Die Reiter der Sarmaten

GILLIAN BRADSHAW

 

   Originaltitel:Island of Ghosts

  

Erschienen 1992 / 415 Seiten / historischer Roman

 

 


Zur Historie:

Um 175 n. Chr. werden die ersten 1500 sarmatischen Krieger nach Britannien übersiedelt. Sie sind eingeteilt in Gruppen von je 500 Mann und jede Gruppe hat ihren Anführer, der jeweils aus einer sarmatischen fürstlichen Familie stammt. 

Die Sarmaten wurden bei Kämpfen mit den Römern am Oberlauf der heutigen Donau (damals Danuvius) besiegt und um ihr Volk vor der völligen Eroberung der Römer zu bewahren, handelte ihr König mit dem römischen Kaiser Marcus Aurelius ein Abkommen aus: Insgesamt sollten dem römischen Reich 8000 sarmatische Krieger als Auxiliartruppen zur Verfügung gestellt werden, 5500 davon waren für Britannien bestimmt, da auf der Insel ständige Unruhen herrschten und britannisches, sowie römisches Volk vor den Übergriffen der Kaledonier (wilde Stämme aus dem Norden) beschützt werden mußten. Die Sarmaten waren zwar schwer gepanzert und ausgezeichnete Reiter, praktisch unbesiegbar, dennoch unterlagen sie, da wohl in der Unterzahl, den Römern mit deren unvergleichlicher Taktik in Schlachten. Der römische Kaiser erkannte aber das riesige Potential der Sarmaten und machte sie sich klugerweise zu Nutzen.

 

Zum Buch: 

Mit diesen historischen Geschehnissen im Hintergrund, hat Gillian Bradshaw einen spannenden und interessanten Roman geschrieben.

Die fürstlichen sarmatischen Anführer Ariantes (der hier auch der Erzähler ist - also auch ein Buch in 'Ich-Form'),  Arshak  und Gatalas, sind zunächst dem Kommando des Zenturio Marcus Flavius Facilis unterstellt. Und der hasst die Sarmaten (später wird er ihr Freund), da er durch sie seinen Sohn im Krieg verlor. Doch den Sarmaten geht es ebenso, auch sie erlitten in ihren Familien große Verluste durch die Römer. Nun bindet sie ein Abkommen ihres Königs mit den Römern an diese.

Die Sarmaten nehmen eine beschwerliche Reise auf sich, um nach Britannien zu gelangen und werden schließlich entlang des Hadrianwalls (römische Mauer zum Schutz gegen Barbareneinfälle im Norden Britanniens) verteilt. Während sich Fürst Ariantes schnell an das neue Leben gewöhnt und sich den Römern anpasst, rebellieren die beiden anderen Fürsten immer wieder. Außerdem geraten sie in die Fänge der schönen, aber gefährlichen Gattin eines römischen Legaten, Aurelia Bodica. Sie selbst ist keine Römerin, sondern gehört einem uralten britannischen Königsgeschlecht an und beabsichtigt mit Hilfe der barbarischen Stämme aus dem Norden, sowie den neuangekommenen Sarmaten, die Insel von den Römern zurückzuerobern. Dafür geht sie auch über Leichen. Gatalas, der sich ihr nicht anschließen will, wird ermordet, Arshak kann sie für sich gewinnen, doch nur der starke Ariantes kann ihr widerstehen und gerät dadurch mehrmals in Lebensgefahr. Selbst Bodicas Ehemann, Julius Priscus, ein angesehener Legat, ahnt nicht, dass seine Gattin hinter seinem Rücken Hochverrat plant. Ariantes kann sie aber nicht verraten, da ihm die Beweise fehlen...


Meine Meinung:

Der historische Hintergrund wurde hier sehr gut recherchiert, inbegriffen sämtlicher alter Namen der damaligen Städte, Flüsse etc. Aber der eigentliche Grund warum ich dieses Buch gelesen habe und mich freute endlich etwas über dieses bestimmte Thema (in Romanform) gefunden zu haben, fehlt leider ganz und gar - nämlich der eigentliche römische Kommandeur der Sarmaten, Lucius Artorius Castus. Ist der Autorin dieser wichtige Römer bei ihren Recherchen nicht aufgefallen, hat sie ihn absichtlich nicht erwähnt, kam er doch erst später dazu, oder hat sie einfach die Namen geändert? 

Aber selbst andere römische Offiziere, die Gillian Bradshaw hier beschreibt, haben nicht die geringste Ähnlichkeit mit Artorius. z.B. hätte der Zenturio Facilis dessen Rolle übernehmen können, doch dessen Verhalten, sein Alter (beträchtlich älter als Artorius zu dem damaligen Zeitpunkt), sein Rang und auch dessen Herkunft (Pannonien) stimmen nicht mit Artorius' Biografie überein. Kurzzeitig könnte man ihn in der Person des Prokurators Natalis, (Kommandeur am Flottenstützpunkt und für die Übersetzung der Sarmaten nach Britannien zuständig) vermuten, denn dieser war ein römischer Ritter und zu dem war Artorius damals ja gerade erst ernannt worden. Auch heißt es in einigen Quellen, dass er nach dem Sieg über die Sarmaten eine Zeit lang an einem Flottenstützpunkt eingesetzt war, doch nicht in Britannien sondern am Golf von Neapel. Möglich also, dass Artorius erst später nach Britannien kam (z.B. mit den weiteren 4000 Sarmaten, die in diesem Buch aber nur am Rande erwähnt werden, denn das ist eine andere Geschichte) und das Oberkommando über die sarmatische Reiterschar übernahm. Linda A. Malcor  dagegen schreibt, dass er 'möglicherweise' die Einführung der Sarmaten (und zwar genau zu dem Zeitpunkt an dem auch dieser Roman spielt) in Britannien übernahm, (ihnen beibrachte was sie wissen mußten um dort zurecht zu kommen) und dann zunächst an den Golf von Neapel abkommandiert wurde. Zwischenzeitlich reiste er auch nach Rom, wurde zum Präfekten befördert, und erst als in Britannien extreme Unruhen ausbrachen, kehrte er erneut um ca. 180 n. Chr. nach Britannien zurück und übernahm endgültig das Kommando über die sarmatischen Truppen.

Das Buch 'Die Reiter der Sarmaten' ist zwar schon 1992 veröffentlicht worden - aber bekannt war Lucius Artorius Castus' Existenz eigentlich schon vor Linda A. Malcors Biografie (1999) über diesen, denn schon der Historiker Kemp Malone hat ihn Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt und vermutete (1924), dass Castus der Mann gewesen sein könnte nach dem die Legende um König Artus und seine Ritter entstanden ist...

Wie dem auch sei, ich hatte mich schon darauf gefreut ihn, wenn auch nur als Romanfigur, zum Leben erweckt zu sehen - hätte ja sein können, dass Gillian Bradshaw ebenso gut oder sogar noch besser, als Linda A. Malcor recherchiert hat und meine Enttäuschung war natürlich grenzenlos =( weil er noch nicht einmal entfernt genannt wurde, z.B. dass er überhaupt bei der Schlacht an der Donau dabei war etc.

Aber so schade Artorius' Fehlen ist, der Roman ist trotzdem lesenswert und spannend geschrieben, teilweise auch mit einer guten Portion Humor, vor allem was die Naivität der weltfremden Sarmaten in Britannien angeht. Man kann sich durch den Roman auch besser ein Bild davon machen, wie es damals gewesen sein muß, man steht plötzlich mittendrin in dieser anderen Zeit...Und vielleicht schreibt Gillian Bradshaw ja eine Fortsetzung und diesmal mit Artorius ;-)

Zumindest gibt es auch von ihr eine  Artus-Trilogie  in Romanform, (was ja beweist, dass auch sie sich mit dem Thema umfassend befaßt hat, allerdings zu einem Zeitpunkt, an dem das Thema um Castus wohl noch nicht so aktuell war...)