Zu Ehren des Königs

ROSEMARIE MARSCHNER

Romanbiografie

490 Seiten

Ausgabe 2009

 

Buchcover 'Zu Ehren des Königs', links: Lesezeichen, Souvenir aus Schloss Versailles
Buchcover 'Zu Ehren des Königs', links: Lesezeichen, Souvenir aus Schloss Versailles

Meine Meinung und Beschreibung zum Buch:

 

Ich hielt das Buch ursprünglich für einen historischen Roman aus der Zeit um Ludwig XIV., dem französischen Sonnenkönig (1638 - 1715), doch es ist eine 'kleine' Romanbiografie, und genau so etwas hatte ich eigentlich immer vergeblich gesucht. 'Richtige' Biographien sind ja oft ziemlich trocken und langatmig. Auch wenn in Romanbiographien so einiges dazu erfunden wird, so basieren sie doch auf mehr oder weniger bekannten Fakten, und es geht mehr um die Person selbst.

 

Diese Romanbiografie behandelt allerdings nur Kindheit und Jugend des Königs, bis zu jenem prachtvollen Fest 1661, das dessen Finanzminister Nicolas Fouquet zu Ehren des Königs gab und das ja bekanntlich zu  Fouquets Sturz führte. Es wird immer abwechselnd zur Biographie des Königs, auch die von Fouquet erzählt. Immer wieder kreuzen sich die Wege der beiden und das Verhältnis zueinander ist zunächst freundschaftlich.

 

Schon im Alter von vier Jahren, begegnet der spätere Ludwig XIV. dem 23 Jahre älteren Nicolas Fouquet im düsteren Labyrinth des Louvre. Das Königskind hatte sich dort nach einem enttäuschenden Treffen mit seinem ungeliebten Vater Ludwig XIII. (Vater und Sohn mochten sich nicht besonders), verirrt und hockte weinend in einer Ecke. Fouquet, ein Aufsteiger aus einer bekannten und erfolgreichen Familie, war damals noch der Steuereintreiber des Königs. Er tröstete den Jungen und brachte ihn zu seinen Kinderfrauen zurück. So begegnen sich beide immer wieder mal und Fouquet ist stets hilfreich zur Stelle, wenn die königliche Familie Hilfe braucht. Während der Zeit des Bürgerkriegs und Adelaufstandes, der Fronde, eilt er zu Hilfe, und schenkt Ludwig nach dessen schwerer Typhuserkrankung, als er sich beim Heer in Calais aufhielt, die erste Perücke, als dieser in Depressionen zu stürzen drohte, da ihm die Haarpracht vorrübergehend ausgefallen war. (Ob dieses Geschenk historisch belegt ist, weiß ich allerdings nicht, ich habe es sonst noch nirgendwo gefunden).

 

Durch diese Romanbiographie, wird einem der sonst so unnahbar wirkende König, wirklich nahe gebracht und man versteht besser, warum er so geworden ist, wie er war. Ein eigentlich schüchterner, gefühlvoller und wohl auch sympathischer Mensch, der sich all das in seiner ersten Lebenshälfte auch bewahrt hat. Allerdings wurde ihm natürlich schon quasi von Geburt an eingetrichtert, dass er der König sei, (sein Vater Ludwig XIII. starb 1643, als sein Sohn 4 Jahre alt war und König wurde) von Gott erwählt und seine Wünsche Befehl sind. Das bewirkte natürlich, dass er schon als Kind hin und wieder deftige Arroganz gegenüber Untertanen an den Tag legte. Er wird auf der einen Seite von Höflingen, seiner Mutter und 'Ersatzvater' Kardinal Mazarin (beide übernahmen zunächst die Regentschaft) hoffnungslos verwöhnt, auf der anderen Seite aber musste er die für ein Kind oft lästigen und langweiligen höfischen Zeremonien über sich ergehen lassen. Dazwischen gibt es auch Zeiten der Vernachlässigung, z.B. lernt er erst mit 7 oder 8 Jahren nur mäßig lesen und schreiben (was ihm noch als Erwachsener beschwerlich sein würde), ertrinkt fast in einem Teich, als er sich selbst das Schwimmen beibringen will und mit Märchen vorlesen ist schon im zarten Alter von 5 Jahren Schluss. Da bekommt der Ärmste Abends nur noch etwas über Frankreichs Geschichte zu hören. Er muß bereits vor Versammlungen sprechen, auch wenn es oft nur kurze Sätze sind, so für ein Kind doch mehr als belastend. Dazu kommen die Jahre der Fronde, vorübergehende Flucht der Königsfamilie aus Paris, und im Alter von 10 Jahren auch noch die Pocken. Aber auch die überlebt er. Bereits im Alter von 15 Jahren, wird er auf Wunsch seiner Mutter, von deren 40jähriger 1. Kammerfrau Catherine Bellier de Beauvais, in Liebespraktiken eingeführt, da seine Mutter Anna von Österreich, verhindern will, dass er in einer eventuell späteren Hochzeitsnacht, so ahnungslos ist, wie sie und ihr Gatte Ludwig XIII. es einst waren. Der junge König bekommt Geschmack an der Sache und eine Weile bleibt diese Kammerfrau seine somit 1. Mätresse, und steckt ihn auch gleich mit einer langwierigen Geschlechtskrankheit an (was hier aber nicht erwähnt wird, man es aber aus anderen Biografien weiß). Man weiß auch, dass Ludwig die Frauen so sehr liebte, wie sein Vater Ludwig XIII. sie einst hasste. Seine neue Erfahrung mit der Kammerfrau, samt Tripper, hielten ihn allerdings nicht davon ab, immer und überall das Erlernte auszuprobieren. Beinahe alles Weibliche auf zwei Beinen, das ihm über den Weg lief und gefiel, ob Zofen, Mägde oder Hofdamen, waren willkommen. Hier war es dann die Tochter des Gärtners, die er mit 17 schwängerte, (ob das historisch belegt ist, ist unklar, aber es könnte ein typisches Beispiel sein), und die diskret mit einem Säcklein voll Geld, samt Vater aufs Land verwiesen wurde, damit der 'Pöbel' (ja so nannte man am Hof das Volk) in Paris keine Pamphlete über 'Den kleinen König und die Gärtnerstochter' verbreitete. Mit Mazarins Nichte Olympia Mancini, tröstete sich 'der kleine König' direkt weiter, die aber dann schnellstens verheiratet wurde. Doch dann verliebte sich der König, inzwischen 20, unsterblich in die nächste Kardinalsnichte, Maria Mancini, Olympias Schwester, und bat seine Mutter, sowie den Kardinal sogar später auf Knien darum, sie heiraten zu dürfen. (Zu dieser einzigartigen Liebesaffäre gibt es gleichfalls einen genialen Roman 'Eine so große Liebe', aus dem Jahr 1962 von Gerty Colin). Als das nicht half, drohte er Mazarin sogar damit, ihn aus seinen Diensten zu entlassen, aber das überlegte der König sich dann doch nochmal. Zu wertvoll war der Regierungschef und Ludwig fühlte sich wohl noch nicht reif genug, um ohne ihn klar zu kommen.

Doch die Zeit damals war brutal. Damit Frankreich mit Spanien (beide befanden sich im Krieg), endlich Frieden schließen konnte, musste Ludwig die spanische Infantin Maria Teresa heiraten.

Deshalb auch, mussten schon einst seine Eltern zwangsheiraten. Die Ehe war bekannterweise unglücklich und der Frieden mit Spanien hielt nicht lange und genauso würde es sich auch jetzt wiederholen.

 

Nie wieder würde dieser König sich derart romantisch in eine Frau verlieben, statt dessen hatte er ja bekannterweise in Zukunft zahlreiche Mätressen und Liebesaffären. Die unglückliche Maria Mancini wurde schnellstens vom Hof entfernt und wie schon zuvor ihre Schwester Olympia, anderweitig verheiratet. Der junge König brauchte lange um darüber hinweg zu kommen, interessierte sich ganze 3 Monate für seine frisch angetraute Frau aus Spanien und ließ sich in Zukunft, trotz seiner frommen Erziehung, weder von der Kirche, noch von seiner Mutter oder anderen Moralaposteln, das notorische Fremdgehen ausreden. Dennoch schaffte er es, seine Gattin zwischendurch immer wieder zu schwängern. Allerdings blieb ihm von den 8 legitimen Kindern, am Ende nur der erste Sohn, der das Erwachsenenalter erreichte (Dauphin Ludwig, den der König am Ende aber auch überlebte). Insgesamt hatte er später zusammen mit seiner Gattin und den Mätressen offiziell etwa 19 anerkannte Kinder gezeugt, die Dunkelziffer ist wahrscheinlich ähnlich oder noch höher, bleibt aber im Dunkeln. 

 

In seiner Jugendzeit wurde er von Mazarin schließlich doch sehr gut aufs Regieren vorbereitet, wurde selbstbewußt und gerissen.

 

Nicolas Fouquet wird hier als absoluter 'Gutmensch' dargestellt. Ob er es wirklich war, ist schwer zu sagen. Neben seiner Karriere am königlichen Hof, arbeitete er weiter am eigenen Imperium. Verlieh sogar oft eigenes Geld an die Königsfamilie, dass er kaum zurückbekam. Er brachte es bis zum Oberintendanten im Parlament sowie zum Finanzminister, war sehr angesehen und steinreich. Ebenso wie Mazarin, der sich mit Sicherheit an Staat und Steuern bereicherte, konnte auch Fouquet zahlreiche Wohnsitze, angefüllt mit Kunst und Prunk, sein Eigen nennen. Sein Herzstück war das Schloss Vaux-le-Vicomte, das er neu erbauen und einrichten ließ. Zudem liebte er seine 2 Ehefrauen (die erste starb früh), hatte 5 prachtvolle Kinder, wovon nur eines früh starb und zog natürlich den brennenden Neid seiner Zeitgenossen auf sich. Am meisten hasste ihn der Sekretär von Mazarin, Jean-Babtiste Colbert, berühmt geworden als späterer Finanzminister des Königs, der schließlich danach strebte Fouquet zu vernichten. Nach Mazarins Tod 1661, der König war zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre alt, hoffte Fouquet erster Minister zu werden. Sein eigener Bruder verriet ihn, und überedete ihn im Auftrag des Königs dazu, seinen geschützten und unangreifbaren Posten im Parlament zu verkaufen (hohe Ämter mussten damals gekauft werden) und die erhaltene hohe Summe von etwa 1,5 Mio. Livres, lieh sich der König auch sogleich prompt aus (der Staat war notorisch pleite). Colbert indessen intrigierte was das Zeug hielt, bespitzelte Fouquet wo immer er konnte und erfand Straftaten, wo keine waren. Es gelang ihm, den jungen König davon zu überzeugen, dass sich Fouquet schamlos am Staat bereichert habe und beseitigt werden müsse. Ludwigs Anliegen war es ohnehin, den auch ihm verhassten Adel, unterzuordnen. Vergessen war da Fouquets lebenslange Hilfsbereitschaft und harte Arbeit. Die Krönung des Ganzen war dann jenes große Fest 'Zu Ehren des Königs', das Fouquet 1661 in seinem neuen Schloss gab um es einzuweihen. Es muss so prunkvoll gewesen sein, dass sich Ludwig nicht geehrt, sondern beleidigt fühlte. Er selbst, als König von Frankreich, war längst nicht so reich, wie einige seiner Untertanen aus dem Hochadel und Fouquet war noch reicher als sie alle zusammen. Der junge Ludwig XIV. neigte zu Neid. Niemand durfte mehr glänzen als er selbst. Der ahnungslose Fouquet war stolz und glücklich nach diesem Fest, ohne zu ahnen, dass er damit seinen Untergang besiegelte. Drei Wochen später wurde er festgenommen, von einem Gefängnis ins nächste gekarrt und landete schließlich in der Bastille, wo er die folgenden drei Jahre unter schwierigsten Umständen um sein Recht und sein Leben kämpfte. Der König und Colbert wollten eine schnelle Verurteilung, doch das Volk, sowie viele Bekannte und Verwandte standen auf Fouquets Seite und verhinderten ein schnelles Urteil.

Ludwig indessen, hatte sich schon kurz nach Fouquets Verhaftung an dessen Besitztümern bedient. Er ließ sämtliche Wohnsitze ausräumen und Möbel, Kunstwerke und Schmuck in den Louvre befördern (Versailles war damals noch ein kleines Jagdschloss). Auch Fouquets geniale Angestellte, wie den Architekten Le Vau, den Landschaftsarchitekten und Hofmaler Le Brun und viele mehr, standen nun in Diensten des Königs (Sie würden ihm später sein Schloss Versailles entwerfen und bauen). Fouquet wurde also noch vor der Gerichtsverhandlung und dem endgültigen Urteil komplett vom König ausgeraubt. Auch all seinen Freunden und vor allem der Familie, erging es kaum besser (Einigen gelang die Flucht ins Ausland). Nur seine Mutter durfte ihren Besitz behalten und bei ihr vereinigte sich später auch wieder die brutal zerschlagene Familie. Unter dem Druck von Fouquets Fürsprechern, wurde seine Todesstrafe schließlich in Verbannung umgewandelt. Doch der König, der sich vor Rache fürchtete, erließ im letzten Augenblick eine lebenslange Haftstrafe. Fouquet wurde in die Festung Pignerol (Liegt heute in Norditalien, gehörte früher noch zu Frankreich) verfrachtet, wo er nach 16 Jahren Haft verstarb. Dort soll er auch mit dem geheimnisvollen Gefangenen 'mit der eisernen Maske' zusammemgetroffen sein. Seine Familie aber sah er nie wieder. Ob den König schlechtes Gewissen plagte, ist nicht bekannt. Um seine Macht zu festigen, war aus dem einst etwas unsicheren und schüchternen jungen Monarchen, ein beinahe gnadenloser Herrscher geworden. Nur so, gelang es ihm, dass man ihn fürchtete und er sich selbst immer im Mittelpunkt befand.

 

Ein Roman, der genau historisch recherchiert ist, aber dem natürlich die Freiheit bleibt, Gespräche und Details zu enthalten, die einem die Personen sehr viel näher bringen, als eine rein objektive Biographie. Auch wenn einiges vielleicht ein bisschen zu geschönt dargestellt wurde, so kann vieles dennoch so gewesen sein. Man ist sehr schnell mittendrin in dieser Geschichte und dieser Zeit, man kann das Buch kaum noch weglegen, weil man immer wissen will, wie es weitergeht. Die Personen verlieren ihre Unnahbarkeit, sie werden zu Menschen, wie jeder andere.

Meine Meinung: Sehr empfehlenswertes Buch, auch für geschichtlich Uninteressierte gut geeignet.

 

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