Maria Stuart

Der Roman ihres Lebens

Margaret George

Originaltitel:

Mary Queen of Scotland and the Isles

Romanbiografie 1992

1212 Seiten

Übersetzt von Rainer Schmidt

Gustav Lübbe Verlag 1993

 


Zum Buchinhalt:

 

Maria Stuart, Tochter von James V. von Schottland und Marie de Guise (aus der französischen Königsfamilie stammend) kommt 1542 in Schottland zur Welt und wird schon im Säuglingsalter zur Königin von Schottland gekrönt, da ihr Vater bald nach ihrer Geburt stirbt. Wegen religiöser und politischer Unruhen, wird sie zur Erziehung im Alter von 6 Jahren nach Frankreich gebracht, wo sie auch gleich den um ein Jahr jüngeren Dauphin, ihren zukünftigen Ehemann und  den späteren 'Franz II' von Frankreich kennen- und lieben lernt. Während ihre Mutter in Schottland als Regentin verbleibt, wächst Maria in ihrem neuen Heimatland wie eine Märchenprinzessin auf. Mit 16 Jahren heiratet sie den Thronfolger und wird schon kurze Zeit später Königin von Frankreich, da Franz' Vater, König Heinrich II. bei einem Turnier so schwer verletzt wird, dass er an den Folgen stirbt.

Doch Marias und Franz' Glück währt nicht lange. Der kränkliche junge König stirbt schon kurze Zeit nach seinem Vater und da Maria keine Ambitionen verspürt seinen jüngeren Bruder und Nachfolger Karl zu heiraten und sie auch nicht wirklich mit Schwiegermutter Katharina von Medici klarkommt, entscheidet sie sich dazu nach Schottland zurückzukehren.

Ihre Mutter und die Regentin von Schottland, Marie de Guise, ist ebenfalls mittlerweile verstorben und das Land wird von einem Trupp Regenten, mit Marias Halbbruder James Stewart Earl of Moray an der Spitze, mehr schlecht als recht regiert. Mittlerweile ist fast ganz Schottland der Reformation unterworfen, und der Anführer der Reformatoren in Schottland - John Knox, ein strenger Prediger der schlimmsten Sorte, sorgt dafür, dass jeder, der dem katholischen Glauben noch anhängt, hart bestraft wird. Maria, selbst noch katholisch erzogen, gedenkt aber nicht von ihrem Glauben abzulassen und handelt sich somit den lebenslangen Hass des Reformators ein. Die junge Königin wird zwar zunächst freundlich in Schottland empfangen, doch schon bald muss sie feststellen, dass man sie eigentlich nur als 'Gallionsfigur' benötigt und sie Dank ihres gutgläubigen, etwas naiven, aber durchaus willensstarken Charakters nicht wirklich ernst genommen wird. Hinter ihrem Rücken zettelt der Trupp Männer, die sich selbst zu Regenten gemacht haben, immer wieder Verschwörungen an, um sie wieder los zu werden.

Maria verzeiht ihnen immer wieder, was sich noch als schwerer Fehler herausstellen soll.

In England sitzt inzwischen Elizabeth I. auf dem Thron, obwohl deren Vorgängerin Mary Tudor (auch Bloody Mary genannt), Maria Stuart zur Nachfolgerin ernannt hatte (Maria und Elizabeth stammen beide von Heinrich VII. ab). Elizabeth und ihre Ratgeber ignorieren diese Tatsache natürlich und setzen eine Verzichtserklärung für Maria auf, die sie aber nie unterschreibt, was gleichfalls ein Fehler ist, denn dadurch macht sie sich Elizabeth auf Lebenszeit zur Feindin.

Zweiter Ehemann von Maria Stuart wird der zwar gutaussehende, aber charakterlich schwache Henry Stuart Lord Darnley, ein entfernter Cousin und gleichfalls von den Tudors abstammend. Jedermann warnt sie vor dieser Verbindung, doch die vor Liebe blinde Maria hört auf niemanden, setzt ihren Kopf durch und heiratet überstürzt. Zwar geht aus dieser Verbindung Marias einziger Sohn und der spätere König von Schottland und England James VI. hervor, doch das Eheglück hält nicht lange. Lord Darnley dem Alkohol verfallen, beleidigt seine Frau, die junge Königin, stetig vor versammelter Gesellschaft, führt ein ausschweifendes Leben und schert sich nicht um seinen Ruf. (Maria übertrug ihm nie die Königswürde, d.h. er durfte nicht mitregieren, und das wurmte ihn enorm.) Außerdem besucht er gerne Bordelle und fängt sich schließlich eine schwere Syphilis ein. Die Königin hat aber längst eine neue Liebe gefunden, den imposanten Ritter James Hepburn Earl von Bothwell. Dieser regiert im Grenzland, ist Herr der Orkney-Inseln, außerdem reich und angesehen und hatte sie sogar einst in Frankreich besucht und dazu überredet als Königin zurückzukehren.

Dieser wird später beschuldigt Lord Darnley ermordet zu haben, obwohl die korrupte Clique von Marias Ratgebern und Exregenten diesen Mord selbst plante und Bothwell hinterhältig mit hineinzieht.

Einen weiteren Fehler begeht die Königin, als sie sich allzuschnell dazu entschließt den Earl von Bothwell zu heiraten. Dieser wird von ihren Ratgebern natürlich nicht anerkannt, obwohl er freiwillig auf die Königskrone verzichtet. Neid und Hass führen schließlich zu Verbannung der einen, Verfolgung der anderen, Rückkehr und Vergebung und am Ende zu Verrat. Maria wird gefangengenommen und in eine Inselburg Loch Leven Castle eingesperrt. Bothwell muß überstürzt flüchten und landet schließlich in Dänemark, wo er nach einigen Jahren Haft und einem missglückten Fluchtversuch in einem grausigen Verlies vor sich hinvegetiert und schliesslich verstirbt. Maria sieht ihn nach dem kurzen Liebesglück nie wieder. Ihr gelingt schließlich die Flucht nach England, doch immer noch will sie nicht auf ihr Anrecht auf den englischen Thron verzichten, so dass Elizabeth sie nicht gerade mit offenen Armen aufnimmt. Sie setzt sie gleichfalls gefangen, wenn auch mit gewissem Komfort in verschiedenen Schlössern und Burgen.

Getroffen bzw. gesehen, haben sich beide Frauen nie, immer wenn es fast soweit war, machte Königin Elizabeth einen Rückzieher.

 

Man kann es kaum glauben, aber so ging das 18 Jahre lang! 18 Jahre ist Maria Stuart auf diese Weise in England gefangen und übersteht weitere Veschwörungen - gegen sich selbst, aber auch gegen die englische Königin. Schließlich wird sie von Elizabeth' Staatssekretär und Geheimdienstgründer Francis Walsingham in eine Falle gelockt und kann eine weitere Verschwörung gegen Elizabeth nicht widerlegen.

Auch wenn Elizabeth I. sich damit schwer tut, so bleibt ihr am Ende nichts anderes übrig, als Maria Stuart zum Tode zu verurteilen. Den Rest kennt ja heute fast jeder...

Welche Ironie des Schicksals aber, dass ausgerechnet Marias Sohn James zunächst König von Schottland, schließlich nach Elizabeth' Tod, auch König von England (als James I.) wird. Seiner Mutter stand er zu Lebzeiten nie nahe, unterstützte sie nicht und half ihr auch nicht:

Sie mußte ihn allerdings auch schon im Alter von drei Monaten zur Erziehung an ihren einstigen Schwiegervater (Vater von Lord Darnley, Ehemann Nr. 2, als Verbannter zunächst in England lebend, aber von Maria gleichfalls gnädig wieder zurückgeholt), aber auch Feind, nämlich den Earl von Lennox abgeben, und da kann man sich natürlich denken, dass dessen Familie alles tat um dem jungen Prinzen seine leibliche Mutter madig zu machen...

Zumindest sorgte er nach ihrem Tod (1587) dafür, dass sie geehrt und ihre sterblichen Überreste nach Elizabeth' Tod (1603) exhumiert (sie war zuvor in der Kathedrale von Peterborough beigesetzt) und 1616 nach Westminster Abbey überführt wurden wo sie seitdem ganze neun Meter von Elizabeth' Grab entfernt ruht.


Meine Meinung:

 

Ein absolutes Meisterwerk!! Zwar zieht sich die Geschichte die ersten und die letzten 200 Seiten etwas in die Länge, aber dazwischen, vor allem Maria Stuarts Zeit in Schottland, ist spannend und mitreißend erzählt.

Eigentlich hat man sich vorher nie besonders mit dieser doch eigentlich berühmten Königin, (die am Ende im wahrsten Sinne des Wortes, den Kopf verlor) beschäftigt - man kannte sie immer nur als die Verschwörerin, die Elizabeth I. ans Leben wollte - doch wenn man dieses Buch gelesen hat, versteht man einiges besser.

 

Hineingeschubst in ein Leben als Königin, versuchte Maria stets das Beste draus zu machen. Auch wenn sie dabei manchmal etwas naiv und überstürzt ans Werk zu gehen schien, so darf man ihr das noch nicht mal übel nehmen, denn wirklich aufs Regieren wurde sie scheinbar nie vorbereitet. Zwar war sie gebildet, sprach mehrere Sprachen und war sich nicht zu schade mit ihren Soldaten in eine Schlacht zu ziehen, doch den bösartigen Intrigen der sie umgebenden Männerclique, war sie am Ende nicht gewachsen. Zu gutmütig verzieh sie immer wieder, statt den ganzen Club sonstwohin zu jagen, und die dankten es ihr mit immer übleren Streichen. Sogar ihren Sekretär David Rizzio ermordeten sie vor ihren Augen, aus Eifersucht, da er in deren Augen zu weit aufgestiegen war in ihrer Gunst. Da bekommt man fast beim Lesen schon die Krise über soviel Skrupellosigkeit, Hinterhältigkeit, Unverschämtheit, Arroganz und Ungerechtigkeit.

 

Wie auch schon in 'Kleopatra' hat Magret George' den Hintergrund ihrer Geschichte perfekt recherchiert und eine spannende Romanbiografie daraus gemacht.

 

Natürlich hat die Autorin hier auch vieles dazu erfunden, z.B. nähere Details was Marias Liebesaffäre mit Lord Bothwell betrifft, doch das ist eine wahre Wohltat inmitten von Mord und Verrat.

Und natürlich sämtliche Gespräche. Selbst Briefe mußte die Autorin neu erfinden, weil man heute davon ausgeht, dass die meiste Korrespondenz der schottischen Königin abgefangen und gefälscht wurde. Aber es handelt sich hier ja auch um eine Romanbiografie und nicht um irgendein trockenes Geschichtsbuch. Es wird im Gegensatz zu 'KLEOPATRA' nicht in der Ich-Form erzählt.