Der Winterkönig

BERNARD CORNWELL

 

1. Buch der Trilogie 'Die Artus - Chroniken'

  

 Roman, 676 Seiten, in englischer Sprache erschienen 1992 unter dem Titel 'The Winter King', deutsche Übersetzung von Gisela Stege 1996, Neuauflage 2008 Rowohlt Verlag

 

Die Geschichte um den berühmten König der vielleicht keiner war, einmal ganz anders...so wie es hätte sein können...

 


 

Zum Buchinhalt:

Britannien ca. 480 nach Chr.:

Das sogenannte 'Dunkle Zeitalter' ist angebrochen; die Römer haben sich zurückgezogen und wie auch im restlichen Europa, herrscht Chaos auf der britischen Insel. Großkönig Uther Pendragon ist dem Tode nah und sein Nachfolger, sein Sohn Mordred in einer Schlacht gefallen. Übrig bleibt sein Enkel, der auch Mordred heißt, aber noch ein Säugling ist...

Uther hat zwar vier weitere Kinder - Morgan, Morgause, Anna  und Arthur. Doch all diese sind nicht ehelich, deshalb illegetim und kommen für die Thronfolge zunächst nicht in Frage. Die Bündnisse zwischen den unzähligen britannischen Kleinkönigreichen sind zerbrechlich, am liebsten wäre jeder Kleinkönig Uthers Nachfolger, und obendrein dringen immer mehr Sachsen vom Festland her auf die Insel und erobern mit brutalen Feldzügen gefährlich viel Land. 

Aber nicht nur das, auch die Christen werden immer mächtiger und verdrängen zunehmend die alten keltischen Götter der Ureinwohner. Immer mehr Britannier (so nannten sie sich zu der Zeit - nicht 'Briten') flüchten auf's Festland nach Armorica, der heutigen Bretagne.

Dort ist zu jener Zeit Uthers' Sohn Arthur Kriegsherr und beschützt das Land. Da er sehr erfolgreich ist, beschließt die Mehrzahl der Kleinkönige, Arthur als Protektor für Mordred einzusetzen, bis dieser erwachsen ist und selbst sein Amt antreten kann. Uther ist mit dieser Wahl zwar nicht wirklich einverstanden, denn er gibt Arthur die Schuld am Tod seines Sohnes Mordred, doch ihm bleibt letztendlich nichts anderes übrig. Erst nach seinem Tod, taucht Arthur auch wirklich in Britannien auf und übernimmt, zunächst selbst nicht gerade begeistert über seine Wahl, sein Amt. 

Um die Königreiche zu vereinen, damit sie erfolgreich die Sachsen (Sais) bekämpfen können, gedenkt Arthur Prinzessin Ceinwyn,  die Tochter des mächtigen Königs Gorfyddyd von Powys zu heiraten. Zwar ist sie eine Prinzessin wie aus 'dem Bilderbuch', doch schon während der Verlobungsfeier verliebt sich Arthur Hals über Kopf in 'Guinevere' von Henis Wyren, König Leodegans'  Tochter, die er schließlich heimlich heiratet. Doch während Ceinwyn Arthur schnell verzeihen kann, tobt ihr Vater vor Zorn. Einst schlug ihm Arthur in einer Schlacht einen Arm ab und nun verschmäht dieser dessen Tochter, wo diese Hochzeit doch das Bündnis zwischen den Königreichen Britanniens sichern sollte...

Niemand kann Arthurs Verhalten verstehen und halb Britannien wendet sich nun gegen ihn, so dass Arthur gezwungen ist, sich vereinzelt mit Stämmen der Sachsen zwar nicht zu verbünden, aber doch zu verständigen - dafür benötigt er Geld und Gold und dieses wiederum nimmt er der christlichen Kirche ab, womit er sich weitere Feinde schafft.

Lange Zeit sieht es so aus, als sei Arthur, kaum dass er sein Amt als 'Ersatzgroßkönig' übernommen hat, schon dem Untergang geweiht - bis zur großen Schlacht im Lugg Vale, wo all seine Feinde auf ihn warten. Das feindliche Heer ist in der Übermacht, doch im letzten Augenblick taucht der verloren geglaubte mächtige Druide Merlin auf, im Gefolge die gefürchteten, sogenannten 'Irischen Schwarzschildkrieger' die er überreden konnte, sich auf Arthurs Seite zu schlagen.

Doch Merlin verfolgt seine eigenen Ziele, er will die 13 Kleinodien Britanniens, darunter auch den Kessel von Clyddno Eiddyn, suchen und finden, weil er glaubt, dass, wenn alle durch die Römer verstreuten Kleinodien wieder beisammen sind, die Götter besänftigt werden können, und nach Britannien zurückkehren. 

 

 



Meine Meinung:

Die Geschichte um 'King Arthur' einmal anders erzählt und zwar so, wie sie wirklich hätte sein können, woraus sich dann die Legende entwickelt haben könnte...das es nicht so ist, sondern ein Roman, erläutert der Autor am Ende selbst.

Erzählt wird die ganze Geschichte von 'Derfel' (sprich 'Derwel') ein sächsischer Sklave und später Krieger in Diensten der Britannier, der als Kind die 'Todesgrube' überlebte und von Merlin in dessen Halle auf dem Berg 'Tor' aufgezogen wurde. Als Derfel etwa 15 Jahre alt war, überfiel 'Gundleus' ein britannischer Kleinkönig den Tor, tötete 'Norwenna' die Mutter Mordreds (dem Enkel von Uther) vergewaltigte Merlins Geliebte und Priesterin Nimue und Schlimmeres. Da Merlin seit Jahren verschwunden war, gelang es Gundleus den Tor zu erobern und dessen Bewohner zu vertreiben oder zu töten. Derfel wird sofort nach Arthurs Auftauchen unter dessen Schutz gestellt und steigt als Arthurs Krieger zum Lord auf. Obwohl er dem Glauben der alten Götter anhängt, wird er im Alter zum christlichen Mönch und schreibt auf Wunsch von Königin Igraine, Arthurs Geschichte auf. Derfel soll wirklich existiert haben.

Das bringt natürlich mit sich, dass das gesamte Buch in der 'Ich-Form' geschrieben wurde, was nicht uninteressant ist, aber teilweise leider dann auch eher einseitig. Man erfährt nur das über Arthur, was Derfel mit diesem erlebt, solange er an dessen Seite ist. Was zwischen Arthur und Guinevere z.B. passiert, bleibt völlig im Dunkeln. Und Derfel wird natürlich zwischenzeitlich an andere Orte berufen, um die Priesterin Nimue von der Toteninsel zu befreien oder eine Schlacht gegen die Franken in Armorica zu schlagen etc. Dann berichtet er natürlich nur von seinen Erlebnissen, Arthur bleibt außen vor...was in einer echten Biografie verständlich wäre, aber dies ist ein Roman - Arthur einmal völlig anders, bzw. befreit vom ganzen Zauber der Legende, ähnlich wie im letzten Film 'King Arthur' wird hier nur der Krieger gezeigt, aber es wäre natürlich interessant auch andere Sichtweisen zu sehen, vielleicht sogar die von Arthur selbst. Aber er hat ja scheinbar nichts über sein Leben niedergeschrieben (wenn es ihn denn gab) und daran hält sich der Autor auch. Raffiniert hat er sehr viele Personen, Dinge und Details aus Legende und auch Historie hier zusammengefügt und eine Geschichte geschaffen über einen Arthur, wie er hätte sein können...

Dafür hat er die Personen allesamt etwas umgestaltet und neu zugeordnet. Morgaine, wird hier zu 'Morgan', immer noch Arthurs Schwester, auch noch mächtige Priesterin unter Merlin, aber durch einen Unfall verunstaltet, ist sie gezwungen eine Maske zu tragen. Morgause ist hier auch die Schwester der beiden und nicht die Tante, und Nimue Merlins Geliebte. Sie ist es, die hier eigentlich als Priesterin ständig präsent ist und nicht wie gewohnt, Morgan. 

Merlin ist zwar immer noch der mächtige, gefürchtete Druide, doch längst nicht so liebenswürdig, wie man ihn kennt, sondern eher boshaft und manchmal auch gleichgültig und hart, was das Schicksal seiner Zeitgenossen angeht, nur seine eigenen Ziele vor Augen, die vor allem beinhalten, dass er die 13 Kleinodien Britanniens wiederfindet. Vor allem um einen Kessel geht es ihm und da liegt der Verdacht nahe, dass hier 'Der heilige Gral' gemeint sein könnte...;-) Diese 13 Kleinodien sollen, wie er fest glaubt, die alten Götter zurückholen und die Christen vertreiben.

Guinevere ist einmal nicht die blonde, naive und allzu fromme Prinzessin, sondern eher eine Amazone, die genau weiß was sie will, aber sie ist nicht nur selbstbewußt, sondern genauso selbstsüchtig und hochmütig. Auch ist sie hier alles andere als christlich, sie glaubt an die Göttin Isis und ihr Zorn gilt vor allem dem ansässigen Bischof Sansum, der die alten römischen Tempel zerstören läßt, um an deren Stelle noch recht erbärmliche christliche Kirchen, oder Kapellen zu bauen. Sie wird nicht als 'schön' beschrieben, und doch 'geht jedesmal die Sonne auf', wenn sie erscheint; groß, schlank, mit flammend roter Haarmähne und ihren ständigen Begleitern an der Seite: Ihre beiden Lieblingsjagdhunde.

Da wurde Arthur wohl die Frau zugeschrieben, wie sie vielleicht aus Sicht des Autors besser zu ihm passt, und natürlich ist sie genau das Gegenteil von allem, worüber die Legende erzählt.

Lancelot trifft es noch am härtesten, der große Held, jahrhundertelang besungen als 'Erster Ritter', ist hier zwar auch ein unvergleichlicher Schönling, aber dazu noch eitel und feige. Wenn andere kämpfen, zieht er sich ins Abseits zurück, bringt es aber stets fertig, dass man ihn am Ende lobt und preist und als Helden besingt, während andere, die den Kopf für ihn hinhalten, leer ausgehen. 

Selbst Arthur bemerkt nicht, dass sich sein- und Guineveres' Liebling, mit fremden Federn schmückt. Zumindest in diesem Buch noch nicht...

Arthurs' erster Auftritt in diesem Buch (erst auf Seite 158) ist natürlich zunächst strahlend. Seine Krieger kommen auf schweren Schlachtrössern daher, er selbst trägt eine glänzende Schuppenrüstung, sowie gerne einen weißen Mantel, was ich für dieses Buch, das ansonsten jenes archaische Zeitalter in seinen dunkelsten Farben beschreibt, ein wenig unpassend finde.

Zitat aus 'Der Winterkönig':

'Mir war, als sei an diesem sterbenden Tag eine neue, strahlende Sonne aufgegangen...und ich sah, dass es sich nur um die Reflexion der echten Sonne handelte, zurückgeworfen von einem Schild, der so blank poliert wie ein kostbarer Spiegel war. Und dieser Schild wurde von einem Mann getragen, wie ich noch nie zuvor einen gesehen hatte: von einem prächtigen Mann, von einem Mann, der hoch auf seinem riesigen Ross saß und von anderen, ähnlichen Männern begleitet wurde; von einer Horde wundervoller Männer, federgeschmückter Männer, gewappneter Männer, Männer die den Träumen der Götter entsprungen sein mußten....und über den Federbüschen auf den Köpfen dieser Männer wehte ein Banner, ...das Banner des Bären'.
 

Wie man sieht kann sich der Autor doch nicht so ganz vom angeblich strahlenden Glanz des berühmten Arthur verabschieden, obwohl er am Ende im Nachwort selbst schreibt, dass er hier einmal nicht die sonst üblichen Klischees um King Arthur aufzählen wollte...auch 'der Bär' - hier im Banner, wird in Nachforschungen oft als Arthurs Namensherkunft vermutet 'Art' und 'Ursus' die lateinische und keltische Übersetzung für 'Bär'.

Der berühmte Schuppenpanzer und auch das Drachenbanner, das neben dem Bären hier anwesend ist, wurde sehr wahrscheinlich von den sarmatischen Kriegern im zweiten Jahrhundert n.Chr. in Britannien eingeführt, was der Autor auch erwähnt, aber leider mit keinem Wort den Anführer jener berühmten Reiterhorden, nämlich den römischen Offizier 'Lucius Artorius Castus' (ca.141 - 200 n.Chr,) auf den ebenfalls die Legende um King Arthur entstanden sein könnte und von dem man mittlerweile weiß, dass er wirklich existiert hat.

Weiterhin:

'...und die Erde erbebte vom Hufschlag der Pferde dieser göttergleichen Männer, die zu unserer Rettung herandonnerten. 

Denn nun war - endlich - Arthur gekommen.'

Ein bisschen Glanz muß vielleicht sein, aber mit dem was noch folgte, ließ sich dieser Glanz und Arthur selbst dann nur noch schlecht unter 'einen Hut' bringen.

Zunächst begann es fast traumhaft, denn nachdem dieser 'gottgleiche' Krieger oder Ritter seine blendende Rüstung abgelegt hatte, kam ein Arthur zum Vorschein wie man ihn sich eigentlich auch vorstellt, (zumindest ich).

Nicht blond, nein - dunkles kurzes Haar und kein Bart (zu jener Zeit trugen die meisten Männer, außer Römer, wilde Bärte). Groß sei er gewesen und schlank und braune Augen. Ok., vielleicht hätte ich lieber 'grüne' Augen :-), aber braun ist auch ok. ;-)

Und dieser Arthur hat, wie auch schon sein Doppelgänger in der Legende, einen äußerst sanftmütigen und verständnisvollen Charakter, einen scharfen Verstand, und mausert sich im Kampf natürlich zur gnadenlosen Bestie. So gibt es auch gleich einen wirklich gut und spannend beschriebenen Zweikampf mit dem Schwert - Arthur gegen seinen ehemaligen Freund Owein, der unerlaubt einen Nachbarstamm überfiel, und der nun von Arthur gnadenlos niedergemetzelt wird. Ganz ohne Rüstung, sogar barfuß und im strömenden Regen, bei einem berühmten Steinkreis (vermutlich Stonehenge) in Britannien, geht Arthur auf seinen Gegner los. Sein weißes Mäntelchen versteckt er vorher unter einem Stein, damit es nicht beschmutzt wird - was ich wiederum seltsam finde - welcher Krieger schleppt einen weißen Mantel mit sich herum, der eigentlich nur für gewisse Festlichkeiten zu taugen scheint?

Aber nach dieser im Ganzen prachtvollen Einführung von Arthur, geht es nun stetig bergab. Die Hauptperson verschwindet ersteinmal wieder, während der Erzähler Derfel so allerhand Abenteuer weitab von Arthur erlebt, die einen Arthurfan eigentlich jetzt nicht unbedingt interessieren (was macht Arthur denn gerade?).

Was Arthur machte, erfuhr man dann aber doch noch, wenn auch fragmentarisch - er führte langweilige Zusammenkünfte mit den Stämmen, gab Audienzen für allerhand Bittsteller, schlägt hier und da die Sachsen und schließlich brennt er noch mit Guinevere durch und läßt die schöne, bezaubernde Ceinwyn einfach sitzen (am Tag ihrer Verlobung mit Arthur) und setzt das ganze schwierige Bündnis Britanniens aufs Spiel!

Also doch nicht der strahlende Held auf Anhieb, auch er muß hier Federn lassen - und verliert in seiner Verliebtheit völlig den Kopf, was für einen Kriegsherrn, der solch wichtige Aufgaben übertragen bekommen hat, eigentlich völlig inakzeptabel ist...(leider fehlt dem Schreiber 'Derfel' da die Leidenschaft, um diese Tat so rüberzubringen, dass man Verständnis dafür hat... aber schon allein die Heimlichkeit mit der die 'Flucht von der Verlobungsfeier, sowie die heimliche Hochzeit mit Guinevere ' zelebriert wird, läßt einen den Kopf schütteln, sowas würde ein Arthur doch nicht wirklich tun...?!) Die selbstsüchtige Guinevere derweil stört es natürlich auch nicht und sie scheint ihn wie eine Marionette an den Fäden zu haben und wenn sie einen zieht, springt Arthur so wie sie es gerne hätte. So kommt es auch, dass der erfahrene Krieger noch nicht einmal bemerkt, dass Lancelot (hier König ohne Reich, denn das haben ihm die Franken in Armorica weggenommen) ein überkandidelter, arroganter Feigling ist, der sich stets mit fremden Federn schmückt. Derfel bemerkt das, doch stößt er nur auf taube Ohren und erntet dafür Guineveres' Hass, die Lancelot (wie kann es anders sein?) mag....

Derfel hat sich derweil in die schöne Ceinwyn, Arthurs Exbraut verliebt, die Arthur schon dem brutalen König Gundleus versprochen hatte, der aber nach der Schlacht von Lugg Vale von einer rachedürstigen Nimue (verständlich) getötet wurde, und Ceinwyn wieder frei, soll nun zum Entsetzen von Derfel Lancelots Gemahlin werden .

Arthur, der selbst keine Rücksicht auf irgendwelche Bündnisse nahm weil ihm die Liebe den Kopf verdrehte, der aus Großmut den brutalen Gundleus am Leben und sogar weiter als König agieren ließ, versprach gerade diesem, die Frau, die er selbst einst so schäbig im Stich ließ. Hier zeigt Arthur, wie auch an einigen anderen Stellen im Buch, doch seinen (wahren?) Charakter, der doch allen Beschreibungen zum Trotz, nicht so recht zu ihm zu passen scheint. So großmütig er sich oft gibt, so unbarmherzig übersieht er die Gefühle und Wünsche seiner Mitmenschen. 

Obwohl es hier keine Magie gibt, so ist doch interessant beschrieben, wie sehr die Magie der Götter und Dämonen für die damaligen Menschen allgegenwärtig war. Jedes Heer hatte seine Druiden, die vor einem Kampf herumhüpften, sich gegenseitig Flüche zuschrien, und diese mit gewissen Handlungen wieder aufhoben, wie z.B. Erde in die Luft schleudern, in alle Himmelsrichtungen hin auszuspucken, oder die aus komplizierten Knochengebilden bzw. auch aus stinkenden Tierkadavern die Zukunft erkennen konnten u.s.w. und wenn die Zeichen schlecht standen, bzw. kein Druide verfügbar war, der irgendwelche Zauber wieder aufheben konnte, fiel die Schlacht einfach aus.

Es fehlen auch nicht brutale Opferungen, (auch Menschenopfer) an denen Arthur zwar nie teilnimmt, die er aber auch nicht verbietet, denn er akzeptiert jede Religion, sehr zum Verdruß von Guinevere, die hier aber nicht wie in der Legende grottenfromm ist, sondern im Gegenteil, die Christen hasst und am liebsten vertreiben würde.

Wie hart das Leben damals gewesen sein muß, hat Bernard Cornwell hier eindrucksvoll und auch bildgewaltig beschrieben, obwohl das gesamte Buch fast nur von Schlachten erzählt (von einem Mann für Männer geschrieben?), was schade ist, denn mehr über den normalen Alltag jener Menschen und Arthur, hätte man jetzt auch gern gelesen, auch wenn es nur ein Roman ist...trotzdem kann man sich hineinversetzen, ist mitten drin im Geschehen und mehr als froh, dass man nicht als Mann, bzw. als Krieger, in jener Zeit leben mußte...

Camelot gibt es natürlich auch nicht, hier heißt Arthurs Hauptsitz 'Caer Cadarn' und ist keine prachtvolle Burg, sondern eher eine Festung aus Holz und Lehm und Steingemisch, also eher spartanisch, aber zeitgemäß.

Am Ende stand Arthur, als Kriegsherr kurz vor einer großen Niederlage, wußte aber, dass er kämpfen mußte, oder aber kampflos wie ein Feigling wieder abziehen. Die meisten Völker Britanniens verachteten ihn mittlerweile und nannten ihn sogar 'Hurenbock' und Guinevere 'Hure'. Arthur aber ist nicht der Typ der kampflos aufgibt, entweder Sieg oder Tod. Und er hatte großes Glück, denn die Schlacht im Lugg Vale brachte ihm ja mit Merlins Hilfe, (siehe weiter oben) den Sieg. Nun ist er wieder alles, Britannien vereint und der Kampf gegen die Sachsen kann beginnen.

Wie schon beschrieben, ist dieses erste Buch der Trilogie recht kriegerisch, aber nicht übertrieben, sondern die Geschehnisse sind realistisch, in sehr gutem Schreibstil dargestellt. Warum hätte es nicht so sein können? Die Legende um Arthur regt immer wieder aufs Neue die Phantasie an und immer wieder entstehen neue Geschichten in denen aber stets die gleichen Personen auftauchen. 

Die Legende selbst kann nur bis zum 5. Jahrhundert zurückverfolgt werden, aufgrund uralter Gedichte, in denen der Name Artus, Arthur oder Artorius auftaucht. Alle später geschriebenen Geschichten jetzt einmal ausgenommen, denn auch die basieren ja auf Fragmenten aus dieser frühen Zeit. 

Es gibt keine glaubhaften, historischen Schriften über eine reale Person mit Namen 'Arthur'. Das meiste wurde mündlich überliefert. Aber da man weiß, dass in diesem dunklen Zeitalter die Sachsen Britannien eroberten und man Helden dringend benötigte, erinnerte man sich vielleicht an Persönlichkeiten aus der Vergangenheit, die man nun gebrauchen könnte, oder die man zum Vorbild nahm. Auch wird immer wieder deutlich, wie sehr die Britannier nun, nachdem die einst verhassten Römer abgezogen waren, diesen fast hinterhertrauerten und kaum in der Lage waren, deren Hinterlassenschaften, wie steinerne Bauten, Städte und Straßen, zu pflegen und zu erhalten. 

Immer wieder tauchen in den Legenden um Arthur Fragmente, Dinge oder Namen auf, die zur Zeit der sarmatischen Reiter, (im 2. Jahrhundert n. Chr. als Auxiliartruppen in Britannien stationiert) aktuell waren. So geht man mittlerweile (auch wenn es oft immer noch bestritten wird) davon aus, dass sie es waren, die viel zur Entstehung der Legende beitrugen. Sie und ihr Anführer Lucius Artorius Castus, der etwa 10 Jahre lang als römischer General in Britannien agierte und die etwa 5500 sarmatischen Krieger unter sein Kommando gestellt bekam. 

Diese sarmatischen Krieger waren samt Pferd, bis über beide Ohren schwer gepanzert, mit dem durch Arthur berühmt gewordenen sogenannten 'Schuppenpanzer' und sie waren praktisch unbesiegbar. Sie wurden eingesetzt zum Schutz der britannischen Einwohner gegen die wilden Horden der einheimischen Pikten und Skoten aus dem Norden Britanniens und müssen erfolgreich gewesen sein, denn sie wurden vom britannischen Volk ebenso bewundert, wie von den 'Barbaren' gefürchtet. Vielleicht erinnerte man sich ihrer und ihres Anführers nach dem Abzug der Römer, vielleicht gab es Nachahmer, die sich 'Arthur' nannten, was auch von 'Artorius' abgeleitet sein könnte...

 

Die Figur des Merlin gibt die meisten Rätsel auf, denn bis heute weiß man nicht wirklich, wann und ob er existiert hat. Möglich, dass er gar nicht zu 'Arthurs' Zeit lebte, wenn es ihn denn gab.

Noch ein tolles Extra hat Bernard Cornwell in alle drei Bücher eingebaut:

 

Am Anfang jeden Buches gibt es eine zu der damaligen Zeit aktuelle Landkarte von Britannien, sowie eine Aufzählung der alten römischen u. britischen Namen der einzelnen Länder bzw. Grafschaften und Städte und deren heutige Namen. Außerdem werden alle Personen die in dieser Trilogie mitwirken aufgezählt und Länder-/Städtenamen sowie Personen die historisch belegt sind, mit einem Sternchen gekennzeichnet.

 

 Band 2 - Der Schattenfürst