Merlin - Magier und Krieger

STEPHEN LAWHEAD

 

Book II of the Pandragon Cycle (1988)

 

Neuauflage 1995, Roman 527 Seiten

 

 

Zum Buchinhalt:

Zeit und Ort:
 Etwa 400 - 450 n.Chr. in Britannien

Erzähler hier durchgehend Merlin selbst (in der 'Ich-Form' geschrieben').

Merlin,
 dessen Vater Taliesin von der dunklen Fee Morgian getö- tet wurde, wächst nun unter der Obhut seiner Mutter Charis, deren Vater König Avallach, des Druiden Hafgan und seiner Großeltern väterlicherseits (Elphin König der Kymren) auf. 

Seine Talente werden oft mit denen seines Vaters verglichen und obwohl Merlin gleichfalls eine große Stimme besitzt, strebt er keine Karriere als Barde an.

Als die letzten Römer in Britannien unter der Führung des Feldherrn Maximusseinem Großvater Elphin einen Besuch abstatten, ist er von den mächtigen Kriegern, bzw. Soldaten, so beeindruckt, dass er lieber Krieger werden möchte. Maximus wurde abbeordert, um in Armorica (Bretagne) einen Aufstand niederzuschlagen und benötigte dafür die besten Krieger der Britannier. Doch bald schon erfährt das britannische Volk, dass Maximus zum neuen Kaiser ernannt wurde und hofft umso mehr auf baldige Hilfe im Kampf gegen die Barbaren aus dem Norden.

Noch jahrelang hofft man darauf, doch die Römer sollen nie mehr zurückkehren und auch nicht die wertvollen britannischen Krieger. Britannien, dass mit den Römern stets in einer Art Hassliebe verbunden war, erkennt nun entsetzt, dass Rom Britannien aufgegeben hat und keinerlei Hilfe mehr zu erwarten ist. 

Im zarten Alter von 12 Jahren, wird Merlin bei einer Reise von einem geheimnisvollen Zwergenvolk aus dem Norden der Insel entführt. Sie gedenken ihn für ihren Gott zu opfern, doch eine geheimnisvolle Kraft, die Merlin wie eine schützende Mauer umgibt, verhindert dies und von nun an verehrt dieses Volk den jungen Merlin selbst wie einen Gott, läßt ihn aber auch nicht frei. Alle Versuche zu entkommen scheitern, bis sich Merlin schließlich in sein Schicksal fügt und sich an seine neue Familie gewöhnt. Er verbringt einige Jahre bei ihnen und kann viel lernen. Schließlich läßt man ihn doch gehen.

Merlin ist nun bereits ein junger Mann von etwa 16 Jahren und während seiner langen Heimreise begegnet er der schönen Prinzessin Ganieda, im Wald von Celyddon bei der Jagd auf ein Wildschwein. Zum Dank dass er ihr hilft, lädt sie ihn in die Festung ihres Vaters, König Custennin, nahe des Hadrian Walles ein. Merlin stellt fest, dass auch Ganiedas Familie Abkömmling des 'Feenvolkes' aus Atlantis ist. Das erkennt Custennin umgekehrt auch in Merlin und hat nichts gegen die Liebe der beiden. 

Auf seiner Weiterreise muß Merlin feststellen, dass sich Britannien stark verändert hat. Überall stößt sein kleiner Trupp auf verbrannte Erde, ausgeplünderte Dörfer, halb verfallene römische Städte, die vor wenigen Jahren noch bunt belebt waren. Seine Heimat ist beinahe schutzlos allen möglichen Eroberern und Räubern ausgeliefert. Pikten und Skoten aus dem Norden, aber auch Iren fallen mordend und plündernd in das Land ein. Doch die schlimmste Plage steht Britannien noch bevor: An den Küsten landen immer mehr Sachsen...

Merlin schließt sich mit anderen Kleinkönigen und Kriegern zusammen und eine Zeitlang gelingt es ihm auch, die Überfälle mehr schlecht als recht zurückzuschlagen. Schließlich herrscht wieder einigermaßen Frieden, so dass er Ganieda heiraten kann. Doch gerade als ihr Glück beginnt, wird Custennins Festung von Sachsen überfallen und die hochschwangere Ganieda brutal ermordet. Merlin bricht zusammen, ihn verläßt jegliche Lebenslust und er zieht sich für viele Jahre (wieviel kann man nur erahnen) in einen Wald zurück, wo er wie ein Einsiedler haust. 

Schließlich findet ihn sein Diener Pelleas und päppelt ihn wieder auf, so dass Merlin in sein altes Leben zurückkehrt. Fast alle ehemaligen Freunde und Verwandte sind inzwischen gestorben oder wurden von den Barbaren hingeschlachtet, nur seine Mutter Charis und der Fischerkönig Avallachleben noch auf ihrer 'Glasinsel', da sie dem geheimnisvollen Feenvolk angehören und länger leben, als normale Menschen. Auch Merlin und Pelleas, der ebenfalls dem Feenvolk angehört, sind kaum gealtert.

Da Merlins Familien königlicher Abstammung sind, könnte auch er König werden, doch er verzichtet auf den Thron, lieber kümmert er sich darum den wahren König, der dem Land Frieden bringen könnte zu finden. Wer es sein wird, weiß er nicht und erahnt diesen zunächst in Aurelius. Aurelius und sein Bruder Uther sind die Söhne des ermordeten Constantinus, dem letzten Hochkönig Britanniens nach Abzug der Römer. Nach dessen Tod übernahm der verräterische und unfähige König Vortigern die Macht, durch dessen Schuld immer mehr Sachsen ins Land strömten. Die beiden jungen Prinzen mußten nach Armorica flüchten und kehren nach Vortigerns Tod zurück.

Merlin setzt sich dafür ein, dass Aurelius Hochkönig wird und dessen Bruder Uther sein Feldherr.

Zusammen sind sie auch eine zeitlang erfolgreich, können viele Kleinkönige, die die Macht nach Abzug der Römer an sich zu reißen versuchen, untereinander vereinen. Doch sie lieben beide die gleiche Frau: Ygerne, die Tochter des römischstämmigen Königs Gorlas, der über Llyonesse, ganz im Südwesten Britanniens herrscht und in der Felsenburg Tintagel residiert.

Die beiden Brüder sind so verschieden wie Tag und Nacht, der eher sanftmütige Aurelius dunkelhaarig und schwarzäuig, hat es nicht leicht, mit dem heißblütigen rothaarigen Uther. Kaum vorstellbar, dass Ygerne Uther liebt und nicht Aurelius. 

Aurelius wird kurz nach seiner Hochzeit auch schon vergiftet, von wem bleibt offen, zumindest trauert Uther ganz offensichtlich um den Bruder, auf den er zwar eifersüchtig war, ihn aber trotzdem heiß und innig liebte.

Jetzt heißt es für ihn nur Gorlas aus dessen Burg zu bekommen, die praktisch uneinnehmbar ist, denn dieser will seine Tochter Ygerne nicht für Uther freigeben.

Schließlich gelingt es mit Merlins Hilfe doch und Uther kann die Macht übernehmen. Er nennt sich von nun an der 'Pendragon'.

Eines Tages sieht Merlin in einer seiner Visionen, dass Ygerne schwanger ist, das Kind aber in Gefahr schwebt. Eilig macht er sich auf nach Tintagel und tatsächlich, Ygerne ist schwanger und unglücklich, denn das Kind ist nicht von Uther, sondern sie empfing es in der Hochzeitsnacht von Aurelius ihrem ersten Mann. Uther will das Kind töten, falls es ein Junge ist, sobald es zur Welt kommt, damit seine eigenen Kinder den Anspruch auf seinen Thron nicht verlieren.

Merlin bietet an, das Kind zu adoptieren und heimlich aufwachsen zu lassen ohne dass jemand erfährt, wo es herkommt oder von wem es abstammt. Er verweist dabei auf seine Hilfe, die er einst leistete, als Uther Gorlas beseitigen wollte, und dass er aufgrund dessen noch einen Wunsch als Belohnung frei habe.

Uther gibt schließlich nach und Merlin darf das Kind, das tatsächlich ein Knabe ist, nach der Geburt mitnehmen.

Er bringt es in den Norden, dort soll der Knabe in verschiedenen Königshäusern aufwachsen, erzogen und ausgebildet werden. Merlin nennt ihn 'Artus' und tief in seinem Innern weiß er bereits, dass dieses Kind etwas besonderes ist, bzw. eine besondere Aufgabe haben wird.

Uther bekommt keine weiteren Söhne, sondern stirbt schon bald nach Artus' Geburt. Woran weiß niemand so genau, man munkelt, er sei ebenfalls vergiftet worden, andere reden von einer geheimnisvollen Krankheit.

Ygerne darf auch nach Uthers Tod keinen Kontakt zu ihrem Sohn Artus aufnehmen, da dies zu gefährlich sei, wie Merlin behauptet. Niemand darf auch nur erahnen, dass hier der nächste Hochkönig herangezogen wird.

Das verkraftet Ygerne nicht mehr und schon bald folgt sie Uther in den Tod. Artus ist nun Vollwaise und vollends den Plänen des 'Königmachers' Merlin ausgeliefert.

Derweil streiten sich die mittlerweile unzähligen Kleinkönige darum, wer nun als nächster Hochkönig werden soll, während an der Ostküste weiterhin Sachsen landen und an der Westküste Iren.

Merlin hat die Nase voll - er nimmt Maximus' ehemaliges Schwert, stößt es in einen Stein und fordert die Könige auf: 'Wer Britanniens Schwert herausziehen kann, wird der nächste Hochkönig sein!' Niemand schafft es das Schwert aus dem Stein zu ziehen und Britanniens Könige streiten vorerst weiter...

 

 


Meine Meinung:

Eine eigentlich völlig neue Darstellung des Merlin, die nicht unin-teressant ist. Endlich einmal ist er nicht der übermächtige Magier und Druide sondern eigentlich 'nur ein Mensch' mit allen Stärken und Schwächen die ein Mensch haben kann. Natürlich ist er, der dem sogenannten 'Feenvolk', den Flüchtlingen aus dem unter-gegangenen Atlantis entstammt, den ´normalen Menschen in gewisser Weise überlegen, schon allein weil er langsamer altert und auch gewisse magische Kräfte besitzt, doch im Grunde ist er ein Krieger, der auch die ein oder andere Schlacht anführt, aber auch ein Barde, der ganz nebenbei seine Landsleute mit Gesang und Geschichten erfreut und schließlich zur mächtigen Schlüsselfigur im Kampf um Britannien wird, denn er bestimmt, wer wann Hochkönig sein wird, und er hat viele Namen, oft wird er neben Merlin auch 'Myrddin Emrys' genannt.

Wieder einmal wurde die Geschichte um Artus hier neu geordnet und alle Elemente der Legende geschickt eingebaut, wenn auch hier und da leicht, aber realistisch verändert. Z.B. ist hier Aurelius Artus' Vater und nicht Uther, die Wurzeln sind auch hier römisch. Ein bisschen unglaubhaft und auch kitschig mutet es an, dass ein von den durchweg als dunkelhaarig und dunkeläugig beschrie-benen Römern abstammender Artus, dann am Ende doch wieder blauäuig und goldhaarig ist - geradeso, als sei alles Goldhaarige das einzig Wahre und Gute... Aber hier bleibt der Autor oft nicht auf einer Linie... Königin Charis z.B. wird einmal als schwarzhaarig und einmal als goldhaarig beschrieben....

Magie taucht zwar eher selten auf, aber nötig wäre sie nicht - deshalb passt sie auch nicht wirklich in diesen Roman, der ansonsten sehr realistisch und historisch gut recherchiert scheint. Einzig das in den Stein gestoßene Schwert läßt ein Kribbeln aufkommen, doch auch diese Sache hat eigentlich andere Wurzeln, die hier nicht beschrieben werden.

Auch manche Namen sind leicht verändert, wie z.B. Igraine aus der hier Ygerne wird, was durchaus der richtige Name sein könnte, hätte diese Frau tatsächlich existiert. Oder aus Gorlois wird Gorlas, der hier ihr Vater und nicht ihr erster Ehemann ist, wie es in vielen anderen Artusgeschichten steht. So wird auch die Geschichte um Artus' Zeugung und Geburt glaubhafter. Nein nicht ein verzauberter Uther dringt in die Burg ein, sondern er kann es schließlich ganz legal tun und der Autor beschreibt sogar, dass die Legende darum, wohl mit der Zeit falsch gedeutet wurde...

Aber wie schon das erste Buch, ist auch dieses ein wahres Meisterwerk, wortgewaltig und mitreißend. Der Autor hält sich an alte Namen und Bezeichnungen, teilweise römisch, teilweise altbritannisch oder keltisch, was dem Ganzen wirklich Realität verleiht. Ich ahne, dass es hier keinen Lancelot u.s.w. geben wird, sondern dass diese eher mit ihren möglichen wirklichen Namen benannt werden. Auch hier werden legendäre, bzw. erfundene Personen mit historischen bunt vermischt. 

Besonders interessant beschrieben ist hier das praktisch langsame Verschwinden der Römer bzw. man begegnet noch der letzten Legion unter Maximus, der später auch 'Macsen Whedig' genannt wird. Ganz nebenbei, werden sie immer mal wieder erwähnt, so wie das britannische Volk den Abzug damals erlebt haben muß: 'Sind sie nun weg oder nicht...?' 'Kommen sie wieder?' Eine Mischung aus Angst, Trauer, aber auch Erleichterung und noch schwelender Hass zerreißt die Menschen, die sich nun von ganz neuen, schlimmeren Feinden bedroht sehen. Zuvor noch lebhafte Römerstädte, wie z.B. Aquae Sulis (auch bei B. Cornwell erwähnt) sind schließlich menschenleer und verfallen langsam. Die Menschen machen eine Rückentwicklung durch. ziehen sich wieder in kleine Dörfer und Festungen zurück, teils weil sie die Stätten der Römer hassen, teils weil sie sie nicht aufrecht erhalten können, da ihnen die Mittel fehlen.

Man begegnet auch vielen Namen oder Orten, wie sie schon bei Bernard Cornwell oder Gillian Bradshaw auftauchen, hier und da aber auch leicht verändert.

Hinzu kommt, dass Merlin hier kein Heide ist, sondern von Kindheit an Christ. Während die Christen bei Bernard Cornwell eher brutal daher kamen, sind sie hier sanftmütig und schaffen es fast in Windeseile, die halbe Insel zu bekehren.

Das ist ein Punkt, der nicht wirklich realistisch ist, obwohl er glaubhaft dargestellt wird. Oft aber auch übertrieben, z.B. in Form von langen Gebeten und Lobpreisungen an den 'einzig wahren Gott' u.s.w. ( das muß man nicht wirklich haben und es nervt mit der Zeit ein wenig) und man fragt sich manchmal, ob der Autor durch die Blume nicht auch den ein oder anderen Leser bekehren will...

Doch so sakral der Autor hier werden kann, er kann allerdings ebenso schonungslos Schlachten beschreiben, ohne zu über-treiben oder zu sehr ins Detail zu gehen, wie man es z.B. bei Bernard Cornwell kennt. Auch alles andere kommt nicht zu kurz, egal um welches Thema es gerade geht, Stephen Lawhead ist in der Lage fast alles in Worte zu fassen. 

Wie das erste Buch, begeistert auch dieser zweite Band der Pendragon Saga mit Spannung und unglaublicher Ausdrucks-kraft - er ist nicht ganz so bunt, aber dieser spielt ja auch nur noch in Britannien und nicht mehr zum Teil in dem glitzernden Atlantis.

Schade nur, dass Arthur hier in der deutschen Übersetzung 'Artus' genannt wird. Alle anderen Namen bleiben ja auch im Original und eigentlich heißt er ja auch 'Arthur', aber dafür kann der Autor ja nichts...