Arthurs letzter Schwur

BERNARD CORNWELL

Dritter und letzter Teil der Trilogie um die Artus - Chroniken

 

1997 unter dem Titel 'Excalibur' erschienen

Neuauflage 2009 / Roman / 680 Seiten

 

Zur Erinnerung - im zweiten Buch 'Der Schattenfürst' 'erwischte Arthur am Ende Guinevere im Kreise der Verräter, deren Anführer Lancelot war. Dieser konnte entkommen und Guinevere erwartet nun ersteinmal eine unangenehme Strafe...

Zum 3. Buch: (Kurze Inhaltsangabe)


Phase 1:

Arthur tötet Guinevere nicht, aber sie wird von ihrem Sohn Gwydre getrennt und bei Morgan in Arrest gegeben. Arthurs Schwester Morgan heiratete ja den heuchlerischen Bischof Sansum, wurde Christin und gründete eine Art frühes Kloster. Dort muß Arthurs Gattin nun eingesperrt ein karges Leben fristen.

Derfel derweil, wird von Arthur als Bote ins feindliche Sachsenland Lloegyr entsandt, obwohl bekannt ist, dass diese alle Boten töten. Doch da Derfel der Sohn des Sachsenkönigs Aelle ist, glaubt Arthur nicht, dass diesem speziellen Boten etwas geschieht, denn Aelle liebt seine Söhne ausnahmslos - auch Derfel, obwohl dieser auf der Seite der Britannier steht.

Und so ist es auch, Aelle versucht sogar Derfel ein verlockendes Angebot zu machen - die Sachsen greifen nicht mehr an, dafür aber soll Arthur als Oberbefehlshaber über Britanniens Heere zurücktreten und Derfel verspricht er ein eigenes kleines Reich, wenn dieser seinen Lord dazu überreden kann.

Natürlich weiß Derfel, dass Arthur darauf niemals eingehen wird und erwähnt diesen Vorschlag erst gar nicht vor diesem.

Im Lager der Sachsen begegnet Derfel auch alten Bekannten, wie Lancelot und Arthurs mißratenen Zwillingssöhnen 'Amhar und Loholt' aus einer früheren Affäre. Diese hassen ihren Vater und sind ins feindliche Lager übergelaufen.

Phase 2:

Merlin und Nimue bereiten auf dem Hügel 'Mai Dun' in der Nähe von 'Durnovaria' in Arthurs Herrschergebiet Dumnonia, die Rückkehr der Götter vor. Derfel, der ihnen einen Besuch abstattet, staunt nicht schlecht, als er die riesigen, spiralförmig angelegten Berge von Brennholz auf dem Berg vorfindet. Ein Nacht vor Samhain, in der nach altem Glauben die Seelen der Toten auf die Erde zurückkehren, soll ein riesiges Feuer angezündet werden und im Mittelpunkt der Spiralen werden die 13 Kleinodien samt dem Kessel von Clyddno Eiddyn, plaziert. Einzig und allein ein Kleinod fehlt noch - Excalibur, Arthurs Schwert. Das aber leiht er Merlin nur unter der Bedingung aus, dass er es später wiederbekommt - und Derfel bringt es dem Druiden nun. 

Kurz vor dem großen Ereignis, versammelt sich halb Britannien um Mai Dun herum, es herrscht Festtagsstimmung. Alle warten auf das große Feuer und die Rückkehr der Götter und vertreiben sich die Zeit mit reichlich angenehmen Beschäftigungen. Sogar Arthur, der nicht wirklich an irgendeinen Gott oder Götter glaubt, ist dabei und beobachtet das Treiben skeptisch. Vielleicht, weil er doch im tiefsten Innern ein wenig hofft, dass Merlin noch Wunder vollbringen kann...

Auch Derfel schwankt zwischen Glaube, Aberglaube, Hoffnung und Zweifel. Alle wissen, es gibt nur noch diese eine Chance die alten Götter nach Britannien zurückzuholen, wie das aber aussehen soll, das hat wie gesagt, selbst Arthur neugierig gemacht.

Doch kurz bevor es losgeht, verrät der gemäßigte Bischof 'Emrys' Arthur ein schockierendes Geheimnis der Heiden - dass es Menschenopfer geben wird und dass auch Merlin davor nicht zurückschreckt. Das schlimmste aber kommt noch: um die Götter zu beschwichtigen, müssen es ganz bestimmte 'Opfer' sein - die Söhne eines Herrschers.

Arthur vermißt auf der Stelle seinen Sohn Gwydre, und macht sich zusammen mit Derfel und einigen anderen Kriegern sofort auf die Suche. Nun beginnt ein wilder Ritt zum Feuerhügel, der bereits angefangen hat zu brennen und endlich dort angekommen, findet Arthur tatsächlich seinen Sohn. Er lebt noch, aber der junge Prinz von Broceliande - Gawain, wurde bereits grausam geopfert, Mordreds kleiner Sohn 'Mardoc' steht kurz davor und natürlich Gwydre, Arthurs Sohn.

Arthur ist außer sich vor Wut, ebenso Nimue, die Arthur die Schuld daran gibt, dass er die Zeremonie gestört und so wahrscheinlich die Götter verjagt hat - am Himmel zeigten sich tatsächlich schon seltsame Lichter...

Arthur ist das natürlich völlig gleichgültig, er rettet die beiden Kinder und am nächsten Tag auch sein Schwert, an das er in der Feuersbrunst nicht herankam. Nimue und Merlin verschwinden spurlos.

Nun hat Arthur nicht nur die Christen gegen sich, sondern auch die Heiden, denn er hat verhindert, dass die Götter nach Britannien zurückkehren. Jedermann sieht nun den Untergang voraus.

Phase 3:

Den Winter nutzt Arthur um seine Krieger um sich zu sammeln, denn die Sachsen planen einen Krieg gegen ihn - und wieder einmal stehen viele Kleinkönige in Britannien untereinander im Zwist. Die einen tun sich mit den Sachsen zusammen, andere wollen gar keinen Krieg und auch kein Heer zur Verfügung stellen, oder noch nicht einmal Arthurs Heer durch ihr Land marschieren lassen. Um die wertvolle Armee der irischen Schwarzschildkrieger auf seiner Seite zu haben, heiratet Arthur Argante, die Tochter des Anführers, Oengus mac Airem, gleichfalls Vater der einst so schmählich hingerichteten Iseult (Isolde). Allerdings erweist sich diese Ehe schon sehr bald als Farce. Argante ist viel zu jung für den anspruchsvollen Arthur und ihre seltsamen heidnischen Rituale während der Hochzeit sind ihm peinlich. Heimlich liebt er ja immer noch Guinevere, die im Kloster schmachtet...

Der bevorstehende Krieg sorgt ohnehin zunächst dafür, dass Arthur abgelenkt ist. Derfel erteilt er den Auftrag, Guinevere zu töten, damit sie nicht in die Hände der Sachsen gerät. Derfel aber tut eben dies nicht, sondern nimmt Guinevere unter seinen Schutz. Geheilt von ihrer früheren Arroganz und reumütig, ist Guinevere entschlossen, an Derfels Seite mitzukämpfen. Da Mordred Arthurs Pläne an die Sachsen verraten hat, läuft Derfel mit seinen Kriegern und einem langen Zug flüchtender Zivilisten bei 'Aquae Sulis', einer alten römischen Stadt, in die Falle. Er rettet sich und seine Leute auf den Hügel 'Mynydd Baddon' auch als 'Mons Badonicus' oder 'Mount Badon' bekannt. Dort wird er von zwei sächsischen Heeren belagert, auf einer Seite lauert 'Cerdic,' auf der anderen sein Vater 'Aelle'. Erst im letzten Moment trifft Arthur mit seinem Heer ein und nach einer langen ausgiebigen Schlacht (die 60 Buchseiten in Anspruch nimmt) können die Sachsen geschlagen werden. Aus Mitleid tötet Derfel später seinen eigenen Vater, damit dieser als vollwertiger Krieger in die 'Anderwelt' eintreten kann.

Dies war dann die sogenannte Schlacht am 'Mons Badonicus' die Britannien für mindestens eine Generation von der Sachsenplage befreite. Sie verschwanden zwar nicht, aber sie verloren sehr viel Land und blieben zunächst friedlich um ihre Wunden zu lecken.

'Großkönig' Mordred, der Arthur zwar verraten hatte, hatte schließlich dennoch tapfer an dessen Seite gekämpft (was blieb ihm auch anderes übrig) und als er am Ende merkte, dass Arthur nicht zu vernichten war, zog er nach Armorica (Bretagne) um dort ein eigenes Heer aufzubauen. Außerdem heiratete er Arthurs Exbraut Argante, die ihm aber trotz aller Anstrengungen nie einen Thronfolger gebären konnte (in der Legende war die Unglückliche Guinevere).

Guinevere und Arthur versöhnen sich und Arthur kann sich endlich seinen Traum vom einfachen Leben auf dem Lande erfüllen. Zwar wurden Britanniens Königreiche neu geordnet und verteilt, aber Arthur selbst erhob keine Ansprüche. Er wollte Frieden und sonst nichts. Die Regierungsgeschäfte überließ er den Kleinkönigen, nur wenn Krisen anstanden, war er der oberste Richter des Landes.

Derfels Tochter Morwenna heiratet Arthurs Sohn Gwydre und bald schon gibt es Enkel für Arthur und Derfel.

Lancelot wurde nach der Schlacht von Derfels Männern aufgespürt und vernichtet. (Soviel zum ersten Ritter).

Aber da er zu Lebzeiten bei seinen Barden Lobeshymnen auf seine Wenigkeit in Auftrag gegeben hatte, wurden diese trotzdem hier und da weitergetragen und so entstand halt die Legende vom 'Ersten Ritter'.

Phase 4:

Mindestens 20 Jahre vergehen, als das Gerücht, Mordred liege im Sterben, Britannien erreicht. Arthur, Derfel und andere befreundete Lords planen nach dessen Tod, Gwydre auf den Thron zu setzen, da feindlich gesinnte Kleinkönige selbst danach zu greifen trachten...

Doch das Entsetzen ist groß, als man feststellt, dass alles nur eine Lüge war. Mordred ist bereits auf dem Weg nach Britannien...und nicht nur das, er hat ein riesiges Heer um sich gesammelt.

Da Arthur nicht mehr in der Lage ist, ein großes Heer zusammenzubekommen, da einige Kleinkönige sich lieber selbst am nächsten sind, plant er zunächst eine Flucht, mit seinen verbliebenen Freunden übers Meer nach Armorica (Bretagne). Am Strand von Camlann werden seine Krieger von Mordreds Heer angegriffen, während sich Frauen und Kinder bereits auf einem Boot in Sicherheit befinden. Es kommt zur letzten großen Schlacht...

 

Meine Meinung.

Auch der dritte Band erzählt auf äußerst realistische und fesselnde Weise, wie Legenden entstehen könnten...

Am Ende erklärt Bernard Cornwell in einem Nachwort noch einmal deutlich, dass alles was historisch über Arthur belegt ist, nur auf fragmentarischen Aufzeichnungen der Mönche Bede, Nennius und Gildas beruht, wobei der Verdacht nahe liegt, dass mindestens zwei von ihnen, von den anderen abschrieben. Der Name 'Arthur' wird fast nur am Rande erwähnt, oder gar nicht.

Die Schlacht am 'Mons Badonicus' sei nicht sicher belegt, es werden auch andere Orte genannt, aber dies ist halt der Ort, der am meisten erwähnt wird und auch am berühmtesten wurde. Aber um die bestehende Legende nicht komplett zu 'verfälschen' hat der Autor vieles übernommen, anders benannt, anders angeordnet.

 

Das Ende ist dann im Gegensatz zu den gesamten Chroniken recht unspektakulär (vielleicht tat es dem Autor selbst leid um den Untergang seines Helden) - es ist beruhigend und beunruhigend zugleich, dass das Ende irgendwie offen bleibt (obwohl man es ja aus anderen Erzählungen natürlich kennt...). Aber ein bisschen mehr Tiefgang hätte man sich, nachdem man Arthur und seine Zeitgenossen so intensiv durch insgesamt fast 2000 Buchseiten begleitet hat, doch gewünscht.

Ansonsten sind Legende und Historie auch  hier wieder perfekt ineinander verwoben. Selbst Kleinigkeiten erkennt man wieder, wie z.B. das historische Ereignis, dass ein 'Riothamus' (Großkönig) mit einem Heer über die See kam (von dem man auch denkt, es könnte 'Arthur' gemeint sein...). In diesen Chroniken ist das Mordred, der ja hier der Großkönig ist. Allerdings wird sein Heer in den gefundenen römischen Aufzeichnungen mit 12.000 Mann benannt, in Bernard Cornwells Erzählungen, betragen alle Heere stets nur wenige hundert Mann. Da wird jeder Einzelne gezählt und oft sind die Lords froh, wenn sie überhaupt 70 oder 80 Krieger zusammen bekommen. Das ist ein Punkt, den ich dann doch seltsam finde, denn selbst für damalige Verhältnisse müßten doch weitaus mehr Männer zur Verfügung gestanden haben, ohne dass Britannien gleich dicht besiedelt war. Möglich ist es natürlich allemal, wenn jeder König nur höchstens 200 Krieger zur Verfügung hatte, gleicht es sich ja aus. Aber die Historie nennt stets weitaus höhere Zahlen. Schon der römische Offizier Lucius Artorius Castus (im 2. Jh. n. Chr. in Britannien stationiert und der eine Art Urartus gewesen sein könnte) befehligte ein Heer von mindestens 5500 sarmatischen Reitern.

Dennoch ist auch dieser Band wieder absolut fesselnd erzählt und geschrieben, da so ungemein realistisch, und es sollte einen nicht wundern, wenn dieses Werk auch irgendwann in 500 Jahren in die Legende eingebaut und neu erfunden wird. Irgendwann weiß man dann gar nicht mehr, was ist wahr und was ist Phantasie...