Das Königreich des Sommers

GILLIAN BRADSHAW

 

 

Originaltitel 'Kingdom of Summer' 

 

 

II. Buch der Trilogie

 um König Artus 


                  Ersterscheinung 1981, deutsche Erstausgabe 198   Roman (331 Seiten)


Übersetzt von Ilka Paradies

 

 

 

Zum Buch:

Es geht spannend weiter:

Diesmal ist 'Rhys', Gawains Diener der Erzähler (Ich-Form).

Rhys ist der Sohn von Sion, jenem Bauern, der Gawain einst (Buch 1) auf seinem Wagen mit nach Camlann an Artus' Hof, nahm. Acht Jahre sind nun vergangen, seit Gawain in die 'Familie' oder 'Runde' um König Artus aufgenommen wurde. 

Gawain hat mittlerweile reichlich Ruhm und Ansehen im ganzen Land erworben, zählt zu Artus' Lieblingskriegern und wird von diesem in Friedenszeiten als Botschafter in noch abtrünnige britannische Königreiche entsandt. Doch diesmal ist er in einer eigenen Mission unterwegs. Das erzählt er Rhys und dessen Familie, während er auf deren Hof als Gast verweilt. Da Gawain bei einem Überfall verletzt wurde, wird sein Aufenthalt bei Rhys ap Sions Sippe etwas länger als geplant. 

Gawain befindet sich nämlich auf der Suche nach 'Elidan', seiner einstigen großen Liebe, deren Bruder König 'Bran ap Caw', er in einer Schlacht tötete. Das konnte Elidan ihm nie verzeihen, vor allem weil Gawain ihr schwor, den Bruder nicht zu töten, ganz gleich was auch geschieht. Das war leichter gesagt als getan: Denn nachdem Bran herausbekam, dass Gawain mit seiner Schwester ein Verhältnis hatte, warf er ihn kurzerhand aus seiner Festung und als Gawain später mit Artus zusammen dorthin zurückkehrte, stellte er fest, dass Bran nicht nur vor Hass auf ihn und Artus brodelte, sondern auch seine Schwester Elidan weggesperrt hatte. Außerdem drohte er, Gawain im Kampf zu töten. Es geschah, was geschehen mußte: Gawain vergaß im Zorn auf Bran seinen Eid und tötete diesen im Kampf um gleich darauf Prinzessin Elidan zu befreien. Doch die gute Dame war ihm keinesfalls dankbar dafür, anstatt ihm freudig um den Hals zu fallen und ihn zu heiraten, wie Gawain es ihr anbot, beschimpfte sie ihn und jagdte ihn davon - wie konnte er nur ihren geliebten Bruder töten...

Da versteht man sogar als Leser die Welt nicht mehr - ein Bruder sperrt seine Schwester ein, um sie von dem geliebten Mann fernzuhalten und die klammert sich an einen Eid...also da bekäme meine Bruderliebe aber dann auch Grenzen...=(

Elidan verschwand dann lieber und erst acht Jahre später fand Gawain nun die Zeit sie zu suchen. Er liebt sie immer noch und will sie um Verzeihung bitten.

Rhys bewundert den eleganten und schönen Krieger Gawain sehr und sehnt sich danach, mit ihm nach Camlann zu reisen. Er bietet sich ihm als Diener an, obwohl er einen eigenen Clan hat und Erbe des Bauernhofes seines Vaters werden kann. Doch all das kann seinen Träumen nicht mehr im Weg stehen.

Gawain nimmt das Angebot an und Rhys reist mit ihm, ohne zu ahnen, in welch dunkle Intrigen er noch von Gawains richtiger Familie verstrickt werden soll.

Die Suche nach Elidan bleibt zunächst erfolglos. Gawain und Rhys werden zusammen mit noch einem Krieger - 'Rhuawn', von Artus als Botschafter nach Degganwy zu König Maelgwyn Gwynedd gesandt. Dort aber wartet eine Überraschung auf Gawain - seine Familie die er einst auf den Orkney Inseln zurückließ - seine Mutter Morgas, die einen schlechten Ruf als Hexe hat, sein Vater König Lot und der kleine Bruder Medraut, halten sich dort gleichfalls schon als Gäste auf. 

Gawain ist entsetzt, mit seiner Familie wollte er nichts mehr zu tun haben. Seine Mutter Morgas haßt ihn ebenso wie sein Bruder Medraut, da Gawain einst gewisse grausame Rituale von Morgas nicht akzeptierte und flüchtete. König Lot, Gawains Vater ist alt und schwach geworden, Morgas ist um kein Jahr gealtert und noch genauso schön wie böse, ebenso wie Medraut, der ja heimlich Artus' Sohn ist -  schön wie ein Gott, versteht er es sogar Gawains beste Freunde mit seinem tödlichen Charme zu blenden.

Vergiftet durch Morgas' Hass, spinnt er gefährliche Intrigen an Maelgwyns Hof und natürlich hat er nichts anderes im Sinn, als Gawain zu vernichten.

Rhys, der sich daran nicht beteiligen möchte, gerät in eine gefährliche Falle, wird aber von Morgas' Dienerin Eivlin, befreit. Die beiden landen auf der Flucht in einem Kloster, wo Rhys Gawains große Liebe Elidan findet. Die ist immer noch nicht bereit Gawain zu verzeihen, aber sie erlaubt es, dass Rhys Gawain ihren Aufenthaltsort verrät. Außerdem hat sie einen kleinen Sohn 'Gwyn' der nicht ahnt, dass der große Krieger Gawain sein Vater ist...Elidan verbietet Rhys es diesem zu erzählen.

Leider kommt Medraut wieder dazwischen, spürt Rhys im Kloster auf und entführt ihn erneut. In einer Schäferhütte wartet aber nicht nur Morgas auf Rhys, sondern mittlerweile ist auch der inzwischen informierte Gawain eingetroffen. Jetzt wird es wieder magisch: Während aus Morgas die dunklen Nebel der Finsternis wallen, läßt Gawain sein Schwert des Lichts erstrahlen. (Meiner Meinung nach hier ein bisschen zuviel Magie, denn das wirkt in der ansonsten überzeugenden Geschichte doch ein bisschen kitschig).

Gawain besiegt Morgas, die aufeinmal stark altert (so wie verzauberte Wesen im allgemeinen, wenn der Zauber abfällt...) und alle wissen, Morgas' Zauberkraft ist keine Gefahr mehr. 

Es wird zum Kloster zurückgeritten, denn natürlich erzählt Rhys seinem Herrn, dass er dessen große Liebe Elidan endlich wiedergefunden hat, außerdem soll Gawain mit seinen magischen Kräften Eivlin, die nach der wilden Flucht zum Kloster dort im Koma liegt und von Medraut nicht entdeckt wurde, versuchen zu heilen. Gawain gelingt das auch und endlich kann er auch Elidan wiedersehen. Die liebt ihn zwar immer noch, aber verzeihen kann sie ihm trotzdem nicht wirklich und mitkommen möchte sie auch nicht. Über soviel Starrsinn, schütteln selbst die Nonnen den Kopf. (Wie kann man solch einen stolzen und schönen Helden nur ziehen lassen...?) 

Und der Knabe Gwyn, bewundert den großen Gawain natürlich über alles - er soll Priester werden (!) doch der will natürlich nun Krieger werden...

Zurück in Degganwy ist mittlerweile auch das noch fehlende Familienmitglied Agravain, aus Camlann angereist.

Sein Vater Lot fällt vor Freude tot um und Agravain schiebt Morgas die Schuld zu - sie habe seinen Vater mit ihren dunklen Machenschaften getötet - woraufhin der temperantvolle Agravain, seine Mutter erschlägt.

Also eine Familientragödie ohnegleichen, in die Gawain und Rhys da geraten sind. Nichtsdestotrotz, wird Agravain nun König von den Orkney Inseln werden, denn seine Mutter haßte man dort sowieso, so dass man ihm den Mord schnell verzeiht. Er selbst leidet am meisten darunter. Medraut aber, ersucht nun Aufnahme in Camlann, am Hofe Artus' sehr zum Schrecken von Gawain und Rhys, die ja seinen Charakter nun kennen. Sie können es nicht verhindern, denn sie wissen, dass Artus seinen Sohn nicht ablehnen wird, oder kann und sie wissen auch, dass Medraut das Verderben nach Camlann bringen wird...

Eivlin und Rhys heiraten, und obwohl sie ein ruhiges Leben bei Rhys' Clan haben könnten, kehren sie zurück nach Camlann, Rhys kann und will seinen über alles geliebten und geschätzten Herrn Gawain nicht im Stich lassen.

 

 

 

Meine Meinung:

Geschickt hat die Autorin hier aus der vielschichtigen Geschichte um König Artus nur einen kleinen Kreis (den um Gawain) herausgepickt und beleuchtet, bzw. herangezoomt. Diesmal von einem anderen Erzähler, der Gawain beschreiben kann (er selbst beschreibt sich ja nicht so, wie es ein Außenstehender tun würde). 

Artus selbst erscheint in diesem Buch dann auch eher selten auf der Bildfläche, was der Spannung aber keinen Abbruch tut, denn die ganze Geschichte, bzw. Legende um ihn herum kennt man ja auch mittlerweile, und selbst wenn es nicht so wäre, so beschreibt zumindest das 1. Buch 'Der Falke des Lichts' worum es Artus eigentlich geht und erklärt ebenso plausibel, warum er beliebt und gleichzeitig auch verhaßt war.

Hier geht es dann in erster Linie auch um Medrauts (Mordreds) raffiniertes Intrigenspiel, der mit Charme und Anmut allen wie ein Engel erscheint, in Wahrheit aber ein Teufel ist, der das Werk seiner Mutter, nämlich Hass und Zwietracht zu säen, geschickt fortsetzt. 

Sich solch ein verwirrendes und dabei noch hochspannendes Intrigenspiel auszudenken, ohne dass die Handlungsfäden reißen oder Durcheinander herrscht, ist schon wirklich eine sehr starke Leistung!!

Es gibt auch keinerlei Längen in dem Buch, es ist durchgehend sehr spannend, denn selbst in 'Ruhephasen' hat man immer das Gefühl, dass bald etwas passiert.

Auch die typischen Klischees, 'Stolzer Ritter bekommt am Ende seine Liebe' werden hier nicht bedient, der arme Gawain muß weiter leiden, was ihn nur umso sympathischer macht. Verfolgt von Hass und Neid all jener die nicht zu seinen Freunden zählen, bleibt er dennoch ein liebenswürdiger, wenn auch verschlossener Mensch. (Dafür bekommt Rhys am Ende ja seine Eivlin, und das ist dann wie ein kleines Happy End ;-))

Magie gibt es zwar auch in diesem Buch, wenn auch nur eher kurz, aber dafür umso intensiver. Dass Gawain Eivlin mit seinem magischen Schwert heilt, ist noch akzeptabel, aber was sich zwischen ihm und seiner Mutter abspielt, erinnert dann doch stark an gewisse Fantasy-Filme, in denen Licht und Finsternis aufeinander losgelassen werden. Ebenso wie das plötzliche Altern einer soeben noch schönen aber dunklen Königin...

Es stört nicht wirklich, weil es nur wenige Seiten sind, aber irgendwie will diese Magie nicht unbedingt zum Rest der allzu realistisch dargestellten Geschichte passen. 

Mehr Frauen tauchen hier diesmal auch auf (nicht dass man sie unbedingt im 1. Buch vermißt hätte, es fiel nur irgendwann auf ;-))

Artus wird diesmal auch genauer beschrieben und entspricht nicht wirklich meiner Vorstellung, wohl eher so, wie man ihn sich allgemein vorstellt, nämlich mit langem blonden Haar und großen grauen Augen. Nur Bedwyr (Lancelot) ist wie in jeder Fassung, der geheimnisvolle Dunkle...und natürlich Gawain.

Ich finde aber, dass es ansonsten ein sehr gelungenes 2. Buch der Trilogie um Artus ist, das 'süchtig' macht :-)!

 

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