Eine so große Liebe

Louis XIV. & Maria Mancini

GERTY COLIN

 

Romanbiografie

 Herbig Verlag Berlin 1962

Übersetzung von Ottomar Starke

352 Seiten

Buchbeschreibung:

 

Eine Romanbiografie über das Leben der Maria Mancini (1639 - 1715), Nichte von Kardinal Jules Mazarin, der zusammen mit Anna von Österreich, die Regentschaft in Frankreich während der Kindheit und Jugend des späteren Sonnenkönigs Louis (Ludwig) XIV. (1638 - 1715) übernahm.

Heute kennt man allgemein hauptsächlich nur noch die 3 berühmtesten Mätressen Ludwig XIV., Louise de La Valliere, Athenais de Montespan und Francoise de Maintenon, aber Maria Mancini war die erste und vielleicht auch einzig wahre große Liebe des Königs, die er sogar heiraten wollte. Allerdings blieb diese Liebe unerfüllt, die beiden wurden getrennt, da Ludwig, wie damals üblich, eine Prinzessin heiraten sollte. Hier die spanische Infantin Maria Teresa von Spanien, seine Cousine. Es gibt heute nur noch wenig Material über diese doch sehr bewegende und auch tragische Liebesaffäre des Königs, die dazu beitrug, seinen Charakter und Ehrgeiz zu formen. Zumindest muss man schon ein bisschen intensiver danach suchen und ich entdeckte dann dieses Buch aus dem Jahr 1962 von Gerty Colin. Auch in einer französischen Verfilmung (leider nur in französischer Sprache erhältlich) von 2009 'La Reine et le Cardinal', (Die Königin und der Kardinal), gibt es bewegende Sequenzen mit Louis XIV. und Maria Mancini.

 

Zum Inhalt:

 

Nach und nach holte Kardinal Mazarin seine zahlreichen Nichten und Neffen aus Italien an den französischen Hof. Sie befanden sich alle in ähnlichem Alter wie Ludwig XIV. und dessen Bruder Philippe, und da diese beiden in ihrer Kindheit kaum, oder gar keine anderen gleichaltrigen Spielgefährten hatten, als sich selbst, war Mazarins Familie willkommen. Ludwig freundete sich zunächst mit dem 4 Jahre älteren Paul Mancini an (was nicht in diesem Roman, aber in 'Zu Ehren des Königs', ausführlicher beschrieben wird). Der junge König war 13 und begann gerade damit, sich für das weibliche Geschlecht zu interessieren. Der 17jährige Paul schien aber mehr als nur Freundschaft für Ludwig zu empfinden. Als er eines Abends wagte sich dem jungen König zu nähern, fuhr dessen Erzieher dazwischen. Paul stürzte sich danach als Soldat in den Krieg gegen die Fronde und kam prompt ums Leben. Ein großer, tragischer Verlust für König und Kardinal.

 

Unter den 10 Kindern von des Kardinals Schwester, gab es allerdings Mädchen in der Überzahl. Später freundete sich Ludwig mit Olympia Mancini an, mit der er ganz offensichtlich eine Liebesaffäre hatte. Sie wurde schnell verheiratet, was der Affäre aber zunächst kaum ein Ende setzte, denn sie durfte noch immer am Hof ein und ausgehen, und auch Ludwig besuchte sie öfter in ihrem neuen Zuhause. Das Gerücht entstand, dass ihr erstes Kind, ein Sohn, wahrscheinlich von Ludwig sei.

 

Olympias jüngere Schwester Maria, verbrachte die ersten zwei Jahre in Frankreich in einem Kloster. Sie war das schwarze Schaf der Familie, man fand sie hässlich (unverständlich, wenn man die Gemälde von ihr sieht), und eine Wahrsagerin hatte ihrer abergläubischen Mutter bei Marias Geburt prophezeit, dass diese ein Unglück über die Familie bringen würde. Mazarin hatte Mitleid mit seiner Nichte und befreite die inzwischen 14jährige Maria schließlich aus dem Kloster und ließ sie gleichfalls an den Hof kommen. Allerdings wurde sie dort die meiste Zeit von ihrer lieblosen Mutter in ihr Zimmer im Palais Royal eingesperrt, während sich die zahlreichen Geschwister mit dem jungen König, dessen Bruder Philippe und der Hofgesellschaft amüsierten. Es klingt anfangs wie aus einem bekannten Märchen: Vor allem Olympia besuchte die ungeliebte Schwester öfter, um vor ihr mit ihrer Affäre mit dem König anzugeben und ihre neuen Kleider und Schmuck vorzuführen. Maria führte ein wahres Aschenputteldasein. Eines nachts aber schlich sie sich in den Ballsaal um heimlich einer Ballettvorführung, an der auch der junge König teilnahm, zuzusehen. Sie bewunderte ihn sehr und da kurz darauf ihre Mutter starb, standen für Maria nun alle Türen offen, gleichfalls am Hofleben teilzunehmen. Allerdings war sie zurückhaltend und schüchtern, saß oft in einer Ecke und las. Anna von Österreich, die Mutter des Königs selbst (sie wird es bald bereuen), machte den König schließlich auf Maria aufmerksam, da diese sie mit Versen und ihrer Intelligenz beeindruckte. Maria entsprach nicht dem Frauenbild der damaligen Zeit, weshalb man sie wohl hässlich fand. Sie hatte dunklere Haut als ihre Schwestern und war von knabenhafter Statur. Deshalb wohl hielt die Königin sie für 'ungefährlich', denn sie kannte ja den Geschmack ihres Sohnes. Zudem sollte er von der leichtlebigen Olympia abgelenkt werden.

 

Ludwig war tatsächlich von Marias Belesenheit sofort begeistert und traf sich immer öfter mit ihr. Zwischen den beiden entwickelte sich zunächst eine tiefe platonische Freundschaft, doch Maria mußte sich schon bald eingestehen, dass es für sie mehr war. Der König allerdings, verliebte sich zunächst in eine andere junge Hofdame, deren Aufstieg Maria mit Hilfe ihres Onkels Kardinal Mazarin, dann verhinderte. Die Hofdame wurde schleunigst vom Hof entfernt. Der König trauerte ihr kaum nach und wandte sich wieder Maria zu. Als sie eines Tages betrübt wirkte und er sie fragte ob sie unglücklich verliebt sei, bejahte sie, wollte ihm aber nicht den Namen ihrer heimlichen Liebe nennen. Er meinte, dass derjenige, den sie liebe, sie einfach zurück lieben müsse, sonst sei er ein Dummkopf. Maria erwiderte, dass der König den Dummkopf kenne und ließ ihn stehen. Da befanden sie sich gerade in Calais, weil Frankreich mal wieder Krieg gegen Holland und Spanien führte und der König seine Truppen unterstützte. Und wie damals oft üblich, campierte der halbe Hof gleichfalls am Kriegsschauplatz. Beim abendlichen Ball beachtete Maria den König kaum und kümmerte sich auffallend um dessen Bruder, woraufhin Ludwig sie fragte, ob es sich bei dem heimlich Geliebten, etwa um diesen handele. Maria antwortete: 'Wer weiß...'

Daraufhin wurde der König auffallend übellaunig, woraus Maria schloss, dass er eifersüchtig war. Leider erkrankte Ludwig plötzlich so schwer an Typhus, dass man ihm bereits die letzte Ölung gab, da man glaubte, er liege im Sterben. Der gesamte Hof geriet in Aufregung und Maria bereute bereits schwer, dass sie Ludwig ihre Liebe nicht vorher gestanden hatte. Sie weinte Tag und Nacht und rannte von einer Kirche zur anderen, um für ihn zu beten. Doch Ludwig war robust. Schon in seiner Kindheit hatte er die Pocken überlebt. Er überlebte auch diesmal. Als Maria ihn endlich besuchen durfte und an seinem Bett kniete, flüsterte er ihr zu, dass er nun den Namen ihrer heimlichen Liebe kenne. „Er liebt Sie auch!‟, fügte er hinzu.

 

Maria konnte ihr Glück kaum fassen. Die folgenden Wochen und Monate erlebte sie nun wie einen Traum. Ludwig, der in jungen Damen bisher scheinbar nur Spielzeuge für sein persönliches Vergnügen gesehen hatte, verwandelte sich in einen vollendeten Kavalier. Maria war längst nicht so leichtlebig wie ihre Schwestern und andere Hofdamen, und der junge König akzeptierte das. Sie tanzten auf Bällen, ritten gemeinsam aus, hängten immer wieder Anstandsdamen, Wachen und Gefolgschaft ab, um kurze Momente allein zu sein. Während die Königinmutter Anna von Österreich dieses mit wachsender Sorge beobachtete, freute sich der Kardinal heimlich wie ein Schneekönig. Konnte es denn wahr sein, dass eine Mazarin-Nichte Königin von Frankreich wurde? Er unternahm zunächst nichts und ließ dem Liebespaar seinen Spass, allerdings nicht ohne Maria davor zu warnen, dass sie ihre 'Tugend' bewahren sollte und dass Ludwig womöglich eine Prinzessin und nicht sie heiraten würde. Als Maria das ihrem Geliebten erzählte, versprach er ihr felsenfest, dass er nur sie und niemals eine andere zur Braut nähme. Er war sogar bereit, von seinem Amt als König zurückzutreten. Schliesslich fand man doch eine Kandidatin für ihn, Prinzessin Margarete von Savoyen. Für ein Kennenlernen reiste die gesamte Hofgesellschaft nach Lyon, doch niemand nahm diese Sache wirklich ernst. Die Königin war genauso wenig begeistert wie ihr Sohn, sie hatte eher die spanische Infantin im Sinn, aber Mazarin, der das eingefädelt hatte, hatte andere Pläne. Er hoffte, dass sich das Treffen mit den Savoyern schnell bis Spanien herumsprach, und diese dann in aller Eile selbst die Hand der Infantin anboten. Auch Maria war mit nach Lyon gekommen und Ludwig hatte nur Augen für sie. Nach einem, für die Prinzessin aus Savoyen brüskierendem Ball, bei dem der junge König sie kaum beachtete, wurden die Hochzeitspläne verworfen. Maria und Ludwig wähnten sich im 7. Himmel, da niemand Einwände erhob. Das Liebespaar wusste allerdings nichts von Mazarins hinterhältigem Plan mit Spanien. Als Ludwig es dann schließlich wagte beim Kardinal um Marias Hand anzuhalten, erfuhr er, dass seine Hochzeit mit Maria Theresia von Spanien, schon so gut wie beschlossen war. Die Spanier hatten tatsächlich schnellstmöglich einen Boten geschickt und der war sogar noch vor der Absage an die Savoyer angekommen, so dass man nichts verlor.

Ludwig war wütend und schwor Maria zu heiraten. Erneut drohte er mit seinem eigenen Rücktritt, drohte dem Kardinal, diesen zu entlassen, was er aber dann doch nicht tat, da er ihn brauchte und bat diesen und auch seine Mutter schließlich auf Knien darum, Maria heiraten zu dürfen. Nichts half. Natürlich wurde ihm ins Gewissen geredet, dass er für Frankreichs Wohl zu sorgen habe, dass die Hochzeit mit der Spanierin endlich Frieden bringe, dass das Volk ihn verlachen würde, wenn er eine Mancini ehelichte u.s.w.

 

Ludwig zerstritt sich mit Mutter und Kardinal und schließlich wurde Maria vom Hof verbannt. Sie verstand die Welt nicht mehr. Sie war enttäuscht, dass sich der König nicht durchsetzen konnte. Sie war so nahe daran gewesen, Königin zu werden, doch am Ende interessierte sie das kaum noch, denn vor allem liebte sie Ludwig um seiner selbst Willen. Das Angebot seinerseits als König zurückzutreten, wies sie aber zurück. Sie bestärkte ihn im Gegenteil dazu noch, ein guter, ein großer, ein mächtiger König zu werden. Beim Abschied weinten beide. Sie sagte ihm nocheinmal, dass er der König sei und...weine...

Damit teilte sie ihm durch die Blume mit, dass nur er in der Lage sei, diese Trennung zu verhindern, aber nichts dagegen tue. Sie wurde nach Brouage bei La Rochelle gebracht. Fieberhaft begann man nun damit auch für sie einen Ehepartner zu suchen. In Frage kam Prinz Karl von Lothringen oder der Konnetabel von Neapel, Lorenzo Colonna. Beide waren eine gute Partie für Maria und beide waren so jung wie sie und ähnlich attraktiv wie Ludwig. Doch Maria hatte nur Ludwig im Kopf und dieser war in Paris zu Tode betrübt zurückgeblieben. Sie schrieben sich täglich Briefe und Ludwig schwor ihr immer noch, dass er nur sie heiraten würde und alles Erdenkliche tue. Sein Elend und sein Liebeskummer, betrübten sogar seine Mutter, die ihn doch eigentlich am besten verstehen musste, hatte sie doch auch einst eine unglückliche Zwangsehe geführt, und war so sehr in den Herzog von Buckingham verliebt gewesen. Doch sie blieb hart.

 

Während einer Reise zu einem Treffen mit dem spanischen Minister kam man in die Nähe von La Rochelle und Ludwig eilte auf seinem Pferd der Reisegesellschaft voraus. Er kam drei Stunden vor ihr an und stürzte in das Haus, in dem Maria und ihre jüngere Schwester Hortense untergebracht waren. Seine Schwüre und seine Zärtlichkeiten bei Maria, die nun neue Hoffnung gewann, hatte er verdoppelt. Er zeigte dem ganzen Hof, dass er Maria liebte, begleitete sie während deren Aufwartung bei seiner Mutter, zog sich mit ihr wieder zurück, und verließ sie erst im Morgengrauen, kurz bevor der Hof weiterreiste.

 

Dennoch heiratete er schließlich die Spanierin. Maria war entsetzt, denn sie hörte plötzlich nichts mehr von ihrem Geliebten. Maria durfte nach Paris zurückkehren, um den Einzug des neuen Königspaares zu bestaunen. Man kann sich vorstellen, wie sie sich fühlte. Doch von ihrem Bruder Phillipp Mancini Duc de Nevers, der am Hof ein und ausging, erfuhr sie, dass der König auf dem Weg zum Treffen mit seiner Braut, abermals nach La Rochelle geritten war, und in Marias leerem Bett geschlafen habe. Das beruhigte Maria soweit, weil es ihr zeigte, dass er sie wirklich noch liebte. Doch warum schrieb er nicht mehr? Wurden die Briefe abgefangen?

In Fontainebleau musste sie der Königsfamilie ihre Aufwartung machen. Zum ersten Mal sah sie Maria Teresa, die natürlich von Ludwigs Liebe zu ihr wusste und sie neugierig anstarrte.

Der König verhielt sich seltsam kühl und beachtete sie, Maria kaum. Sie ahnte, dass man hinter ihrem Rücken intrigiert hatte. Es war doch nicht möglich, dass er sie so schnell vergaß?! Seine Gattin war keine Schönheit, wie sie befriedigt feststellte. Sie wirkte sogar etwas dümmlich. Niemals würde diese den anspruchsvollen jungen König lange an sich fesseln können.

Nur mit Mühe überstand sie als Zuschauerin inmitten der königlichen Familie auf dem Balkon des Hauses Beauvais (die Besitzerin war einst Ludwigs 1. Mätresse, eine Kammerfrau der Königinmutter, die den jungen König in Liebespraktiken einweisen sollte) den prachtvollen Einzug des jungen Königspaares. Natürlich hatte sie die ganze Zeit vor Augen, dass um ein Haar sie dort unten in der goldenen Karosse als Königin gefeiert worden wäre. Ihr Schmerz brachte sie fast um den Verstand. Nach der Feierlichkeit fiel Maria in Ohnmacht.

 

Kurze Zeit nach dem Einzug des Königspaares in Paris, starb Mazarin. Ludwig besuchte Maria um ihr seine Aufwartung zu machen. Er fragte sie, ob es stimme, dass sie den Prinzen Karl von Lothringen liebe. Er wollte nicht sagen, wer das Gerücht in die Welt gesetzt hatte. Es war seine Mutter gewesen (weiß man aus anderen Quellen) und von der konnte er sich kaum derlei Hinterlist vorstellen. Maria beteuerte ihre Unschuld, warf dem König aber an den Kopf, dass sie dem Konnetabel von Rom versprochen sei. Da warf er sich ihr zu Füßen und bettelte darum, dass sie in Frankreich bleiben und seine Mätresse werden solle. Er schwor ihr erneut seine Liebe, wollte für sie einen anderen Mann finden wenn nötig, wollte sie zur Ehrendame am Hof machen, schwor ihr, dass sie mehr wert sei als seine Ehre. Maria dachte verbittert an den nun toten Onkel, den Kardinal, der es in letzter Minute geschafft hatte, ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Gegen seine Mutter allein, wäre Ludwig vielleicht angekommen. Trotzdem verzieh sie ihm seine Schwäche nicht. Es war zu spät, die Hochzeit mit Maria Teresa konnte nicht mehr rückgänging gemacht werden. Maria tat das einzig Richtige: Sie versagte sich nun dem verzweifelten König und reiste ab. Er stand sogar an der Kutsche, als sie aufbrach und wollte ihr hilfreich die Hand reichen, doch sie ignorierte das. Als sie aus dem Fenster der Karosse schließlich doch nach seiner Hand griff, fuhr das Gefährt an. Die Spitzen von Ludwigs Ärmel, den Marie ergriffen hatte, rissen ab und blieben an Marias Fingern hängen. Der König weinte ihr bitterliche Tränen hinterher und hatte das Gefühl, dass mit der Kutsche sein Königreich davonfuhr.

 

Maria wird von ihrem neuen Ehemann zunächst etwas spöttisch empfangen. Er ist eifersüchtig und ärgert sich darüber, dass er nur die 2. Wahl ist. Natürlich weiß er genauso gut, wie inzwischen halb Europa, von der heißen Liebesromanze zwischen Maria und Ludwig und das man beide fast gewaltsam trennen und anderweitig verheiraten musste. Doch als er in der Hochzeitsnacht feststellte, dass seine Braut scheinbar 'unberührt' war, staunte er nicht schlecht, schließlich hatte man schon die tollsten Geschichten aus Frankreich und über diesen jungen König gehört, der allen Weiberröcken nachjagdte. Er verliebte sich schnell in Maria und erleichterte ihr das Vergessen dieser unglücklichen Liebesaffäre. Es fiel ihr allerdings schwer, diese Liebe zu erwidern. Zwar war ihr Ehemann eine hochgestellte Persönlichkeit, eine Art Fürst und sie jetzt Fürstin, überschüttete sie mit Geschenken und war ähnlich attraktiv und auch jung, wie Ludwig, doch ein großer Trost war das nicht. Briefe schrieb sie ihm nun nicht mehr und auch der König ließ nichts mehr von sich hören. Er war zu beschäftigt damit, seine Macht nach Mazarins Tod aufzubauen, führte Kriege, kämpfte gegen den intriganten Adel, baute sein Schloss Verssailles aus und hatte bereits Mätressen. Der Frieden mit Spanien, hielt auch nicht lange. Ein Opfer, dass quasi umsonst gewesen war. Wehmütig dachte Maria an all die Ratschläge, die sie ihm einst gab und die er zum Teil nun tatsächlich befolgte. Aus dem schwachen, weinerlichen Jüngling, wurde zunehmend der mächtigste Herrscher Europas.

 

Sie verliebte sich schließlich doch in ihren Mann Lorenzo Colonna und lebte ein prachtvolles Leben in Rom. Alle bewunderten und verehrten die schöne junge Frau des Konnetabel, die beinahe Königin von Frankreich geworden wäre. Stattdessen saß nun eine kindische, hässliche und weltfremde Frau neben dem glanzvollen König. Was wären Er und Maria für ein Königspaar geworden! Ganz Europa bedauerte und belächelte diese Geschichte gleichzeitig. In Maria bohrte der Gedanke daran wahrscheinlich genauso tiefgehend, wie in Ludwig. In Maria, weil sie nun aus der Ferne mitbekam, wie durchsetzungsfähig 'ihr König' plötzlich wurde. Der König, dessen Wünsche für alle nun Befehl war, der aber einst noch nicht einmal seine Liebe verteidigen konnte. Im König mag der Ärger über seine einstige Unfähigkeit, wahrscheinlich noch schlimmer gebohrt haben. Maria konnte er nicht zurück haben, aber er ließ sich von nun an kein Liebesabenteuer mehr ausreden. Gerade so, als wollte er aller Welt nun zeigen; 'Seht her, ich habe für meine Pflicht gegenüber Frankreich das größte Opfer gebracht, nun lasse ich mir nichts mehr verbieten. Das habt ihr nun davon!' Zeitzeugen wußten davon zu berichten, dass sich der König nach Marias Abreise in einen neuen Menschen verwandelte. Trotz vieler neuer Liebesaffären und Mätressen, hatte man das Gefühl, dass alles nur dazu diente, seinen Schmerz zu betäuben. Er ging mit einer Frau nie wieder so zartfühlend um, wie mit Maria.

Sie hätte wohl niemals Mätressen an seiner Seite geduldet, obwohl man ja weiß, dass selbst die größte Liebe irgendwann erkalten kann. Vielleicht war es besser so, lieber ein Ende mit Schrecken, als umgekehrt. Ludwigs spanische kleine Königin konnte nicht viel bewirken. Sie war wehrlos, flüchtete sich in ihre Frömmigkeit, nahm alles gezwungenermaßen hin, und wenn der König sie hin und wieder aufsuchte um seinen ehelichen 'Pflichten' nachzukommen, klatschte sie am Morgen danach in die Hände und besuchte die Messe. Es war ihre Art, sich zu rächen, der Hof wußte ja mittlerweile, was das bedeutete. Maria lachte darüber, als sie es vernahm. Natürlich wurde sie von ihren Geschwistern und Freunden in Paris schriftlich auf dem Laufenden gehalten. Vor allem mit Ludwigs Bruder Philippe 'Monsieur', hegte sie einen regen Briefkontakt und dieser schickte ihr oft geschmackvolle Geschenke aus Paris.

 

Ihrem Mann Lorenzo gebar sie drei gesunde Söhne, die alle das Erwachsenenalter erreichten. Viele Jahre war sie dann doch einigermaßen glücklich, doch dann bekam sie heraus, dass auch Lorenzo heimlich fremd ging. Da sie beide Italienisch und heißblütig waren, flogen öfter die Fetzen. Sie vertrugen sich wieder. Dann ging alles von vorn los. Hin und wieder bekam sie Besuch von ihrem Bruder, der ihr versicherte, dass Ludwig sie noch immer liebe, doch sicher sein konnte sie sich dessen nicht. Ihre leichtlebige Schwester Hortense, flüchtete sich zwischenzeitlich zu ihr nach Rom, da deren Ehemann Anzeichen von Geistesgestörtheit zeigte. Und schließlich auch der Herzog von Lorraine, der Favorit von 'Monsieur', Ludwigs Bruder, den man wegen seiner Verschwendungssucht vom Hof verbannt hatte. Dieser machte sich nun an Maria heran und täuschte vor, sie zu lieben. Da Maria gerade wieder mit ihrem Mann auf Kriegsfuss stand, ließ sie sich von Lorraine einreden, dass der geplant habe sie zu vergiften. Sie solle flüchten. Er wolle nach Versailles zurück und den König um Hilfe bitten. Hortense unterstützte den Fluchtplan, sie war für jedes Abenteuer zu haben. Der Plan wurde tatsächlich in die Tat umgesetzt. Maria verließ überstürzt ihren Mann, ihr Zuhause, das nie wirklich eines war (denn sie sehnte sich nach Frankreich), ihre Kinder, ihren Reichtum. Sie bekam noch aus Mazarins Erbe jährlich 100.000 Livres, die sie aber gleichfalls ihrem Mann überlassen musste. In Männerkleidung irrten die beiden Frauen mit zwei Zofen und zwei Dienern, wochenlang durch Italien und Frankreich, verfolgt von den Häschern des Konnetabels, fanden aber immer und überall Unterschlupf bei reichen Bekannten.

Ludwig war inzwischen informiert, und ließ ihr einen Brief übergeben, in dem er sie freudig willkommen hieß und unterstützen wolle. Er enthielt aber nicht wirklich das, was Maria lesen wollte, nämlich dass er sie noch immer liebe. Er befand sich wieder einmal an der Front,  in Flandern, bat sie aber nicht darum, ihn dort aufzusuchen. Maria träumte schon von einem heißen Wiedersehen, wie es danach weiter gehen sollte, wußte sie noch nicht. Der König hatte alle Hände voll mit seinen 'drei Ehefrauen' zu tun, wie viele spotteten, mittlerweile hatte er nämlich zwei Mätressen gleichzeitig, die La Valliere und die Montespan, außerdem noch ein Verhältnis mit der Frau seines Bruders. Aber Maria, die keine wirkliche Vorstellung  von den Hofintrigen hatte, hegte die naive Überzeugung, dass er alle davon jagen würde, wenn sie nur erschien. Wahrscheinlich traute sich der König das selbst zu und hatte Angst vor solchem Ärger. Während seiner Abwesenheit vom Hof, regierte die Königin Maria Teresa (Ludwigs Mutter war einige Jahre vorher, 1666 gestorben), und die verbot Maria die Einreise nach Paris. Maria war drauf und dran, den König an der Front zu überraschen, doch sie hatte keine Pferde, und nur wenig Geld dabei. Sie hätte es zuwege bringen sollen, denn dann wäre vielleicht vieles anders verlaufen.

 

Sie landete schließlich in einer Herberge in Fontainebleau und der König war wieder in Paris. Fast 10 Jahre waren seit ihrer Trennung von Ludwig vergangen, Maria war schöner denn je und überzeugt, das sie Erfolg am Hof haben würde. Sie erinnerte sich beim Anblick von Fontainebleau, an die wunderbare Zeit ihrer Jugend und träumte bereits davon, hier ihre Liebe mit dem König wieder aufzunehmen. Alles war bereit. Sie hatte sich neue Kleider besorgt, sich schön gemacht und wartete auf Nachrichten aus Versailles. Doch was in dem Brief stand, ließ sie erstarren. Der König forderte sie auf, zu ihrem Gemahl, der ihn inzwischen um Hilfe gebeten hatte, zurückzukehren, oder sich in ein Kloster zu begeben. Er wolle ihr 1000 Pistolen Pension halbjährlich zahlen, solange sie in Frankreich war.

Maria war wie vor den Kopf geschlagen. Sie konnte nicht fassen, dass 'ihr' Ludwig sie so abkanzelte. Er wollte nichts mehr von ihr wissen. Hatte sie zuvor alles richtig gemacht, ihn in seinem Tränental zurückgelassen und ebenfalls geheiratet, so war diese Flucht zurück nach Frankreich, der größte Fehler gewesen! Der König konnte nun befriedigt in sich hineinlächeln, er wurde noch immer von seiner einstigen großen Liebe verehrt. Ob er sie selbst noch liebte, bleibt unklar. Vielleicht. Vielleicht auch gerade deswegen, hatte er Angst vor ihr. Nachdem Maria den Schock überstanden hatte, besuchte sie ihre Schwestern Olympia und Marianne, die noch immer am Hof willkommen waren. Hortense ging mittlerweile andere Wege und landete später in London, wo sie die Mätresse des englischen Königs wurde.

 

Marias Schwestern wußten zu berichten, dass man am Hof eifrig gegen Maria intrigiert hatte, als man von ihrer Flucht erfuhr. Es wurde behauptet, dass sie überall verlauten ließ, großen Einfluss auf Ludwig zu haben, was diesen sehr ärgere. Außerdem habe er sich charakterlich sehr verändert, er sei zwar immer noch sehr höflich und gütig, aber auch süßlich, weinerlich, und zunehmend gnadenloser,  sogar oft despotisch. Maria glaubte, sie redeten von einem anderen Menschen. Der Herzog von Lorraine hatte sich so gut wie gar nicht für Maria eingesetzt, sondern war nur um sein eigen Wohl bedacht. Maria konnte nichts tun. Zu ihrem Mann wollte sie nicht zurück. So irrte sie jahrelang einsam und heimatlos in halb Europa umher. Immer wieder bot Lorenzo ihr an, sich mit ihr zu versöhnen und zurückzukehren. Schließlich ließ sie sich in Madrid nieder und kehrte erst nach Lorenzos Tod, nach Rom zurück. Sie war nun frei. Ihr Titel war immer noch der einer Fürstin, und sie war reich. Nach dem Tod ihres Mannes erbte sie genug um weiterhin prunkvoll leben zu können. Im Alter von 65 Jahren, besuchte sie erneut Paris. Sie hatte gehört, dass der König fromm geworden war, dass er nach dem Tod der Königin, eine Bürgerliche (die Witwe Scarron, die zur Madame de Maintenon in den Adelsstand erhoben worden war) geheiratet hatte, dass es in Verssailles still geworden war, der König kaum noch Zähne und Haare besaß und eine riesige Perrücke trug. Sie bewunderte seine Bauwerke in Paris, einst hatte sie ihm dazu geraten, dass ein großer König viel bauen sollte, um Andenken zu hinterlassen. Sie bat um eine Audienz und während sie auf Antwort wartete, ließ sie sich eine prachtvolle Robe schneidern. Sie war, wie der König, alt geworden, doch immer noch schön. Die Antwort kam. Sie war willkommen. Doch dann überlegte sie es sich anders. Sie teilte dem Boten mit, dass sie sich geehrt fühle, aber absagen müsse, da sie einen Brief von ihrem Sohn bekommen habe, der in Rom die Kardinalswürde verliehen bekomme und sie dabei sein müsse. Wieder reiste sie ab. Diesmal für immer. Sie sah Ludwig nie wieder. Noch immer trug sie das Bild des weinenden jungen Mannes im Herzen, dessen Ärmelspitzen sie zum Abschied ausversehen abriss und mitnahm. Außerdem besaß sie noch immer ein kostbares Perlenkollier, dass er ihr einst schenkte. Am 11. Mai 1715, starb sie knapp vier Monate vor Ludwig, der ihr am 01. September 1715 folgte. 

 

Fazit: Wenn man sich für Ludwig XIV. und seine Zeit interessiert, ist dieses Buch ein wahrer Schatz. Es beruht  auf wahren Begebenheiten und gründlich recherchierten Fakten, auch wenn Dialoge etc. teilweise dazu erfunden sind, so kann es doch so, oder ähnlich gewesen sein. Eine tiefgehende, mitreißende, tragische Geschichte, die einen nicht kalt läßt. Man kennt zwar das Ende, hofft aber beim Lesen doch noch auf eine vielleicht kleine Wendung, die man noch nicht kennt. Wer weiß wie dieser König sich entwickelt hätte, wenn er Maria zu seiner Königin hätte machen können. Vielleicht wäre die gesamte europäische Geschichte anders verlaufen. Vielleicht hätte sie ihn von den vielen Kriegen abgehalten, von seiner späteren Prunksucht vielleicht auch. Auf jeden Fall wäre sie eine enge Beraterin des Königs geworden. Seine Mätresse neben der Königin, wollte sie nicht sein. Sie wollte alles oder gar nichts und verlor ihn am Ende.