Kriegsklingen


Joe Abercrombie

KRIEGSKLINGEN

Originaltitel:

THE BLADE ITSELF

The first Law, Book 1/ 2006

Joe Abercrombie

Roman

796 Seiten

 

 


Buchcover 'Neunfinger Logen'
Buchcover 'Neunfinger Logen'

 

 

Zum Buch: 

Während Nordmann Logen im hohen Norden nach einem Kampf gegen die Schanka, auch Plattköpfe genannt (eine seltsame Art aus Affe und Mensch) von seinen Freunden getrennt, verletzt durch die Gegend irrt, bekommt Inquisitor Sand dan Glokta in der Hauptstadt der Union Adua, die in der Mitte des Weltenrunds in Midderland liegt,  von seinem Vorgesetzten Erzlektor Sult den Auftrag die Tuch- und Kaufmannsgilde auszuheben, da sie königliche Steuern unterschlagen hat. Dabei besteht seine Hauptarbeit darin, Verdächtige aufzuspüren, sie 'peinlichen Befragungen' (Folter) zu unterziehen, und sie schließlich auszuliefern, zu töten oder ins Straflager nach Angland, eine düstere Insel im Norden zu schicken. Glokta scheint gnadenlos zu sein, ebenso gefühllos, und er leistet gute Arbeit. Ihm bleibt auch nichts anderes übrig: Einst war er ein gutaussehender, erfolgreicher Offizier, der als einer von Wenigen Gefangenschaft und Folter bei den Gurkhisen (der Union schlimmster Feind) überlebte, aber nun ein verkrüppelter, entstellter und von schlimmen Schmerzen geplagter Mann ist, der sich nur auf einen Stock gestützt, hinkend fortbewegen kann. Am liebsten wäre er selbst tot, deshalb fürchtet er nichts, doch immer wenn er in Gefahr gerät, ist er am Ende doch froh, überlebt zu haben. Zusammen mit seinen beiden Helfern, den Praktikalen Frost (ein Albino) und Severard, meistert er alle Situationen. 

 

Der junge adlige Hauptmann Jezal dan Luthar derweil, genießt das Leben. Zockt gerne bei abendlichen Tavernenbesuchen und bereitet sich mit großer Anstrengung auf das alljährliche Fechtturnier (das einst schon Glokta und Jezals Vorgesetzter Oberst Collem West gewannen), vor. Eigentlich hat er keine Lust auf das harte Training, doch kurz vor seiner Aufgabe, überedet ihn Wests Schwester, die laszive Ardee, in die sich Jezal Hals über Kopf verliebt, dazu weiterzumachen.

 

Inzwischen ist Logen durch Führung von Zauberlehrling Quai, beim ersten der Magier BAYAZ gelandet, und die drei machen sich schließlich auf nach Adua, da Bayaz eine geheime Mission plant. Unterwegs werden sie angegriffen, doch Bayaz läßt seine magischen Kräfte wirken und setzt mal eben den ganzen feindlichen Trupp nur durch Kraft seiner Gedanken in Brand.

 

Gloktas nächste Aufgabe besteht schließlich darin, die frisch eingereisten Fremden, Bayaz, Quai und Logen unter die Lupe zu nehmen, da ihnen niemand traut. Das Unternehmen scheitert aber, da die oberen Herren bald einsehen ,müssen, dass Bayaz wirklich der berühmte, erste Magier ist. Als Erzlektor Sult ihn bei einem Fest blosszustellen versucht, sprengt Bayaz mal eben dessen Stuhl unter ihm weg.

 

Ebenso sorgt er dafür, dass Jezal das Fechtturnier gewinnt, obwohl dieser eigentlich unterlegen ist, nun aber als Held gefeiert wird.

 

In der Stadt gibt es neben dem Agriont, der Festung des Königs, noch ein weiteres festungsähnliches Gebäude, 'Das Haus des Schöpfers', das niemand betreten kann, da der magische Schlüssel verschwunden ist. Bayaz besitzt ihn und schickt sich an, das geheimnisvolle Haus zu betreten. Mit von der Partie sind Logen, Jezal, Quai und Glokta. Niemand von ihnen zweifelt nun noch an der Echtheit des Magiers. Dort holt er eine Kiste, die für einen magischen Stein bestimmt ist, 'Der Samen', der große zerstörerische Kraft besitzt, und den kein normaler Mensch anfassen oder auch nur ansehen kann, ohne tot umzufallen. 

 

Um den Stein zu suchen, benötigt Bayaz deshalb einen bestimmten Trupp: Logen kann mit Geistern sprechen und so den Stein finden, Jezal wird heimlich auf eine große Aufgabe vorbereitet und soll durch die anstehende Reise in den Westen gestärkt werden. Quai ist mit dabei, und ein Magierkollege von Bayaz 'Yulwei' hat derweil in der Wüste die Amazone FERRO, die gerade auf der Flucht aus gurkhisischer Gefangenschaft war, eingefangen und herbeigebracht. Außerdem engagiert Bayaz einen Wegkundigen, LANGFUß genannt, der den Trupp auf dem kürzesten Weg ans Ziel führen soll.

 

Ferro ist von Rachegedanken besessen, stets schlecht gelaunt und schnell mit allen Waffen. Allerdings fließt in ihren Adern noch Dämonenblut, deshalb kann nur sie 'Den Samen' anfassen. Widerwillig schließt sie sich dem Trupp an. 

 

Jezal, schon an Bord eines Schiffes, dass nach Angland auslaufen wird, um dort mit der Unionsarmee gegen den König der Nordmänner BETHOD, in den Krieg zu ziehen, träumt bereits davon, als Kriegsheld zurückzukehren und so bei Ardee besser da zu stehen. Doch in letzter Minute wird er von Bayaz zurückbeordert und muß sich widerwillig der geheimnisvollen Reisegruppe anschließen. Niemand ahnt, dass hinter dem Rat, dem König und allem überhaupt nur einer alles wirklich beherrscht, nämlich Bayaz.

 

Glokta wird die Gruppe nicht begleiten, er wird von Sult nach Dagoska geschickt, eine Inselstadt im heißen Süden, die von den Gurkhisen bedroht wird. Dort ist der ansässige Inquisitor verschwunden und Glokta soll herausfinden, wer dafür verantwortlich ist. Eine gefährliche und unangenehme Aufgabe. Dafür wird er aber zuvor zum Superior befördert und besitzt nun fast uneingeschränkte Machtbefugnis.

 

Zuvor aber wird er von seinem einstigen Freund West aufgesucht, der Glokta damit beauftragt, auf dessen Schwester Ardee aufzupassen, während er, West in den Krieg zieht. West ist nicht gerade glücklich über ihre Beziehung zu Jezal und verbot diesem, seine Schwester weiter zu treffen, was aber beide nicht einhalten.

 

Glokta stellt West zur Rede, warum er ihn nie besucht hatte, als er nach seiner Rückkehr aus gurkhisischer Gefangenschaft im Elternhaus gepflegt wurde. West wirkt schuldbewußt, doch erzählt ihm, dass er es getan habe, von Gloktas Mutter aber abgewiesen wurde. Daraufhin verzeiht Glokta ihm, und bildet sich daraufhin wieder eine vage Freundschaft mit West ein. 


Meine Meinung:

 

Dieser erste Band der 'FIRST LAW SERIE', geriet durch Zufall in meinen Besitz: Ein Fund am Straßenrand in einer Bücherkiste...

 

Ich dachte mir, kann ja nicht schaden mal reinzuschauen, was zur Folge hatte, dass ich die anderen beiden dann nachkaufte. 

 

So wirklich viel geschieht im ersten Buch KRIEGSKLINGEN eigentlich auch noch nicht und die von mir gefürchteten Schlachten (wie in vielen Fantasy-oder Mittelalterromanen für hauptsächlich männliche Leser) finden hier auch noch nicht statt. Es ist eher ein Buch über die Vorbereitungen zu größeren Dingen, eine Charakterstudie der verschiedensten Personen und keine allzu störende Fantasy, auch wenn die Namen der Städte und Personen seltsam klingen (so als habe man aus bekannten realistischen Namen, einfach Buchstaben ausgetauscht), oder auch erfunden sind. 

 

Der Schreibstil ist für Mittelalter etwas zu modern und es tauchen auch hier und da viel zu moderne Redewendungen auf, aber das stört hier eigentlich nicht, denn das Gesamtbild der Geschichte ist einfach genial. Was gleichfalls etwas stört ist hin und wieder die Lautsprache 'Grrrrr', 'Gah' 'Arrrg', was eher in einen Comic passt, und etwas zu oft lutschen oder saugen die Protagonisten an ihren Zähnen oder Zahnfleisch...

Die Kraftausdrücke hin und wieder, passen hier aber, vor allem wenn die Nordmänner sie benutzen.

 

Sehr erleichternd ist aber die Tatsache, dass sich der Autor nicht langatmigen Landschaftsbeschreibungen  hingibt.  Bei dem ein oder anderen hätten die Personenbeschreibungen dafür ruhig etwas ausführlicher sein können. Ich wüßte schon gern ganz am Anfang eines Buches, wie jemand aussieht, ist er blond oder dunkelhaarig, blauäugig etc. ...? Man macht sich als Leser nämlich bald ein innerliches Bild von seinen Helden und muß dann am Ende des Buches feststellen, dass er ganz anders aussieht.

 

Zum Glück war das bei Glokta etwas schneller der Fall (da dachte ich nämlich auch erst, er ist irgendwie ein gebeugter, gemeiner alter Mann...) Er rückt zwar nur scheibchenweise damit heraus, was ihm eigentlich angetan worden ist und welche Schäden er davongetragen hat, seiner Personenbeschreibung allerdings, widmet sich der Autor besonders ausführlich. Obwohl ich der Meinung bin, dass die Art von Folter der er ausgesetzt war, eigentlich kaum zu überleben ist (Man weiß ja selbst, was nur ein Messerschnitt anrichten kann). Wie überlebt jemand 2 Jahre Folter, mit einem zertrümmerten Bein, kaum Nahrung und Wasser, allerlei andere schlimme Dinge und noch eingesperrt in eine viel zu kleine Zelle 'Nicht größer als eine Kommode'. Einige Dinge werden auch nur vage angedeutet und man darf sich als Leser den Kopf zerbrechen, was nun wirklich geschah. 

 

Trotzdem ist Glokta für mich hier die interessanteste Erscheinung, schon allein durch seine sarkastischen Gedankengänge. Einfach genial, ebenso sein Handeln. Man ist beinahe entrüstet über seinen Vorgesetzten Sult, der so einen schwer behinderten Mann, mitleidslos stets in neue Abenteuer schickt, aber scheinbar braucht Glokta das, um weiter zu leben. 

Auch wenn er Inquisitor ist, (hier im Namen des Königs, eine Religion gibt es nicht wirklich, obwohl hin und wieder 'Gott' erwähnt wird) so ist er nicht wirklich böse. Eher steht er unter Erfolgsdruck, was seine Gedanken oft genug aussagen. Es macht ihm nicht wirklich Spaß zu foltern und immer wieder fragt er sich 'Warum tue ich das'?

Es gibt in dieser Zeit ansonsten bestimmt kaum andere Jobs für jemanden wie ihn, und im heimatlichen Schloss versauern, wollte er sicher auch nicht. Schließlich ist er erst Mitte 30 und geistig mehr als fit.

 

Oberst West hat gleichfalls etwas seltsam Tragisches an sich. Als Bürgerlicher hat er es bis zum Oberst gebracht, wird aber enorm herumgescheucht, hat ständig Stress und muss auch noch seine lebhafte Schwester im Zaum halten. Er leidet unter Jähzornanfällen, bemüht sich aber, diese zu beherrschen. Auch West hat großes charakterliches Potential, man mag ihn einfach. Er will immer alles richtig machen und leidet sehr unter der Angst vor Mißerfolgen. 

 

Was alle anderen Hauptpersonen in diesem ersten Band betrifft, sind sie einem noch nicht wirklich sympathisch, sie müssen sich noch entwickeln.

 

Logen ist ganz interessant, doch so wirklich springt der Funke hier bei mir nicht über. Er ist mir vielleicht ein bisschen zu grobschlächtig, aber sympathisch ist er allemal. 

 

Jezal ist ein eingebildeter, arroganter Möchtegern und Ardee nervt ein bisschen mit ihrer allzu lebhaften, lasziven Art. Sie wirkt wie eine Art CARMEN... mehr muß man dazu ersteinmal nicht sagen. Doch wie bereits beschrieben, werden sich die Charaktere ja noch entwickeln.

 

Ferro nervt anfangs auch gewaltig mit ihrer ständig schlechten Laune und ihrer abweisenden Art. Aber ist auch ok, man kann ja nicht jeden mögen.

 

Man sollte schon Fan von History gepaart mit Fantasy sein, um diese Bücher interessant zu finden. Mit GAME OF THRONES nicht zu vergleichen, da reicht niemand heran, aber diese Serie ist auf jeden Fall seit langem einmal wieder etwas, das sich zu lesen lohnt, was Fantasy betrifft.