Chess

 

Musical von Benny Andersson, Tim Rice und Björn Ulvaeus

Uraufführung am 14. Mai 1986, Prince Edward Theatre, London

 

 

Aalto Theater Essen, Samstag 04. Oktober 2008, 19.00 Uhr

 

 

Bühnenbild im Aalto Theater Essen
Bühnenbild im Aalto Theater Essen

 

Musikalische Leitung:
Inszenierung u. Choreographie: 
Bühne:
Kostüme:
Licht:
Choreinstudierung:
Dramturgie:
Heribert Feckler
James de Groot u. Paul Kribbe
Dirk Becker
Martina Feldmann
Dirk Beck
Alexander Eberle, Inna Batyuk
Ina Wragge
     

 

 

 

Darsteller:

Frederick Trumper:

Florence Vassy:

Anatoly Sergievsky:

Svetlana Sergievsky:

Arbiter:

Alexander Molokov:

Walther de Courcey:

Jane Richardson:

Bürgermeister:

Beamter:

Kameramann:

Maskenbildnerin:

Tontechniker:

Leonid Viigand:

 

Kai Hüsgen

Femke Soetenga

Serkan Kaya

Claudia Dilay Hauf

Romeo Salazar

Michael Haag

Günter Kiefer

Marie-Helen Joel

Peter Holthausen

Ulrich Wohlleb

Michael Kunze

Marion Thienel

Bruce Cox

Swen Westfeld   


Opernchor des Aalto Theaters

Ensemble des Aalto Ballett Theaters Essen

Statisterie des Aalto - Theaters

United Rock Orchester

 

 

Das Musical orientiert sich an den Schachweltmeisterschaften 1972 und 1978, sowie den Spielern Bobby Fischer, Boris Spasski, Anatoli Karpow und Viktor Kortschnoi

 

1. Akt

 

(Ort und Zeit )1980 in Meran

Die Entstehung und Herkunft des Schachspiels wird erzählt. (Gesprochen wurde deutsch, gesungen englisch mit deutschen Übertiteln, die an einer elektronischen Tafel über der Bühne angezeigt wurden).

 

Der Chor erschien verkleidet als überdimensionale Schachfiguren auf der Bühne.(Story of Chess). Was im grellweiß-bläulichen Licht sehr beeindruckend und fast mystisch wirkte. Die eine Hälfte des Chores trug weiße und die andere logischerweise schwarze Kostüme. Schlicht, lang und einfach geschnitten, dazu trugen die Darsteller Masken in der Farbe ihres jeweiligen Kostümes und große Kreuze auf den Köpfen. (Alles Könige...) Aber die Wirkung war wie bereits erwähnt grandios, wirklich toll gemacht!!

 

Die Bühne war in weiße Quadrate aufgeteilt, die sogar über dem Orchestergraben 'schwebten'. Später würde sich ein Teil der Show darauf abspielen, so dass man in den ersten Reihen sehr nah am Geschehen war.

 

Die Schachweltmeisterschaft steht kurz vor ihrem Beginn. 

 

Die Szenerie wechselt, die Einwohner von Meran feiern. Auf der Bühne wimmelt es nun von bunten Gestalten in Tracht, die tanzen und singen ( Merano ). Mittendrin der überhebliche amerikanische Spieler 'Frederick Trumper' (Kai Hüsgen) der vor allem eine gute Show abliefern will und schon sehr siegessicher ist. Diese Rolle spielt auch Henrik Wager (Jesus Christ Superstar), doch heute war zum ersten Mal Kai Hüsgen dabei und gleich zu Anfang hatte er ein wenig Pech da sein Mikrofon nicht funktionierte...doch die Zuschauer hatten Verständnis und leisteten einen extralauten Applaus ;-)

 

Zwischendurch wurden immer wieder Interviews mit den Schachspielern eingebaut, mit gleichzeitiger Übertragung auf eine in der Bühnenmitte schwebenden Leinwand. Ganz wie aus dem Leben gegriffen wurden die 'Stars' hier ständig von einem Kamerateam verfolgt und man konnte viele Szenen doppelt sehen - einmal im Original und einmal auf dieser Leinwand. Die Fernsehreporterin 'Jane Richardson' (Marie-Helen Joel), wirkte dabei so echt, als sei sie direkt der Zeit damals entstiegen. Wie eine typische, aufgedonnerte, etwas steif wirkende amerikanische Showdame eben, mit 'Betonfrisur' und zu grellem Make-Up, sogar die Altersfältchen um die Augen hatte man nicht vergessen ihr aufzukleben...;-) Und zwischendurch bekommt sie natürlich auch immer wieder die Nase gepudert.

 

Frederick Trumper's Gegner wird der Russe 'Anatoly Sergievsky' (Serkan Kaya) sein, der von seinem Manager, dem KGB - Agenten Molokov (Michael Haag) den Rat bekommt die Angst des Gegners zugunsten Russlands auszunutzen, doch Anatoly ist die politischen Intrigen leid, er will doch nur Schach spielen. (Where I want to be). Die beiden Spieler Trumper und Sergievsky treffen am Tisch zusammen. Anatoly (vornehm im edlen grauen Anzug) reicht dem Amerikaner (lässig und hemdsärmelig) die Hand, doch dieser ignoriert arrogant die nette Geste des Russen. (Letzterer wird sich dafür aber noch revanchieren können).

 

Die Wettkämpfe beginnen. 

Ein Spieltisch stand in der Mitte der Bühne und von beiden Seiten wurden Teile einer Zuschauertribüne in den Hintergrund geschoben, besetzt natürlich mit Zuschauern, die die Spieler anfeuerten und auch klatschten. Im Vordergrund stand wieder die Reporterin Jane Richardson (natürlich in neuem Outfit) mit ihrem Kamerateam und kommentierte die Wettkämpfe, was man erneut gleichzeitig auf der großen Leinwand über der Bühnenmitte verfolgen konnte.

 

Die ersten beiden Durchgänge gewinnt der Amerikaner tatsächlich, beim letzten Durchgang aber merkt er dass er verliert und verläßt mit wütenden Gesten die Schach-Arena. Seine Freundin und Managerin 'Florence Vassy' (Femke Soetenga) muß zurückbleiben um das Verhalten ihres Spielers vor den Russen zu rechtfertigen. 

Dank erntet sie dafür von Frederick nicht, im Gegenteil, er behandelt sie genauso herablassend und arrogant wie alle anderen auch.

 

Außerdem erfährt man, dass Florence Ungarin ist, die einst bei einem Volksaufstand, der durch die Russen niedergeschlagen wurde, mit ihrer Mutter das Land verlassen mußte. Was aus ihrem Vater wurde erfuhr sie nie...(Quartett / Budapest is Rising / Nobody's Side)

 

Anatoly gewinnt das Spiel und Florence verläßt Frederick, der in einem äußerst bewegendem Song sein Leid klagt (schwierige Kindheit u.s.w.)(Florence Quits / Pity the Child)

Nach der Blamage des Amerikaners in der Schach-Arena, arangieren Florence und Molokov ein Treffen ihrer Spieler, wobei sich der Amerikaner verspätet, so dass Florence und Anatoly sich eine zeitlang allein am Treffpunkt gegenüber stehen. Sie verlieben sich ineinander. (Mountain Duet) 

 

Um mit Florence in New York leben zu können, ersucht Anatoly Asyl bei der amerikanischen Botschaft.

Wie aus dem Nichts wurden nun auf der Bühne die Umrisse von Häusern zusammengeschoben, eine Stadt entstand.

Anatoly (Serkan Kaya) erklimmt einen großen Würfel in der Mitte (ein Hausdach?) und singt sehr ergreifend die Hymne an sein Land. (Embassy Lament / Athem ) 

 

Ein Jahr später in Bangkok:

 

Die Bühne hatte sich in ein buntes Durcheinander mit asiatischem Flair verwandelt. Leicht bekleidete Halbweltdamen umschwirrten umherwandelnde Touristen, ein Trupp buddhistischer Mönche durchquerte die Szenerie, Liebespaare flirteten unter Palmen. Über allem klang in bombastischem Sound der Song 'One Night in Bangkok' (Wer kennt ihn nicht...?)

 Die nächste Schachweltmeisterschaft steht an und diesmal tritt Anatoly gegen einen neuen Herausforderer an: 'Leonid Viigand' (Swen Westfeld).Anatoly's ehemaliger Gegner 'Frederick Trumper' (Kai Hüsgen) spielt seit seiner letzten Niederlage kein Schach mehr, ist aber als Co-Kommentator für's Fernsehen trotzdem vor Ort.

 

Anatoly ist mit Florence, die jetzt seine Freundin ist, angereist, sowie mit seinem neuen Manager dem Undercover-CIA-Agenten 'Walther de Courcey'(Günter Kiefer). Da Anatoly ja jetzt für Amerika antritt schließt sein ehemaliger Couch Molotov mit de Courcy einen Deal ab, der Viigand den Sieg sichern soll. Dafür wollen die Russen im Gegenzug Florences Vater aus der Gefangenschaft freilassen. (The Deal) 

 

Frederick derweil trifft im Fernsehstudio auf Anatoly und reicht diesem die Hand. Jetzt ist es Anatoly der diese ignoriert. Frederick stellt ihm unangenehme Fragen zu seiner in Russland zurückgelassenen Ehefrau Svetlana (Claudia Dilay Hauf), worauf Anatoly abweisend reagiert. Sie ist ebenfalls in Bangkok und beide Frauen sinnen nun in ergreifenden Liedern über diesen Mann nach. (I know him so well). Seltsamerweise will Trumper Anatoly helfen und gibt ihm Tipps über die Schwachstellen im Spiel des Gegners Viigand. Er behauptet, dass er es nur sportlich meine, in Wahrheit aber hat er vielleicht noch ein schlechtes Gewissen über die Vorkommnisse von vor einem Jahr.

 

Der Wettbewerb beginnt:

 

Eine riesige goldfarbene Buddhastatue nahm das gesamte Bühnenbild ein, dann wurde sie auseinander- und jedes Teil in die entgegengesetzte Richtung geschoben. Beide Teile blieben im Hintergrund und Halbschatten, so dass es aussah, als befänden sich zwei dieser riesigen Statuen dort. Zeitgleich rollten wieder Tribünen hinein und diesmal wurden sie von lebensgroßen Schachfiguren bevölkert - wieder jenem Chor, der schon am Anfang so beeindruckend auftrat.

 

Und genauso sang er nun auch - im Grunde wurden nur die Namen der vergangennen Schachweltmeister genannt, aber das in so beeindruckendem choralem Gesang, dass es auch einer Oper entsprungen sein könnte. WOW! Das war wirklich Gänsehautfeeling pur!! Man wünschte sich, dass diese Szene ewig dauern möge, dazu dann noch der überwältigende Anblick der 'lebendigen' Schachfiguren im bläulich-weißen Zwielicht. Das war grandios!!

 

 

Dann beginnt das Spiel und entgegen aller Abmachungen gewinnt Anatoly das Match. (Endgame 1, 2, 3, 4). Nach dem Match treffen Anatoly und Florence noch einmal aufeinander und gestehen sich ein, dass sie nicht zusammen passen, da ihre Ideale zu unterschiedlich sind. (You and I / Anthem Reprise)

 

 

Zur Inszenierung:

 

Einfach grandios!! Ich hätte nicht gedacht, dass man ein Musical über Schach so spannend darstellen kann! Die Musik allein ist ja schon Extraklasse und ich kenne sie auch schon seit mindestens 20 Jahren, aber das Musical selbst habe ich jetzt zum ersten Mal auf der Bühne gesehen. Jeder Song in diesem Musical ist ja im Grunde schon ein Hit für sich (kein Wunder, stammt es doch von den ehemaligen ABBA-Komponisten Benny Andersson und Björn Ulvaeus!) Einige Songs erinnern doch stark an den bekannten ABBA-Sound, aber ebenso sind auch viele andere Musikrichtungen vorhanden, bis hin zu operhaften, choralen Gesängen, die durch Mark und Bein gehen. Hört man nur die Musik, könnte man die auch glatt in andere Musical-Dramen einordnen, an Schach denkt man da zuletzt.

 

Natürlich war die Inszenierung im Aalto Theater Essen auch wieder einmal spitzenklasse! Schon allein die Bühnentechnik läßt ja sehr viel zu. 

Die Darsteller waren alle grandios. Von den Hauptdarstellern hat mir Kai Hüsgen genauso gut gefallen wie Serkan Kaya und auch die beiden Frauen Femke Soetenga und Claudia Dilay Hauf.  Femke mit etwas höherer und Claudia Hauf mit leicht rauchiger, sehr beeindruckender Stimme!! Aber auch Romeo Salazar als Arbiter besaß große Ausstrahlung und eine tolle, kraftvolle Stimme!! 

 

 

Zur Fotogalerie: