Wüstenmond

Frederica de Cesco

Romantik/Abenteuer - Roman

über das Leben der TUAREG

499 Seiten

Marion von Schröder Verlag

1. September 2000

 

 


Zum Buch:


Die junge belgische Filmemacherin Tamara plant in der algerischen Sahara einen Dokumentarfilm zu drehen, da man dort in den Bergen weitere uralte Felsreliefs und Bilder aus grauer Vorzeit entdeckt hat. Bevor sie die Reise in die Wüste antritt, stattet sie ihrer Mutter Rachel, die in Brüssel lebt (Tamara selbst lebt in Paris), einen Besuch ab, um von dieser mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren, denn Tamara kann sich schwach daran erinnern, dass sie ihre frühe Kindheit selbst in der Sahara verbrachte: Ihr Vater war ein Tuareg, der aber schon starb, als sie vier Jahre alt war. Tamaras Mutter  trauert selbst nach 30 Jahren noch immer um den geliebten Mann, rückt aber nur spärlich mit Informationen heraus, so dass Tamara sich gezwungen sieht, ihre Vergangenheit selbst zu erforschen. Mit ihrem Filmteam reist sie schließlich über Algier nach Tamarasset (hier nur Tam genannt), in die größte und überwiegend von  Tuareg (Berber/Nomaden die die Sahara als Erste bevölkerten) bewohnte Oasenstadt der südlichen Sahelzone. Als erstes besucht sie ihre mittlerweile völlig verarmte Großmutter Zara, die ihre größten Befürchtungen bestätigt: Es sieht schlimm aus für die Tuareg, mit Gewalt versucht die Regierung diese sesshaft zu machen, zwingt sie in Lebensformen, die die Tuareg nicht wollen und die für das einstmals stolze und reiche Berbervolk nur Elend bedeuten.

 

Mit ihrem Filmteam und zwei Geländewagen bricht sie schließlich zum Drehort für ihren Film in die Wüste auf und begegnet dort ihrem Halbcousin Elias, einem Freiheitskämpfer der Tuareg. Aus ihrer Kindheit kann sie sich nur noch schwach an ihn erinnern, doch staunt sie nicht schlecht, was dieser alles zu erzählen hat:

Er selbst war bereits in Rebellenkämpfe gegen das algerische Regime verwickelt, hat Folter und Gefängnis hinter sich, strahlt aber trotzdem solch einen Lebensmut und Optimismus aus, dass Tamara ihn nicht nur über alles bewundert, sondern sich auch noch Hals über Kopf in den stolzen, wie auch attraktiven 'Tuaregkrieger' verliebt.

Sie weiß, dass sie davon lieber Abstand nehmen sollte, denn sie kommt aus einer völlig anderen Welt, in die sie auch eigentlich zurückkehren möchte...

 

Meine Meinung:

 

Die Autorin 'Frederica de Cesco' hat selbst jahrelang bei den Tuareg gelebt und kann so natürlich äußerst authentisch erzählen. Vielmehr läßt sie ihren Romanhelden erzählen und zwar fast die gesamte Geschichte der Tuareg und natürlich über deren heutige Lage, die nicht gut aussieht, obwohl bereits von vielen Seiten mittlerweile geholfen wird, dieses einstmals so stolze und geheimnisvolle Berbervolk zu erhalten. Eigentlich stören sie ja niemanden, sie leben in einem Teil der Sahara, um den der Rest der Welt einen großen Bogen macht, wenn er sich nicht gerade dafür interessiert. Es ist heiß, trocken, gefährlich - die wenigen Wasserressourcen die es noch gibt, sind obendrein teilweise noch verseucht, durch Atombombentests, die einst in der Sahara durchgeführt wurden... dennoch gelingt es der Autorin, die Wüste als einen der schönsten Orte der Welt zu beschreiben, so dass man am liebsten gleich selbst hinreisen würde...

 

Erzählungen über Geschichte und Politik hätte man trotzdem hier etwas kürzer gestalten können, zumal sie teilweise bis zur Kolonialisierung durch die Franzosen im vorletzten Jahrhundert zurückreichen...

Nachlesen kann man sowas heutzutage ja überall, besser wäre vielleicht stattdessen noch das ein oder andere Abenteuer gewesen, dass Tamara und Elias hätten bestehen können, so fehlt dem Buch ein wenig an Handlung. Auch hätte man sich lieber vielleicht noch nähere Einblicke in einen Tuaregklan oder 'Kel', gewünscht, hier besuchen die beiden fast am Ende des Buches so eben noch ein kleines, fast schon aufgelöstes Lager und erleben ein kurzes Fest mit.

 

Entschädigt wird der Leser oder die Leserin dafür aber mit reichlich Liebeszenen, die die Autorin gekonnt einfühlsam, leidenschaftlich, mit starker Ausdruckskraft aber keinesfalls kitschig beschreiben kann. Sowas liest man eher selten, die meisten lassen es weg, oder schreiben nur halbherzig. Auch wenn die Geschichte dieses Paares vielleicht auch in gewisser Weise vorhersehbar ist, so ist es doch irgendwie ein beruhigendes Gefühl, dass keine Gefahr droht, irgendetwas könnte schief laufen. Leider ist hier und da auch etwas Magie im Spiel und das nervt dann doch etwas. Das beste Beispiel: Als Elias Tamara an einen bestimmten Ort in der Wüste führt, bekommt sie plötzlich eine lebensechte Vision und sieht die Kämpfe der Tuareg aus vergangenen Zeiten vor Augen... sie selbst verdächtigt ihn, sie hypnotisiert zu haben, was man als Leser dann auch für plausibel hält - (oder sie hatte Drogen im Getränk...)

Auch das Ende des Buches zeigt eine seltsame magische Handlung, ansonsten bleibt es (das Ende) eher offen, aber man kann es sich dann doch denken...

 

Unverständlich bleibt einem das Verhalten von Tamaras Mutter, die kaum Regung zeigt und scheinbar noch immer ihrem Leben in der Sahara und ihrem seit drei Jahrzenten verstorbenen Mann nachtrauert, ohne ihrer Tochter auch nur die winzigste Kleinigkeit über deren Vater und  Kindheit zu erzählen. Wie eine glücklose graue Maus hat sie sich in ihrer Wohnung verkrochen und obwohl ihre Tochter sie besucht um ihre Reise nach Algerien anzukündigen, bleibt sie seltsam gleichgültig, fährt nur ein liebloses Fertiggericht auf und wünscht ihr alles Gute. Man fragt sich, wie sie diese Tochter eigentlich erzogen hat und man kann sich kaum vorstellen, dass diese Frau einst abenteuerlich in der Wüste lebte...

Na ja, am Ende wacht sie scheinbar auf und will ja dann doch noch zurückkehren, um Elias beim Aufbau einer Schule für Tuaregkinder zu helfen...

 

Mein Fazit:

Durchaus empfehlenswertes Buch, vor allem wenn man sich für Afrika und insbesondere deren Bewohner interessiert. Es fesselt und man kann es zwischendurch kaum noch weglegen, allerdings ertappt man sich auch dabei, dass man sich eher von Liebszene zu Liebeszene hangelt... ;-) Ist aber wohl auch mehr ein Buch für Frauen...und klärt ganz nebenbei auch noch über die Geschichte und das Schicksal der Tuareg auf.

 

Oktober, 2013