnt zu werden. Er gesteht ihr aber nun, dass er sie noch immer liebe und sich seit 10 Jahren unendlich nach ihr sehne. Christine läßt sich langsam besänftigen und die beiden verlieren sich in einer tiefgehenden Erinnerung an ihre Liebe und die Nacht die sie einst heimlich zusammen verbrachten:  'Beneath a Moonless Sky' und (auf dem Balkon des Hotels) dass ihre Liebe wahrscheinlich eine Chance gehabt hätte, wenn die Umstände einst nicht so schwierig gewesen wären: 'Once upon Another Time'.

 

Gustave erscheint im Türrahmen und beklagt sich, dass er nicht schlafen könne 'Mother Please, I’m Scared!',  da er von einer düsteren Gestalt geträumt habe. Erik ist überrascht, dass Christine einen Sohn hat, er ahnt aber noch nicht, dass es sein eigener Sohn ist, den der Vicomte (ebenfalls unwissend) für ihn aufgezogen hat. Er hebt den Jungen auf das Balkongeländer und verspricht ihm, ihm am nächsten Tag Phantasma zu zeigen.

Als er wieder verschwunden ist, übergibt Erik Christine die Partitur eines selbskomponierten Liedes und schlägt ihr vor in seinem Theater aufzutreten, am gleichen Abend von Hammersteins Eröffnung, er wolle ihr das doppelte Gehalt zahlen. Als Christine ablehnt, zeigt Erik erneut seine dunkle Seite: Er droht Christine ihren 'Abkömmling' (Gustave) verschwinden zu lassen, wenn sie nicht auf sein Angebot eingehe. Dann verschwindet er und läßt die verzweifelte Christine mit der Partitur zurück. Raoul kehrt mißgestimmt zurück und meint, dass Mr. Hammerstein nicht erschienen sei, dann sieht er Christines verzweifeltes Gesicht und als er sie fragt was los sei, antwortet sie nur, dass sich etwas geändert hätte...

 

Die nächste Szene spielt sich dann auf der Bühne von Eriks Theater 'Phantasma' ab. Da Christine vor hat, Eriks Angebot nun doch anzunehmen, möchte sie die Bühne und das Theater vorher kennenlernen und begegnet dort Meg und Madame Giry wieder: 'Dear Old Friend'. Die Freude ist zunächst groß, doch als Meg erfährt, dass Christine nun in Eriks Theater singen wird, ahnt sie Schlimmes: Sie weiß, dass Christine Erik mit ihrer Stimme wieder vollkommen in ihren Bann ziehen wird, und umgekehrt würde es auch nicht anders sein. Ihre Hoffnung, das Phantom doch noch für sich zu gewinnen, sinkt zunehmend.

 

Währenddessen wird der kleine Gustav von den Künstlern des 'Phantasma' hinter die Bühne in eine fantastische Welt aus Illusionen, Spiegelkabinetten und Freaks geführt und staunt nicht schlecht. Schließlich spielt er auf einem Klavier eine selbstkomponierte Melodie und singt dazu 'Beautiful'. Erik beobachtet ihn heimlich und ist überrascht über die Musikalität des Jungen, die seiner eigenen so ähnlich ist. Schließlich tritt er hervor  und zeigt Gustave seine Welt. In einer ungewöhnlich rockigen und modernen Version, bewundern beide im Duett Eriks Welt 'The Beauty Underneath' worin sie ihre Bewunderung für 'Die Schönheit unter der Oberfläche' teilen. Erik merkt schnell, dass der Junge ungewöhnlich sensibel und intelligent ist. Im festen Glauben, dass er ihn akzeptiert, lüftet er seine Maske, doch wie einst seine Mutter, erschreckt sich der Junge, läuft schreiend davon und flüchtet sich in Christines Arme. Diese bittet Meg sich um Gustave zu kümmern, da sie mit Erik reden muß. Meg sieht man den Unwillen darüber an, doch auf Christines eindringliches Bitten, tut sie es.

Als Erik Christine von seiner Seelenverwandtschaft mit Gustave erzählt 'The Phantom Confronts Christine', gesteht Christine ihm, dass der Junge Eriks Sohn ist. Sie wirft ihm vor, dass er damals einfach verschwand und sie schwanger zurückließ. Quasi aus ihrer Not heraus, habe sie Raoul geheiratet. Erik bricht zusammen, gleichzeitig verspürt er scheinbar große Freude über die Neuigkeit, ist aber auch entsetzt, da er ja gerade erst erlebt hat, dass das Kind ihn gleichfalls ablehnt. Er fordert Christine auf, sofort nach Frankreich zurückzukehren und Gustave niemals zu verraten, wer sein Vater ist. Christine verspricht es ihm, doch dann sieht sie die Partitur auf dem Boden liegen und verspricht ihm gleichfalls, dass dies nicht ungehört bleiben wird - womit sie wahrscheinlich meint, dass sie doch noch vorhabe an dem vereinbarten Abend in Eriks Theater aufzutreten und für ihn zu singen. Als Raoul zurückkehrt und sich beklagt, dass Mr. Hammerstein ihn versetzt habe, gesteht Christine ihm, dass Mr. Y in Wahrheit Erik sei und sie für ihn auftreten wolle.

 

2. Akt

 

'Entr'acte', dann wechselt die Szene zu Roul, der bis in die frühen Morgenstunden in der Hotelbar sitzt und seinen Frust über seine eher unglücklich verlaufene Ehe mit Christine mit Alkohol betäubt. Er fragt sich dabei, warum Christine ihn überhaupt noch liebt: 'Why Does She Love Me?' Eine von einem morgendlichen Bad im Meer erfrischte und scheinbar fröhliche Meg Giry betritt die Bar. Als sie Raoul entdeckt, legt sie ihm nahe, dass er so schnell wie möglich mit Christine und Gustave abreisen solle, da Christine wieder in Eriks Bann geraten könne, sobald sie für ihn singt. Natürlich verfolgt sie damit auch ein eigennütziges Ziel, sie ist eifersüchtig auf Christine und befürchtet, dass sich Erik nun gar nicht mehr für sie, Meg interessiert. Raoul lehnt es aber zunächst ab, vor Erik erneut zu flüchten, er will seinem Widersacher offen entgegentreten, und beschimpft diesen lautstark.

Als er sich umdreht, steht das Phantom plötzlich hinter ihm und fordert ihn heraus: Falls Christine am Eröffnungsabend für ihn, Erik singt, muß Raoul allein abreisen, falls sie nicht singt, bezahlt er alle Schulden des Vicomte und er darf Christine wieder mitnehmen: 'Devil Take the Hindmost'. Außerdem deutet er an, dass Gustave sein Sohn ist.

 

Der entscheidende Abend von Megs und Christines Auftritt ist gekommen: Meg ist als Erste dran, mit einer Art 'Bademodenschau': 'Bathing Beauty', doch nach der Show erfährt sie von ihrer Mutter, dass das Phantom nicht anwesend war, um ihre Leistung anzuerkennen: 'Mother did you wach?'.

 

Währenddessen bereitet sich Christine in ihrer Garderobe auf ihren Auftritt vor und wird von Gustave bewundert: 'You look so beautyful', doch der verzweifelte Raoul versucht sie mit allen Mitteln davon abzubringen. Verspricht ihr ein glücklicheres Leben als bisher und vor allem will er sich ändern: 'Before the Performance', doch sobald er den Raum verlassen hat, betritt Erik ihn und bekniet Christine für ihn zu singen, während er ihr ein prachtvolles Collier um den Hals legt. Christine ist hin und her gerissen, sie weiß nicht mehr, was sie noch tun soll, sie erinnert sich an vergangene Zeiten in der Pariser Oper, als sie sich schon einmal zwischen beiden Männern entscheiden sollte.

Inzwischen rätseln Madame Giry, Raoul und das Phantom, jeder für sich darüber, was Christine tun wird: 'Devil Take the Hindmost (Reprise)'.

 

Es ist soweit, Christine tritt auf die Bühne und eine wunderschöne Melodie erklingt, die unglückliche Christine steht in einem prachtvollen blaugrünen Kleid mit Pfauenfedern da und starrt zu Boden. Man sieht ihr regelrecht an, was für einen innerlichen Kampf sie mit sich austrägt und rechts und links von ihr lauern Erik und Raoul am Bühnenrand darauf, ob sie nun singt oder nicht. Schließlich hebt sie den Kopf und beginnt zu singen: 'Love Never Dies', das selbstkomponierte Lied von Erik. Die Musik trägt sie immer mehr davon, um sich herum scheint sie alles zu vergessen. Und als tosender Applaus ertönt, hat sie nur Augen für Erik, Raoul derweil schleicht sich leise davon...

 

Erik sucht Christine in ihrer Garderobe auf um sie zu loben, 'Ah Christine!..', doch sie selbst lobt Erik für diese wunderschöne Komposition. Raoul scheint sie vergessen zu haben, es scheint nun endgültig festzustehen, dass sie bei Erik bleibt. Doch dann findet sie einen Abschiedsbrief  von Raoul, in dem er sich verabschiedet und ihr nahelegt, mit Erik endlich glücklich zu werden, auf ihrem Sekretär. Natürlich ist sie zuerst entsetzt und traurig, doch auch erleichtert, endlich scheint sie frei für Erik zu sein...

Doch dann vermißt sie plötzlich ihren Sohn und beide vermuten, Raoul habe ihn mitgenommen. Wütend droht Erik 'den betrunkenen Narren' zu töten, wenn er seinen Sohn entführt hat, doch dann erfahren die beiden von Theatermitarbeitern, dass Raoul alleine fortging, Meg Giry allerdings mit dem Kind gesehen wurde. Sofort attackiert Erik Madame Giry, die vehement abstreitet, dass Meg ihm etwas antun würde. Zusammen rennen sie durch das Jahrmarktsgewühle und suchen weiter: 'Gustave! Gustave!'

 

Finale:

Szenenwechsel: Meg Giry mit Gustav am Pier, der schon ahnt, dass sie nichts Gutes mit ihm vorhat: 'Please Miss Giry, I Want to Go Back'

 

Erik, Christine und Madame Giry kommen gerade noch rechtzeitig zum Pier um Meg von ihrer Tat abzuhalten. Zwar tut sie Gustave schließlich nichts, da ihre Mutter sie inständig um Vernunft bittet und schickt ihn zu seinen Eltern zurück, doch dann richtet sie eine Pistole auf Erik und  macht ihm schwere Vorwürfe, dass sie alles getan hätte um ihm zu gefallen und sein Theater zu füllen, er sie aber nie beachtete, sondern immer nur von Christine träumte. Dann richtet sie die Pistole auf sich selbst. Als Erik versucht sie davon abzuhalten sich selbst zu erschießen, löst sich ein Schuß und trifft Christine, die schwer verletzt zusammenbricht. Meg und Madame Giry verschwinden um Hilfe zu holen, während Gustav Raoul zurückgeholt hat. Die sterbende Christine offenbart ihrem Sohn gegen Eriks Willen, wer sein wahrer Vater ist, dann küsst sie Erik nocheinmal ausgiebig und stirbt  in seinen Armen. Erik  hält sie noch eine Weile verzweifelt fest, dann übergibt er Christines Leiche an Raoul, flüchtet sich ans Ende des Piers und bricht weinend zusammen. Gustave nähert sich Erik, legt ihm eine Hand auf die Schulter und nimmt ihm vorsichtig die Maske ab ohne ein weiteres Mal zu erschrecken, er streichelt dessen Wange und zeigt damit, dass er ihn als leiblichen Vater anerkennt...

Ende

 

Meine Meinung:

 

Zunächst war man (besonders als Phantomfan) ja eher skeptisch, ja vielleicht sogar ablehnend, was dieses Nachfolgemusical betrifft. Doch dann hörte man immer wieder mal bei verschiedenen Konzerten den ein oder anderen Song und wurde neugierig. Wenn man allerdings die Handlung nicht wirklich kennt, bzw. sie nicht vor Augen hat, ist es auch nicht einfach die Songs zuzuordnen, auch wenn sie wunderschön sind. Aber es gibt ja mittlerweile (oh Wunder), schon eine Bühnenfassung davon auf DVD, nämlich die aus Melbourne am Regent Theatre.  Nachdem ich die gesehen hatte, schlug das Musical endgültig bei mir ein. Warum auch sollte es nicht möglich sein, dass das Phantom 'damals' überlebte und ein neues Leben in Amerika aufbaute. Auch wenn sich diese Geschichte an das Buch von Frederick Forsyth 'Das Phantom von Manhattan' anlehnt, das mir ja nicht wirklich gefiel, ist das Musical doch völlig anders und natürlich weitaus ergreifender und tiefgehender:

Endlich können sich Erik und Christine mal so richtig über ihre gegenseitige Liebe auslassen, und die Krönung ist hier ja auch noch ein Sohn aus der Pariser Zeit.

 

Das Musical ist zwar eine Nachfolgegeschichte des Originals, aber trotzdem völlig eigenständig. Hin und wieder klingen leise Melodien aus 'Phantom der Oper' an, aber sie dienen nur der Erinnerung. Die 'Opernhaftigkeit' des ersten Musicals, ist in 'Love Never Dies' zwar nicht mehr so stark ausgeprägt, aber doch noch in gewisser Weise vorhanden, aber gemischt mit einer gewissen Zirkusatmosphäre. Auf der CD nerven diese etwas kitschig klingenden Songs wie 'Bathing Beauty', 'Oooh la la girl' u.s.w. doch wenn man dann das Gesamtbild auf DVD (oder Bühne) sieht, muß man erkennen, dass es irgendwie dazu gehört. Es ist ja Meg Girys verzweifelter Kampf um Eriks Anerkennung, und steht im krassen Gegensatz zur vornehmen Operndiva Christine Daaé. Fürs' Auge sind diese bunten Showeinlagen natürlich Abwechslung zu den ergreifenden und liebeslastigen Szenen die sich in Christines Garderobe und Suite mit Erik oder Raoul abspielen, die aber durchgehend von wunderschöner Musik und entsprechenden Songs begleitet werden. Aus dem Rahmen fällt hier das rockige 'Beauty Underneath', was aber gerade deshalb irgendwie fasziniert, weil es so gar nicht zum Phantom passt. Da hat Sir Andrew Lloyd Webber wieder sein ganzes Genie bewiesen und natürlich auch Forsyth' Roman an vielen Stellen umgeschrieben. In der Romanvorlage spielen die Girys kaum noch eine Rolle, da ist es ja Eriks düsterer Diener oder Partner Darius, der am Ende dem Sohn aus Eifersucht nach dem Leben trachtet, während Madame Giry im fernen Paris im Sterben liegt und einen geheimnisvollen Brief an Erik sendet und Meg als Zofe an der Seite von Christine lebt. Auch hat man in dem Roman von Forsyth nicht den Eindruck, dass Christine für Erik auch nur einen Hauch Liebe empfindet oder je empfunden hat ('es ist halt passiert und nicht zu ändern' kommentiert sie die Zeugung ihres Sohnes mit Erik kalt).

Schrecklich und tragisch ist aber wie im Buch auch das Ende im Musical, nämlich dass Christine getötet wird. Also gibt es auch diesmal kein 'Happy End', obwohl sich Raoul schon freiwillig verabschiedet hat, wird Erik und Christine auch diesmal kein Zusammenleben gegönnt. Schade eigentlich, denn diesmal scheint es wirklich endgültig zu sein.