Jekyll & Hyde

03. Juli 2008 - 20.00 Uhr Stadttheater Bielefeld

Musical von Steve Cluden und Frank Wildhorn

Buch und Liedtexte von Leslie Bricusse, Musik von Frank Wildhorn

Musikalische Leitung: William W. Murta

Inszenierung/ Choreographie: Leonard C. Prinsloo

Bühne/Kostüme: Christof Cremer

Dramaturgie: Jon Philipp von Linden

 

 

 

Nach dem Roman von Robert Louis Stevenson 'Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde' 1886 Uraufführung 24. Mai 1990 im Alley Theatre Houston, Texas

 

 

Stadttheater Bielefeld
Stadttheater Bielefeld

 

Im Stadttheater Bielefeld von 02.09.07 - 04.07.08 aufgeführt.

 

 

 

Darsteller: (Hauptrollen)

 

 

Jekyll / Hyde
Lucy
Lisa
Utterson
Sir Danvers Carew
Nellie / Lady Beaconsfield
Simon Stride
Spider / Lord Savage
Poole / Bisset / Drogenhändler
Bischof von Basingstoke
General Lord Glossop
Sir Archibald Proobs             
Veit Schäfermeier
Roberta Valentini
Cornelie Isenbürger
Steffen Häuser
Eberhard Storz
Monika Mayer
Olaf Mayer
Carlos H. Rivas
Ulrich Neuweiler
Vincenzo Cassone
Lutz Laible
Krzysztof Gornowicz
           

   

v.l. Roberta Valentini, Veit Schäfermeier, Cornelie Isenbürger
v.l. Roberta Valentini, Veit Schäfermeier, Cornelie Isenbürger

 

Mein Bericht:

 

Eigentlich sollte es ja die Derniére sein, aber dann wurde der Termin kuzfristig um einen Tag verschoben und wir hatten eine 'normale' Vorstellung, was mich aber nicht weiter störte, schließlich sah ich dieses Musical zum ersten Mal...

Aus unzähligen Filmen kennt man das Thema um Dr. Jekyll & Mr. Hyde ja schon und ich war gespannt, wie es im Musical auf der Bühne sein würde. 

Annette hatte es ja schon mehrere Male gesehen und in den höchsten Tönen davon geschwärmt, vor allem soll Veit Schäfermeier in der Hauptrolle so klasse sein ;-)!

Ich wurde nicht enttäuscht, aber das hatte ich auch gar nicht erwartet. Es war mitreißend, leidenschaftlich, spannend und natürlich auch ein bisschen gruselig.

 

Zur Inszenierung:

1. Akt

Es begann mit einer Szene in einer Art Psychiatrie, 'London, St. Jude Hospital'. Rings um die Bühne große Gitter mit Räderwerk dahinter (dieser Bühnenschmuck blieb dann auch fester Bestandteil), Betten mit einer Art Maschendraht umzäunt, einige Gestalten darin die geistig umnachtet wirkten und mittendrin ein Bett mit dem sterbenden Vater von Dr. Jekyll (Veit Schäfermeier) der am Bettrand hockte und seinem Vater versprach seine Experimente die das Gute im Menschen vom Bösen trennen, weiterzuführen, um Tod und Wahnsinn zu bekämpfen. Sir Danvers Carew rät ihm davon ab 'Fern und im Dunkeln' u. 'Ich muß erfahren'. Die Beleuchtung war düster, passend zur unheimlichen Atmosphäre. Veit Schäfermeier war als Dr. Jekyll in einen grau-braunen Anzug gekleidet und trug eine Langhaarperrücke, die im Nacken zu einem Zopf gebunden war...

Als das Gremium Dr. Jekyll's Antrag auf Fortführung der Experimente ablehnt, ist er verzweifelt, doch er will nicht aufgeben und seine Forschung privat weiter betreiben.

Aber zunächst versammelt sich die feine Gesellschaft bei Sir Danvers Carew, um die Verlobung mit dessen Tochter Lisa (Cornelie Isenbürger) und Dr. Jekyll (Veit Schäfermeier) zu feiern. Dr. Jekyll ist ein hochangesehener Bürger und obwohl er zu spät zur Feier kommt, hält Lisa bedingungslos zu ihm
.

 

 

 

 

Sehr schön und bunt gestaltet war diese Feier, tolle Kostüme, prachtvolle Kleider im Stil des 19. Jahrhunderts, ein Rausch an Farben und Glitzer und Glamour - und das erste Highlight, das romantisch anmutende Duett Lisa / Dr. Jekyll 'Nimm mich wie ich bin' war wunderschön und erzeugte die erste Gänsehaut. Veit's Stimme ist und bleibt ein Phänomen...!

 

 

Roberta Valentini
Roberta Valentini

Später dann das krasse Gegenteil; im Nachtclub 'Rote Ratte' gibt Jekyll seinen Junggesellenabschied. Die gesamte Szenerie war nun in rötliches Licht getaucht und das Personal des Clubs trug rot-silberne eng anliegende Glitzerklamotten, ziemlich modern, was ein krasser Gegensatz zum Stil des 19. Jahrhunderts war. Es hätte auch ein Club in heutiger Zeit sein können. Der Besitzer und Oberzuhälter dieses Clubs, Spider (Carlos H. Rivas), fiel einem nicht nur durch sein brutales Verhalten gegenüber seiner 'Mädchen' auf, sondern er wirkte passend düster, mit langem, dunklen Haar, bleichem Gesicht und erinnerte stark an einen Vampirfürsten. Dann ließ er seinen kostbarsten Schatz des Clubs auftreten - die schöne, faszinierende Lucy (Roberta Valentini), welche ein aufregendes rotes, franseliges Etwas über einem Hauch von Schwarz trug, und die nun mit großer exotischer und erotischer Ausstrahlung und den passenden Bewegungen und Gebärden, sowie mit tollem Stimmvolumen 'Schafft die Männer ran' sang. Wow, das war Extraklasse und man glaubte sich nicht mehr in einer düsteren Londoner Absteige, sondern fast im Moulin Rouge...


Später kommt Lucy Dr. Jekyll näher und beide verspüren wohl eine große Anziehungskraft zueinander... Jekyll hat ein schlechtes Gewissen Lisa gegenüber, deshalb bricht er schließlich überstürzt auf, dennoch überreicht er Lucy eine Visitenkarte von sich...Lucy wird von Spider mit Prügel bestraft, da es ihr nicht gelang Jekyll zurückzuhalten und ihm mehr Geld abzuknöpfen.

 

 

 

Dr. Jekyll kehrt aufgewühlt in sein Labor zurück und beschließt sein Elixier an sich selbst auszuprobieren (Dies ist die Stunde). Auch dies war Extraklasse! Veit's grandiose, volle und sichere Stimme füllte jeden Winkel des Saales und er erntete dafür tobenden Applaus, ebenso wie zuvor schon Lucy (Roberta Valentini) und beim Duett mit Lisa (Cornelie Isenbürger)! Spätestens jetzt riß einen die Begeisterung für das Stück vollends mit.

Dann kam die Verwandlung - doch statt das Gute abzuspalten, löste sich das Böse aus Jekyll, er verwandelte sich unter Krämpfen in Mr. Hyde. Veit Schäfermeier spielte diese Verwandlung wirklich absolut grandios!! Er wälzte sich am Boden, bäumte sich auf und scheute sich nicht vor zweideutigen Bewegungen...

Eine Besonderheit vielleicht - während der Verwandlung krochen leise finstere Gestalten aus den Ecken und Winkeln auf ihn zu, umkreisten und umgarnten ihn und verschwanden erst wieder, als die Verwandlung nachließ...

Zuvor aber rennt er auf die Straße 'So lebendig' und lauert Lucy auf, die er niederschlägt und 'vergewaltigt' ? Den Anschein hat es zumindest...

 

 

 

Lucy erkennt ihn nicht, denn in seinem Wahn sieht Jekyll/Hyde ganz anders aus als zuvor. Wirres Haar, wilder Gesichtsausdruck u.s.w. und außerdem wird es wohl dunkel gewesen sein auf Londons Straßen...

Später erscheint sie Dank der Visitenkarte bei Dr. Jekyll, der sich inzwischen wieder zurückverwandelt hat, aber desillusioniert wirkt, doch er versorgt ihre Wunden, die er ihr zuvor als Mr. Hyde zugefügt hat...'Freundlichkeit, Zärtlichkeit' u. 'Jemand wie Du'.

Längst haben die Menschen um Jekyll eine Ahnung, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Sein Freund Utterson versucht ihn erfolglos zur Rede zu stellen, Butler Poole bemerkt seltsame Vorgänge im Arbeitszimmer des Doktors und Mr. Danvers warnt seine Tochter Lisa vor deren Verlobtem, denn auch er ahnt Schlimmes...

Doch Jekyll macht weiter und diesmal muß Bischof Basingstoke, der gerade seinen Lustknaben in der 'Roten Ratte' abliefert, dran glauben. Es gibt eine Explosion, mit kurzem grellen Feuerschein und dann...

ist Pause...

 

2. Akt

Es geschehen immer mehr Mordfälle, Hyde hat es vor allem auf die Mitglieder jenes Gremiums abgesehen, die ihm zuvor seine Experimente verwehrten. Und immer wenn Hyde unterwegs ist, folgen ihm auch jene gruseligen, dunklen Dämonen. In seinem Arbeitszimmer lauern sie in ringsum aufgestellten Spiegeln und wenn Jekyll sich in Hyde verwandelt, kriechen sie hervor und spornen ihn an Böses zu tun...

 

 


 

Jekyll's Verlobte Lisa derweil schnüffelt heimlich in seinem Labor herum und wird auch prompt von ihm ertappt. Er ist zunächst außer sich, doch Lisa schafft es mit ihrem Liebreiz und einem Lied ihn wieder zur Vernunft zu bringen ' Da war einst ein Traum' und Jekyll erkennt, dass seine Experimente außer Kontrolle geraten sind. Er versichert Lisa, dass er sie noch immer liebt und verspricht ihr seine ihr unverständlichen Experimente einzuschränken bzw. aufzugeben. Lisa ahnt noch immer nichts vom ganzen Ausmaß, sie möchte nur, dass er mehr Zeit für sie hat und wieder der alte Henry Jekyll wird, denn auch diese Seite fängt langsam an düster und ausgemergelt zu erscheinen.

Doch auch Lucy liebt Jekyll und beide Frauen sinnen verträumt unabhängig voneinander über Jekyll nach 'Nur sein Blick'.

Utterson 'erwischt' Hyde in seinem Labor und vor dessen Augen verwandelt sich dieser zurück in einen verzweifelten Jekyll, der seinen Freund bittet Lucy zu warnen und aus London wegzuschicken 'Angst'

Natürlich folgt die erstaunte Lucy dieser Aufforderung nicht, sondern träumt abends in ihrem Bett, nun in ein blütenweißes Nachthemd gekleidet, von einer Zukunft mit dem heimlich Geliebten 'Ein neues Leben'.

 

 

 

 


 

Hyde erscheint in ihrer Kammer, Lucy erkennt ihn als Jekyll, doch dann sticht er sie auch schon im Wahn und aus Eifersucht auf Jekyll nieder. Das blütenweiße Nachthemd färbt sich rot...

Lucy ist tot, wird in einer beeindruckenden Prozession davongetragen. Neues Bühnenbild - das Innere einer Kirche, eine Hochzeitsgesellschaft. Man ahnt wer das Brautpaar ist, und man kann es kaum glauben. Wird Lisa wirklich ahnungslos einen mehrfachen, brutalen Mörder heiraten?

Jekyll erscheint und sieht ganz geschniegelt und gebügelt aus wie jeder ihn kannte. Ist nun alles vorbei? Hat er Hyde, das Böse in sich besiegt? Alles scheint wieder normal, doch dann verwandelt er sich vor aller Augen und unter Krämpfen in Hyde zurück. Lisa hofft ihn noch retten zu können, aber zu spät...

 

 


 

Meine Meinung:

Wie die zahlreichen Filme, ist natürlich auch das Musical sehr, sehr düster. Man vergaß teilweise fast, dass dies ein Musical ist und fühlte sich mitten hinein versetzt in die düstere Story, so als sei man mitten in einem der Filme um Jekyll und Hyde gelandet. Kostüme und Bühnenbild waren nicht überladen, eher schlicht, aber alles wirkte sehr authentisch. Wahrscheinlich vor allem auch durch die grandiosen Darsteller. Allen voran zwei mit ganz besonderer Ausstrahlung und großen Stimmen: Veit Schäfermeier und Roberta Valentini.

Veit Schäfermeier hatte ich ja schon vor über einem Jahr in Detmold bei 'Les Misérables' als 'Enjolras' entdeckt und bewundert, diesmal sah man ihn wieder in einer ganz anderen Rolle. Er war wirklich der absolute Wahnsinn, nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch war er ein mehr als überzeugender Jekyll/Hyde. Vor allem die Rolle des Hyde schien ihm alles abzuverlangen, aber er hat das grandios gemeistert. Hat sich was getraut, schonungslos, aber ohne Übertreibung!

Roberta Valentini habe ich zum ersten Mal gesehen und vom ersten Moment an verzauberte sie das Publikum mit ihrer Ausstrahlung und der warmen, klaren Stimme. Ich war sofort begeistert. Auch sie war sich nicht zu schade, die Rolle des leichtlebigen Mädchens 'Lucy' authentisch darszustellen, echt Klasse!!

Für mich, aber ich glaube auch für den größten Teil des Publikums, waren Veit Schäfermeier und Roberta Valentini die Stars an diesem Abend auf der Bühne. Auffällig war auch Carlos H. Rivas als 'Spider' der wie schon zuvor beschrieben etwas 'Vampirisches' an sich hatte...aber auch Lisa 'Cornelie Isenbürger' möchte ich erwähnen, sie hatte natürlich die etwas undankbare Rolle der 'lästigen Verlobten' aus reichem Hause und mußte demnach sehr brav und gesittet wirken. Doch auch sie hat eine sehr schöne, etwas höhere Stimme als Roberta Valentini und gefiel mir auch sehr gut!