Die Krone von Camelot

GILLIAN BRADSHAW

'In Winter's Shadow'

1982

 Deutsch von Ilka Paradies 1984

Bechtermünz Verlag

Roman 416 Seiten

 

Zum Buch:

 

Im dritten Buch berichtet Gwenhwyfar (Guinevere) Artus Frau und Königin (hier Kaiserin) von Britannien, über die Ereignisse an Artus' Hof, der hier 'Camlann' genannt wird. Richtige Ritterburgen, so wie man sie aus dem Mittelalter kennt, gab es damals (400 - 500 n. Chr.) ja noch nicht. Meist siedelten sich Könige oder Fürsten auf Hügelkuppen an, erbauten dort eine Art von Langhaus oder Halle, in der sich das höfische Leben abspielte, unzählige Krieger einen Schlafplatz bekamen und die natürlich für große Feste diente. Vielleicht errichtete man auch schon eine Art Bergfried, einen kleineren Wohnturm um den herum sich alle für den Alltag notwendigen Gebäude verteilten. Um all das wurde dann nocheinmal eine Mauer zum Schutz gegen Angriffe von außen errichtet, eventuell auch schon Wassergräben. Am Hügelhang drängten sich die Häuser bzw. wohl eher Hütten der am Hof Beschäftigten, die im Notfall Schutz in 'der Burg' bzw. hinter der Mauer suchten und auch bekamen. Viele Kleinkönige übernahmen aber auch die verlassenen Paläste, Tempel und Häuser der Römer, bis diese zerfielen oder zerstört wurden - denn gepflegt oder gar wieder aufgebaut wurden sie nicht.

 

Den Ort Camlann soll es ja wirklich gegeben haben, aber ob davon nun tatsächlich 'Camelot' abgeleitet wurde, ist bis heute nicht wirklich bekannt. Zumindest befindet er sich in dieser Version im heutigen Cornwall, das früher 'Dumnonia' genannt wurde. In dieser Geschichte ähnelt er dem zuerst beschriebenen Hügel.

 

In allen Artus-Romanen bleibt Gwenhwyfar oder auch Guinevere, stets die unnahbare, geheimnisumwitterte, aber auch skandalträchtige Königin. Das ändert sich in dieser Version von Gillian Bradshaw nun endlich grundlegend. Hier wird alles aus der Sicht von Artus' Gattin erzählt und das völlig klischeefrei. Raffiniert hat Gillian Bradshaw hier auch Elemente aus der Legende, vor allem der Geschichte von Malorys 'Die Ritter der Tafelrunde' eingebaut, aber aus Sicht von Gwenhwyfar selbst, sieht man das schon wieder mit ganz anderen Augen. 

 

Leicht hat es die Königin wohl eher nicht, neben so einem Gatten wie König Artus. Von vielen beneidet und bewundert, hat sie als 'Burgherrin' allerdings alle Hände voll damit zu tun, das riesige Anwesen während der zahlreichen Abwesenheiten ihres Mannes, zu verwalten. Schon allein 700 Krieger halten sich dort fast ständig auf, dazu natürlich zahlreiches Personal, und Tiere. Vor allem die teuren Schlachtrösser der Krieger verschlingen Unmengen an Futter, für dessen Beschaffung gleichfalls die Königin sorgen muß. Täglich verhandelt sie mit Bauern und Händlern, schreibt Listen, und plant Feste.

 

Dabei zur Seite steht ihr hin und wieder 'Bedwyr', Artus' bester Freund und oberster Feldherr, gleichzeitig auch Haushofmeister. In den beiden vorangegangenen Büchern, wird er nur hin und wieder am Rande erwähnt, hier nun kommt auch sein Auftritt. In meinen vorangegangenen Berichten, hatte ich schon vermutet, dass mit Bedwyr 'Lancelot' gemeint sein könnte, und so ist es auch, wobei mir der Name Bedwyr auch weitaus realistischer erscheint und besser gefällt. Niemand hieß zu damaliger Zeit wohl 'Lancelot', das klingt wirklich nach mittelalterlichem Helden.

 

Natürlich wird auch Gawain (Erzähler im 1. Buch) hier nicht vergessen, um den es bisher ja hauptsächlich ging. Er zählt zu den engsten Freunden um Gwenhwyfar, Artus und Bedwyr. Auch Rhys, Gawains Diener (Erzähler im 2. Buch), taucht hier ab und zu noch auf, inzwischen mit Eivlin (ehemalige Dienerin von Morgas) verheiratet und Vater von drei Kindern.

 

Gawain ergeht es zunächst einmal besser als bisher: seine große Liebe 'Elidan' schreibt ihm einen Brief, dass sie im Sterben liege, aber sie verzeiht ihm endlich und erzählt ihm auch von seinem Sohn Gwyn. Der tauchte eines Tages, schon vor dem Tod seiner Mutter in Camlann auf und ist mittlerweile Gwenhwyfars Diener und Schreiber. Natürlich ist die Freude umso größer, als er erfährt, dass sein großes Vorbild Gawain auch sein Vater ist. Dem ergeht es nicht anders; er hat nun einen Sohn und der wird natürlich nun endgültig zum Krieger ausgebildet. 

 

Allerdings gibt es auch Schattenseiten auf Camlann, nämlich Gawains Halbbruder Medraut  (Mordred), der natürlich alles daran setzt, das Glück und den Frieden nicht nur von Camlann und Artus' Familie, sondern auch Britannien zu zerstören. Gwenhwyfar erkennt, welch große Gefahr von Medraut ausgeht, der mit seinem falschen Charme, Artus' Tafelrunde schnell in zwei Teile spaltet.

 

Der Bösartigkeit von Artus Sohn aus einer Beziehung mit dessen Schwester Morgas, hat niemand etwas entgegenzusetzen, bis Gwenhwyfar den wahnsinnigen Entschluß faßt, ihn zu vergiften. Hier wird dann auch die Giftaffäre aus Malorys Roman raffiniert aufgearbeitet. Etwas anders zwar, aber sie ist immerhin vorhanden und logischer.

 

Natürlich gelingt der Anschlag nicht, und die Königin entgeht nur knapp einer Katastrophe, Dank Artus' der alles in letzter Sekunde abwenden kann, ihr den Anschlag auf seinen Sohn aber auch nicht so schnell verzeiht.

 

Medraut wird ersteinmal auf die Orkney - Inseln zurückgeschickt. Dort regiert sein und Gawains Bruder Agravain mittlerweile als König, überlebt Medrauts Ankunft aber nicht lange. Medraut wird nun König über die Inseln, wenn auch kein besonders beliebter.

 

Gwenhwyfar bleibt auch diesmal, allerdings nach einer Frühgeburt (ein Sohn) kinderlos. Zwischen ihr und dem bisher so kühlen und düsteren Bedwyr, der in einer Schlacht eine Hand verlor (es hat etwas Tragikomisches, wie Gwenhwyfar ihm nach ihren Liebesnächten mit ihm ständig beim Ankleiden helfen muß), entwickelt sich Zuneigung und schließlich Liebe. Immer wieder versucht sich das heimliche Paar zu trennen, kann aber schließlich doch nicht mehr voneinander lassen. Zur Katastrophe kommt es, als Medraut wieder auftaucht. Er stattet Camlann einen Besuch ab, doch während dieses Besuches, wird sein eigenes Königreich erobert und er als König abgesetzt, so dass sich Artus abermals gezwungen sieht, seinen ungeliebten Sohn in Camlann aufzunehmen.

 

Medraut macht mit seinen bösartigen Intrigen weiter, wo er beim letzten Mal aufhörte, und diesmal entlarvt er die Liebe zwischen der Königin und Artus' Feldherrn Bedwyr. Doch Artus läßt Gnade walten, statt wie Medraut hoffte, die beiden hinzurichten, schickt er sie nur getrennt voneinander in die Verbannung: Bedwyr zurück nach Kleinbritannien (Bretagne) wo er herkommt, und Gwenhwyfar soll zu ihrer eigenen Familie zurückkehren. Inzwischen aber ist ihr Vater Ogyrfan gestorben und ihr schrecklicher Vetter Menw, der sie haßt, regiert ihr Vaterland. Gwenhwyfar ist bereit die ihrer Meinung nach gerechte Strafe zu ertragen, doch nicht so Bedwyr.

 

Unterwegs überfällt er mit einigen seiner Krieger, die mit ihm reisen durften, den Troß der Königin, befreit sie und tötet aber ausversehen Gwyn, Gawains Sohn...

 

Nun gibt es kein Zurück mehr. Das unglückliche Liebespaar flüchtet tatsächlich nach Kleinbritannien, denn dort hat Bedwyr Familie und eine eigene Burg, doch soweit kommen sie gar nicht. König Macsen von Kleinbritannien fängt sie ab, da dieser Artus haßt und Bedwyr schon immer als Feldherrn abwerben wollte. Bedwyr bekommt nun also eine neue Chance, die er, wenn auch nicht gerade begeistert, annimmt.

 

Gwenhwyfar ist davon noch weniger begeistert, vergeblich versucht sie Bedwyr zu überreden, nach Britannien zurückzukehren und sich ihrer Strafe zu stellen. Bedwyr ist sogar bereit gegen seine ehemaligen Freunde zu kämpfen, sollten sie versuchen ihn und Gwenhwyfar mit Gewalt nach Britannien zurückzuholen. Gwenwhyfar ist zerissen, einerseits liebt sie Bedwyr, andererseits, aber fühlt sie sich noch immer als 'Kaiserin' von Britannien und kann sich ein Leben auf der Flucht nicht vorstellen.

 

Artus hätte das Paar vielleicht noch in Ruhe gelassen, doch Gawain, dessen Sohn Gwyn Bedwyr tötete, wenn auch nicht mit Absicht, sondern im Kampfgetümmel, will Rache und überredet Artus nach Kleinbritannien zu ziehen, um den 'Täter' herauszufordern. So zieht Artus tatsächlich mit seinem halben Heer los, setzt nach Kleinbritannien über und belagert schließlich König Macsens Burg, unter dessen Schutz sich Bedwyr und Gwenhwyfar befinden. (Das tut er auch in Malorys' Version, doch hier wirkt alles allerdings weitaus realistischer, außerdem gibt es ja ein historisches Dokument, in dem beschrieben wird, wie ein britannischer Riothamus 'Hochkönig' mit seinem Heer übers Meer setzt... (wenn auch aus anderen Gründen)).

 

Hier muß sich allerdings nicht erst der Papst einmischen, um dem Gemetzel ein Ende zu bereiten, sondern die Königin selbst flüchtet aus Macsens Burg und stellt sich ihrem Gatten, König Artus freiwillig. Ihr Zusammensein mit Bedwyr kann sie nicht mehr genießen, angesichts der Schlacht, in der sich nur durch ihre Schuld, ehemalige Freunde gegenseitig niedermetzeln. 

 

Artus aber nimmt sie freudig wieder auf und ist bereit ihr zu verzeihen, Bedwyr aber will er töten.

 

Gwenhwyfar reist zurück nach Britannien, doch dort hat bereits Medraut die Macht übernommen. Artus ist gezwungen ebenfalls zurückzukehren. Es kommt zur letzten, alles entscheidenden Schlacht und am Ende bleibt wieder nichts als Finsternis...

 

Gwenhwyfar tritt in ein Kloster ein und wird dort Äbtissin, doch trauert sie den Rest ihres Lebens um alles was war und um den Zerfall Britanniens, an dem sie sich die Schuld gibt. Alles ist schlimmer denn je. Artus konnte nur für kurze Zeit (etwa eine Generation) für Frieden sorgen, nun beginnen die Überfälle feindlicher und machthungriger Könige und Stammesfürsten von vorn, und auch die Sachsen breiten sich immer weiter aus. Für das alte Volk Britanniens ist dies der endgültige Untergang, viele flüchten nach Kleinbritannien um den neuen Eroberern ihr Land zu überlassen. Bedwyr, der Artus' einstige Belagerung überlebt hat, kehrt nach Britannien zurück um Gwenhwyfar erneut zu überreden mit ihm zu kommen, doch diese will davon nichts mehr wissen. Obwohl sie ihn gleichfalls noch immer liebt, straft sie sich selbst mit Verzicht, da sie sich an all dem Unglück und Artus' Untergang schuldig fühlt. Bedwyr kehrt zunächst nach Kleinbritannien zurück, kann aber nicht ohne Gwenhwyfar leben und beschließt gleichfalls in ein Kloster einzutreten.

 

 

Artus Leiche wurde nie gefunden, er verschwand in der Schlacht spurlos. Kein Boot, dass ihn abholt, kein Grab, an dem Gwynhwyfar trauern kann und auch kein Schwert Excalibur, was verwunderlich ist, da hier doch auch Gawains Schwert 'Caledfwlch' eine große Rolle spielt. Wenigstens bekommt Gwynhwyfar ihre 'Rache' indem sie Medraut sterben sieht, doch kann sie keinen Hass mehr empfinden. 

 

Meine Meinung:

 

Ein wirklich bewegender, tiefgehender und hochspannender Abschluß einer noch bewegenderen Geschichte. Gekonnt hat Gillian Bradshaw hier Teilstücke aus der Originalgeschichte von Sir Thomas Malory und der Artuslegende eingebaut und praktisch so nah herangeholt, dass man auch hier meint mittendrin zu sein. Magie findet in diesem Teil keinen Platz mehr und das ist auch gut so. Auch die Liebesgeschichte um Gwenhwyfar und Bedwyr ist hier so feinfühlig und mitreißend beschrieben, dass man es den beiden sofort verzeiht. 

 

Und dass ein Einzelner (Medraut) nur durch seinen Hass auf alles und jeden ein ganzes Reich zerstören kann, wird hier mehr als glaubhaft dargestellt und ist fast beängstigend. Gwenhwyfar lernt man endlich von einer Seite kennen, die man vorher vielleicht mißverstand und allzu weit muß man sich von der Legende auch gar nicht entfernen, um die Geschichte um Artus und seine 'Ritter' so realistisch darzustellen, wie Gillian Bradshaw hier einmal mehr beweist. 

 

Für mich eine der besten Artus-Chroniken die es gibt.