Avalons Rückkehr

STEPHEN LAWHEAD

 Avalon - The Return of King Arthur

 

1999

Deutschsprachige Ausgabe 2003 by Verlagsgruppe Lübbe

Roman / 557 Seiten

 

 

Zum Buch:

 

Die uralte Legende um King Arthur besagt ja dass bis heute die Briten glauben, der legendäre König kehre irgendwann zurück.

 

Diesem Thema hat sich der Autor angenommen.

 

Die Geschichte ist zwar irgendwie in unserer Zeit angesiedelt, aber dennoch in gewisser Weise zeitlos. Der letzte König von Großbritannien (hier Edward IX.) ist tot und die Monarchie steht kurz vor der Abschaffung. Sämtliche Mitglieder der königlichen Familie haben schon Verträge unterschrieben, dass sie kein Anrecht mehr auf den Thron haben. In den Startlöchern sitzt schon ein sehr ehrgeiziger Premierminister (der hier Tom Waring genannt wird) und seine Riege, um als erster Präsident von Großbritannien in die Geschichte einzugehen.

 

Da kommt ihm allerdings ein Mann in die Quere, der wie aus dem Nichts auftaucht und der nicht nur behauptet, er wäre der zukünftige rechtmäßige König, sondern gleich der wieder- auferstandene  König Arthur, auf den das Volk schon ewig so sehnsüchtig wartet, um England aus seinen Nöten zu befreien.

 

Dieser Mann heißt James Arthur Stuart und war, außer Offizier in der Armee, bis dahin nur ein kleiner Verwalter eines herzöglichen Gutes in Schottland. Er selbst ahnte zunächst nichts von seiner Vorherbestimmung, sondern kämpfte nach dem Tod seiner Eltern, sowie dem des Herzogs um sein kleines Stückchen Land in Schottland, das ihm andere wegzunehmen gedachten.

 

Der Fall scheint hoffnungslos, bis ihn eines nachts ein seltsamer alter Mann aufsucht, der ihm schockierende Geheimnisse offenbart. Dieser Mann nennt sich 'Embries', besitzt scheinbar magische Kräfte und behauptet belegen zu können, dass James königliche Vorfahren hatte und nun endlich sein Recht auf den Thron geltend machen könnte. Aber nicht nur das, er offenbart James auch, dass dessen Vater gar nicht sein Vater war, sondern der Sohn des Herzogs, der seine Mutter aber damals nicht heiraten durfte und diese dann mit James' Ziehvater eine Scheinehe eingehen mußte.

 

Wie dem auch sei, alle zu befragenden Personen sind nun tot und es bleibt nichts, als geheime Papiere, die James nun einsehen darf und die ihm das ganze Ausmaß seiner Herkunft offenbaren.

 

Embries (natürlich der zurückgekehrte Merlin) sorgt gleichfalls dafür, dass James plötzlich Visionen hat, in denen er ein anderer ist, in einer anderen Zeit und die Visionen sind so lebhaft, dass James sie schließlich selbst glauben muß: ER IST DER ZURÜCK-GEKEHRTE KING ARTHUR! Doch wie soll man dieses dem englischen Volk rüberbringen, auch wenn jeder Zweite insgeheim auf so etwas hofft, so glaubt doch niemand wirklich daran...und dazu noch in unserer heutigen, modernen Gesellschaft mit TV und Internet.

 

Doch nach einigem Zögern nimmt James den Kampf auf, hält seltsame altmodische Reden (so wie sein Vorfahr vor 1500 Jahren) was zunächst auch wirklich für einige Belustigung in den Medien und im Volk führt, (wird er die Wiederaufnahme der Tafelrunde einführen oder den heiligen Gral weitersuchen..?) doch mit viel Mut und Geschick, kann er 'sein'Volk schließlich auf seine Seite ziehen.

 

Nebenbei hat er allerdings mächtige Feinde wie den Premier-minister und dessen Antiroyalisten, sowie die gleichfalls zurückge-kehrte Fee Morgian, die hier als Moira auftritt und Arthur vernich-ten will. 

 

Doch James hat nicht nur Feinde, sondern auch mächtige Freunde, die an die Monarchie und den Rest Gutes darin glauben, aber vor allem an James als Arthur. 

 

Zeitgleich gibt es Erdbeben auf den britischen Inseln und vor Cornwall erhebt sich eine uralte, versunkene Erdplatte aus den Tiefen des Meeres - das wiedererweckte und lange verschollene AVALON?..

 

 

Meine Meinung:

 

Ein schwieriges Thema, dass der Autor hier in Angriff genommen hat, es aber doch in eine spannende Geschichte umsetzen konnte. Realistisch ist das natürlich nicht wirklich, da muß man als Leser entweder King Arthur Fan sein oder in gewissem Maß Fantasy akzeptieren.

 

Natürlich könnte man heute niemanden, nicht einmal die Engländer selbst davon überzeugen, dass ein King Arthur zurückgekehrt sei, und das sogar leibhaftig. Dennoch sind die Visionen des Helden hier zumindest für Arthur Fans nicht ohne - da sieht er mit eigenen Augen, wie sich die Landschaft vor ihm zurückverwandelt, wie er in eine Zeit vor 1500 Jahren zurückversetzt wird, plötzlich im Kettenhemd und bei Fackelschein durch sein Heer schreitet und große Worte spricht, die in unsere Zeit so überhaupt nicht mehr passen, die er später aber dennoch geschickt in seine Reden an das heutige Volk einbaut. 

 

Raffiniert wurde die realistische Königsfamilie hier mal ausgeblendet und kurzerhand zu einem King Edward IX. reduziert, dessen Familienmitglieder nach seinem Tod irgendwie im Nichts verschwunden sind. Es gibt niemanden, der noch Anrecht auf den Thron begehrt, außer James, der eigentliche Normalo, der bis dahin um ein Stückchen Land kämpfen mußte und dem nun ganz Großbritannien untertan sein soll.

 

Es gibt Parallelen zu den legendären Gestalten um King Arthur, wie z.B. seine Frau Gwenhwyfar, die hier 'Jennifer' heißt und zunächst mit einem Anderen namens Charles (Lancelot?) herumflirtet, sich dann aber für James entscheidet, (er ist ja bald König...), oder jenen geheimnisvollen Embries (Merlin), sowie James' bester Freund Cal (Cai), der ja in Arthurs Kindheit der Ziehbruder war. Auch Morgaine (hier Morgian) taucht wieder auf, als die schöne aber gefährliche Moira, sowie Embries' 'Diener' Rhys, den ich nur aus Gil Bradshaws Trilogie als den Diener von Gawain kenne. Der Name 'Bedwyr' (bei Gillian Bradshaw Lancelot) wird genannt, und Gavin, (Gawain?). Dazu kommt noch die zunächst falsche Identität des wahren Königs, (er wuchs ja nicht bei seinen eigenen Eltern auf, hier war es nur der falsche Vater) und er muß nun das Volk davon überzeugen, dass er der wahre König ist. Ein Schwert muß er allerdings diesmal nicht aus einem Stein ziehen.

 

Wie genau seine Botschaft nun lautet und was er eigentlich vorhat für England zu tun, bleibt offen. Zunächst geht es nur darum, König zu werden und den ehrgeizigen Premierminister zu vernichten, wobei man durch detailgetraue Ausführungen des Autors kurze Einblicke in das kompliziert geführte englische Parlament bekommt. 

 

Auch wenn hier Magie eine nicht kleine Rolle spielt, so ist sie doch so raffienirt eingesetzt, dass sie nicht wirklich stört. Eher sind da realistisch gemeinte Ereignisse fast noch weniger umsetzbar, wie z.B. die an einem einizigen Tag geplante und ausgeführte Hochzeit des Königspaares. Außerdem fällt auf, dass der Autor eine Vorliebe für Schottland haben muß, denn sein Held und dessen Urahnen stammen in dieser Geschichte aus dieser Gegend und fast alles spielt sich auch dort ab. Dabei stammt Arthur in der Legende doch eher aus Cornwall, oder vielleicht Wales, während die Schotten (damals noch Barbarenstämme) doch eigentlich seine Feinde waren.

 

Natürlich ist auch das Auftauchen der Avaloninsel mehr als unrealistisch, aber wenn man das nun als Fantasyaspekt sieht, durchaus spannend erzählt: Da taucht der lange verschollene Arthur wieder auf und mit ihm seine Insel. Fischer wundern sich über unheimliche Blubberblasen im Meer und bei der Krönung bebt die Erde.

 

Mein Fazit: Vielleicht nicht für jeden geeignet, aber ich fand es durchaus spannend und gut lesbar. Stephen Lawhead hat ebenfalls die gleichfalls hier aufgeführte vierteilige Pendragon Saga verfaßt.