Burg Reichenstein


Burg Reichenstein vom Rhein aus gesehen
Burg Reichenstein vom Rhein aus gesehen

Info zur Burg:

 

Burg Reichenstein (ursprünglicher Name war 'Falkenburg')  wurde urkundlich erstmals 1213 erwähnt, aber wahrscheinlich schon im 11. Jahrhundert im Mittelrheintal auf einem Felsen bei Trechtingshausen (in der Nähe befinden sich auch Burg Sooneck und Burg Rheinstein) errichtet und zählt somit zu den ältesten Rheinburgen. Heute noch findet man Efeu an den Burgmauern, das bis zu 1000 Jahre alt sein soll. Ursprünglich wurde sie als Zoll- und Grenzburg erbaut, Besitzer waren die Ritter von Waldeck, die Verwaltung übernahm Gerhard von Rheinbod, der sich aber schon bald als einer der übelsten und brutalsten Raubritter des Mittelalters erwies. Selbst vor Mord schreckte er nicht zurück. Erst die Androhungen des Kaisers, kriegerisch gegen ihn vorzugehen, brachten ihn dazu, die Burg  zurückzugeben. 

1214 ging die Burg an den Ritter Philipp von Bolanden über, der sie bis 1241 wohl gewissenhaft verwaltete, denn von Raubrittertum ist aus seiner Zeit nichts bekannt. Das hatte ein Ende, als Philipp von Hohenfels 1241 die Verwaltung der Burg übernahm und sie erneut in ein Raubritternest verwandelte.

Ein Heer der Städtebünde unter Zustimmung des Erzstiftes Mainz, belagerte und zerstörte die Burg schließlich.

Philipp von Hohenfels täuschte eine Abkehr vom Raubrittertum vor, und durfte die Ruine wieder aufbauen. Doch er baute sie nicht nur aus, sondern verstärkte  die Burg um weitaus dickere Ringmauern und wurde erneut zum Räuber.

Als er 1277 starb, erbte sein dritter Sohn Dietrich von Hohenfels die Burg und führte das Raubritterdasein seines Vaters noch gewalttätiger fort.

Der erst wenige Jahre zuvor (1273) zum König gekrönte Rudolf von Habsburg, beschloss 1282 schließlich Burg Reichenstein zu belagern und auszuhungern, denn ihm fehlte das Kriegsgerät um die starke Trutzburg zu erobern. Er hatte Erfolg: Nachdem sich die Raubritter ergaben, wurden sie hingerichtet, die Burg niedergerissen und ihr Wiederaufbau verboten. Ähnlich erging es den Rittern der Nachbarburg Sooneck und zur Überwachung der beiden Burgruinen wurde die Faitsburg (später Burg Rheinstein) errichtet.

Der Burgbesitzer Dietrich von Reichenstein verkaufte die Ruine 1290 an den  Pfalzgrafen Ludwig von Strengen, Herzog von Bayern und außerdem Schwiegersohn des Königs. Erst dessen Söhne ließen die beiden Burgen trotz des Wiederaufbauverbots wieder aufbauen. 1344 ging Burg Reichenstein wieder an das Erzbistum Mainz. Doch erneut kam es zu Auseinandersetzungen, bei denen die Burg im Mittelpunkt stand, denn 1397 verschanzte sich dort  Erzbischof Gottfried von Leiningen, nachdem ihm der Papst unter Missachtung seiner Wahl, einen anderen Bischof vor die Nase setzte, dieser hieß Johann II. von Nassau. Erst nach langwierigen Verhandlungen verzichtete Gottfried auf den Bischofstuhl und wurde mit dem Amt des Dompropstes von Mainz abgefunden. Sein Verzicht bewirkte, dass es keinen erneuten Angriff auf die Burg gab.

Bald schon verlor die Burg an Bedeutung, denn den immer moderner werdenden Waffen konnte sie nicht mehr trotzen. Seit dem 16. Jahrhundert, wurde sie dem Verfall überlassen und 1689 im pfälzischen Erbfolgekrieg gesprengt.

1834 kaufte General Franz Wilhelm von Barfus die Ruine und baute den noch einzigen erhaltenen Turm als Wohnsitz aus. Seine Erben verkauften die Burg 1877 an Freiherr von Rehfuß, und dieser wiederum 1889 an den Konsul Chosodowsky.

1899 hatte Burg Reichenstein erneut einen neuen Besitzer, Baron Nikolaus von Kirsch-Puricelli, der Reichenstein in eine neugotische Wohnburg im englischen Stil ausbauen ließ. Reichenstein war somit die letzte Burg, die im Mittelrheintal im Zeichen der Burgromantik wieder aufgebaut und hergerichtet wurde. Bis 1936 benutzte Baron Kirsch-Puricelli die Burg für sich und seine Familie als Wohnsitz. Sein Sohn richtete später in der Burg ein Museum und Restaurant ein. Momentan werden Teile der Burg zu einem Hotel erweitert. Burg Reichenstein befindet sich bis heute im Besitz der Nachfahren der Familie Kirsch-Puricelli.

 


Zum Raubrittertum:

 

Es gibt ein Buch von Niklas Frank 'Raubritter', in dem der Autor dem Leser auf amüsante Weise, teilweise in mittelalterlichem Dialekt, das Raubrittertum nahe bringt. Dabei sind z.B. auch 'Götz von Berlichingen' oder eben wie oben erwähnt, 'Philipp von Hohenfels' der die Rheingegend um Burg Reichenstein unsicher machte. Zu ihrer Zeit wurden sie meist 'Heckenreiter' oder 'Heckenritter' genannt. Natürlich war es alles andere als amüsant, vor allem für die Geschädigten, (meist schutzlos Reisende, Händler und Handelsschiffe auf dem Rhein) und oft wurden unschuldig Reisende jahrelang in den Burgen der Raubritter unter übelsten Bedingungen gefangen gehalten, um eventuell ein Lösegeld von den Verwandten zu erpressen. Nicht selten verstarben die Gefangenen sogar in ihren Verliesen, oder wurden einfach vergessen.

Das Raubrittertum wurde wahrscheinlich von denen die es später bekämpften, selbst erschaffen, nämlich Bistümer und Fürstentümer, die sich nicht selten gegenseitig, aufgrund von Fehden, bekriegten und ausraubten, wobei die Raubritter nur deren 'Werkzeuge' waren, was erklärt, dass viele Raubritterburgen oft Jahrzehntelang unbehelligt blieben, selbst wenn sich deren Besitzer oder Verwalter längst als Raubritter selbständig gemacht hatten. Erst sich anhäufende Beschwerden Reisender oder Händler in den Städten oder Fürstentümern, wie auch neue Herrscher, bewirkten dann oft kurzweilig, dass dem Treiben in der einen oder anderen Burg ein Ende gesetzt wurde.

Oft aber entstand diese brutale Art der Bereicherung auch aus der bitteren Armut vieler Ritter aus niederem Adel, die außer der Burg, die sie oft auch nur für einen Lehnsherrn verwalteten, nichts besaßen, aber in Kriegsfällen für den König antreten mußten. Oft war ein König nach einem Krieg selbst so pleite, dass er seine Ritter nicht mehr bezahlen konnte, die aber selbst genug Untertanen zu versorgen hatten. Da sahen sie nun all die reichen Händler an ihren Burgen in  Richtung reicher Städte vorbeiziehen, und fragten sich, warum sie sich nicht einfach selbst bereicherten, wenn der König nicht seine Schulden bezahlte.

Am Rhein waren es dann wohl eher die Handelsschiffe, die in Piratenmanier von Raubrittern geentert wurden. Man schlug schnell zu, und verzog sich schnell wieder hinter die dicken Burgmauern.

Natürlich war nicht jeder Ritter gleich ein Räuber, damals wie heute, waren die 'schwarzen Schafe' der Gesellschaft wohl eher in der Unterzahl.

In den Romanen von Rebecca Gablé, z.B. 'Die Hüter der Rose', werden die anderen Seiten des Rittertums aufgezeigt. 'Fromm, edel, und gut...', auch hier herrscht in vielen sogar hochangesehenen Ritterfamilien, bittere Armut, weil der König seine Schulden nicht bezahlt, doch deshalb wird der Hausherr nicht gleich zum Raubritter.

Alles halt eine Charaktersache, oder den Umständen entsprechend: Wem sich die Gelegenheit bietet, der greift zu, oder läßt es edelmütig sein. Ebenso wohl auch eine Sache der Erziehung, die damals für einen werdenden Ritter, sicher ziemlich oft brutal vonstatten ging, und damals wie heute, war das Ergebnis schließlich verheerend.


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