Die Königsfälschung

Ludwig XIV. -  Das Kardinalsbaby / Operation Kronprinz

MAX MELBO

455 Seiten

Dokumentation 

Kategorie: Geschichte & Politik

 


Buchcover, Ludwig XIV. als Zehnjähriger 1648
Buchcover, Ludwig XIV. als Zehnjähriger 1648

Meine Meinung zum Buch:

 

Aufwühlendes, aber nicht uninteressantes Buch über die vielleicht wahre Herkunft des berühmtesten Königs aller Zeiten. Hier wird behauptet, dass der französische König Ludwig XIV., der Sonnenkönig (1638 - 1715), sowie sein 2 Jahre jüngerer Bruder Philippe, womöglich gar nicht die biologischen Söhne ihrer Eltern Ludwig XIII. und Anna von Österreich waren. Aber nicht nur sie, sondern, gleichfalls ihre Großmutter Maria de Medici sei nicht echt gewesen und schon Ludwig des XIII. Herkunft sei fragwürdig.

 

Dem Autor muss man zugute halten, dass er sehr gut die Historie um Ludwig XIV. recherchiert hat (mit zahlreichen Quellenangaben am Ende des Buches) und aus vielem Schlüsse zieht, die bisher wohl niemand gewagt hat, zu ziehen. Vieles was er behauptet, könnte  sogar wahr sein. Zumindest hat er sich große Mühe gegeben, jedes kleinste Detail, dass seine Behauptung widerlegen könnte, aufzuführen und zu erklären. Dass Ludwig XIII. nicht der biologische Vater von Ludwig XIV. ist, ist da noch am glaubhaftesten (habe ich, und viele andere, die sich für diesen König interessieren, wohl schon längst gedacht), aber eine 'Fakegeburt', vor zahlreichen Anwesenden (was in Königshäusern damals üblich war, um genau solche fingierten Geburten zu unterbinden), scheint mir da schon schwieriger zu sein. Aber auch das erklärt er: Bei königlichen Geburten waren zwar viele Zeugen anwesend, doch schließlich habe man der Königin auch nicht geradewegs unter den Rock sehen dürfen. Natürlich gab es Tücher, Vorhänge etc. und den Anwesenden wurde einfach nach der Entbindung ein in Tücher gewickelter Säugling gezeigt, der sonst woher kommen konnte. Außerdem wird in Berichten von Zeitzeugen immer wieder erwähnt, das Ludwig XIV. bei seiner Geburt schon sehr groß und kräftig gewesen sei und bereits  zwei Zähne besaß, was seine Ammen beklagten. Also schließt der Autor daraus, dass es sich um ein etwa 6 Monate altes Kind gehandelt haben mußte, von dem man sicher war, dass es überlebte und diese ganzen Mühen wert war. (Allerdings ist es schon öfter vorgekommen, dass Neugeborene bereits sichtbare Zahnansätze hatten, aber hier passt es gerade richtig...)

 

Und weil alles so glatt lief, wiederholte man diesen Prozess 2 Jahre später mit Philippe, der als Ludwigs Bruder vorgestellt wurde.  Dies alles soll der mächtige Kardinal Richelieu (Berater und  1. Minister am Königshof) eingefädelt haben, der um seine Macht fürchtete, da der Marionettenkönig, Ludwig XIII. schon länger kränkelte, und das feindliche Lager längst nach dem Thron schielte (Ludwig XIII. starb ja tatsächlich dann auch schon, als sein Sohn, Ludwig XIV. noch keine 5 Jahre alt war. Da war wirklich in letzter Sekunde für einen Thronfolger 'gesorgt' worden). Auch der geheimnisvolle, angebliche Zwillingsbruder von Ludwig XIV. wird nicht vergessen. Um ganz sicher zu gehen, habe man gleich ein eineiiges Zwillingsbruderpaar aus einem italienischen Waisenhaus adoptiert, um einen Ersatz zu haben, falls dem Auserwählten etwas zustoßen würde. Der Zwillingsbruder, sei dann später der geheimnisvolle 'Mann mit der eisernen Maske' geworden, dessen Gesicht niemand sehen durfte, und der selbst wohl kaum wusste, wer er war. Allerdings handelte es sich um eine Samtmaske, wie Zeitzeugen bzw. einige seiner angeblichen Bewacher berichteten und er durfte seine Gefangenschaft umgeben von gewissem Luxus verbringen, also nicht in irgendeinem dunklen Verlies bei Wasser und Brot, wie es in Filmen oder Romanen dargestellt wird. Das wäre eigentlich auch noch glaubhaft, wir wissen nicht, was hier im Verborgenen geschah. Es ist ja allgemein bekannt, dass Adel und Königsfamilien oft seltsame Geheimnisse hatten und dass vor nichts zurückgeschreckt wurde, um die Macht zu erhalten. (Sogar Elizabeth I. von England (1533 - 1603) ist schon in den Verdacht geraten ausgetauscht worden zu sein). Selbst die  Filmserie 'VERSAILLES' (2015 - 2018) hat das Thema  in der 3. Staffel aufgegriffen. Hier wird der Mann in der eisernen Maske dann als wahrer Vater von Ludwig XIV. und dessen Bruder Philippe präsentiert. Allerdings hält sich die Serie auch schon in den ersten beiden Staffeln nur sehr vage an historische Fakten, so dass man der Enträtselung des Geheimnisses auch hier kaum Glauben schenken sollte. Warum sollte der wahre Vater unter einer Maske weggesperrt worden sein? Sicher sah er dem König nicht so wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich, wie es bei einem eineiigen Zwillingsbruder der Fall gewesen wäre. Zudem hätte er mit seinem Wissen damals kaum gefährlich werden können, DNA Analysen gab es schliesslich noch lange nicht. Da hätten quasi viele behaupten können, biologischer Vater des Königs zu sein und wären eher Gefahr gelaufen, gleich beseitigt zu werden.

 

Ludwig selbst soll das Geheimnis um ihn, nämlich dass er gar keiner Königsdynastie entstammte, von seiner eigenen Mutter auf deren Sterbebett erfahren haben. Erst von diesem Augenblick an, habe sich der bis dahin doch eigentlich recht sympathische und leichtlebige junge König, in einen beängstigenden Autokraten verwandelt. Niemand durfte mehr allein an das Sterbebett der Mutter, auch sein Bruder Philippe nicht, denn der König befürchtete, dass sie ihr Geheimnis auch mit anderen teilen könnte. 

 

Zudem wurde Ludwigs Hass auf den Adel, plötzlich mehr als auffällig. So wie der Autor es hier beschreibt, scheint er diesem König fast zu grollen, dass dieser den gesamten Hochadel zu entmündigten Gestalten degradiert hatte, die in engen Kammern im Schloss von Versailles hausen mussten, damit er sie alle unter Kontrolle hatte. Man weiß ja, dass auch das Tatsachen entspricht, doch  vor allem, weil es der Adel war, der stets die Macht des Königs untergraben wollte.

 

Leider schreibt der Autor nicht immer wirklich objektiv, sondern schiebt Ludwigs Verhalten allein auf dessen Herkunft. Da fragt man sich dann schon, ob er anders denken würde, wenn er der Meinung wäre, Ludwig XIV. sei ein echter Abkömmling der Bourbonen gewesen? Oftmals seltsam verdrehte Sätze bis hin zur Unverständlichkeit, unflätige Namensverdrehungen und beinahe wuterfüllte Ausdrücke, (z. B. auf den Herzog von Buckingham reimt er 'Fuckingham' und 'Baggingham', Maria de Medici nennt er M.M. Dublette, den Falkner und engen Freund von Ludwig XIII. Charles de Luyenes, 'seinen Vögler', Ludwig XIV., nennt er Luigi Magnani, u.s.w. was teilweise witzig ist, aber irgendwie dann doch manchmal ein Quentchen zuviel) lassen den Verdacht aufkommen, dass der Autor diesen König und vielleicht sogar alle Franzosen, nicht besonders mag und ihnen hier (den Franzosen) so richtig 'eins auswischen' will, mit diesen besonders herablassenden Bezeichnungen, für alles was deren Nationalstolz so anreichert und dazu gehört in erster Linie ja die Ansammlung zahlreicher berühmter Könige aus der Vergangenheit. 

 

Aber im Grunde genommen ist es doch eigentlich völlig gleichgültig, woher dieser König stammte, er hat es zumindest geschafft, der berühmteste König aller Zeiten zu werden. Mögen muss man ihn in beiden Fällen nicht, ob nun echter Thronfolger, oder nicht. Man ahnt, dass da zuvor, schon öfter gemogelt wurde. Und das hat der Autor hier natürlich auch gründlich recherchiert und beschrieben. Zum Beispiel mit den Medicis. Ludwigs Großmutter Maria de Medici soll ausgetauscht worden sein, und war eine lieblose, harte Frau, die ihren Sohn, den späteren Ludwig XIII., mißhandelte. Und natürlich geschah das, weil sie ja keine echte Adlige gewesen ist, sondern die ungebildete Tochter einer Wäscherin. Auch hier, eine seltsame Fürsprache des Autors für den Adel. Aber nichts desto trotz, kann es auch hier wahr sein, dass man die Medici Tochter austauschte, weil die Echte vielleicht nicht geeignet war, um sie in die Königsfamilie einzuheiraten, oder sie gar nicht mehr lebte (hier stützt sich der Autor auf die Giftmorde innerhalb des Medici-Clans).  Aber nicht nur das: Ludwig XIII. soll noch nicht einmal der Sohn von Heinrich IV. gewesen sein, sondern dem Autor nach, war dessen Vater Concino Concini, der Liebhaber der falschen Maria de Medici. Also wäre die Linie königlichen Blutes, ohnehin schon bei Ludwig XIII. unterbrochen gewesen.

 

Interessant ist gleichfalls, ein ausführliches Kapitel über das Heranwachsen und Leben von Ludwig XIII., der ja tatsächlich  homosexuell gewesen sein soll. Dem Autor zufolge so intensiv, dass er Frauen nicht nur abgeneigt war, sondern sie regelrecht gehasst und als Kind bereits seine Ammen und Kinderfrauen geschlagen habe. Hier könnte der Thronfolger seine Aversion allerdings schon von seiner brutalen Mutter eingepflanzt bekommen haben. Zumindest spricht er Ludwig XIII. zu, dass dieser nicht so dumm gewesen sei, wie man allgemein dachte. Die ersten Jahre seiner Regierungszeit, konnte er sich recht gut behaupten, und verbannte sogar seine ungeliebte, machtgierige Mutter, samt ihres Liebhabers Concini (der verhaftet und erschossen wurde), und sogar Richelieu vom Hof. Er wollte ein gerechter König sein und sich mehr für die Belange des Volkes einsetzen und bekam sogar den Beinahmen 'Ludwig der Gerechte'. Doch leider war er der Hinterhältigkeit, Schläue und Machtgier von Kardinal Richelieu (den er später zurückbeorderte) irgendwann nicht mehr gewachsen.

 

Dem Autor nach, war Anna von Österreich, Ludwig XIV. spätere 'offizielle Mutter', gleichfalls homosexuell, womit er beider Unfähigkeit, Kinder zu zeugen begründet. Das allein ist weit hergeholt. Auch wenn der Autor sich bemüht, dies zu erklären. Zudem hatte sich Anna von Österreich einst in den Herzog von Buckingham verliebt, was der Autor hier aber auch zu widerlegen weiß und außerdem sei auch der Herzog schwul gewesen. Aber man muss zugeben, dass es unrealistisch ist , dass das Königspaar, dass sich jahrelang gegenseitig nicht ausstehen konnte, dann plötzlich nach 22 Jahren Ehe EINE zufällige (womöglich arrangierte) Nacht verbringt und die Königin prompt schwanger wird, obwohl sie schon 36 Jahre alt war?! Dann 2 Jahre später, wird sie es nocheinmal? Das ist in der Tat zu außergewöhnlich, um wahr zu sein. Anna von Österreich erlitt in früheren Ehejahren angeblich einige Fehlgeburten, die dem Autor nach aber auch erlogen sein sollen, um alle Welt glauben zu lassen, dass zwischen dem unglücklichen, zwangsvermählten Paar, wenigsten auf diesem Sektor Bemühungen stattfanden.

 

Ludwig XIII. wurde also von Kardinal Richelieu unter Druck gesetzt, sich einen Thronfolger unterschieben zu lassen. Natürlich hatte der König große Angst, dass seine Neigungen öffentlich bekannt wurden, denn auf Homosexualität stand damals noch die Todesstrafe, zumindest wenn es öffentlich wurde, da war auch ein König nicht ausgeschlossen. Die Königin zu überreden, muss nicht allzu schwer gewesen sein, sie fürchtete mittlerweile ohnehin abgeschoben zu werden. Es ist ein Wunder, dass dies in 22 Jahren kinderloser Ehe noch nicht geschehen war, aber da spielte wohl Politik eine Rolle und die Unlust des Königs, sich an einer neuen Frau bemühen zu müssen, da er wie bereits erwähnt, Frauen angeblich hasste. Er hatte nie Mätressen, dafür aber männliche Favoriten. Allerdings gab es doch zwei Frauen die ihm in platonischer Freundschaft verbunden waren: Marie de Hautefort und Louise de La Fayette, beide, zum Ärgernis von Richelieu, auch enge Beraterinnen. Kein Wunder also, dass deren Aufenthalt am Hof nicht lange währte. Louise de La Fayette trat in ein Kloster ein und wurde dort vom König öfter und absichtlich öffentlich besucht. Dem Autor nach, um aller Welt zu zeigen, dass der König doch Frauen zugeneigt sei. Marie de Hautefort, kehrte nach dem Abgang von Louise de La Fayette kurzzeitig an den Hof zurück, wurde aber bald schon von dem 18jährigen Marquis  de Cinq-Mars ersetzt (gleichfalls ein potentieller Vater von Ludwig XIV.).

 

Leider ergießt sich der Autor neben den eigentlich interessanten Geschichten um die Königsfamilie, fast in einem Drittel des Buches in seiner unübersehbaren Wut auf die Kirche, vor allem über die Päpste. Er mag ja in vielem Recht haben, doch er zählt jeden einzelnen Papst auf, deren Tun und Nichttun, samt Mätressen-und Vetternwirtschaft und so fort, so dass sich das Buch ungemein in die Länge zieht. Sogar über Hitler und die Nazis lässt er sich eine Weile aus und das hat hier irgendwie gar nichts verloren. Den größten Teil davon habe ich dann nur noch ungelesen überblättert. Von der eigentlichen Hauptperson dieses Buches, nämlich Ludwig XIV., ist hier am allerwenigsten zu lesen. Viele Nebenstorys dagegen, umso ausführlicher.

 

Fazit: Teilweise hochinteressant, teilweise etwas zu langatmig und subjektiv geschrieben. Was man am Ende nun glaubt, sollte jedem selbst überlassen sein, denn wir werden vielleicht wohl nie die Wahrheit erfahren. Selbst Gentests aus den Knochen der verblichenen Könige sind ja kaum oder auch nur noch fraglich möglich, da während der Revolution, beinahe sämtliche Königsgräber zerstört und die Leichen später allesamt durcheinander in ein Massengrab geworfen wurden, so dass kaum noch jemand eindeutig zuzuordnen ist. Zwar soll so etwas (Gentest) schon geschehen sein und das Ergebnis war angeblich, dass die Gene der Nachkommen bis heute auf Ludwigs Großvater Heinrich IV. nachgewiesen sind, doch wer soll das noch glauben?

Damals wie heute, kann man viel erzählen, oder es zurecht rücken. Logisch, dass Nachkommen die eventuelle Wahrheit wohl niemals öffentlich machen würden.

 

Ludwig XIII. selbst, soll einst über seine Söhne geäußert haben: 'Die sind nicht von mir!' Aber ernst nehmen kann man natürlich auch das nicht, selbst wenn er es gesagt hat (warum sollte er so etwas äußern, wenn er doch eingeweiht war...?, es sei denn, er war gar nicht eingeweiht). Leider gab es damals  noch keine Kameras, so dass man eventuelle Ähnlichkeiten feststellen könnte. Gemälde sagen hier leider nicht allzu viel aus, die wurden ohnehin idealisiert, oder wie der Autor behauptet, später verändert, und Ähnlichkeiten angepasst. Ludwig XIV. wurde als Kind immer blond, blauäuig und hellhäutig dargestellt (Merkmale seiner Mutter), während er auf Gemälden als Erwachsener stets dunkel, 'Orientalisch', wie der Autor es beschreibt, aussieht. Ein übersehener Fehler? Gefälschte Gemälde? Halte ich aber für eine vage Behauptung. Viele Menschen, die als Kind blond waren, werden als Erwachsene dunkler. Selbst wenn er aus einem italienischen Waisenhaus stammen sollte, muss er nicht unbedingt 'Orientalisch' aussehen, es gibt genauso blonde und blauäuige Italiener, wie 'Dunklere'. Auch dass Ludwig XIV. so große Perücken getragen haben soll, um seinen dunklen Teint zu verdecken, finde ich Unsinn. Man sieht doch das Gesicht sehr gut und die Perücken wurden auch erst in seiner 2. Lebenshälfte so riesig. Das war wohl  eher eine Modeerscheinung.

 

Selbst wenn Anna von Österreich wirklich die biologische Mutter ihrer Söhne war, so war Ludwig XIII. womöglich tatsächlich nicht der Vater (Worüber schon zu seinen Lebzeiten gemunkelt wurde). In Verdacht gerät bis heute da auch z.B. der zwielichtige Kardinal Jules Mazarin (1. Minister am Hof nach Richelieus Tod 1643), dem die Königin sehr nahe stand und der nie die Priesterweihe empfangen hatte, sondern von Richelieu gefördert wurde und zuvor in dessen Diensten gestanden hatte. Zudem stand er später auch Ludwig XIV. sehr nahe, sorgte für dessen Ausbildung, war sein Pate und auch sonst 'wie ein Vater' für ihn. Der junge König regierte mit Mazarin zusammen, bis dieser starb und just einen Tag nach dessen Tod, legte Ludwig XIV. sofort los damit, ein absoluter Herrscher zu werden. Da war er 22 Jahre alt.

Die Version mit Mazarin als heimlichen Vater, wäre wohl noch am glaubhaftesten. Natürlich konnte eine Königin damals nicht einfach unbeobachtet fremdgehen, doch wenn Richelieu angeblich so durchtrieben war, eventuell gleich ganz fremde Kinder heranzuschaffen, da wäre es doch einfacher gewesen diesem vielleicht heimlichen Liebespaar grünes Licht zu geben.  Wenn man mehr als EINE Nacht zur Verfügung hat, könnte es schon eher klappen mit der Erfüllung des Kinderwunsches, auch wenn man schon Mitte 30 ist. Allerdings soll sich Mazarin von 1636 bis 1640 in Italien aufgehalten haben (um die Kinder zu besorgen...), so dass es auch hier schwierig wird, ihn als biologischen Vater zu verdächtigen. Es sei denn, er war heimlich  inkognito in Paris. Auch einige andere Anwärter gibt es Gerüchten zufolge, wie den Marquis de Cinq-Mars, oder den Comte de La Riviere. Cinq-Mars war zwar erst 17 oder 18 Jahre alt, doch wurde er Kammerherr der Königin und neuer Favorit des Königs. Er hielt sich aber offiziell erst ab 1639 am Hof auf (Da war der Thronfolger schon geboren), wurde aber schon 1642 im Alter von 22 Jahren wegen Hochverrats angeklagt und hingerichtet. Angeblich war er an einer Verschwörung zum Sturz von Richelieu und des Königs beteiligt. Aber man muss zugeben, dass seine Porträts dem späteren Ludwig XIV. ähnlicher sehen, als alle anderen Vaterschaftsanwärter es vermögen.

Ob er wirklich erst ab 1639 am Hof war, kann man heute kaum nachprüfen. Dokumente könnten nachträglich gefälscht worden sein. 

 

Vielleicht hat sich das Königspaar aber am Ende tatsächlich, stark unter Druck gesetzt, doch nocheinmal aufgerafft und zumindest zeitweise zusammengefunden. Fakt ist aber, das sich ihre Ehe danach nicht verbesserte, und Ludwig XIII. kaum Interesse an seinen Söhnen zeigte. Das kann aber auch mit seiner gesundheitlich schlechter werdenden Situation zu dem damaligen Zeitpunkt zusammenhängen. Kleinkinder können anstrengend sein und das hat er wohl so empfunden. 

 

Mich persönlich beeinflusst dieses Buch in keinster Weise. Eigentlich ist es, wie schon gesagt völlig gleichgültig, woher wer kam. Es waren alles Menschen, wie 'Du und ich', und wenn das Schicksal es so bestimmt hat, dann ist es halt so. Vielleicht war das frische Blut, dass hier eventuell in des Königs  Adern floss,  ja verantwortlich für seine Robustheit. Tatsache aber ist es auch, dass weder vor, noch nach Ludwig XIV. die Herkunft eines Königs so umstritten und zweifelhaft war, wie bei diesem selbst. Und bekanntlich hat ja oft jedes Gerücht einen wahren Kern. Ludwig XIV. selbst soll jedes Gespräch über seinen Vater am Hof untersagt haben.

 

Die in vielen damaligen Königsfamilien permanenten Schwierigkeiten, lebensfähige Thronfolger hervorzubringen, verwundern uns heute angesichts der Ahnentafeln nicht mehr. Da wurden beständig Verwandte, Cousinen und Cousins, Onkel und Nichten miteinander verheiratet, und irgendwann zieht die Natur da wohl die Notbremse. Während die Könige mit ihren Mätressen oft zahlreiche gesunde Kinder erzeugten, die das Erwachsenenalter erreichten, brachten die königlichen Gattinnen oft nur mit 'Ach und Krach', einen mehr oder weniger geeigneten Thronfolger zustande, obwohl sie unzählige Male schwanger waren. Dadurch sind Königsdynastien, die doch so streng erhalten werden sollten, schon ausgelöscht worden. Da fragt man sich heute wirklich, ob die damals so dumm waren, oder es einfach nur sträflich ignoriert haben. Am Ende mussten dann womöglich Thronfolger von ganz woanders her beschafft werden, um nach außen hin den Schein zu wahren.  Besonders schlimm war diese Inzestvermählungspolitik im spanischen Königshaus, von dem auch Anna von Österreich und Maria Teresa (Ludwig XIV. 1. Ehefrau) abstammten. 

 

 

Ludwig XIV., 32 jährig, 1670, Gemälde Schloss Verssailles
Ludwig XIV., 32 jährig, 1670, Gemälde Schloss Verssailles

Die ( offizial) Eltern von Ludwig XIV., Ludwig XIII. und Anna von Österreich (im 8. Monat schwanger) 1638