Rebecca

Daphne Du Maurier

Roman

432 Seiten

1940 Scherz Verlag München

Neuauflage 1972 Bertelsmann

 

Nach Erleben des Musicals habe ich das Buch jetzt  noch einmal gelesen, es muß über 20 Jahre her sein, dass ich es das letzte Mal las.

Ganz lieben Dank an mein Schwesterchen Claudia, die es mir nochmal ausgeliehen hat :-)

 

Zum Buch:

Handlung irgendwann im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts (1920er oder -30er Jahre) zumindest gab es schon Autos.

Wird in der 'Ich-Form' erzählt. Der Name der 'Erzählerin' wird hier allerdings nie genannt, außer dass sie die zweite Mrs. de Winter wird...

'Ich' ist eine junge Frau (21 Jahre) die als Gesellschafterin an der Seite einer älteren, reichen und schrulligen Amerikanerin (Mrs. van Hopper) in Monte Carlo unterwegs ist und dort dem frisch verwitweten und äußerst attraktiven Engländer Maximilian (Maxim) de Winter (42 Jahre) begegnet. Während Mrs. van Hopper wegen einer Grippe das Bett hüten muß, verbringt die junge Frau ihre Freizeit heimlich mit dem etwas seltsamen und introvertierten Maxim. Sie kann ihr Glück kaum fassen, als er ihr schließlich einen Heiratsantrag macht und sie mit nach England auf sein berühmtes Anwesen 'Manderley' mitnehmen will. Sie hält sich selbst nicht für besonders attraktiv, ja sogar für langweilig, doch Maxim scheint das anders zu sehen.

Nach dreimonatigen Flitterwochen in Italien und Frankreich, kommen sie schließlich auf Manderley an. Die frisch gebackene Mrs. de Winter hat dabei kein gutes Gefühl, sie weiß, dass es vor ihr eine 'Mrs. de Winter' dort gegeben hat:  'REBECCA' und diese scheint trotz ihres tragischen Todes (ihr Boot kenterte angeblich in einer stürmischen Nacht auf dem Meer, sie ertrank, wurde kurze Zeit später in einem Nachbarort an Land gespült und Maxim identifizierte sie) noch immer allgegenwärtig zu sein. Nicht nur Maxim scheint ihr noch immer nachzutrauern, sondern vor allem die unheimliche Hausdame 'Mrs. Danvers', die gleichzeitig Rebeccas persönliche Zofe war und diese schon als Kind betreute.
'Ich' - die neue Mrs. de Winter - strotzt nicht gerade vor Selbstvertrauen. Sie möchte alles richtig machen und macht doch alles falsch. In dem Wunsch jedem zu gefallen, läßt sie alles so weiterlaufen wie bisher, ohne nur einen Versuch zu unternehmen, sich als 'neue Herrin' zu beweisen. Das rächt sich natürlich auch schon bald, denn Mrs. Danvers merkt schnell, dass sie die junge Frau leicht einschüchtern kann. Selbst Maxim kümmert sich nicht gerade liebevoll um seine Gattin. Stets in sich gekehrt, überläßt er sie hauptsächlich sich selbst, so dass 'Ich' bald schon das Gefühl hat, er liebe noch immer Rebecca und  habe sie nur geheiratet um nicht in dem großen Haus allein zu sein (na ja, er hat ja auch noch eine ganze Armada von Dienstpersonal um sich...). Wo 'Ich' geht und steht, überall scheint Rebeccas Schatten sie zu verfolgen, mit wem sie auch redet, niemand erzählt ihr wirklich etwas über ihre Vorgängerin, nur dass sie ungeheuer schön und lebenslustig war. Der letzte Rest von Selbstbewußtsein schwindet in der neuen Mrs. de Winter dahin. Erst als man sie und Maxim überredet wieder einen der berühmten Maskenbälle auf Manderley zu veranstalten, schöpft sie neue Hoffnung. Sogar Mrs. Danvers zeigt sich plötzlich freundschaftlich und empfiehlt ihr ein außergewöhnliches Ballkostüm, mit dem sie Maxim überraschen kann - ein Kleid, dass eine Vorfahrin von Maxim auf einem Wandgemälde trägt und 'Dame in Weiß' genannt wird.

Voller Vorfreude erwartet die junge Frau den Ball, doch als sie die große Treppe in der Halle herunterschreitet, wird sie entsetzt von allen Versammelten (zum Glück waren es zu dem Zeitpunkt nur Maxim und einige Freunde und Verwandte) angestarrt und von ihrem Mann mit strenger Stimme sofort zurückgeschickt, um das Kostüm auszuziehen. Die junge Frau versteht die Welt nicht mehr bis sie von Maxims Schwester Beatrice aufgeklärt wird: 'Dieses Kostüm trug einst Rebecca'!!

'Ich' versteht nun, dass Mrs. Danvers sie in eine böse Falle lockte, aus purer Eifersucht und Hass. Sie glaubt auch zu verstehen, dass Maxim ihr nun grollt, da er annehmen mußte, sie habe dies absichtlich getan um ihn herauszufordern.

Sie sieht ihre Ehe bereits am Ende und hört nicht auf den freundlichen Verwalter Frank, der ihr die Sachlage verzweifelt zu erklären versucht. Am (zu Maderley gehörenden) Strand entdeckt sie ein altes Bootshaus mit voller Möblierung, wo sich Rebecca oft aufgehalten haben soll wenn sie allein sein wollte. Der geistig behinderte Sohn 'Ben' des Parkhüters macht ebenfalls Andeutungen auf Rebeccas 'Verschwinden', doch auch diese will 'Ich' scheinbar nicht verstehen. Schließlich strandet ein Schiff in der Nähe und bei verschiedenen Tauchgängen entdeckt man Rebeccas Boot mit ihrer Leiche darin. Alle sind in Aufruhr - wie kann das sein?, Rebecca wurde doch schon von Maxim identifiziert und ist bereits in der Familiengruft beigesetzt...

Deshalb auch, gerät Maxim nun in arge Berdrängnis. Polizei und Gericht stellen unangenehme Fragen  und endlich erzählt er seiner jungen Frau was wirklich geschah...

Wer das Buch noch nicht kennt und nicht mehr wissen will sollte den Rest nun überspringen und erst bei 'Meine Meinung' weiterlesen ;-)


Mrs. Danvers nannte Rebecca eine 'Meisterin der Verstellungskünste', doch im Grunde genommen war sie wohl nichts als eine üble Schlampe, die ihren Mann böse hinters Licht führte. Maxim fiel auf ihre Schönheit und Klugheit (oder Hintertriebenheit) herein, verliebte sich Hals über Kopf in sie und heiratete sie, nichtsahnend, dass diese Frau nur an sein Geld und seinen Namen kommen wollte. Kaum hielt sie die Heiratsurkunde in Händen, kam ihr wahres Ich zum Vorschein. Perfekt spielte sie der Welt die perfekte Ehefrau vor, während sie heimlich nichts anderes im Sinn hatte als fremd zu gehen und Partys zu feiern. Und damit das Hauspersonal dies nicht mitbekam, richtete sie sich das Bootshaus als Liebesnest ein. Eine Scheidung kam nicht in Frage, Maxim hatte weder Zeugen für ihr Treiben, noch andere Beweise, so perfekt inszenierte sie ihre Ehe mit ihm. Außerdem hätte er dann wahrscheinlich außer seinem guten Ruf auch noch die Hälfte seines Vermögens verloren (damals waren die Gesetze wohl noch strenger und komplizierter...) Zumindest wäre alles zugunsten von Rebecca gelaufen. Schließlich beichtete sie ihm eines Nachts spöttisch, dass sie schwanger von einem anderen sei, dessen Kind eines Tages Manderley erben würde...

Maxim ahnte auch wer der Vater war: Rebeccas unangenehmer Vetter 'Favell'. Er drehte durch, erschoss Rebecca in einem Anfall von Hass und Verzweiflung, packte sie in ihr Boot, bohrte Löcher in den Rumpf und schickte sie in den Untergang...

Das änderte nun alles. Die neue junge Mrs. de Winter erfuhr nun eine unglaubliche Verwandlung ihres bis dahin introvertierten, ja leicht arroganten Gatten. Plötzlich umarmte er sie, beteuerte seine Liebe zu ihr, benötigte ihre Hilfe. Von einem Augenblick zum anderen, hatte sich das Blatt gewendet. Nun war 'Ich' der starke Part, sie war nun am Zug, ihrem Mann zu helfen. Warum nur hatte sie ihm nicht schon früher Fragen nach Rebecca gestellt? Plötzlich wußte sie, was Frank und Ben ihr die ganze Zeit mitteilen wollten, sie wußten was geschehen war, ohne dass Maxim wußte, dass sie es wußten und weitere Zeugen gab es zum Glück nicht.

'Ich' war auch mit Leib und Seele bereit, Maxim zu helfen, sie liebte ihn mehr als ihr Leben.
Auf der einen Seite drohte nun auch diese Tragödie ihre Ehe zu beenden, während sie auf der anderen Seite erst wirklich erstarkte. Das gab 'Ich' neuen Mut.

Zum Glück war Rebeccas Leiche schon so stark verwest, dass man die Schusswunde nicht mehr fand, aber die Löcher im Boot. Doch auch dies konnte das Gericht dem verdächtigten Maxim nicht wirklich nachweisen, so wie Maxim beteuerte, sich einst bei der Identifizierung geirrt zu haben -  dass man schließlich auf Selbstmord plädierte.

Sollten Maxim und seine junge Frau jetzt erleichtert sein, so währte das nicht lange, denn Rebeccas Vetter Favell, gab noch lange nicht auf. Er hatte an Rebeccas Todesabend noch eine Notiz von ihr bekommen, dass sie sich mit ihm treffen möchte, da sie ihm etwas Wichtiges mitzuteilen habe...

Durch die Notiz kam man auf einen Arzt in London und Mr. und Mrs. de Winter ahnen Böses, denn hier könnte der Schlüssel zu ihrem Glück oder Unglück liegen... ein Arzt der vielleicht wußte, dass Rebecca nicht von ihrem Mann schwanger war...was Maxim erneut unter Verdacht brachte.

Sie suchten zusammen mit dem Polizeikommissar diesen Arzt auf, doch der offenbarte ihnen etwas völlig anderes: Rebecca sei totkrank gewesen, Krebs, und habe an diesem Tag erfahren, dass sie nicht mehr lange zu leben habe...

Maxim und seine junge Frau kehren bedrückt aber auch erleichtert nach Manderley zurück, doch schon aus der Ferne sehen sie, dass Manderley brennt...

Meine Meinung:

Ein Buch das völlig ohne irgendwelche historischen Hintergründe etc. auskommt. Nur die Personen die in dieser Geschichte agieren, werden erwähnt und das reicht auch voll und ganz aus, um eine absolut spannende Story zu erschaffen, die keinerlei überflüssiger Gegenstände, Floskeln oder Personen bedarf. Noch nicht einmal die genaue Zeit wird genannt, man kann nur vermuten, wann die Geschichte angesiedelt ist, nämlich irgendwann im ersten Drittel des letzten Jahrhunderts, wohl so in den 20er oder 30er Jahren. Das Musical 'REBECCA' wurde übrigens im Jahr 1926 angesiedelt.

Da das Buch selbst aus dieser Zeit stammt, bzw. geschrieben wurde, hat es auch einen herrlich altmodischen Schreibstil, der sich aber wunderbar lesen läßt und so alles noch authentischer zur Geltung bringt.

Was harmlos, ja fast wie ein Märchen beginnt - für die junge Frau (die wir hier nur als 'Ich' bezeichnen können, weil ihr Name nie genannt wird) indem sie ausgerechnet von einem Maxim de Winter geheiratet wird - artet schließlich zunehmend in eine Tragödie aus, bzw. man meint schließlich, jeden Moment passiert etwas Schreckliches, doch immer wieder kann das Unglück im letzten Moment abgewendet werden.


Ein bisschen naiv ist die Geschichte allgemein vielleicht doch, da ein Maxim de Winter wohl auch, oder gerade damals mit Sicherheit so seine Möglichkeiten gehabt hätte, sich von seiner Frau (Rebecca) zu trennen, ohne großen Schaden zu nehmen. Ebenso unverständlich ist sein Verhalten gegnüber seiner neuen, jungen Frau, die er ja in den ersten Monaten ihrer Ehe, gründlich im Dunkeln tappen läßt. Während sie meint, er liebe noch immer Rebecca, tut er nichts anderes, als sie sich selbst zu überlassen und seinen düsteren Gedanken nachzuhängen. Da fragt man sich natürlich genauso wie 'Ich' 'Warum hat er nochmal geheiratet?' Zumal so kurz nach Rebeccas Tod. Er müßte sich doch eigentlich gedacht haben, dass er sich damit verdächtig macht. Aber da könnte man noch so viele 'Wenn und Abers' einwenden, ohne dieses unlogische Verhalten, wäre die Geschichte bestimmt nicht so spannend und unheimlich wie sie ist, dann gäbe es sie wohl erst gar nicht.

'Ich' nervt ein wenig mit ihrer resignierenden Art, stets an sich selbst herumzukritisieren, sich selbst langweilig und fad zu finden, aber nichts tut, um das zu ändern. Doch so war das damals wahrscheinlich. Junge Frauen besaßen längst nicht das Selbstbewußtsein, dass heute normal ist - sie wollten allen gefallen und alles richtig machen, was damals dann doch eher mit Bescheidenheit erreicht werden wollte und nicht mit Dreistigkeit. Da konnte man Herrin von Manderley sein und neigte doch das Haupt vor einer Hausdame - was einen als Leser hier reichlich ärgert und man diese Mrs. Danvers am liebsten persönlich entlassen will...
Und wenn man so wie 'Ich' aus dem 'normalen Volk' kam, dann war es ohnehin schwer genug, sich in einer Welt der Reichen und Schönen zu behaupten.  

Doch hier wächst diese Ich schließlich an der plötzlichen Wendung der Geschichte, der kurzen Hilfsbedürftigkeit ihres Mannes, sie sieht ihre Chance gekommen und ergreift sie. Und gerade als sie endlich eine richtige 'Herrin von Manderley' werden will, fackelt diese schreckliche Hausdame das Haus einfach ab...

 

Schade, vielleicht hätte man sich doch ein 'Happy End' gewünscht, doch in gewisser Weise hat man das ja auch, Maxim und 'Ich' haben sich schließlich noch und sind Rebecca und Mrs Danvers los - leider auch Manderley.

 
Aber auf jeden Fall ein Buch das man einfach nicht mehr weglegen kann, bis man es durch hat und endlich weiß wie es endet. Keinesfalls so kompliziert, wie es sich anhört, aber trotzdem auf hohem Niveau und anspruchsvoll. Die Idee muß man ersteinmal haben, vor allem das Ende - Rebeccas Schicksal -  kommt völlig unerwartet.

In Film und Musical kann man natürlich nicht alles so detailgetreu darstellen, wie im Buch, aber der alte Film besticht durch seine Unheimlichkeit und das Musical natürlich durch die Musik und die tollen Darsteller.