Runenschild

Die Legende von Camelot 3

WOLFGANG & HEIKE HOHLBEIN

Roman - 455 Seiten


2002 / Neuauflage als Taschenbuch 2009

Zum Buch:

Lancelot konnte Gwinneth also vor dem Scheiterhaufen retten und zieht seitdem ziellos mit ihr durchs Land. Es herrscht tiefster Winter, ist eiskalt und ein Schneesturm jagt den nächsten, außerdem werden die beiden Flüchtigen immer wieder von Artus' Rittern aufgespürt, die Lancelot in seiner Zauberrüstung und mit magischem Schwert und Schild ausnahmslos besiegt. Gwinneth ist davon weniger begeistert, denn mit jedem Einsatz des Zauberschwertes, verändert sich auch Lancelots Charakter - sie befürchtet, dass er eines Tages zur 'dunklen Seite der Macht' nämlich zu Morgaine und Mordred überwechseln könnte.

In einem Gasthaus findet das flüchtende Paar endlich Unterschlupf und lernt einen Trupp Iren, sowie deren Anführer Sean kennen. Die Männer sind ihnen freundlich gesinnt, doch schon bald gibt es einen Überfall durch Morgaines Heer auf den Gasthof und alle, bis auf einige der Iren und die Wirtsleute, entkommen Dank des silbernen Ritters, der wie aus dem Nichts auftaucht und alle Barbaren und Dunkelelben töten oder vertreiben kann. 

Sean findet schließlich heraus, dass 'der Küchenjunge Dulac und Bruder von Gwinneth', sowie Lancelot sich ausgibt, in Wahrheit der silberne Ritter war - außerdem ihr Geliebter und Gwinneth selbst die flüchtige Königin von Camelot. Lancelot findet seinerseits heraus, dass Sean von einem geheimnisvollen Fremden den Auftrag bekommen hat, ihn und Gwinneth zu finden und an einen sicheren Ort zu bringen. Zunächst misstrauen Lancelot und vor allem Gwinneth ihren irischen Freunden, doch Sean schwört, dass es nichts mit Artus zu tun hat.

Sie finden erneut Unterschlupf in einem Gasthaus, bei Freunden von Sean, aber auch dort werden sie erneut überfallen und müssen weiter fliehen.

Nächstes Ziel ist dann Tintagel, ehemaliger Wohnsitz von Uther Pendragon, Gwinneth' erstem Ehemann und Artus' Vater. Dort sind alle ersteinmal sicher, zumindest bis zum Frühjahr.

Unterhalb von Tintagel entdecken Lancelot und Gwinneth Merlins alte Wohnhöhle und den Zugang zur 'Tir Nan Og' der Insel der Unsterblichen (Avalon?) woher sie, Artus, Morgaine, Mordred, Merlin und auch Morgaines Dunkelelben sowie Lancelots Einhorn stammen. Gwinneth würde am liebsten sofort hinüberwechseln, doch Lancelot, der schon einmal unfreiwillig dort war, ist damit nicht wirklich einverstanden, denn es ist auch eine fremde, gefährliche Welt.

Sie kehren zurück und stellen fest, dass die Zeit in der normalen Welt viel schneller vergangen ist. Tintagel wird bereits von Artus' Heer belagert und obwohl die Burg eigentlich uneinnehmbar ist, gelingt es Artus Männern schließlich doch vorzudringen. Lancelot kann einen Waffenstillstand und Abzug aller Zivilisten aushandeln, und will sich im Gegenzug stellen. Artus aber will auch Gwinneth wiederhaben. Lancelot, der nicht dazu bereit ist, Artus Gwinneth auszuliefern, nutzt die Gunst der Stunde und flieht mit ihr zurück in Merlins Höhle. Dort hoffen beide, in jene andere Welt überwechseln zu können. Doch bevor das geschieht, erscheint ihnen Merlin und warnt sie davor, dass es kein Zurück mehr gibt, wenn sie sich dafür entscheiden. 

Sie erfahren außerdem, dass Merlin Seans heimlicher Auftraggeber war und dass Elben nie Elben töten, weil sich sonst die Welt der Unsterblichen für immer verschließt.

Die beiden kehren schließlich zurück nach Tintagel, wo die Kämpfe mittlerweile fast aufgehört haben, allerdings ist ein weiterer Feind dazugekommen, Morgaine und Mordred, die sich gerne Artus' Reich einverleiben wollen.

Artus und Mordred stehen sich, bereit zum Zweikampf, gegenüber...



Meine Meinung:

Wie schon das zweite Buch, ist dieses gleichfalls besser als der erste Band, aber dennoch nicht wirklich empfehlenswert, was die Legende um Artus betrifft. Als Feinde werden immer nur 'die Pikten' aufgeführt oder hin und wieder auch Morgaines 'Dunkelelben' quasi unbesiegbare schwarze Ritter, was natürlich hier dazu erfundene Fantasy und für einen Fantasyroman ja auch akzeptabel ist. Die Handlung, vor allem die Flucht des beschriebenen Trupps, läßt hier und da etwas Spannung aufkommen. Begriffe die im ersten Buch ziemlich nervten, wie 'er drehte sich herum und...' fehlen hier nun zum Glück fast gänzlich, oder wurden dort eingesetzt, wo sie auch passen. Allerdings taucht auch der Begriff 'englisch' den es zu Artus' Zeiten noch nicht gab, wie auch im zweiten Buch, hier erneut auf. Zudem scheint der Autor endlich den Begriff 'Kemenate' statt 'Zimmer' entdeckt zu haben, läßt ihn dann allerdings von Gwinneth auch noch erklären und benutzt ihn dann auffällig oft...(da wäre er doch besser bei dem Wort 'Zimmer geblieben').

Das ist nur eines von mehreren Beispielen, die in solch einem Roman eigentlich nicht vorkommen dürften - ebenso wie die weiterhin recht simple Schreibweise. Irgendwie fehlt die Wortgewalt, die viele andere Artusautoren beherrschen und auch die Recherchen zur damaligen Zeit scheinen mehr als dürftig gewesen zu sein, das entschuldigt auch kein Fantasyroman. Dass Tintagel erst im 13. Jahrhundert errichtet wurde, stört in anderen Artuslegenden auch nicht, denn inzwischen ist die Burg ja Bestandteil davon, aber sie war uneinnehmbar, da auf einer Halbinsel gelegen, zu der nur ein schmaler Pfad führte. Ein einziger Mann genügte um diese Burg zu verteidigen, was hier auch nicht beachtet wurde.

Ebenso wiederholen sich Beschreibungen immer wieder. Ständig herrscht Schneesturm und Eiseskälte, obwohl Monate vergehen, Tintagel wird immer wieder als kalt und gleichzeitig doch gut beheizt beschrieben, mitten im Winter tauchen Karren und Händler mit den tollsten Waren auf (damals unmöglich, da mußte man schon Vorräte anlegen) - oder ist das auch Fantasy...??

Lancelot wird seinen Ruf als 'Küchejunge Dulac' kaum los, was auch irgendwann nervt - denn bestimmt wäre er das nicht gewesen. In Malorys Roman gibt es zwar auch einen Küchenjungen, doch das war Galahad, der von Artus zunächst nicht als Ritter anerkannt wurde und der sich schließlich als Küchenjunge tarnte, um auf Camelot bleiben zu können. Also auch hier ein irgendwie halbherziges Herausgreifen von einem Bestandteil der Legende, der unsinnig wieder eingebaut wurde.

Auch die Beziehung zwischen Gwinneth und Lancelot bleibt unzulänglich. Zunächst scheinen sie wirklich nur wie Bruder und Schwester miteinander umzugehen, alles andere wird nur salopp angedeutet: 'Dann laß uns mal in Deiner Kemenate das Kaminfeuer neu entfachen...' o.ä. - Gut es liegt nicht jedem Autor Leidenschaften auszudrücken oder in Worte zu fassen, aber dann sollte er die Finger vielleicht komplett von Liebespaaren lassen - zumindest bleibt hier gar nichts hängen, außer dass Gwinneth zwischenzeitlich ziemlich nervt, da sie statt dankbar für ihre Rettung zu sein, Lancelot ständig Vorwürfe für seinen Einsatz mit dem Zauberschwert macht. Zudem wirken beide hier, als seien sie immer noch fünfzehn...

Unmöglich all die kleinen Unzulänglichkeiten aufzuführen - wäre alles auch nicht so tragisch, oder nennenswert, wenn es sich hier nicht um die größte und berühmteste aller Legenden handeln würde, die hier so fürchterlich verstümmelt und in einen zweitklassigen Fantasyroman eingebaut wurde.

Von Wolfgang Hohlbein hatte ich wirklich mehr erwartet, obwohl mich seine 'Chroniken der Unsterblichen' auch schon enttäuschten und ich schon nach Band Zwei aufgab. Allerdings gefiel mir seine Nacherzählung vom 'Ring der Nibelungen', weshalb ich wohl dachte, dass auch seine Artuslegende begeistern würde. Leider ist das nicht der Fall.