Das Phantom der Oper

Drama / USA, FR, I, BRD 1990

FSK ab 12

Länge 176 Minuten

Regie: Tony Richardson

Drehbuch: Arthur L. Kopit

Nach der Romanvorlage von Gaston Leroux und der Musicalversion von

Kopit & Yeston


Charles Dance als Phantom der Oper 1990 (Filmszene)
Charles Dance als Phantom der Oper 1990 (Filmszene)

Cast:

   
Das Phantom / Erik
Charles Dance
Christine Daaé
Teri Polo
Phillippe de Chagny
Adam Storke
Gerard Carrière (ehem. Operndirektor)
Burt Lancaster
Alain Cholet (Operndirektor)
Ian Richardson
Carlotta
Andréa Ferréol
Inspector Ledoux
Jean-Pierre Cassel
   

 


Der Film:


Christine Daaé kommt an die Pariser Oper um Gesang zu studieren, doch das neue Direktorenpaar Cholet und seine Frau Carlotta, die hier selbst als Primadonna Karriere machen möchte, nehmen das Mädchen zunächst nicht wirklich ernst, da es ziemlich ärmlich und verwahrlost wirkt. Erst als sie erfahren, dass der Graf de Chagny (ein Sponsor der Oper) sie schickte, darf sie bleiben um für Carlotta als Dienstmädchen zu arbeiten. Christine bekommt eine Unterkunft in den unheimlichen Kellergewölben und als sie sich eines nachts  auf die dunkle Bühne schleicht und zum Spaß singt, wird sie heimlich vom Phantom belauscht.


Das neue Direktorenpaar hat bereits unfreiwillig Bekanntschaft mit dem angeblichen Operngeist (Phantom) gemacht, der sie in Briefform mit Forderungen überschüttet: Stets soll Loge 5 für ihn reserviert bleiben, er verlangt eine gewisse Geldsumme im Monat und macht Vorschriften was die Aufführungen betrifft. Natürlich halten sich Cholet und Carlotta, im Gegensatz zu ihrem Vorgänger Gerard Carrière, nicht daran und werden zunehmend vom Phantom terrorisiert: Eine Stimme die aus der Wand kommt verjagt die Gäste aus Loge 5, Carlottas Auftritte werden zunehmend zur Lachnummer, Requisiten verschwinden und es gibt sogar hin und wieder Leichen im Keller...


Christine mausert sich derweil heimlich zur Sängerin, da ihr ein Unbekannter mit Maske nachts in den Kellergewölben Gesangsunterricht erteilt. Sie nennt ihn nur 'Maestro' und weiß nicht, dass es sich hier um das maskierte Phantom handelt, den heimlichen Attentäter der Oper, das die Direktoren zusammen mit der Polizei längst jagen.


Als Graf Phillippe de Chagny das ganze Ensemble eines Abends in ein Bistro einlädt, geht auch Christine hin und gewinnt ein Wettsingen gegen Carlotta. Sofort wird sie als die neue Margarete in der Oper 'Faust' für die Bühne engagiert. Die rasend eifersüchtige Carlotta mischt für Christine einen Kräutertrunk, der die Nerven beruhigen soll, doch in dem Trunk ist Gift und Christines Stimme versagt während des großen Auftritts.


Darüber ist ihr Gönner, das Phantom so wütend, dass es den Kronleuchter mitten in der Vorstellung zum Absturz bringt und Christine in sein Reich, tief unter die Oper an einen See entführt.


Das Phantom findet heraus, was Carlotta getan hat und rächt sich mit einer Fuhre Ratten an ihr, was die Diva in ewigen Wahnsinn zu stürzen scheint, denn von da an lallt sie nur noch sinnloses Zeug.


Monsieur Carrière derweil findet Christine im Versteck des Phantoms, und erzählt ihr, dass er das Phantom kenne, dieses Erik heiße und gefährlich sei. Sie soll sofort mit ihm in die Oberwelt zurückkehren. Doch Christine weigert sich und Carrière erzählt ihr mehr über Eriks Vergangenheit und dass er sein Vater sei...


Bei einem Picknick in einem unterirdischen Wald, verlangt Christine, dass Erik die Maske abnimmt, und verspricht ihm nicht zu erschrecken - doch sie kann ihr Versprechen nicht halten und fällt in Ohnmacht. Für Erik, der Christine liebt, geht eine Welt unter. Während er seine fantastische Behausung am See zerstört, gelingt Christine die Flucht in die Oberwelt, wo sie schon von Phillippe erwartet wird.


Phillippe bringt Christine in sein prachtvolles Schloss, doch Christine will nicht bleiben, sie bereut ihr Handeln bereits schwer und will wenigstens noch einmal für Erik singen.


Nocheinmal tritt sie als 'Margarete' in 'Faust' auf und diesmal singt sie wie eine Göttin. Natürlich hat sie damit Erik aus seinem Versteck gelockt und am Ende der Oper kann er nicht mehr an sich halten und singt mit Christine zusammen von seiner Loge aus im Duett. Das Publikum weiß nicht mehr wo es zuerst hinschauen soll (wer ist der geheimnisvolle Fremde mit der Maske und der fantastischen Stimme?) und ist begeistert, doch niemand ahnt, dass sich bewaffnete Polizisten im Zuschauerraum und hinter den Kulissen verstecken und schließlich noch während des Schlussapplauses auch noch auf Erik schießen. Wieder bricht Chaos aus, Erik flüchtet mit Christine auf das Dach der Oper, verfolgt von der Polizei, aber auch von Phillippe und Carrière. Auf dem Dach kommt es zu einem kurzen Kampf zwischen Phillippe und Erik, doch Erik rettet Phillippe, der abzustürzen droht, auf Bitten von Christine das Leben. Dafür muß er nun sein eigenes opfern: Als Polizeichef Ledoux fordert, ihn lebend zu fangen, erschießt sein Vater ihn aus Mitleid, um ihm das zu ersparen. Erik lebt noch, als er vom Dach stürzt und bekommt endlich den ersehnten Kuss von Christine, dann stirbt er. Christine ist nun vom Phantom befreit und kann traurig, aber erleichterten Gewissens mit Phillippe ziehen...


Meine Meinung:

 

Für mich bisher der beste Spielfilm zum Phantom der Oper. Auch wenn er sich nicht wirklich an die Romanvorlage hält, so ist das Grundthema vorhanden. Außerdem wird das Phantom hier nicht als Ungeheuer dargestellt, sondern als eher gefühlvoller Mensch. Hier bemüht man sich wirklich, die Gestalt des Phantoms so darzustellen, dass es realistisch erscheint. Endlich einmal wird das Phantom nicht nur grundsätzlich als psychopathischer Mörder dargestellt, sondern der Mensch dahinter beleuchtet und somit auch die guten Seiten - auch wenn die dunklere Seite des Phantoms und auch seine Mystik hier dann vielleicht etwas zu kurz gerät.

 

Der erste 90minütige Teil hat eher komödiantischen Charakter, denn die Streiche die das Phantom einer überkandidelten Carlotta und ihrem Gatten dem Operndirektor Cholet spielt, sind eher lustig als gruselig oder ernst.

Im zweiten Teil wird es dann schon dramatischer.

 

Charles Dance (mittlerweile auch berühmt als Tywin Lannister aus 'Game of Thrones') spielt das Phantom ganz fantastisch, da er trotz einer Ganzgesichtsmaske, die er auch durchgehend trägt, allein durch seine beeindruckenden Augen und den sichtbaren Mund ganze Gesichtsmimiken ersetzen kann. Mit dem Original kann man auch ihn natürlich nicht vergleichen, aber wir wissen nicht wirklich, wie das 'Original' war, Gaston Leroux hat da ja ziemlich viel im Argen gelassen. Aber zumindest war es nicht durch und durch verdorben, wie es ja so sonst so gerne dargestellt wird, sondern hatte auch eine vornehme Seite.  Bei diesem Phantom allerdings fragt man sich fast wirklich schon, warum es überhaupt in einem Keller hausen muß.

Leider wird das Geheimnis des Phantoms für den Zuschauer hier schon ziemlich am Anfang entzaubert: Als Monsieur Carrière als Operndirektor entlassen wird, hat er gleich eine Unterredung mit dem Phantom, d.h. da fallen vorher nicht reichlich Reqisiten, oder kommt eine Stimme aus den Wänden, oder erscheint ein huschender Schatten in den Gängen - man lernt das Phantom ziemlich schnell kennen, was ihm ein bisschen die Mystik raubt.  Obwohl der Film ja recht geheimnisvoll beginnt, mit Buquets Ausflug in den Keller und dann dessen rätselhaftem Tod, angeblich nur weil er in den Keller ging und das Phantom gerade dort herumspaziert. 'Ich bin das Töten nicht gewohnt' sagt es zu Carriére und diesem Phantom traut man so etwas Böses auch einfach nicht zu, und es klingt ebenso unglaubwürdig, als Carriére Christine später erklärt, Erik sei gefährlich. Irgendwie schafft man hier dann doch nicht den schmalen Grat von Gut nach Böse und umgekehrt und wenn es dann doch mal wieder Tote in der Oper gibt, dann waren es die Fallen, die das Phantom aufstellte, das 'Punjab'-Lasso schwingt es nicht selbst.

 

Christine landet zunächst als eine Art 'Mädchen für alles' in der Oper, statt im Chor oder im Ballett. Das Phantom unterrichtet sie hier auch nicht als Stimme im Kopf oder durch die Wand, sondern zeigt sich gleich selbst, allerdings mit Maske, was hier auch realistischer rüberkommt. Zu dieser Christine hätte es ebensowenig gepasst, dass sie naiv an eine Stimme im Kopf glaubt.

 

Ein großer Pluspunkt ist der Originalschauplatz, die Opera Garnier, die vorher noch nie wirklich in einem der unzähligen Filme auftauchte.

Auch hier fällt der Kronleuchter, aber es gibt keinen Maskenball.

 

In einigen Szenen schrammt der Film leider nahe an Kitsch vorbei, wie z.B. die Picknickszene in Eriks künstlichem Wald, wo trotz seiner Lage unter der Erde irgendwie die Sonne scheint (Christine bringt Erik hier von sich aus dazu die Maske abzunehmen, aber der Zuschauer sieht sein Gesicht nicht), oder die ein bisschen zu gefühlsduselige Abschiedszene mit Monsieur Carriére als Vater von Erik. (Nachdem Christine flüchtete, suchte Carrière Erik nocheinmal in dessen Versteck auf und gab sich als sein Vater zu erkennen).

 

Raoul wurde kurzerhand in Phillippe umgetauft (im Roman ist das eigentlich sein Bruder, der Graf), vielleicht gefiel den Produzenten der Name Raoul nicht, aber Phillippe passt da auch nicht besser. Der Schauspieler selbst (Adam Storke)  gibt aber einen äußerst passablen  jungen Grafen ab und man kann Christine fast verstehen, dass sie sich zu diesem dann doch mehr hingezogen fühlt.

 

Es gibt sehr schöne Musikeinlagen wie z.B. Teile aus echten Opern der damaligen Zeit: 'Faust', Norma' und 'La Traviata', aber auch französische Volkslieder (im Bistro und im Rückblick auf Christines Kindheit), sowie die Filmmusik allgemein, die nicht zu verachten ist.

 

Sehr ergreifend ist auch das Duett in 'Faust' dass Christine am Ende zusammen mit Erik singt, nachdem sie auf die Bühne zurückkehrte um noch einmal für ihn zu singen. 

 

Das Ende ist auch hier weniger schön: Erik wird ja schließlich aus Mitleid von seinem eigenen Vater erschossen, damit er nicht in Gefangenschaft gerät. Das  wirkt dann leider doch ein bisschen unrealistisch und unglaubhaft zusammengebastelt. (Schade). Wenigstens bekommt das sterbende Phantom hier seinen ersehnten Kuß von Christine.

 

Mein Fazit:

Ein durchaus sehr unterhaltsamer und sehenswerter Film, der sich wirklich Mühe gibt dem Phantom endlich gerecht zu werden ohne ihn ständig nur als Ungeheuer darzustellen. Sollte ich von fünf Sternen hier welche vergeben, würde ich sagen Vier bis Viereinhalb. (Ein bisschen muß man sich ja noch Luft nach oben lassen, wer weiß, ob nicht irgendein Regisseur auf dieser Welt  doch noch mal den perfekten Film zum Phantom der Oper hinbekommt...