Burg Schloss Waldeck

Burg  Waldeck
Burg Waldeck

 

Info zu Burg Waldeck:

 

Die erste schriftliche Erwähnung der Burg führt in das Jahr 1180 (entstanden ist sie wohl schon sehr viel früher), als Burg Waldeck in Hessen im gleichnamigen Ort, durch Heirat in den Besitz des Grafen von Schwalenberg gelangte, der sich später Graf von Waldeck nannte. Bis ins 17. Jahrhundert wurde die Burg immer weiter ausgebaut, erlitt aber im dreißigjährigen (1634) und im siebenjährigen (1761) Krieg unter Beschuss und Besetzung. Schon 1665 wurde sie als Wohnsitz aufgegeben und mußte teilweise wegen Baufälligkeit abgerissen werden.

Aus dem 13. und 14. Jahrhundert sind heute noch Kellergewölbe (Verliese) und der große Bergfried im Original erhalten.

1734 wurde dort ein Zucht- und Arbeitshaus für Männer und Frauen eingerichtet, das bis 1868 bestand. Aus dieser Zeit stammen die Ausstellungsstücke im Burgmuseum dessen Ausstellung sich 'Hinter Schloss und Riegel' nennt. Außerdem beherbergt die heute wieder restaurierte Burg ein Luxushotel und Restaurant.

 

 

Info zum Burgmuseum 'Hinter Schloss und Riegel':


Wer sich im Mittelalter etwas zuschulden hat kommen lassen und erwischt wurde, hatte nichts mehr zu lachen - die Strafen waren unmenschlich hart und das bis ins Jahr 1848, als Todesstrafen und körperliche Züchtigungen ausgehend von Waldeck, in Deutschland schließlich bis heute abgeschafft wurden.

Was die Delinquenten durchgemacht haben müssen, zeigt dieses Burgmuseum eindrucksvoll. Man bekommt ein kleines Gerät mit auf den Rundgang, und kann sich damit alles genau erklären lassen. Doch schon der Anblick der düsteren Zellen ohne Licht und Luft, sowie der unterirdischen Gewölbe lassen einen erschauern. Schon bei geringen Vergehen drohten Prügelstrafen die einem die Haut aufrissen und andere unangenehme Züchtigungen, wie am Pranger stehen, mit schweren Steinen um den Hals umherlaufen oder Stunden, bzw. Tage in einem Käfig zu verbringen den jeder hin und her drehen konnte.

Richtig gruselig ist der dreistöckige 'Hexenspund' oder Hexenturm, wobei es der 'Hexe' in der untersten Etage, die einer Art 'Angstloch' ohne Fenster und Türen gleicht, was man ja in vielen Burgen gesehen hat, wohl noch am schlechtesten erging. Man empfindet doppelt Grusel, weil man ja weiß, dass alle Frauen die hier als 'Hexe' schmachten mußten unschuldig waren!

Anfangs wurden sogar Männer und Frauen zusammen in eine Zelle gesperrt, was natürlich ungewollte Schwangerschaften mit sich brachte. Wie die Geschichte um 'die Lützenbergerin' erzählt, die 1786 nach 11 Jahren Haft an den Schandpfahl mußte, weil sie während ihrer Haft zweimal schwanger wurde (einmal von einem Mithäftling und einmal von einem Wärter) und jeweils nicht lebensfähige Kinder zur Welt brachte (was einen bei den Haftbedingungen kaum verwundert...(!)

Richtig böse wurden Mörder bestraft - die Todesstrafe durch das 'Rädern' war wohl das Grausamste, was man sich (nicht) vorzustellen vermag...

 

Henker waren in mittelalterlichen Orten zwar Außenseiter und mußten ihr Gesicht verhüllen oder leuchtende Farben tragen (meist einen roten Umhang), wenn sie ausgingen, damit jedermann ihnen früh genug ausweichen konnte, um nicht dessen 'bösen Blick' auf sich zu ziehen, doch im Grunde waren sie ziemlich wohlhabend. Jede Hinrichtung oder Folterung, brachte ihnen eine nicht geringe Summe ein. Am meisten wurde hier für 'den Übelthäter in siedendes Öl zu tun' verdient mit 24 Gulden, im Verhältnis zu heute 5650,-- €. Eine einfache Enthauptung (damals die humanste Strafe) schon, brachte dem Scharfrichter 10 Gulden (2360,-- €) ein. Ebensoviel eine Vollstreckung am Galgen. Die niedrigsten Summen bekam er für Folterungen, die aber auch schon einige hundert Euro nach heutigen Verhältnissen betragen konnten. 1 Gulden (235,--€) gab es letztendlich für das Begraben des Gehenkten am Schindanger und das war die niedrigste Summe. Reiche Henker hatten dafür sogar eigenes Personal, die sogenannten Henkersknechte, die wohl weitaus geringer bezahlt wurden. Henker und Scharfrichter lebten meist zurückgezogen am Stadtrand, nicht selten in großzügigen Häusern sogar mit Familie und Dienerschaft, die notwendig war um alltägliche Besorgungen zu verrichten, so dass sich die Henkersfamilie nicht allzu oft in die Stadt unter das Volk begeben mußte. Vielleicht der Ausgangspunkt für die hohen 'Gehälter', wer sonst würde solch einen Job freiwillig machen...(?)

 

Zur Ernährung gab es für die Gefangenen oder 'Arrestaten' nur Wasser und Brot, später dann wurde die Ernährung mit Suppe und Kaffee angereichert, da zu viele Gefangene krank wurden und schnell starben. Fleisch gab es nie, es sei denn, man hatte großzügige Verwandte oder Freunde, die genug Mittel hatten um die Gefängniswärter zu bestechen...

 

Ab 1848 wurden die harten körperlichen Strafen und Todesstrafen nach der waldeckischen Verfassung abgeschafft und in harte Arbeit umgewandelt. Die Häftlinge mußten meist Marmor schleifen und bearbeiten, die Frauen spinnen und weben. Später dann wurde dies in Feldarbeit umgewandelt. 1852 wurde sie kurzzeitig wieder zugelassen und 1857 gab es die letzte Hinrichtung in Waldeck.

 

Obwohl die Bedingungen im Zuchthaus von Burg Waldeck hart und grausam waren, so wurden dessen Bestimmungen, ab 1848 die Todestrafe abzuschaffen zu einem Meilenstein in der Geschichte der Humanisierung des Strafvollzuges in Deutschland.

 

Fotos zu Burg Waldeck und das Kriminalmuseum siehe unten die Bildgalerie.

 

Bildergalerie