Les Misérables

Musical von Alain Boublil und Claude-Michel Schönberg

  Nach dem Roman von Victor Hugo

Musikalische Leitung: Eberhard Fritsche

Inszenierung:Ulf Reiher

Landestheater Detmold am 30.04.2007

 

Foyer im Landestheater Detmold
Foyer im Landestheater Detmold

Besetzung: (Hauptrollen)    

 

 Jean Valjean: Kristian Vetter

Javert: Wolfgang von der Burg

Thénardier: Manfred Ohnoutka

Marius: Christian Alexander Müller

Enjolras: Veit Schäfermeier

Fantine: Ulrike Johanna Jöris

Mme.Thénardier: Friederike  Hansmeier

Eponine: Mara Dorn

Cosette: Annette Blazyczek

Gavroche: Paul Haselier

Kleine Cosette: Charlotte Mallet

 

Christian Alexander Müller als Marius
Christian Alexander Müller als Marius

Das letzte Mal hatte ich das Musical 'Les Misérables' vor ungefähr neun Jahren in Duisburg gesehen und     das war  natürlich ziemlich  opulent, schon  allein von  der Größe  der Bühne her und der Ausstattung - doch mein  Besuch im  Landestheater  Detmold zeigte mir, dass es solch einer Ausstattung gar nicht bedarf, wenn die  Darsteller so überragend sind, wie das jetzt der Fall war. Da reichen wirklich wenige Requisiten, das richtige Licht und ein bisschen Nebel, wie das ja auch in den meisten Opernhäusern der Fall ist...Eigentlich reiste ich nur nach Detmold, um Christian Alexander Müller nach seinem grandiosen Phantom in Essen diesmal in der Rolle des Marius zu sehen, was ja mit sich brachte, dass ich 'so nebenbei' auch mal wieder 'Les Misérables' sehen würde.

 

Das Theater selbst war schon eine mehr als schöne Überraschung - schön alt, urig mit verwinkelten Korridoren, knarrenden Dielen, viel Holz, glitzernden Kronleuchtern und ein gemütlicher, nicht zu ausladender Zuschauerraum, mit liebevoll bemalten Rängen und roten Samtsitzen.

Vor der Aufführung konnte man durch eine geöffnete Logentür die Proben auf der Bühne sehen und hören. Die kleine Cosette sang gerade, als ich vorbeikam.

 

Kronleuchter in einem Foyer des Theaters Detmold
Kronleuchter in einem Foyer des Theaters Detmold

 

Zur Show:

 

Am Rand der Bühne waren die Orte des Geschehens und die jeweiligen Jahreszahlen der folgenden Szenen angeschlagen und wurden dann dem Geschehen entsprechend, beleuchtet. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob das in Duisburg auch so war, aber es war natürlich hilfreich für die-jenigen, die das Musical noch nicht kannten, denke ich mir mal.

Christian Alexander Müller als Marius würde erst nach etwa einer Stunde auf der Bühne erscheinen, so dass man sich zunächst entspannt zurückzulehnen gedachte...doch es blieb bei diesem Gedanken, denn es war von Anfang an mitreißend!!

Vom 1. Rang aus hatte ich einen guten Blick auf Bühne und Orchestergraben, Musik und Sound kamen auch sehr gut rüber.

Beeindruckend schon die Anfangsszene im Gefängnis, mit gestiefelten Wärtern, die die Peitschen auf den Bühnenboden knallen ließen und dazwischen krochen die Gefan-genen am Boden herum, Kreaturen, die zu jener Zeit noch weniger als nichts wert waren...Jean Valjean gefiel mir nicht gleich von Anfang an, dafür umso mehr der Bischof, mit einer angenehm warmen Stimme.

Die Ränge im Zuschauersaal
Die Ränge im Zuschauersaal

Aber was Jean Valjean (Kristian Vetter) betraf, so änderte ich meine Meinung dann ziemlich schnell, da ich begriff, dass er seinen Gesang auch der jeweiligen Situation anpasste. Einmal sang er kratzig, einmal dunkel, einmal berührend hoch und brachte so natürlich auch authentisch alle Szenen mit Leidenschaft nahe. 

 

Schlussapplaus Foto (c) Annette
Schlussapplaus Foto (c) Annette

Der Polizeispitzel Javert ist eine Gestalt die ich schon beim Lesen des Buches nicht mochte, weil er unserem Helden Valjean, der sich nun doch zu den Guten bekehrt hatte (obwohl er nie wirklich schlecht war) und nur wegen einem gestohlenen Brot o.ä. die harte lange Gefängnisstrafe abgesessen hatte, ständig verfolgte und darauf lauerte ihn irgendwann bei einem Fehler zu erwischen. Deshalb kann ich nicht sagen, ob Wolfgang von der Burg jetzt gut oder schlecht in der Rolle war, ein nerviger, aufdringlicher Geselle war er allemal und was den Titel 'Sterne' angeht, da ist wohl wieder Christian Alexander Müller, der ja auch schon den Javert gab, unschlagbar - aber natürlich auch optisch. 

Der Javert in Detmold hatte keinen langen Zopf, aber wer weiß ob ihm der gestanden hätte ;-) Stattlich war er aber auch, außerdem groß und dunkel und bedrohlich.

In Erinnerung blieb mir der Klang seines Spruches zu Fantine; 'Pflicht ist Pflicht. Tu sie gern. Dann gefällst Du Gott dem Herrn.' Wie er sich später in die Seine stürzte, sah ich kaum, da mein Blick vom Seitenrang auf die Bühne nicht die ganze linke Seite mit einschloß :-(

Fantine (Ulrike Johanna Jöris) besitzt ein tiefe, aber klare, schöne Stimme, die mir sehr gut gefiel 'Ich hab' geträumt vor langer Zeit' und auch ihre Darstellung der armen Gebeutelten war überzeugend sowie später in der eigentlich gar nicht zu ihr passenden Prostituierten. Sehr schön war auch der Chor des Damen-Ensembles.

 

Ein weiteres Highlight waren natürlich die Wirtsleute Thénardier (Manfred Ohnoutka und Friederike Hansmeier) obwohl letztere meiner Meinung nach noch etwas 'dreckiger' hätte klingen können, aber war natürlich so auch ok. und Manfred Ohnoutka war einfach genial als halunkenhafter Wirt. Genauso stellt man ihn sich ja auch im Buch vor und sein 'Herr im Haus' sowie das bunte Treiben auf der inzwischen zur Spelunke mutierten Bühne, war herrlich

Nicht zu vergessen natürlich die kleineCosette (Charlotte Mallet), die mit heller klarer Stimme 'In meinem Schloss' sang, dabei auf dem Boden saß und bunte Becher sortierte, die sie nacheinander einen schräg gestellten Besenstiel hinaufklettern ließ, was ein leises Klickern verursachte und der ganzen Szene so noch einen gewissen Beiklang verlieh - war einfach schön und rührend natürlich auch!

Bekanntlich wurde sie ja dann von Jean Valjean den Wirtsleuten abgekauft und ein weiterer Zeitsprung in der Geschichte (bzw. im Musical) fand statt; Cosette ( Annette Blazyczek) und Eponine (Mara Dorn) inzwischen erwachsen, ließen erahnen, dass nun jeden Moment ein gewisser Marius auf die Bühne spurten würde.

 

Marius (Christian Alexander Müller) erschien dann auch schon bald mit Eponine am Rockzipfel. Mara Dorn hat mir in der Rolle auch sehr gut gefallen, ständig kämpfte sie um und für ihren Marius und brachte ihn dann auch noch zu seiner eigentlichen Liebe Cosette und jetzt kommt auch endlich das Duett 'Mein Herz ruft nach Dir', und wer könnte das besser singen, alsChristian Alexander Müller, aber auch Annette Blazyczek passte hier stimmlich und darstellerisch, und obwohl Eponine einem leid tut mit ihrer unerwiderten Liebe zu Marius, so muss man sich doch eingestehen, dass sie nicht wirklich zu ihm passen würde.

Sehr eindringlich und tiefgehend war dann allerdings später die Szene, in der Eponine in Marius' Armen starb.

 

Doch zuvor kam Veit Schäfermeiers Auftritt als Enjolras solch eine hohe, fast schrille Stimme, hatte ich noch nie gehört, (von einem Mann!) und obwohl ich ja eher Opernstimmen mag, so war ich doch zunehmend begeistert. Er übertönte alle (fast alle) und besaß auch eine grandiose Ausstrahlung, so groß und schlank und ganz in schwarz, wenn er da fahnenschwingend über die Bühne marschierte oder auch nur als Silhouette im Hintergrund zu sehen war. Interessant wenn er auf Christian alias Marius traf und zwei Stimmen die unterschiedlicher nicht sein können, das Theater erbeben ließen!!

 

Aber wirklich! Das war grandios! Christian war grandios und Veit ebenso!

Wenn sie gegeneinander ansangen, der eine tief, der andere hoch, aber mit unglaublicher Stimmgewalt, da kam keiner mehr mit.

 

Und unsereiner saß da nur noch und hielt den Atem an.

Man trauerte fast wirklich, als Enjolras von einer Kugel getroffen wurde, doch bekanntlich und Gott sei Dank, überlebte ja 'unser' Marius, mit dem Jean Valjean nun seine liebe Not hatte. Erst zerrte er ihn in ein dunkles Kanalloch und dann erschien er gleich zweimal hintereinander mit Christian äh Marius auf dem Buckel im Ausgang der Kanalisation. Er legte ihn liebevoll besorgt, trotz eigener Leiden, am Boden ab und dort lag er, von Nebeln umwabert, während der herangeschlichene Thenardier sich bediente.

 

Er klaute den Ring, den Marius trug und dessen Glitzern schon extrem aufgefallen war, während er die sterbende Eponine in den Armen hielt.

Marius landet ja bekanntlich bei Cosette und Jean Valjean und wird dort gesund gepflegt, was ein weiteres Highlight mit sich bringt...Christian sang, in Erinnerung an die toten Freunde, 'Dunkles Schweigen an den Tischen'. Im Zuschauerraum herrschte derweil 'Totenstille', nicht einen Ton wollte man von diesem grandiosen Sänger, der da so einsam und alleine in seinem Rollstuhl saß, verpassen.

 

Ja, da saß 'ES' unser geliebtes Phantom und war auf einmal jemand ganz anderer, kaum wiederzuerkennen, wäre da nicht diese einzigartige Stimme.

Bezaubernd war auch der kleine Straßenjunge Gavroche (Paul Haselier),besonders in jener Szene, als er von Kugeln quasi durchsiebt wurde, während er über die Barrikaden kletterte, sich mit letzter Kraft noch irgendwo festhielt und mit immer leiser werdender Stimme schließlich sein Leben aushauchte, einfach genial.

 

Mara Dorn, Ulrike Blazyczek, Christian Alexander Müller
Mara Dorn, Ulrike Blazyczek, Christian Alexander Müller

Die Hochzeit von Marius und Cosette, war dann abermals eine Ohr- und Augenweide - das Brautpaar ganz in Weiß und vor allem 'der Überfall' der Thénadiers an der Hochzeitstafel, die sie arg ramponiert zurückließen.

Am Ende dann noch einmal das gesamte Ensemble auf der Bühne, das war überwältigend.

Nach neun Jahren 'Les Mis - Abstinenz' war ich restlos begeistert. Schlecht fand ich niemanden, eher herausragend - und das waren an diesem Abend für mich Christian Alexander Müller, Veit Schäfermeier und Manfred Ohnoutka. 

Der Vorhang fällt! Die Show ist aus! Es war grandios! Wir geh'n nach Haus'...

 

Schlussapplaus
Schlussapplaus